Ratgeber für den Kauf von Wolle & Schurwolle: kreative Ideen zum Stricken und Häkeln

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Ratgeber für den Kauf von Wolle & Schurwolle: kreative Ideen zum Stricken und Häkeln

Wenn die Tage wieder kürzer werden und die Abende länger, greift der ein oder die andere wieder häufiger zur Häkel- oder Stricknadel. Kein Wunder, denn Handarbeit ist nicht nur ein schöner Zeitvertreib, es bringt auch wunderschöne Ergebnisse mit sich.

Doch welche Wolle benötigt man, um wirklich schöne Textilien zu gestalten? Welche Wolle eignet sich für welchen Stil? Und welche Wolltypen gibt es überhaupt? Diese und viele weitere Fragen sollen in diesem Ratgeber beantwortet werden. Sie erfahren alles, worauf Sie beim Kauf von Wolle zum Häkeln und Stricken achten müssen und erhalten außerdem einige Ideen, was Sie mit der erworbenen Wolle alles machen können.

Grundlagen: Welche Wollarten gibt es?

Man unterscheidet bei Handarbeitswolle zwischen drei grundsätzlichen Typen von Wolle. Die drei Typen sind:

Abgesehen davon gibt es auch die unterschiedlichsten Gemische, die sich meist aus natürlichen und synthetischen Fasern zusammensetzen. Eher seltener findet man Wollgemische aus pflanzlicher und tierischer Wolle, da die unterschieden in der Faserstruktur zu groß sind.

Tierische Wolle: von grober Yak-Wolle bis hin zu feinstem Angora

Die Wolle tierischen Ursprungs entsteht aus dem geschorenen Fell der unterschiedlichsten Tiere. Dieses wird nach dem Scheren zu Wolle versponnen. So unterschiedlich die Tiere, deren Felle für die Gewinnung von Wolle genutzt werden, so unterschiedlich ist natürlich auch die Art der entstehenden Wolle. Die häufigste und am meisten verkaufte Art der sogenannten Schurwolle ist die des Schafes. Über Jahrtausende wurden Schafe zu diesem Zweck gezüchtet und eignen sich daher optimal als Wolllieferant. Und das hat gleich mehrere Gründe.

Schafswolle ist aufgrund der langjährigen Zuchtbemühungen weitestgehend farblos und kann daher in den verschiedensten Farbtönen gefärbt werden. Außerdem haben Schafe kein jahreszeitenabhängiges Fellkleid, ihre Wolle wächst einfach immer nach. So können Schafe das ganze Jahr über eine gleichbleibende Wollqualität produzieren.

Abgesehen von Schafen gibt es auch viele weitere Nutztiere, die Wolle der unterschiedlichsten Form liefern. Während Yak-Wolle besonders grob und wärmend ist, sind die Wollerzeugnisse der Kaschmirziege (Kaschmirwolle) und der Angoraziegen (Mohair-Wolle) besonders flauschig in der Haptik und im Aussehen. Ebenfalls sehr beliebt ist die weiche Angorawolle, die vom Angorakaninchen gewonnen wird, und feine Alpaka-Wolle.

Natürliche Eigenschaften tierischer Wolle

Wolle, die von Tieren gewonnen wird, hat einige natürliche Eigenschaften, die sie von den anderen Wolltypen unterscheiden und abheben:

  • So hat Wolle zum Beispiel eine natürliche Thermoregulations-Eigenschaft. Da tierische Wollwaren zu einem Großteil aus Luft bestehen, eignen sie sich optimal als Wärmeisolatoren. Die Luft im Inneren der Faser wird dabei durch die Körperwärme aufgeheizt und fungiert so als zusätzliche wärmende Schicht. Aus diesem Grund wird oft von wärmender Wolle gesprochen, obwohl der wärmende Faktor eigentlich die gespeicherte Körperwärme ist.
  • Außerdem kann Wolle große Mengen an Wasserdampf in sich aufnehmen, die schuppenartig aufgebaute Oberfläche der Fasern weist Feuchtigkeit hingegen ab. Wolle kann bis zu 33 Prozent seines Trockengewichtes an Wasser aufnehmen, ohne dass sich die Oberfläche feucht anfühlt.
  • Aufgrund der ziegelartigen Schuppenstruktur der Oberfläche nimmt Wolle Schmutz sehr schlecht an. Auch Gerüche werden von der Wolle schnell wieder an die Luft abgegeben. Nach kurzem Lüften riecht Wolle also auch ohne Waschen wieder angenehm frisch.
  • Durch die elastischen Fasern neigt Wolle kaum zum Knittern.

Dies sind einige Vorteile von tierischen Wollprodukten, die Wolle vor allem für die kühleren Jahreszeiten zum optimalen Material machen.

Leicht und einfach zu verarbeiten: Baumwollgarne in verschiedenen Stärken

Baumwollgarne sind pflanzliche Produkte, die aus den Samenhaaren verschiedener Baumwollpflanzen gewonnen werden. Die langen Fasern werden dafür zu dünnen Fäden gesponnen und häufig für Textilien verwendet. Jersey-Stoffe, wie wir sie von T-Shirts und anderen Kleidungsstücken kennen, besteht in der Regel aus feiner Baumwolle oder einem Baumwoll-Gemisch.

Baumwolle ist nicht wasserlöslich und im feuchten oder nassen Zustand sogar noch reißfester als im trockenen. Außerdem ist Baumwolle sehr dehnbar, was sie für die Textilindustrie so interessant macht. Verglichen mit Kunstfasern, ist Baumwolle ebenfalls sehr saugfähig und kann bis zu 65 Prozent ihres Trockengewichtes an Wasser aufnehmen. Anders als Wolle, benötigt Baumwolle jedoch wesentlich länger, um wieder komplett trocken zu werden. Baumwolle nimmt Schmutz und Öle außerdem sehr leicht auf, ist aber auch in der Lage, diese beim Waschen wieder abzugeben. Im Gegensatz zu einigen Wollarten ist Baumwolle besonders weich auf der Haut und lässt sich angenehm tragen. Baumwolle gilt als sehr hautfreundlich und hat ein sehr geringes Allergiepotenzial.

Weitere pflanzliche Textilarten sind Viskose, das aus reiner Zellulose von Buchen-, Pinienholz, Bambus oder Eukalyptus hergestellt wird und Modal, das nach einem modifizierten Viskoseverfahren gefertigt wird.

Die Mischung macht's: Synthetische Fasern ergänzen natürliche Garne optimal

Synthetische Fasern werden aus synthetischen Polymeren hergestellt. Dazu werden unterschiedliche Kunststoffe und Verarbeitungsmethoden verwendet. Synthetische Fasern sind günstig in der Herstellung und besonders widerstandsfähig, weshalb sie besonders bei Mischgeweben eingesetzt werden. Anders als Wolle, haben synthetisch hergestellte Fasern eine glatte Oberfläche und werden daher als weicher empfunden. Deswegen werden Schurwollen häufig mit Synthetikfasern versetzt, um ein weicheres Gesamtwollbild zu erreichen.

Worauf Sie beim Kauf achten sollten: Wollarten für Anfänger und Fortgeschrittene

Wer sich an seine ersten Handarbeitsversuche erinnert, der wird sich an verkrampfte Finger und mäßige Erfolgserlebnisse erinnern. Der Grund: Früher benutzte man gerade in Schulen günstige und damit sehr dünne Garne und Nadeln, die gerade Anfängern schnell einen Knoten in die Finger zaubern können. Gerade für Anfänger und Neueinsteiger empfiehlt es sich daher, auf dickere Wolle und größere Nadelstärken zu setzen – das gilt sowohl für das Häkeln als auch für das Stricken. Mit dickerer Wolle sind Erfolgserlebnisse schneller erreicht – und das macht schließlich Lust auf das nächste Projekt. Weniger für Anfänger geeignet sind daher feine Wollen, die mit ebenso feinen Nadeln gehäkelt oder gestrickt werden müssen. Um hier ein gleichmäßiges Maschenbild zu erreichen, ist schon etwas Übung notwendig. Die Ergebnisse können sich dementsprechend natürlich sehen lassen.

Wollarten für Anfänger sollten zudem gut verdrillt, das heißt fest verdreht sein, damit das oft befürchtete Fadenziehen oder „Spießen" nicht so einfach vorkommt. Dies geschieht immer dann, wenn man mit seiner Nadel einen Garnfaden nicht komplett zu fassen kriegt und nur einen Teil des Fadens ordentlich verarbeitet. Gerade bei aufwendig verzwirnten Effektgarnen kann dies schon etwas Übung erfordern. Um sich an Schals, Pullover oder Mützen aus diesen Materialien zu wagen, sollte man zuerst einige Anfängerprojekte abgeschlossen haben.

Praktische Tipps zum Kauf: So entziffern Sie die Angaben auf der Banderole

Beim Kauf von Wolle sind gerade Neuanfänger oft verwirrt. Denn schon vor dem Stricken können Sie von der Banderole wichtige Informationen zum Garn im Allgemeinen und zu dem bestimmten Knäuel im Besonderen erfahren. Was bedeuten die nicht enden wollenden Angaben auf der Banderole? Welche Informationen sind denn nun wirklich wichtig? Wir möchten Ihnen in diesem Kaufratgeber ein paar hilfreiche Erklärungen liefern. Denn die Informationen auf der Banderole sind sehr wichtig und sollte unbedingt beachtet werden. Die wichtigsten Hinweise betreffen dabei:

  • Das Material
  • Waschangaben
  • Die Farbnummer
  • Die optimale Nadelstärke
  • Die Maschenprobe
  • Die Farbpartie

Neben dem Namen des Garns finden Sie also auf einen Blick die Materialangaben sowie die Waschhinweise. Außerdem erhalten Sie Informationen über die Lauflänge des Garns, das Gesamtgewicht und den geschätzten Materialverbrauch. Hieran können Sie sich orientieren, wenn Sie ein größeres Kleidungsstück planen. Die Empfehlungen zur Nadelstärke und die Angaben zur Maschenprobe sind unverbindliche Richtwerte, die Sie in jedem Fall überprüfen sollten, denn: Jeder strickt oder häkelt anders. Welche Nadel die richtige für Sie ist und welchen Garnverbrauch Sie haben, hängt von ihrer Strickweise ab. Mit einer empfohlenen Maschenprobe können Sie dies jedoch einfach ausrechnen. Die Farb- und Partiennummer sind ebenfalls sehr wichtig, denn nur Knäuel mit exakt der gleichen Farbnummer und der gleichen Partiennummer sind auch wirklich farblich identisch.

Kreative Ideen zum Stricken und Häkeln: Mit diesen Garnen gelingt ihr Textil

Nachdem Sie nun wissen, worauf Sie beim Kauf der Wolle achten sollten, möchten wir Ihnen noch ein wenig kreativen Input mit auf den Weg geben. Natürlich eignen sich verschiedene Wollarten auch für verschiedene Jahreszeiten und Anlässe.

Für den eleganten Hippie-Look: leichte Sommerkleidung aus Baumwolle

Im Sommer sind leichte und bisweilen transparente Kleidungsstücke und Accessoires. Als besonders angenehm kühl auf der Haut hat sich Baumwolle herausgestellt. Diese lässt sich zu schönen Lochmustern verstricken und ist auch bei gehäkelter Spitze oder gehäkelten Netzmustern die erste Wahl. Daraus lassen sich leichte Tops, Bustiers für selbst genähte Kleider oder auch leichte Pareos ganz schnell selbst stricken oder häkeln.

Auch für Anfänger: Schals, Pulswärmer, Mützen und Stirnbänder

Kleinere Projekte für die kühlere Jahreszeit führen auch Anfänger gemächlich an den Umgang mit echter Wolle heran. Für Mützen, Schals und weitere wärmende Wollaccessoires eignen sich weiche Wollarten wie Merinowolle, Alpakawolle oder Wollgemische mit synthetischen Fasern perfekt. Wer bereits einen Schritt weiter ist, kann sich mit tollen Sockengarnen an warme Wintersocken wagen.

Für Fortgeschrittene: Kuschelige Kleidung aus Mohair, Angora oder Kaschmir

Die besonders flauschigen Garne wie Mohair, Angora oder Kaschmir sind in der Regel eher dünn gesponnen. Die wertvollen Garne sind vor allem bei Oberbekleidung sehr beliebt und geben einen kuscheligen und hochwertigen Gesamteindruck. Da diese Garne in der Regel auch etwas hochpreisiger sind und aufgrund ihrer Dicke auch schwerer zu verarbeiten sind, sind Kaschmir, Mohair und Co. für fortgeschrittene Handarbeitsprojekte die optimale Wahl.

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