Ratgeber für den Kauf von Segelbooten: Jollen, Katamarane und Yachten

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Ratgeber für den Kauf von Segelbooten: Jollen, Katamarane und Yachten

Ein eigenes Segelboot oder eine Yacht zu besitzen ist ein Traum vieler Wassersportler. Doch Segeln ist nicht nur ein sehr zeitintensives Hobby. Intensiv ist auch die Belastung für Ihren Geldbeutel, wenn Sie sich entscheiden, ein eigenes Segelboot zu erstehen. Diese Entscheidung sollte begleitet sein von einer ganzen Palette an verschiedenen Fragen, die Sie sich selbst stellen müssen. Das ist zwar sehr zeitaufwendig, nur so gelangen Sie jedoch zu ihrem neuen Segelboot, ohne Überraschungen zu erleben.

Als Erstes sollten Sie sich daher Zeit nehmen, und sich erst einmal einen Überblick über das Angebot verschaffen. Ebenfalls ist es sehr hilfreich, auf verschiedene Beratungsangebote einzugehen und sich einen Fachmann „ins Boot zu holen". Eine sinnvolle Adresse ist hierbei beispielsweise der Bundesverband der Wassersportwirtschaft. In diesem Verband haben sich die unterschiedlichsten Unternehmen und Sachverständigen zusammengeschlossen.

Anders als beispielsweise bei der Anschaffung eines Autos, ist die Anschaffung eines Segelbootes eine Investition, die über Jahrzehnte hinweg trägt. Soll heißen: Wird ein Auto im Schnitt nach 12 Jahren ausgewechselt, wird das Segelboot über Jahrzehnte hinweg genutzt. Auch der Wert des Bootes verfällt nicht so leicht wie derjenige eines KFZ.

Wenn Sie sich einen Überblick verschaffen wollen, ist es ratsam, eine der großen Wassersportmessen in Deutschland zu besuchen. Hier können die unterschiedlichsten Bootsmodelle verschiedener Hersteller begutachtet werden. Ein weiterer Vorteil von Messen: Sie können die Boote unmittelbar miteinander vergleichen.

Wie Sie ein Segelboot kaufen sollten, wird Ihnen dieser Ratgeber vermitteln. Dabei wird es zunächst um die begehrten Objekte selbst gehen. Ein erster Teil wird sich mit den drei Typen Jolle, Katamaran und Yacht auseinandersetzen und einiges zu deren Charakteristika beisteuern. In einem zweiten Teil wird Ihnen der Ratgeber wichtige praktische Hinweise und Tipps zum Ablauf eines Segelbootkaufes unterbreiten.

Die Jolle ist besonders beliebt bei Freizeitseglern

Warum ist die Jolle so beliebt? Sie ist bei Freizeitseglern derart populär nicht zuletzt dadurch, dass sie oft sehr preisgünstig zu erwerben ist. Die Jolle ist ein Schwertboot. Ihr Konstruktionsschwerpunkt liegt zumeist über der Wasseroberfläche. Das Schwert ist aufholbar, sodass es leicht möglich wird, das Boot auch an ein Ufer zu ziehen. Für diejenigen, die noch neu in der Welt der Segelboote sind: Das Schwert ist ein nach unten gerichtetes Blatt. Dieses ist dafür zuständig, dass die Jolle in der Seitenlage stabilisiert wird. Außerdem reduziert das Schwert die Abdrift des Bootes. Das Schwert wird entweder durch einen Schwertkasten hindurch von oben eingesteckt. Andere Jollen besitzen dagegen drehbare Schwerter, die nach hinten hin weggeklappt werden können.

Jollen sind sehr kompakte und kleine Segelboote. Allen Jollen ist damit auch eine gewisse Instabilität gemeinsam. Gibt es starken Wind, ist es theoretisch möglich, dass Jollen kentern können, indem sie vom Wind zur Seite geneigt werden. Man spricht hier auch vom „Krängen". Als Segler gibt es jedoch Möglichkeiten, dem entgegenzuwirken, indem man sich auf der dem Wind zugewandten Seite aus dem Boot herauslehnt. Ideale Gewässer für Jollen sind Seen und ruhige Küsten.

Es gibt einige verschiedene Jollentypen. Zu den bekanntesten Solojollen zählen dabei etwa:

Bekannte Jollen für zwei Personen sind beispielsweise 470er, 49er und Flying Dutchman. Eine Besonderheit sind noch Jollen mit Kajüte. Diese besitzen dieselben Charakteristika, sind jedoch aufgrund der vorhandenen Kajüte auch zum Übernachten geeignet. Preislich sind Jollen im gebrauchten Zustand schon für unter 1000 Euro zu haben. Sehr hochwertige neue Jollen, die vielleicht auch noch mit dem passenden Anhänger geliefert werden, können einen hohen Anschaffungspreis haben. 

Segelkatamarane mit zwei Rümpfen

Katamarane sind Segelboote mit zwei miteinander verbundenen Rümpfen. Es gibt sie in großen Ausführungen als Fahrtenyachten oder als sehr leichte und schnelle Sportgeräte. Die größeren Fahrtenkatamarane haben gegenüber üblichen Yachten mit einem einzigen Rumpf besonders den Vorteil, dass sie – nimmt man die Schiffslänge in den Blick – wesentlich mehr Platz besitzen. Die Rümpfe beherbergen bei einer Länge über 10 Metern die Kabinen und Nasszellen. Am Brückendeck, das beide Rümpfe miteinander verbindet, befindet sich der Salon, die Pantry und die Navigation.

Fahrtenkatamarane haben weiterhin den Vorteil, dass sie kaum krängen (kentern). Sie besitzen jedoch abhängig von ihrer Ausstattung – wesentlich höhere Anschaffungs- und Unterhaltungskosten als beispielsweise Jollen, gerade weil sie auch über zusätzliche Motoren verfügen. Die Motoren bieten dabei wiederum eine bessere Manövrierfähigkeit und damit zusätzliche Sicherheit.

Im Segelwettbewerb werden Rennkatamarane in Divisionen von A bis D eingeteilt. In welcher Division sich ein Segelkatamaran befindet, ist durch die Maße von Länge, Breite und Segelfläche festgelegt. Bekannte Katamarantypen sind beispielsweise:

  • A-Katamaran
  • Dart 18
  • Formula 18
  • Hobie 14
  • Hobie 16
  • Topcat
  • 18HT
  • Extreme 40

Speziell: Schlauchbootsegelkatamarane

Eine Sonderform unter den Freizeitkatamaranen stellen aufblasbare Schlauchbootsegelkatamarane dar. Ein wesentlicher Vorteil, der aus dieser Bauform entsteht: Die Katamarane sind komplett zerlegbar und daher optimal zu transportieren. Auch diese Schlauchkatamarane werden in unterschiedlichen Varianten angeboten, mal als leichte, sportliche und sehr schnelle Boote oder als robuste, für Expeditionen ausgelegte Modelle. Diese besitzen ein Mehrkammersystem in den Schwimmern und sind deutlich schwerer und aufwendiger aufzubauen.

Ein teurer, aber schöner Traum: Segelyachten

Bleiben wir zunächst bei der klassischen Segelyacht. Als klassische Segelyacht wird eine Yacht bezeichnet, die noch vor 1970 gebaut wurde. Daher sind die meisten klassischen Segelyachten auch aus Holz, Stahl oder Aluminium gefertigt. Klassische Yachten benötigen aufgrund ihres Alters viel Pflege, um den originalen Zustand zu bewahren. Heutige wie gestrige Segelyachten besitzen einen festen, normalerweise mit Ballast versehenen Kiel. Dies unterscheidet sie beispielsweise grundsätzlich von der Bauform der Jolle.

Heute werden besonders faserverstärkte Kunststoffe zum Bau einer Segelyacht genutzt. Es können dabei zwei unterschiedliche Kielformen zum Einsatz kommen. Klassische Yachten besitzen einen Langkiel. Moderne Yachten hingegen haben zumeist einen Flossenkiel. An seinem unteren Ende kann sich auch noch eine sogenannte Kielbombe befinden. Alle Kielkonstruktionen sollen vor allem dafür sorgen, dass das Boot durch „Krängen" nicht kentert.

Was ist eigentlich eine Slup?

Wird bei Jollen und Katamaranen nur ein Mast verwendet, sind Yachten entweder mit einem oder mit zwei Masten ausgestattet. Die bekannteste und gebräuchlichste Einmasteryacht ist die Slup. Sie besitzt zwei Hauptsegel, ein Großsegel und ein Vorsegel. Man kann Slupen auf verschiedene Weise takeln. Die Großsegel sind bei Slupen in den meisten Fällen als Hochsegel ausgeführt. Besitzen Segelyachten mehr als ein Vorsegel, werden sie auch als Kutter bezeichnet. Diese haben dann jeweils noch ein Fock- und Klüversegel als Vorsegel.

Zweimastige Segelyachten sind beispielsweise Schoner, Ketsch und Yawl. Bei Schonern ist der hintere (achtern) Mast höher als der vordere. Bei Ketschen und Yawls wiederum ist der hintere Mast niedriger als der vordere. Es gibt jedoch auch Sonderformen der Besegelung. So werden etwa auch Segelyachten mit ungewöhnlichen Segelformen gebaut, z. B. Segel wie bei asiatischen Dschunken. Extrem große Mega-Yachten besitzen dabei oft eine an klassische Besegelung angelehnte Besegelung. Sie wirken dadurch oftmals wie eine in die Länge gezogene Variante einer Slup oder eines Kutters.

Was im Vorfeld eines Segelboot-Kaufs zu beachten ist

Als Erstes stellt sich einmal die Frage, ob Sie ein gebrauchtes oder ein neues Segelboot kaufen möchten. In vielen Fällen greifen begeisterte Wassersportler auf gebrauchte Boote zurück, da diese den Geldbeutel schonen. Mit etwas Geduld und der richtigen Anleitung finden Sie auch in diesem Bereich ein hochwertiges Segelboot. Zunächst sollten Sie überlegen, welches Segelboot Ihren eigenen Bedürfnissen entspricht. Letztlich spielt natürlich auch der verfügbare Preisrahmen eine große Rolle. Rechnen Sie dabei auch Reise- und Transportkosten mit ein.

Persönliche Checkliste anfertigen

Sie sollten weiterhin eine persönliche Checkliste anfertigen. Darauf könnten Sie beispielsweise verschiedene Segelboottypen festhalten, die Sie in Erwägung gezogen haben. Wenn Sie nach Ihrem Segelboot schauen, werden Sie wahrscheinlich mit vielen Besitzern und Händlern sprechen. Die wichtigsten Dinge dieser Gespräche können Sie ebenfalls in Ihrer Checkliste festhalten. Hierzu ist ein Heft oder auch ein Ordner geeignet. Legen Sie für jedes Boot eine eigene Seite an sowie ein dazugehöriges „Gesprächslogbuch".

Vor der Kontaktaufnahme zu einem Verkäufer schauen Sie sich noch einmal die Kriterien zum Bootstyp an und erstellen Sie eine Liste Ihrer Favoriten. Stellen Sie bei Kontaktaufnahme zunächst allgemeine Fragen, um die Situation abzuwägen. Also beispielsweise: Warum steht das Boot zum Verkauf? Wie lange ist es das schon? Hat es jemals Probleme gegeben? Ist das Boot in Süß- oder Salzwasser gefahren? Wie viele Betriebsstunden hat es hinter sich?

Denken Sie an die laufenden Zusatzkosten 

Weiterhin sollten Sie die anfallenden Versicherungsprämien berechnen, die Kosten für Liegeplatz, Wartung und natürlich auch für eine mögliche Finanzierung eruieren, bevor Sie ein Angebot abgeben. Bei der Bootsbesichtigung sollten Sie darauf achten, wie der Zustand von Holz, Elektronik und Motor ist. Was kann es kosten, um das Boot in den von Ihnen gewünschten Zustand zu bringen? Sie müssen auch erwägen, ob es nicht besser bzw. kostengünstiger wäre, eher ein Boot zu kaufen, das schon in Ihrem Wunschzustand ist.

Bei der Abgabe eines Angebotes sollten Sie realistisch sein. Sie sollten dabei besonders den geforderten Preis, die Angebote von vergleichbaren Booten und Ihre eigenen Überlegungen mit einbeziehen. Sie sollten zusammen mögliche Zahlungsmethoden absprechen. Bei Annahme des Angebotes sollte man weiterhin auch mit einer zehnprozentigen Anzahlung rechnen. Eine Probefahrt sollte zudem vereinbart werden.

Um auf Nummer sicher zu gehen, können Sie auch einen Gutachter beauftragen, das Boot zunächst unter die Lupe zu nehmen. Dieser kostet vielleicht etwas mehr, kann Ihnen im besten Fall aber dann doch einiges an Geld sparen. Ganz am Ende steht ihre eigene Entscheidung. Stimmt alles, sind sie schon bald Besitzer eines neuen Segelbootes.

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