Ratgeber für den Kauf eines Geigenbogens

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Ratgeber für den Kauf eines Geigenbogens

Wie bei allen Streichinstrumenten wird auch bei der Geige der Ton hauptsächlich durch einen speziellen Geigenbogen erzeugt. Das Material und die Qualität der Bögen unterscheiden sich stark und auch der Preis variiert. 

Die Entwicklung des modernen Geigenbogens - von der runden zur geraden Bogenstange

Mit der Erfindung der Geige im späten 16. Jahrhundert wurde eine musikalische Revolution ausgelöst. Der Bogen wurde allerdings zuerst nicht weiterentwickelt und man verwendete die spätmittelalterlichen Modelle, die zuvor auch für Fiedel und Rebec verwendet worden waren. Viele dieser Bögen waren ziemlich kurz und stark konvex gebogen, die Spielmöglichkeiten waren auch durch den Faust- oder Untergriff beschränkt. Besonders in Italien trieb man daraufhin die Entwicklung des Geigenbogens voran. Durch längere Bögen, die im Obergriff gespielt wurden, veränderte sich der Charakter der Violine grundlegend. Auch die Form der Bögen veränderte sich und Modelle mit niedriger Biegung wurden immer beliebter. Durch kunstvolle Verzierungen wurde an der Optik der Bögen gearbeitet.

In der Klassik hatte sich die Geige als Solo-Instrument etabliert. Um mit der Violine auch größere Klangkörper wie ein Sinfonieorchester dominieren zu können, wurden weitere Anpassungen am Bogen notwendig. Die Bruchfestigkeit der Stange wurde verbessert und durch die Froschbahn aus Metall wurde eine entscheidende Schwachstelle der barocken Schraubmechanik ausgemerzt. Als Begründer des modernen Geigenbogens und als „Stradivari des Bogenbaus" gilt Francois Xavier Tourte. Er verwendete Ende des 18. Jahrhunderts als Erster das hochwertige Fernambukholz. Auch die Abmessungen optimierte Tourte und hatte mit seinen Bögen bereits zu Lebzeiten enormen Erfolg. Mit dem Tourte-Bogen konnte ein weites Spektrum an Spieltechniken bewältigt werden. Bis zur Gegenwart wurde der Bogen von Tourte nur noch marginal verändert, deswegen können Sie auch alte Geigenbögen für Ihr Instrument verwenden.

So wird mit dem Geigenbogen der Klang am Instrument erzeugt

Einer Geige können Sie, ähnlich wie einer Gitarre auch, durch Zupfen Töne entlocken. Diese Spieltechnik wird „pizzicato" genannt. Wesentlich ausdrucksstärker ist jedoch die Tonerzeugung mit dem Geigenbogen, deswegen gehört die Violine auch zu den Streichinstrumenten. Wenn Sie mit dem Bogen über eine Saite streichen, bleibt die Saite an den Haaren des Bogens hängen und wird dabei etwas gespannt. Wenn die Spannung zu groß wird, schnellt die Saite wieder zurück. Nun geht das Ganze wieder von vorne los, je nach Tempo schnellt die Saite bis zu hundertmal vor und zurück. Dies wird auch „Slip-Stick-Effekt" genannt. Durch diesen Vorgang entsteht die Schwingung der Saite und damit auch der Ton. Um dieses Verhalten zu erreichen, müssen die Bogenhaare möglichst rau sein. Außerdem müssen Sie die Haare mit einem geeigneten Harz einstreichen, ansonsten bleiben die Saiten nicht am Bogen kleben. Die Schwingung allein durch die Saite reicht dabei noch nicht aus, um einen Ton zu erzeugen. Genau dazu ist der Resonanzkörper der Violine da. Über den Steg wird die Schwingung in den Korpus übertragen und verstärkt sich in dessen Inneren. Der Ton gelangt schließlich über die F-Löcher nach außen und wird so für den Menschen hörbar.

Der Aufbau eines typischen Geigenbogens - Bogenstange, Frosch und Bespannung aus Pferdehaaren

Ein Teil des Geigenbogens ist die Bogenstange. Die Stange ist der stabile Teil des Bogens und ist für die Stabilität und Spannung verantwortlich. Dagegen kommt die Behaarung des Bogens direkt mit der Saite in Kontakt. Dafür werden 190 bis 250 Pferdeschweifhaare verwendet. An einer Seite des Bogens werden die Haare fest fixiert, an der anderen Seite können Sie die Haare über eine Drehschraube unterschiedlich stark spannen. Diese Vorrichtung wird Frosch genannt und ist mit einer verschiebbaren Schraube mit der Bogenstange verbunden. Die Bezeichnung rührt vom Aussehen dieses Teils her, das an einen sitzenden Frosch erinnert. Heutzutage besteht der Frosch meistens aus stabilem Ebenholz. Früher wurde für den Frosch auch Elfenbein, Mammut oder Horn verwendet. Bei vielen Bögen ist der Frosch mit einer runden Perlmutteinlage, dem sogenannten Auge, verziert. Auch die Schraube am Frosch wird teilweise verziert. Die Beschlagteile des Bogens sind aus unterschiedlichem Material gefertigt. Am häufigsten werden Silberlegierungen verwendet, bei teureren Modellen auch reines Silber oder Gold. Auf der anderen Seite des Bogens befindet sich der Bogenkopf, der als Griff dient.

Der Unterschied des Geigenbogens zu Bögen für andere Streichinstrumente wie dem Cellobogen, dem Bassbogen oder dem Violabogen besteht hauptsächlich in der Länge. Je tiefer das Instrument ist, desto länger ist der Bogen.

Das Material der Bogenstange: verschiedene Harthölzer oder am häufigsten Carbon

Die Bogenstange ist besonders hohen Belastungen ausgesetzt und muss den Zug der Bespannung auch über Jahre hinweg aushalten. Diese Eigenschaften werden bei Weitem nicht von jedem Holz erfüllt. Am besten eignet sich dafür Fernambukholz. Dieses Rotholz ist oft gerade gewachsen und besitzt parallele Fasern. Dadurch kann die Bogenstange besonders dünn gehalten werden und es wird eine ideale Elastizität erreicht. Das Fernambukholz ist jedoch sehr selten und dementsprechend teuer. Günstigere Bögen bestehen deswegen meist aus Brasilholz. Dieses Holz kommt etwas häufiger vor, weswegen die Herstellungskosten von Geigenbögen aus Brasilholz geringer sind. Die Eigenschaften reichen dafür nicht an die des hochwertigen Fernambuks heran. Barockbögen sind dagegen oft aus Schlangenholz gefertigt. In den letzten Jahren haben sich auch Bögen aus Kohlefasern etabliert. Diese leichten und stabilen Carbonbögen werden zunehmend auch von Berufsgeigern verwendet. Das Material des Bogens ist insgesamt also vor allem eine Preisfrage. Wenn Sie das nötige Kleingeld übrig haben und Sie einen Bogen von höchster Qualität und langer Lebensdauer suchen, dürfte ein Bogen aus Fernambuk ideal für Sie sein. Wenn Sie etwas weniger Geld ausgeben wollen, sollten Sie sich nach Modellen aus Brasilholz oder Carbon umsehen. 

Die Haare des Bogens stammen üblicherweise aus vielen einzelnen Pferdehaaren

Für die Haare des Bogens werden meist Haare vom Pferdeschweif verwendet. Die Rosshaare sind besonders rau und besitzen kleine Widerhaken, die die Saite beim Darüberstreichen in Schwingung versetzen. Für die Bespannung werden je nach Modell Haare von unterschiedlichen Pferderassen verwendet. Dadurch unterscheiden sich die Bogenhaare in ihrer Elastizität, in der Härte und in den Klangeigenschaften beim Streichen. Die Bespannung ist dabei oftmals Geschmackssache, jeder Geiger bevorzugt andere Haare.

Wichtige Qualitätsmerkmale bei einem Geigenbogen - Gewicht, gute Handhabung und solider Klang

Neben den verwendeten Materialien sollten Sie auch einige weitere Dinge beim Kauf eines Geigenbogens beachten. So sollte die Stange gerade und gut ausbalanciert sein. Weiterhin sollte der Ton bei gleichmäßigem Bogenstrich gleich laut bleiben und nicht zur Spitze hin leiser werden.

Auch das Gewicht des Bogens spielt eine Rolle. Es beträgt bei Geigenbögen meist zwischen 46 und 62 Gramm. Ob Ihnen ein schwereres oder leichteres Modell besser liegt, müssen Sie selbst herausfinden, die Mehrzahl der Bögen wiegt etwa 60 Gramm. Besonders für Kinder empfehlen sich durchaus auch leichtere Bögen. Die meisten Exemplare sind vor allem auf 4/4-Geigen ausgelegt. Neben Bögen für 4/4-Violinen erhalten Sie auch spezielle Modelle für die kleineren Violinen. Nicht nur das absolute Gewicht, sondern auch die Gewichtsverteilung bestimmt, wie gut der Bogen beim Spielen in der Hand liegt. Am besten liegt der Schwerpunkt etwa 25 cm vom Stangenanfang entfernt. Ist der Schwerpunkt weiter hinten, kann das Spielen um einiges mühsamer werden. Weiterhin sollte der Kopf des Bogens so geformt sein, dass der Bogen sich gut und stabil halten lässt.

Ein guter Bogen federt beim Spiccato nicht nach, ansonsten wird ein anschließender gebundener Strich erschwert. Mit dem Bogen sollten sich auch Melodien gut und dynamisch modulieren lassen. Nicht zuletzt sollten Sie natürlich auch auf den Klang achten. Da dieser bei jedem Instrument unterschiedlich sein kann, sollten Sie den Bogen erst nach der Violine kaufen.

Das Kolophonium – spezielles Harz, das für den Klebe-Effekt an den Saiten sorgt

Für den Klebe-Effekt und die korrekte Tonerzeugung bei Streichinstrumenten müssen Sie die Haare des Bogens mit einem passenden Harz präparieren. Meist wird hier Kolophonium verwendet. Es wird aus dem Balsam von Kiefern, Fichten und Tannen gewonnen. Vor der Verwendung werden die festen Bestandteile mittels Destillation von den flüchtigen Bestandteilen abgetrennt. Danach wird es noch mit diversen Substanzen veredelt und speziell an die Verwendung bei Geigenbögen angepasst. Dabei sind die Eigenschaften der Harze unterschiedlich. Manche Mischungen eignen sich besonders für Anfänger und ermöglichen eine leichte Spielbarkeit. Andere Arten ermöglichen einen größeren Dynamik- und Klangumfang. 

So halten Sie den Geigenbogen richtig - Obergriff entscheidend für gutes Spielgefühl

Damit Sie Ihrer Violine schöne Töne entlocken können, sollten Sie auf die richtige Bogenhaltung achten. Seit einigen Hundert Jahren hat sich dabei der Obergriff etabliert. Dabei sollten Sie den Bogen mit dem Daumen am Frosch halten und mit Zeigefinger und dem kleinen Finger den Bogen ausbalancieren, die anderen beiden Finger liegen locker auf. Teilweise wird auch eine spezielle Anfänger-Bogenhaltung gelehrt, bei der sich der Daumen am Haaransatz befindet. Dadurch soll das Gefühl für die richtige Bogenführung schneller erlernt werden. Den richtigen Druck, den Winkel und die Geschwindigkeit, mit der Sie über die Saite streichen, müssen Sie mit der Zeit selbst herausfinden. Nach etwas Übung werden Sie jedoch den Bogen automatisch richtig benutzen.

Tipps für eine lang anhaltende Qualität und eine hohe Lebensdauer Ihres Bogens

Damit Sie lange Freude an Ihrem Geigenbogen haben, sollten Sie ihn auch richtig behandeln. Nach dem Spielen sollten Sie Ihren Bogen entspannen, um die Elastizität und die Spannung der Bogenstange zu erhalten. Die Bogenhaare sollten so weit entspannt werden, dass sie weder straff sind noch lose hängen. Weiterhin reinigen Sie die Bogenstange am besten gelegentlich mit einem trockenen und weichen Tuch, um Verschmutzungen wie durch Kolophoniumstaub zu beseitigen. Auch spezielle Pflegeprodukte können Sie zur Reinigung verwenden. Bei der Pflege sollten Sie die Haare des Bogens am besten nicht anfassen, um die Struktur nicht zu beschädigen. Falls Ihnen einmal ein Bogenhaar reißt, schneiden Sie es ab. Je nachdem, wie oft und intensiv Sie spielen, müssen Sie auch die Bogenhaare ungefähr alle sechs Monate bis zwei Jahre ersetzen. Weiterhin sollten Sie auf die richtige Lagerung des Geigenbogens achten. Bei zu großer Hitze kann sich das Haar zusammenziehen und den Bogen in zu starke Spannung versetzen.

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