Ratgeber für Sammler antiker Eisenbahnen: Lokomotiven und Triebwagen

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Ratgeber für Sammler antiker Eisenbahnen: Lokomotiven und Triebwagen

Worauf Sie bei antiken Lokomotiven und Triebwagen achten sollten

In Zeiten, in denen es immer unterschiedlichere Transportmittel gibt, vom Segway über Elektroautos bis zu Raketenflugzeugen, die Privatleute ins All transportieren sollen, übt die gute alte Eisenbahn nicht nur bei Nostalgikern eine ganz eigene Faszination aus. Kein Wunder, dass viele Bahnliebhaber Modell- und Spielzeugbahnen sammeln. Unter den Gliedern der beliebig langen Eisenbahnen liegen die Lokomotiven und Triebwagen im Zentrum des Interesses. Denn an ihnen lässt sich die Entwicklung der Eisenbahnen am besten erkennen. Sie haben sich nicht nur äußerlich in den vergangenen über hundert Jahren deutlich verändert. Auch wurden sie in dieser Zeit unterschiedlich angetrieben. Wenn Sie Ihre Sammlung erweitern möchten, stellen Sie vor dem Kauf von Loks und Triebwagen einige Überlegungen an.

Entscheiden Sie, ob Sie Loks kaufen möchten, um Ihre Modellbahnanlage zu erweitern und die Lokomotiven in Betrieb zu halten, oder ob Sie vorhaben, Ihre Vitrinensammlung zu vergrößern. In letzterem Fall lohnt es sich, bestimmte Epochen oder Hersteller mit der Sammlung abzudecken. Sie sollten auch wählen zwischen antiken Modellbahnen mit eigenem Antrieb und Spielzeugbahnen, die Eisenbahnen nur optisch abbilden, aber nicht deren Motor imitieren. Das ist besonders bei Loks und Triebwagen, die ja den Zug ziehen, ein entscheidender Unterschied. Wenn Sie beim Sammeln auf eine Wertsteigerung hoffen, konzentrieren Sie sich auf Lokomotiven, die in geringen Auflagezahlen erschienen sind, was vor allem bei alten Modellen der Fall ist. Diese sollten in einem hervorragenden technischen Zustand und gut restauriert sein.

Lokomotiven und Triebwagen von antiken Spielzeugeisenbahnen

Wenn Sie sich für die große Auswahl an Spielzeuglokomotiven und -Triebwagen interessieren, die nicht zwangsläufig einen eigenen Antrieb haben, können Sie zwischen zahlreichen raffiniert gefertigten, fein gearbeiteten Modellen wählen. Viele Lokomotiven gibt es als Blechspielzeug. Die Lackierungen stellen oftmals bis ins Detail die Form des Fahrzeugs und sogar den Lokomotivführer dar. Vor allem bei den vor 1970 gefertigten Modellen sollten Sie darauf achten, dass die Lackierung gut erhalten ist und das Blech keine Schäden aufweist. Denn Beulen im Blech können Risse in der Lackierung nach sich ziehen.

Es gibt auch antike Loks und Triebwagen aus anderen Materialien. Holzlokomotiven sind meist robust gefertigt, damit auch Kleinkinder ausgiebig mit ihnen spielen können. Achten Sie dennoch bei antiken Loks aus Holz darauf, dass beim Kinderspiel nichts abgebrochen oder abgesplittert ist. Eine weitere Alternative sind Lokomotiven aus Plastik oder Kunststoff. Es gibt beispielsweise solche, die zwar nicht fahren, dafür aber über einen kleinen Lautsprecher das Geräusch einer alten Dampflok wiedergeben. Überhaupt kann nicht jede Spielzeuglokomotive fahren, da sich die Räder nicht bei jedem Modell drehen lassen. Manche sind ausschließlich für Sammler gedacht, welche die Loks und Triebwagen in die Vitrine stellen. Der Vorteil dieser Modelle liegt darin, dass sie meist gut erhalten sind, weil sie pfleglich behandelt wurden. Erkundigen Sie sich dennoch sicherheitshalber beim Verkäufer, wo die Lokomotive gelagert wurde. Ein feuchter Keller lässt sie rosten. Auf dem Dachboden staubt sie ein, wenn sie nicht gut verpackt worden ist.

Lokomotiven und Triebwagen von Modelleisenbahnen

Modelleisenbahnen sind für Sammler antiker Lokomotiven und Triebwagen besonders interessant, weil deren Fahrzeuge meist einen eigenen Antrieb haben. Die „Modelleisenbahner“ sind so zahlreich, dass für sie eine große Auswahl an Lokomotiven zum Sammeln entwickelt worden ist. Damit die Liebhaber von Modelleisenbahnen sich beim Kauf und beim Zusammenstellen ihrer Züge besser orientieren können, einigten sich die Hersteller auf Normen für die unterschiedlichen Maßstäbe, Schienenspurweiten und dargestellten Zeitepochen.

Antriebsarten von Loks und Triebwagen antiker Modelleisenbahnen

Modelleisenbahnen unterscheiden sich von Spielzeugeisenbahnen dadurch, dass sie Lokomotiven oder Triebwagen mit einem eigenen Antrieb haben. Bei Ihrer Sammlung können Sie verschiedene Antriebsarten abdecken. Ob die Züge zusammenpassen, entscheidet die normierte Spurweite.

Mit echtem Dampf betriebene Loks sind die Pioniere der Modelleisenbahnen

Vor allem die ersten Loks von Modelleisenbahnen imitierten ihre originalen Vorbilder haarklein bis hin zur verwendeten Antriebstechnik. Denn sie wurden wie die originalen Loks mit Dampf betrieben. Die ersten solcher Loks stammen aus dem Jahr 1861 und wurden in London hergestellt. Ab 1869 kamen auch aus dem damaligen Königsberg Spiritus-Dampflokomotiven. Sie funktionierten mit einem oszillierenden Zylinder im Unterschied zu den Dampfloks mit Flachschieber- oder Rundschieber-Steuerung, die später verbreiteter waren.

Die ganz alten Exemplare der Dampfloks fahren nicht auf Schienen, sondern auf dem Fußboden. Daher nennt man sie „Bodenläufer“ und auch „Tröpfler“, weil bei ihnen der aus Spiritus entstehende Dampf eine Tropfspur hinter dem Zug hinterlässt. Ihr Betrieb ist etwas gefährlich, wenn man sie in Innenräumen fahren lässt. Denn der Antrieb wird nicht wie bei neueren, elektrisch betriebenen Lokomotiven unterbrochen, sobald diese mit einem Hindernis kollidieren und umfallen. Stattdessen drehen sich die Räder zunächst weiter, der Spiritus läuft aus und entzündet sich schlimmstenfalls. Sollten Sie sich dennoch für den Kauf solcher alter, im übrigen sehr wertvoller Dampfloks entscheiden und sie auch fahren lassen wollen, überprüfen Sie, ob bei der Spiritus-Dampflok am Tank noch die Einfüllschraube vorhanden ist. Fehlt diese, können Sie den Tank nicht befüllen und die Lok nicht in Betrieb nehmen. Neuere Echtdampf-Lokomotiven sind oft mit Gas betrieben. Das ist weniger gefährlich.

Loks und Triebwagen mit Uhrwerkantrieb sind Perlen der Handwerkskunst

Eine ungefährliche Variante antiker Loks mit eigenem Motor waren schon früh die Lokomotiven mit Uhrwerkantrieb. Es gibt sie schon etwa genauso lang wie Echtdampf-Lokomotiven. Aber ihr Antrieb entspricht technisch nicht dem der realen Vorbilder. Vielmehr ließen Hersteller sich von anderen bis heute beliebten Spielzeugen inspirieren, die sich mit Hilfe eines Uhrwerks in Bewegung setzten, wie zum Beispiel fahrende Blechautos oder herumwandernde Tiere. Achten Sie beim Kauf antiker Uhrwerk-Loks darauf, dass der Schlüssel, mit dem das Uhrwerk aufgezogen wird, noch vorhanden ist. Die Metallfeder im Motor kann im Laufe der Zeit spröde werden. Sollte sie reißen, finden Sie im Internet Anleitungen, die erklären, wie man die Mechanik repariert. Solche Lokomotiven können auf denselben Schienen wie elektrisch betriebene Loks und Triebwagen fahren.

Elektroloks werden mit unterschiedlicher Stromspannung und -zufuhr betrieben

Elektrisch betriebene Eisenbahnen sind heute am weitesten verbreitet. Obwohl die originalen Vorbilder über Oberleitungen ihre Stromzufuhr erhalten, liegen die Stromleitungen bei Modelleisenbahnen meistens in den Schienen. Informieren Sie sich dennoch über die genaue Art der Elektrik, mit der Ihre Loks die Wagen ziehen. Denn auch die Art der Stromversorgung unterscheidet sich bei den Lokomotiven verschiedener Hersteller. Märklin verkauft bis heute mit Wechselstrom angetriebene Loks. Andere Hersteller setzen bei der Stromversorgung auf mit Gleichstrom betriebene Lokomotiven.

Wenn elektrisch betriebene antike Loks und Triebwagen gemäß ihren originalen Vorbildern mit Lampen versehen sind, ist es fraglich, ob diese noch funktionieren. Außerdem ist es möglich, dass sie nur noch eingeschränkt vor- und rückwärts fahren können. Bei manchen alten Exemplaren lässt sich diese Gangart nicht mehr umschalten. Auch wenn Sie diese als Sammler ausschließlich in der Vitrine aufbewahren möchten, sollten Sie berücksichtigen, dass sie mehr wert ist, wenn sie noch funktioniert. Auch sollten die Loks die Fahrten äußerlich unbeschadet überstanden haben. Das heißt: Beulen, Absplitterungen und Kratzer im Lack verringern den Wert.

Lokomotiven und Triebwagen stellen die Epochen des Eisenbahnbaus normiert dar

Die bei Modelleisenbahnen dargestellten Epochen sind in den deutschsprachigen Ländern normiert. Die Epochen werden mit römischen Zahlen unterschieden. In Deutschland, Österreich und der Schweiz gibt es bei jeder Epoche noch Unterabschnitte, die mit kleinen Buchstaben von a bis f gekennzeichnet sind. Wenn Sie eine antike Modelleisenbahn-Lokomotive kaufen, zu der noch die Originalverpackung vorhanden ist, finden Sie darauf diese Kombination aus Zahl und Buchstabe, die Sie genau darüber informiert, aus welchem Zeitabschnitt die dargestellte Originallok stammt. Dampflokomotiven geben meist die Epochen I und II wieder, welche den Zeitraum zwischen 1835, als die erste Dampfeisenbahn fuhr, und 1945 umfassen, als die Dampfloks aus Mangel an Kohle aus dem Betrieb genommen wurden. Ab Epoche III gibt es Dieselloks und die ersten Elektroloks. In Epoche IV erhalten Triebwagen ab 1968 so genannte „Computernummern“ oder UIC-Nummern, die einem neuen Kennzeichnungssystem entsprechen. Epoche V beschreibt beispielsweise die Einführung von Mehrsystem-Elektroloks, die länderübergreifend in Europa fahren können, ohne dass man sie technisch anzupassen braucht.

Maßstäbe und Spurweiten der Loks sollten zu den Waggons passen

Wie die dargestellten Epochen sind auch die Maßstäbe und Spurweiten der Modellbahnen normiert. Lassen Sie sich jedoch nicht verunsichern, wenn eine Lokomotive in den Größenverhältnissen, zum Beispiel Länge zu Spurweite, vom Original abweichen sollte. Denn komplett maßstabsgetreue Bahnen sind anfälliger für technische Fehler, und die physikalische Trägheit ist eine andere als bei den Originalen. Früher veränderte man deshalb manche Modellbahnen im Vergleich zu ihrem echten Vorbild, zum Beispiel, damit sie aufgrund ihrer Länge nicht aus der Kurve fliegen. Lokomotiven betrifft das weniger als die langen Passagierwagen. Aber vereinzelt wurden auch Loks oder Triebwagen den physikalischen Gegebenheiten einer Modellbahn angepasst. Den Verkleinerungsmaßstab von Lokomotiven bezeichnet man als Nenngröße, wobei die Nenngröße 2 beispielsweise Gartenbahnen bezeichnet. Die Nenngröße H0 (für „Halb-Null“) ist die am weitesten verbreitete Nenngröße in Europa. Wenn Sie beispielsweise nach Modellen suchen, die zu Ihrem Schienensystem passen sollen, achten Sie darauf, dass die Nenngrößen wiederum mit unterschiedlichen Spurweiten der Schienen erhältlich sind. H0 gibt es beispielsweise mit Spurweiten zwischen 4,5 mm und 16,5 mm. Kleine Buchstaben hinter der Nenngröße zeigen dies an, etwa H0m für 12 mm und H0p für 4,5 mm. Der Vorteil dieser Normen liegt darin, dass Sie dadurch antike Lokomotiven und Wagen verschiedener Hersteller auf denselben Modellbahngleisen miteinander kombinieren können. Dadurch sind Ihrer Sammelleidenschaft und Ihrem Spaß am Spiel mit antiken Loks und Triebwagen kaum Grenzen gesetzt.

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