Ratgeber: Wie Sie Filmraritäten auf Zelluloid bewahren, archivieren und immer wieder genießen können

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Ratgeber: Wie Sie Filmraritäten auf Zelluloid bewahren, archivieren und immer wieder genießen können

Nitrozelluloid-Filme als Vorreiter der Schmalfilme

In den 1880er Jahren wurde Zelluloid als Träger für fotografische Filme entwickelt und legte damit den Grundstein für den Kinofilm. Erstmals war es möglich, bewegte Bilder abzuspielen. Allerdings konnte sich Zelluloid als Material wegen seiner ungünstigen Eigenschaften und der leichten Entzündbarkeit nicht lange auf dem Markt halten. Die Firma Kodak entwickelte schon 1908 ein Produkt aus Azetatzellulose, welches das gefährliche Nitrozellulose-Material ersetzen sollte, doch weltweit eingestellt wurde die Produktion der Nitro-Filme erst im Jahr 1951. Schließlich wurde das Material sogar in einigen Ländern verboten, da es bei unsachgemäßer Lagerung zu regelrechten Explosionen kommen konnte.

Verschiedene Schmalfilmformate

Abgelöst wurde das Nitrozelluloid durch die Verbreitung von Schmalfilmen. Zunächst im Format 35 mm bei Kinofilmen und 16 mm bei Amateur- und Werbefilmen, anschließend in Normal-8 und 1964 in dem wohl bekanntesten Format Super-8, ebenfalls von Kodak entwickelt. Mit der Entwicklung des Normal-8-Verfahrens war es erstmals möglich, Filme auch privat zu verwenden, da die Kameras im Vergleich zu ihren Vorgängern erheblich günstiger waren. Der richtige Boom setzte aber erst mit den Super-8-Filmen ein, da es diese in Kassetten gab, die man einfach nur noch in die Kamera einlegen musste. Auch der Verkauf von Projektoren lief an und erreichte Mitte der 70er Jahre seinen Höhepunkt. Ebenso schnell versiegte der Markt aber auch wieder, sodass viele Hersteller schon Anfang der 80er Jahre ihre Produktion einstellten oder umstellten. Die technische Weiterentwicklung hin zum Camcorder und zur VHS verdrängte den Schmalfilm fast komplett.

Schmalfilmverfahren in der digitalen Zeit

Heute wird das Schmalfilmverfahren in der Regel nur noch von Künstlern oder für einzelne Sequenzen von Kinofilmen verwendet, da die digitale Bild- bzw. Filmaufnahme insbesondere bei der Bearbeitung und Speicherung immense Vorteile bietet. Außerdem ist es heute schwierig, Schmalfilmkameras, Filme und Projektoren neu zu kaufen. Einzig der Erfinder Kodak produziert in diesem Bereich bis heute. Hier kann man jedoch auch gut auf gebrauchte Produkte zurückgreifen, die Sie auf eBay erwerben können. Mit etwas Zeit und Geduld können Sie Ihre Schätze archivieren, damit sie für die Nachwelt nicht verloren gehen. Mit einigen Tipps und Tricks können Sie noch lange Freude an Ihren Filmen haben.

Die sachgemäße Reinigung und Pflege von Filmen und Projektoren

Um die Lebensdauer der Filme zu erhalten und Qualitätseinbußen zu verhindern, sollten Filme regelmäßig gereinigt werden. In erster Linie werden durch die Reinigung Schmutzpartikel entfernt. Allerdings ist es auch wichtig, die Eigenfeuchtigkeit der Filme zu erhalten. So kann das Band nicht schrumpfen, eine Austrocknung wird verhindert und die Bildschärfe bleibt erhalten. Auch unschönes Ruckeln kann auf diese Weise vermieden werden.

So reinigen Sie Ihre Filme

Benutzen Sie für die Reinigung hochwertige Filmreinigungsmittel, da diese speziellen Produkte das sensible Material Ihrer Filme nicht angreifen. Zusätzlich benötigen Sie Reinigungstücher. Der eigentliche Reinigungsprozess lässt sich mit einem Film-Umroller am besten bewerkstelligen. So können Sie den zu bearbeitenden Film Stück für Stück umrollen. Beachten Sie dabei, das Reinigungsmittel gut wieder zu entfernen. Filme dürfen niemals nass aufgewickelt werden. Sollten Sie während der Bearbeitung Schäden entdecken, beseitigen Sie diese am besten sofort. Trennen Sie das beschädigte Stück ab und fügen Sie den Film mit Klebemittel und Klebepresse wieder zusammen. Wenn Sie an dieser Stelle geschickt arbeiten, wird der Fehler im Film hinterher kaum erkennbar sein. Viele dieser Artikel können Sie im Angebot von eBay erwerben.

Wartung Ihres Projektors

Aber nicht nur die Pflege Ihrer Filmschätze ist wichtig. Auch die zugehörigen Projektoren sollten nicht vernachlässigt werden, da diese, wenn sie technisch nicht einwandfrei funktionieren, Ihre Filme zerstören können. Prüfen Sie daher, ob die Filmführungsrollen einwandfrei laufen. Ist das nicht der Fall, sollten sie geölt oder notfalls ausgetauscht werden. Auch der Filmkanal lässt sich mit etwas Geschick leicht selbst reinigen und von Staub und Schmutz befreien. Genauso verhält es sich mit dem Bildfenster. Ist dieses verschmutzt, wird der Staub mit projiziert. Mit einem kleinen Staubpinsel lässt sich dieses Problem schnell beheben. Anleitungen zur Reinigung fast aller Geräte finden Sie online. Auch der Austausch von Projektor-Glühlampen wird Ihnen für die gängigen Geräte online erklärt. Häufig kann man auch gut erhaltene Projektoren bei eBay ersteigern, oder auch alte Geräte dort anbieten. Bei eBay finden Sie gute Angebote, sowohl von Privat als auch von gewerblichen Anbietern.

So lagern Sie Ihre Filme korrekt

Nachdem Sie nun Ihre Filme gereinigt und Ihren Projektor überprüft haben, stellt sich die Frage der optimalen Lagerung. Am besten eignen sich hierfür Weißblechdosen, da diese chemisch neutral sind. Leider ist diese Variante auch etwas kostspieliger als die Lagerung in herkömmlichen Plastikkassetten. Wenn Sie also über eine sehr große Sammlung verfügen, sollten Sie sich für die wertvollsten Stücke zur optimalen Erhaltung einige Weißblechdosen zulegen. Die restlichen Filme können Sie dann guten Gewissens in Plastikkassetten aufbewahren. Mit etwas Glück kann man bei eBay auch gebrauchte Dosen ersteigern, dies macht qualitativ keinen Unterschied und schont den Geldbeutel. Zwei weitere Faktoren, die bei der Lagerung unbedingt beachtet werden sollten, sind die Temperatur und die Luftfeuchtigkeit. Generell gilt: Je kühler die Filme gelagert werden, desto besser. Die maximale Temperatur sollte 18°C nicht übersteigen. Bei zu hohen Temperaturen kommt es zu einer chemischen Zersetzung des Materials, wahrnehmbar als Essig-Geruch, auch bekannt als Essigsäure-Syndrom. Ebenfalls können rotstichige Verfärbungen durch eine kühle Lagerung vermieden werden. Eine zu hohe Luftfeuchtigkeit kann Schimmel, Bakterien oder Pilze auf dem Film verursachen. Haben die Filme einmal Schaden dadurch genommen, sind sie meist nicht mehr zu reparieren. Ist die Luftfeuchtigkeit zu niedrig, wird das Material spröde und brüchig. Optimal ist hier ein Wert zwischen 40 und 50%. Verfügen Sie über Filme mit Magnetspur, so müssen Sie zusätzlich darauf achten, dass die Filme keiner Strahlung ausgesetzt werden (also möglichst nicht in der Nähe von TV-Geräten, Routern oder Lautsprechern lagern). Bestenfalls haben Sie noch zusätzlich die Möglichkeit, die Filmrollen liegend zu stapeln, um Stauchungen zu verhindern. Diese Tipps sind für die Einlagerung von Amateur-Filmen gedacht. Für die professionelle Einlagerung, beispielsweise von geschichtsträchtigen Filmdokumenten, gibt es spezielle Kühlsysteme.

Gründe für die Digitalisierung von Schmalspurfilmen

Auch wenn Sie Ihre Filme und den Projektor optimal lagern und pflegen, empfiehlt sich die Digitalisierung der Filme. Bisher kann niemand genau sagen, wie lange das Material halten wird, allerdings ist mit Qualitätseinbußen zu rechnen, je älter die Filme werden. Außerdem ist ungewiss, wie lange noch Ersatzteile für Projektoren erhältlich sein werden.

Unterschiedliche Methoden Filme zu Digitalisieren - Abfilmen

Eine sehr kostengünstige Methode ist sicherlich das einfache Abfilmen der Projektion, allerdings werden hierbei auch die schlechtesten Ergebnisse erzielt. Gründe dafür liegen in der suboptimalen Möglichkeit der Beleuchtung. Außerdem werden Sie in der Kopie den sogenannten Hotspot zu sehen bekommen, einen mittig konzentrierten Lichtkegel, der von der Projektorlampe herrührt. Unschön ist ebenfalls das Flimmern in der digitalen Kopie, das Sie aber nicht umgehen können, da die Geräte nicht zu synchronisieren sind.

Professionelle Digitalisierung durch Fremdanbieter

Unzählige Firmen bieten Ihnen eine professionelle Digitalisierung an. Diese Variante ist jedoch kostenintensiv und nicht immer zufriedenstellend. Wenn Sie sich dafür entscheiden sollten, eine Firma zu beauftragen, informieren Sie sich vorher genau über die tatsächlichen Endpreise. Gute Anbieter geben einen Kostenvoranschlag. Nutzen Sie außerdem unterschiedliche Bewertungsportale zum Beispiel bei eBay und sehen Sie die Zufriedenheit anderer Kunden ein, die dort schon Filme bearbeiten ließen. Wünschen Sie eine unbearbeitete 1:1 Digitalisierung, dann sollten Sie darauf achten, dass die Unternehmen mit der Direktabtastung des Filmes arbeiten. Bei diesem Verfahren wird der Film auf eine moderne Kamera transportiert, ohne ein anderes Medium dazwischen zu schalten. Lediglich ein hochwertiges, optisches Glasprisma spiegelt das Bild, die Beleuchtung wird mit originalen Projektor-Halogenlampen vorgenommen. Auch wird hier auf Software zur Bearbeitung verzichtet, damit Ihre digitale Kopie dem Original so ähnlich wie möglich ist.

Digitalisieren mit dem Flachbettscanner

Wenn Sie Ihre Filme aber nicht aus der Hand geben möchten, oder Ihnen eine Fremdbearbeitung zu teuer ist, haben Sie mittlerweile die Möglichkeit, auch zu Hause mittels eines Flachbettscanners hervorragende Ergebnisse zu erzielen. Diese Art von Scanner hat eine Halterung, in die der Film eingelegt wird. Bild für Bild wird so der komplette Film eingescannt und kann am Computer bearbeitet werden. Meistens ist die Bearbeitungs-Software beim Kauf eines Scanners inklusive. Im Allgemeinen reicht aber auch die Software, die häufig schon installiert ist, zum Beispiel von Canon oder Epson, um die Filme ansprechend und gut bearbeiten zu können. Beachten Sie aber, dass diese Prozedur viel Zeit in Anspruch nimmt. Pro Film müssen Sie nicht nur die Echtzeit des Originals einplanen. Je nach Leistungsstärke Ihres PCs kann auch die Bearbeitung der Daten einige Stunden dauern. Bei großen Sammlungen von Schmalspurfilmen kann man sich auch für eine Mischform der Digitalisierung entscheiden. Die Filme, die für Sie am wichtigsten sind und die höchste Priorität haben, lassen Sie vom Fachmann bearbeiten. Den verbleibenden Rest digitalisieren Sie nach und nach zu Hause.

Fazit

Egal wie Sie sich entscheiden, halten Sie Ihre Filmraritäten für die Nachwelt und für sich selbst fest. Denn was gibt es Schöneres, als immer wieder Lieblingsfilme anzuschauen, als die Kinder noch klein waren und man selbst noch jung war. Oder auch Stummfilme zu genießen, die man selbst als Kind anschauen durfte, als ein Fernsehgerät noch keine Selbstverständlichkeit war.

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