Ratgeber: Spur-H0-Gleichstrom-Zubehör für die Modelleisenbahn

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Spur H0 Gleichstrom Zubehör für die Modelleisenbahn

Modelleisenbahnen – mehr als nur ein Spielzeug

Ob im Kinderzimmer oder im Hobbykeller: Die Modelleisenbahn erfreut sich seit über 100 Jahren großer Beliebtheit. Dabei versprühen die exakten Nachbildungen der großen Originale einen unnachahmlichen Charme. Diesen machen besonders die filigranen Details aus. Oft ist sie heute eher Objekt einer Sammel- und Modellbauleidenschaft als ein Kinderspielzeug. In diesem Fall fahren die kleinen Züge durch aufwendig gestaltete, individuelle Landschaften. Dank vielseitigen Zubehörs kreieren Sie Ihre persönliche Wunschumgebung, in der idyllische Häuser und grüne Bäume stehen. Damit eine Gleichstrom-Lok jedoch überhaupt fahren kann, benötigt sie Gleichstrom-Zubehör. Hierzu gehören das richtige Gleismaterial und ein Trafo. Dieser Einkaufsratgeber führt Sie durch die Welt der Spur H0 und gibt Ihnen einen Überblick über das passende Gleichstrom-Zubehör für diesen Maßstab.

Was macht die Spur H0 aus?

Nachdem sich Modelleisenbahnen zum Ende des 19. Jahrhunderts großer Beliebtheit erfreuen, gibt es zu Beginn des 20. Jahrhunderts Überlegungen, Tischbahnen zu entwickeln. Diese sollen kleiner sein als die bisherigen Spurweiten und deutlich besser in ein Kinderzimmer passen. Das erste Unternehmen, das eine solche Tischbahn präsentiert, ist Bing im Jahr 1922. Die Bahn verfügt über eine Modellspurweite von 16 mm. Doch erst 1935, als Trix seine Modelleisenbahn im gleichen Maßstab auf der Leipziger Frühjahrsmesse präsentiert, wird diese offiziell mit Spur 00 bezeichnet. Das gilt ebenfalls für das Fabrikat von Märklin, das im selben Jahr vorgestellt wird. Da die Produktionskosten erheblich geringer sind als bei der Spur 0, die zu der Zeit als Verkaufsschlager gilt, läuft die Spur 00 der Spur 0 bald den Rang ab. Aufgrund der platzsparenden Maße und des erschwinglichen Preises entwickelt sich die Spur 00 zur beliebtesten Spurgröße für Modellbahnen. Dies ist bis heute so geblieben.

Verändert haben sich jedoch der Name und die Spurweite des Gleises. So wird die Spur 00 nach dem Zweiten Weltkrieg in Spur H0 – für "halb Null" – umbenannt. Das soll darauf verweisen, dass sie mit ihrem Maßstab von 1:87 halb so groß ist wie die Spur 0 mit einem Maßstab von 1:45. Im Jahr 1953 verbreitert Trix in seinen Modellen die Spurweite der Normalspur auf 16,5 mm. Die Vorbild-Spurweite beträgt dabei 1435 mm. Andere Hersteller tun es Trix gleich, sodass sich diese Spurweite durchsetzt. Lediglich in England wird die Spurweite von 16,5 mm auch heute noch unter dem Namen Spur 00 vertrieben; der Maßstab der Fahrzeuge beträgt 1:76,2.

Gleichstrom oder Wechselstrom?

Kaum eine Frage ist enger mit der Geschichte der Modelleisenbahn verbunden als die Frage nach Gleich- beziehungsweise Wechselstrom. Auch wenn die Frage im digitalen Zeitalter seltener wird, so hat sie bezüglich der Spur H0 für das klassische, analoge Gleismaterial und die Loks, die darauf fahren, noch Bedeutung. Oft ist die Frage nach dem Strom gleichzeitig eine Frage nach dem Gleissystem, auf dem gefahren wird, und nach dem Hersteller.

Zweileiter- und Dreileiter-Gleissysteme

So gibt es Zweileiter-Gleissysteme und das Dreileiter-Gleissystem. Das Zweileiter-Gleissystem gilt als prädestiniert für den Fahrbetrieb mit Gleichstrom. Modelleisenbahnen von Märklin hingegen fahren auch auf Zweileiter-Gleisen mit Wechselstrom. Doch auch beim Dreileiter-Gleissystem ist es abhängig vom Hersteller, ob mit Gleichstrom oder mit Wechselstrom gefahren wird. So sind die Fahrzeuge von Trix bereits in den 1950ern mit Gleichstrom auf den Schienen des Dreischienen-Dreileiter-Gleissystems unterwegs. Vereinfacht lässt sich sagen, dass Märklin den Betrieb mit Wechselstrom bevorzugt, wohingegen sich nahezu alle anderen Hersteller auf Gleichstrom spezialisiert haben. Doch was genau bedeutet Gleichstrom? Beim Gleichstrom – englisch abgekürzt DC – behält die elektrische Spannung sowohl die Stärke als auch die Richtung, in die der Strom fließt, bei. Wird nun die Lok einer Modelleisenbahn mit Gleichstrom betrieben, so hat sie an einem Kontakt permanent den Pluspol, an dem anderen den Minuspol. Bei einem Wechselstrom-Motor hingegen spielt die Polung keine Rolle. Die Geschwindigkeit der Lok wird über die Spannung geregelt. Dabei gilt: je höher die Spannung, desto schneller der Zug. Also fährt die Bahn bei Drosselung der Spannung entsprechend langsamer. Für einen Richtungswechsel, damit die Lok rückwärts fährt, wird die Polung vertauscht.

Gleichstrom-Zubehör für die Spur H0

Gleichstrom-Trafos

Der Trafo ist ein unerlässliches Zubehör für die Modelleisenbahn, denn ohne diesen ist kein Fahrbetrieb möglich. Für Gleichstrom und Wechselstrom gibt es unterschiedliche Modelle. Dabei zeichnen sich Gleichstrom-Trafos durch einen Drehknopf aus, der sich von seiner mittigen 0-Stellung aus sowohl nach links als auch nach rechts drehen lässt. Mithilfe dieses Knopfes bestimmen Sie die Richtung und das Tempo, in dem sich Ihre Modellzüge über die Gleise bewegen. An der 0-Stellung ist der Trafo ausgeschaltet, folglich fließt kein Strom, die Lok steht still. Wird der Knopf nach rechts gedreht, fährt die Bahn vorwärts, wird er nach links gedreht, fährt diese rückwärts. Je weiter der Knopf in die jeweilige Richtung von der 0-Stellung entfernt wird, desto schneller wird die Lok. Es gibt jedoch Gleichstrom-Trafos, bei denen sich der Knopf ausschließlich nach rechts drehen lässt. Diese Varianten enthalten zusätzlich einen Umschalter. Um die Richtung zu ändern, wird dieser umgelegt. Das Tempo regelt sich bei diesem Modell ebenso wie bei dem mit Mittelstellung des 0-Punktes über die Stärke der Drehung.

Gleichstrom-Gleismaterial

Prinzipiell werden für die Spur H0 drei elektrische Gleissysteme angeboten:

  • das Zweischienen-Zweileiter-Gleissystem,
  • das Dreischienen-Zweileiter-Gleissystem und
  • das Dreischienen-Dreileiter-Gleissystem.

Lange gilt das Zweileiter-Gleissystem gleichbedeutend mit Gleichstrom, das Dreileiter-Gleissystem hingegen als gleichbedeutend mit Wechselstrom. Daraus ergeben sich auch die Bezeichnungen Zweileiter-Gleichstrom-System und Dreileiter-Wechselstrom-System. Dies ist jedoch nicht durch die Produktpaletten aller Hersteller hindurch einheitlich. Allgemein verwendet das Zweischienen-Zweileiter-Gleissystem Gleichstrom für den Fahrbetrieb. Dabei bildet jede Schiene ein elektrisches Potenzial. Das System ist international genormt, wodurch es ein großes Sortiment an kompatiblem Gleichstrom-Gleismaterial und passenden Fahrzeugmodellen gibt. Hersteller dafür sind unter anderem Fleischmann, Piko, Roco, Tillig und Trix-H0.

Beim Dreischienen-Zweileiter-Gleissystem haben die beiden Außenschienen sowohl über den Böschungskörper als auch über die Schwellen miteinander Kontakt. Dafür ist die mittlere Schiene elektrisch isoliert. Bei Horby Dublo fahren die Züge auf diesem Gleissystem bereits seit 1983 mit Gleichstrom. Loks des Herstellers Bing sind sowohl mit Wechselstrom als auch mit Gleichstrom auf diesem Gleissystem gefahren. Achten Sie darauf, dass Märklin-Lokomotiven Wechselstrom für den Fahrbetrieb auf dem Dreischienen-Zweileiter-Gleissystem verwenden. Mit Einführung des Dreischienen-Dreileiter-Gleissystems durch Trix im Jahr 1935 wird der Zweizugbetrieb auf einem Gleis möglich. Da die drei Schienen elektrisch isoliert sind, können zwei Züge unabhängig voneinander gesteuert werden, während sie gleichzeitig über die Schienen fahren. In Kombination mit einer Oberleitung ist auf diesem Gleissystem zudem ein unabhängiger Dreizugbetrieb möglich.

Trix hat sein Programm auf diesem Gleissystem nach anfänglichem Betrieb mit Wechselstrom auf Gleichstrom umgestellt. Das Gleichstrom-Gleismaterial für die Spur H0 ist also äußerst vielfältig.

Gleichstrom-Loks und -Waggons für die Spur H0

Gleichstrom-Loks unterscheiden sich in einigen Punkten von Wechselstrom-Loks. Zum einen haben sie einen reinen DC-Motor eingebaut. Besitzt eine Lok einen Allstrommotor, kann sie sowohl mit Wechselstrom als auch mit Gleichstrom fahren. Ein charakteristisches Merkmal, das Aufschluss darüber gibt, ob eine Lok mit Gleichstrom oder Wechselstrom fährt, ist der Mittelschleifer. Da Gleichstrom-Loks die Achsen zur Stromaufnahme nutzen oder spezielle Schleifer, die an den Seiten auf Höhe der Achsen sitzen, haben sie keinen Mittelschleifer. Eine Ausnahme ist jedoch das Dreileiter-Gleissystem von Trix. Für dieses alte System haben die Lokomotiven der Trix Express ein bis zwei Schleifer in Mittelstellung. Diese sind mit 5-8 mm jedoch kürzer als die der Wechselstrom-Loks von Märklin. Da bei Gleichstrom der Strom über die eine Schiene in die Lok geleitet wird und über die andere wieder zurück, sind die Achsen bei Gleichstrom-Waggons gegeneinander isoliert. Dies ist notwendig, um einen Kurzschluss zu verhindern. Achten Sie jedoch darauf, dass – trotz Normung und gleicher Spurweite – nicht alle Modelle der verschiedenen Hersteller miteinander kompatibel sind. Mit etwas Know-how lassen sich bestimmte Modelle jedoch umrüsten. Hierfür gibt es spezielle Gleichstrom-Radsätze.

Gleichstrom-Zubehör für die individuelle Gestaltung

Für die individuelle Gestaltung der Modellanlage gibt es eine große Auswahl an Gleichstrom-Zubehör. Darunter befinden sich auch Produkte wie Signale, Schranken und Lampen. So werden Bahnübergänge durch Heranfahren und Entfernen des Zuges ausgelöst. Signale, Straßenlaternen und Bahnhofslampen werden mittels LED-Leuchten erhellt. Besonders realitätsnah wird die Anlage jedoch durch Zubehör, das nicht elektrisch ist. So ergänzen Gebäude im Maßstab 1:87 das Gesamtbild perfekt. Landschaftsbau mit Büschen, Bäumen, Kies und Rasen rundet das Ganze harmonisch ab und verleiht Ihrer Anlage eine persönliche Note.

Fazit

Bei genauerer Betrachtung wird deutlich, wie groß das Angebot an Spur-H0-Gleichstrom-Zubehör ist. Das liegt daran, dass die Spur H0 an sich sehr beliebt ist und dass der Großteil der Hersteller auf den Gleichstrom-Betrieb spezialisiert ist. Ob Gleismaterial, Loks und Waggons, Trafos oder weiteres Zubehör: Das Sortiment ist umfangreich und vielseitig. Gleichstrom-Zubehör für die Spur H0 finden Sie in großer Auswahl. Achten Sie beim Kauf genau auf die Produktbeschreibungen, um sicherzugehen, dass das neue Zubehör zu Ihrem bisherigen Sortiment passt. Bei Loks und Waggons handelt es sich zudem oft um Sammlerstücke. Aufgrund hoher Detailtreue und filigraner Kleinteile eignen sich diese Produkte nicht als Kinderspielzeug.

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