Ratgeber Schwangerschaft: Diese Informationen enthält der Mutterpass

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Ratgeber Schwangerschaft: Diese Informationen enthält der Mutterpass

Innerhalb der ersten drei Monate einer Schwangerschaft erhält die werdende Mutter den so genannten Mutterpass von der Hebamme oder dem Frauenarzt. Bevor dieser angelegt werden kann, ist eine Entnahme von Blut erforderlich. Zum einen wird bei diesem Bluttest festgestellt, ob tatsächlich eine Schwangerschaft besteht und zum anderen wird im Rahmen eines kleinen Blutbildes kontrolliert, ob verschiedene Erkrankungen vorliegen und ob für einige Krankheiten genügend Antikörper vorhanden sind.

Von der Bedeutung der Vorsorgeuntersuchungen und der Rolle des Mutterpasses

Eine Schwangerschaft ist ein natürlicher Zustand im Leben einer Frau. Dennoch kann unter bestimmten Umständen ein Risiko sowohl für das noch ungeborene Leben als auch für die Frau bestehen. Um einen Großteil dieser möglichen Risiken frühzeitig zu erkennen und abzuwenden, sind engmaschige Vorsorgeuntersuchungen während der Schwangerschaft vorgesehen.

Jede Schwangere hat die Wahl, ob Sie diese Untersuchungen wahrnehmen möchte. Es kann dafür entweder ein Frauenarzt oder auch eine Hebamme aufgesucht werden. Die Kosten übernimmt die Krankenkasse. Sie können auch eine wechselseitige Betreuung durch den Arzt und eine Hebamme vereinbaren.

Der Mutterpass dient dazu, die erfolgten Untersuchungen zu dokumentieren. Es handelt sich um ein persönliches Dokument, das als werdende Mutter Ihnen gehört. Das bedeutet auch, dass nur Sie allein entscheiden, wer den Mutterpass zu Gesicht bekommt. Beispielsweise hat Ihr Arbeitgeber kein Recht auf eine Einsicht in den Mutterpass; Bescheinigungen über den mutmaßlichen Entbindungstermin werden vom Arzt oder der Hebamme separat ausgestellt, so dass Sie keinesfalls eine Kopie des Mutterpasses anfertigen oder diesen aus der Hand geben müssen. Schöne Mutterpasshüllen verdeutlichen, dass es sich um Ihr Dokument handelt.

Damit alle Vorsorgeuntersuchungen auch entsprechend dokumentiert werden können, muss der Mutterpass zu jeder Vorsorge mitgebracht werden.

Diese grundlegenden Informationen enthält der Mutterpass

Die Eingangsseite des Mutterpasses bildet der Stempel der Hebammenpraxis, des Geburtshauses oder des Frauenarztes, bei dem Sie sich betreuen lassen. Im Falle einer wechselseitigen Betreuung oder eines Wechsels der Betreuungsperson während der Schwangerschaft stehen weitere Felder zur Verfügung. Dieser Stempel ist insofern hilfreich, als dass er auf einen Blick die Adresse und auch die Telefonnummer hergibt, falls Sie diese einmal schnell benötigen.

Auf der ersten Doppelseite werden neben Ihren Daten wie Name, Geburtsdatum und Adresse die Ergebnisse des Bluttests eingetragen. Besonders relevant ist die Blutgruppenzugehörigkeit samt dem Rhesusfaktor, die vermerkt wird, falls Sie eine Transfusion benötigen. Der Rhesusfaktor ist wichtig, denn wenn dieser Negativ ist, kann eine Unverträglichkeit zwischen Mutter und Kind vorliegen, die abgeklärt werden muss. Ist das Kind im Rhesusfaktor positiv, könnte die Mutter Antikörper gegen das Ungeborene entwickeln. In diesem Fall gibt man der Mutter Anti-D-Globuline, um prophylaktisch gegen die Antikörperbildung vorzugehen. Zur Kontrolle wird bei Rhesus-negativen Müttern nochmals eine Antikörperkontrolle nach der 24. Schwangerschaftswoche durchgeführt.

Ergebnisse der Blutuntersuchung auf Antikörper

Bei der Untersuchung des entnommenen Blutes wird der sogenannte Röteln-HAH-Test durchgeführt, bei dem das Blut auf Antikörper gegen Rötelviren untersucht wird. Hatten Sie als werdende Mutter bereits eine Rötelninfektion, dann besteht Immunität. Alternativ kann die Immunität auch durch eine Impfung erworben sein.

Falls keine Antikörper vorhanden sind, kann eine Rötelninfektion in der Schwangerschaft zu einer Fehlgeburt führen; aber auch schwere Missbildungen beim Kind können die Folge sein. Neben dem Titerwert ist im Mutterpass explizit vermerkt, ob eine Immunität vorhanden ist. Ist keine Immunität vorhanden, wird der Test nach der 20. Schwangerschaftswoche noch einmal wiederholt, um abzuklären, ob sich der Titerwert verändert hat. Dies würde dann darauf hinweisen, dass während der letzten Wochen der Schwangerschaft eine Infektion durchgemacht wurde.

Zusätzlich wird das Blut auf weitere Infektionskrankheiten untersucht, die für das Kind potenziell gefährlich sein können. Dies ist wichtig, um eine Ansteckung zu verhindern. Es wird unter anderem ein LSR-Test durchgeführt, der die Mutter auf Syphilis untersucht. Allerdings wird im Mutterpass nicht das Ergebnis des Tests dokumentiert, sondern lediglich, dass der Test durchgeführt wurde. Über das genaue Ergebnis wird Sie der Arzt oder die Hebamme aufklären und gegebenenfalls weitere Behandlungsschritte einleiten.

Oftmals wird auch ein HIV-Test im Rahmen der ersten Blutuntersuchung durchgeführt. Dieser darf nur mit Zustimmung der Mutter erfolgen. Im Mutterpass wird allerdings lediglich vermerkt, dass Sie über die Möglichkeiten eines HIV-Tests aufgeklärt wurden, nicht ob dieser durchgeführt wurde und was das Ergebnis war. Ein Test kann im Infektionsfall dazu beitragen eine Infektion des Kindes zu verhindern, da so Maßnahmen bei der Geburt ergriffen werden können, die das Kind schützen.

Ein ebenfalls freiwilliger Test ist der Toxoplasmose-Test, der selbst bezahlt werden muss. Auch dessen Ergebnis wird im Mutterpass vermerkt.

Spätere Untersuchungen und deren Vermerk im Mutterpass

Mit einem vaginalen Abstrich werden Sie auf eine Chlamydien-Infektion untersucht, die bei einer Infektion in der Scheide bei der Geburt auf das Kind übertragen werden kann. Im Mutterpass werden sowohl der Termin der Untersuchung als auch das Ergebnis vermerkt.

Im letzten Schwangerschaftsdrittel ist noch einmal eine Blutentnahme notwendig, um das HB-Antigen nachzuweisen. Kontrolliert wird das Blut auf eine infektiöse Leberentzündung, die auch als Hepatitis B bezeichnet wird. Wird das Antigen nachgewiesen, sind weitere Untersuchungen nötig, um das tatsächliche Ansteckungsrisiko des Kindes zu ermitteln.

Vorausgegangene Schwangerschaften

Obwohl im Mutterpass Platz für zwei Schwangerschaften und Geburten ist, wird bei jeder Schwangerschaft ein neuer Mutterpass ausgehändigt. Das hängt vor allem mit dem Datenschutz zusammen.

Dennoch werden im Mutterpass Informationen zu vorausgegangenen Schwangerschaften und Geburten und deren Verlauf gesammelt. Vermerkt wird, wie lange die Schwangerschaften dauerten, wie sie endeten, beispielsweise in einer Fehlgeburt, einem Abbruch, einer Eileiterschwangerschaft, einer Spontangeburt oder einem Kaiserschnitt. Vermerkt werden außerdem Informationen zum Geburtsverlauf und etwaige Komplikationen. Auch das Gewicht und die Größe der Kinder werden angegeben.

Anhand dieser Angaben werden Rückschlüsse auf bestehende Risiken gezogen, die einer besonderen Beachtung bedürfen.

Beratung der Schwangeren im Erstgespräch

Im Erstgespräch, dem Anamnesegespräch, wird die Schwangere über bestehende Risiken aufgeklärt und über Verhaltensweisen hinsichtlich der Krebsvorsorge, Zahngesundheit oder Zusatznährstoffen aufgeklärt. Dass diese Aufklärung erfolgt ist, ist im Mutterpass vermerkt.

Anschließend werden im Mutterpass besondere Befunde vermerkt, beispielsweise ob es sich um eine Mehrlingsschwangerschaft handelt. Aber auch Probleme wie Bluthochdruck, Ödeme oder Infektionen werden hier vermerkt. Die Daten werden als Basis genommen, um zu beurteilen, ob es sich um eine Risikoschwangerschaft handelt.

Außerdem wird während der ersten Vorsorge der mutmaßliche Entbindungstermin festgelegt. Dieser wird errechnet anhand des Konzeptionstermins oder ausgehend vom ersten Tag der letzten Periode und der durchschnittlichen Zyklusdauer. Im Verlauf der Schwangerschaft kann dieser Termin allerdings korrigiert werden.

Das Gravidogramm

Alle Untersuchungen in der Schwangerschaft werden im Gravidogramm ausführlich dokumentiert. Immer versehen mit dem aktuellen Datum und der Schwangerschaftswoche werden der Entwicklungsstand des Kindes und das Befinden der werdenden Mutter dokumentiert.

Der erste Wert ist der Fundusstand, der Auskunft über die Höhe der Gebärmutter gibt. Angegeben wird der Abstand in cm, den die Gebärmutter mit dem höchsten Punkt zur Symphyse, dem Nabel oder dem Rippenbogen hat.

In späteren Untersuchungen wird die Kindslage dokumentiert, das ist besonders kurz vor dem Termin relevant. Bis zur 26. Woche drehen sich die Kinder so häufig, dass dieser Zustand nur eine Momentaufnahme ist.

Die Herztöne können im Ultraschall ab der 7. Woche und mit dem Dopton ab der 10. Woche festgestellt werden. Die Frequenz liegt deutlich über jener der Erwachsenen und beträgt am Anfang um die 160 Schläge pro Minute, später pendelt sie sich bei etwa 120 Schlägen ein.

Dokumentiert werden außerdem die Kindsbewegungen entsprechend dem, was die Mutter berichtet.

Hinsichtlich des Befindens der Mutter werden im Gravidogramm Ödeme, Gewicht, Blutdruck, Eisenwert des Blutes, Ergebnisse der Urin-Untersuchung, eventuelle vaginale Untersuchungen und erfolgte Therapien vermerkt.

Krankenhausaufenthalte und Cardiotokographie

Alle stationären Behandlungen, die während der Schwangerschaft nötig werden, werden im Mutterpass verzeichnet. Wichtig ist, dass sowohl die Diagnose als auch die angewandte Therapie vermerkt sind.

Ebenfalls vermerkt werden alle cardiotokographischen Befunde, das sind beispielsweise alle CTGs, die ab der 28. Woche zur Aufzeichnung der Herztöne vorgenommen werden.

Die sogenannten Screenings

Während der Schwangerschaft können Sie bis zu drei Screenings, das sind Ultraschalluntersuchungen, wahrnehmen. Diese finden zu festen Zeitfenstern statt, die im Mutterpass vermerkt werden.

Während das erste Screening dazu dient die Einnistung des Kindes in der Gebärmutter nachzuweisen und zu überprüfen, ob Herztöne vorhanden sind, soll das zweite Screening organische Fehlfunktionen feststellen. Das dritte Screening dient der Kontrolle der Kindslage kurz vor der Geburt.

Dokumentiert werden bei allen Screenings die Kindsgröße, die Herzaktivität, die Fruchtwassermenge und der Sitz der Plazenta. Mit Hilfe der Ultraschalluntersuchungen lässt sich die zeitgemäße Entwicklung des Kindes kontrollieren, dafür werden Vermessungen der Knochen vorgenommen. Auch die Aktivität kann Aufschluss auf die tatsächliche Schwangerschaftswoche geben. Gegebenenfalls bildet die Ultraschalluntersuchung die Grundlage für eine Korrektur des Geburtstermins.

Die Abschlussuntersuchung nach der Geburt

Die Dokumentation des Mutterpasses endet mit der Abschlussuntersuchung nach der Geburt des Kindes. Hier werden zusammenfassend die wichtigsten Informationen über den Verlauf der Schwangerschaft die Geburt aber auch den Verlauf des Wochenbettes zusammengetragen.

Dokumentiert werden so beispielsweise die Anzahl der Vorsorgeuntersuchungen, die Tage des Krankenhausaufenthaltes vor der Geburt und wie viele Geburten die Frau insgesamt bereits bewältigt hat.

Es geht bei der Abschlussuntersuchung jedoch nicht nur um die Mutter, sondern auch um das Kind. So werden beispielsweise auch die Ergebnisse des Apgar-Tests, der direkt nach der Geburt durchgeführt wird, vermerkt. Aber auch der Geburtsmodus, die Kindslage, das Gewicht und die Größe sind hier dokumentiert.

Die gesamte Dokumentation der Schwangerschaft, Geburt und des Wochenbetts endet mit den Ergebnissen der Abschlussuntersuchung etwa 6 oder 8 Wochen nach der Geburt, in denen der Allgemeinzustand bewertet wird, aber auch, ob noch gestillt wird.

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