Ratgeber: Hardboots in der Übersicht

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Hey, es gibt doch tatsächlich Leute, die sich für Hardboots interessieren und nicht in den schönen bequemen Softboots fahren wollen oder sollen. Der Grund ist wohl, daß bei einem Freecarver oder Raceboard Bindungswinkel über 35 Grad gefahren werden und Hardboots die dabei entstehenden Querkräfte viel besser aufnehmen, als
Softboots/bindungen. Knöchelverletzungen sind damit passé. Aber nicht, daß mir jetzt einer Skischuhe montiert. 
Die sind zu hart zum Carven. 
Eines muß ich gerade einfügen: Es gibt tatsächlich so ahnungslose Vollpfosten, die ihre Skischuhe als Hardboots anpreisen. Hardboots erkennt man daran, daß die Fersenaufnahme unterhalb der Ferse ist - und nicht dahinter!!

Dieser Ratgeber ist übrigens für alle gedacht, denen das Thema Hardboots kompliziert vorkommt. (Ich mache es wahrscheinlich aber nicht einfacher.) Die guten Boarder holen sich ihre Infos eh aus den Foren.

Fangen wir mit der richtigen Größe an: ca. 90% aller Hardbooter fahren mit der falschen Schuhgröße !!! Nämlich mit zu großen Schuhen.
Richtig wäre: die Fußlänge in cm entspricht der zu kaufenden Mondopointgröße. 
Inzwischen ist mir dieser Punkt zu wichtig und umfangreich geworden, sodaß ich ihn in den separaten Ratgeber: "Hardboots - die richtige Größe" ausgelagert habe.

Als Nächstes die Frage: Neu oder Gebraucht? Auch ich habe mal behauptet: Gebraucht geht doch gar nicht. Da weiß ich doch gar nicht, ob er passt. Stimmt. Das trifft aber auch für neue Hardboots zu. Wer meint, daß die Boots im schönen warmen Geschäft gut passen, stellt hinterher nach einem langen Boardtag in der Kälte fest, daß der Kauf vielleicht doch nicht das Wahre war. Jetzt wieder zu verkaufen heißt herbe Verluste hinzunehmen. Bei gebrauchten Schuhen dagegen bleibt man vielleicht beim Weiterverkauf auf den zusätzlichen Versandkosten hängen. Aber das war es auch schon. Erst wer ein gut sitzendes Gebrauchtmodell sein Eigen nennt, kann irgendwann auf ein neueres Modell gleichen Herstellers umsteigen. Vorteil: dann kann man den neuen Schuh schon besser vergleichen.

Bei den teureren Modellen wird gelegentlich ein thermoformbarer Innenschuh mit angeboten. Genau das richtige für Leute mit "schwierigen" Füßen. In den meisten Fällen reicht erstmal ein normaler Innenschuh. Falls aber doch der  Thermoliner gewählt wird, muß er eine halbe bis eine Mondogröße kleiner ausfallen, sonst kann sich der Schuh nicht an den Fuß anpassen. Die Videos zum Backen gibt´s im Netz. (Hardboots backen)

Wie bei den Softboots gibt es auch bei den Hardboots step-in Bindungen. Das gängigste ist das Intec-System. 
Passend dazu lassen sich die Absätze der Schuhe umrüsten. Die dort eingelassenen Bolzen können dann mit einem Bowdenzug entriegelt werden. Bequem, aber teurer. Für den Einsteiger reichen normale Boots und eine einfache Bindung. Alles weitere ergibt sich meist später.

Nun aber zu den Modellen: je weniger Schnallen und umso niedriger der Schaft, umso eher ist der Schuh freerideorientiert, also weicher. 3 Schnallen plus Klettband ist für den überwiegenden Pistenfahrer schon ganz gängig. Wer häufiger in den Tiefschnee mit seinen Hardboots will, kann davon abweichen. (Wer mosert hier gerade von wegen Hardboots im Tiefschnee? Die Freerideboards von Pogo und Dupraz  werden teilweise so mit weichen Hardboots vom Hersteller empfohlen!) Am gängigsten für die Piste sind aber 4-Schnaller, da sie die beste Performance bieten. 

Der Markt für Hardboots wird dominiert von Raichle/DeeLuxe. Mit großem Abstand folgen Head/Blax und UPS/UPZ. Restbestände finden sich von Burton, Oxygen, Kastinger, usw.. Bei UPS sind die älteren Modelle mehr oder weniger reine Freerideboots. Die etwas Neueren wie den Mach findet man selten und sind wie die UPZ reine Raceboots. Sie können also vorerst außen vor bleiben.
Die neuesten Modelle von Virus/UPZ, wie der RC10 und RC8 bzw. RX8 sind beide sehr qualitativ hochwertige Racecarver. Sie sind das Beste, was der Markt zur Zeit für Carver hergibt. 
Der RC10 ist mit der normalen Zunge ziemlich hart. Wenn möglich also gleich mit weicherer Zunge (rot) ordern.

Bei Head/Blax sollten der Ingemar, der Stratos Pro und gleichwertige S-Ltd. nur von Racern gefahren werden. Stratos, Vector und Franz sind die Racecarver, Toni, Heidi und Rosi sind weicher. Vega und Cirrus gelten als Low-End-Produkte. Ansonsten wird diese Marke gerne von den Fahrern genommen, denen der Raichle/DeeLuxe Innenschuh nicht komfortabel genug ist. 
Head hat nun auch die Produktion des letzten Modells, des Head Stratos Pro eingestellt.
Es werden nur noch Restbestände abverkauft.
Burton produziert seit 2002 nicht mehr. Furnace und Fire sind extrem hart. Auch der Reactor gehört noch zu den steifen Boots. Gängig sind Wind und Ice. Der MGX ist ein Uraltschuh.
Mehr dazu im Ratgeber "Historie der Hardboots von Burton".

 

DeeLuxe hieß früher Raichle und bietet zwei verschiedene Schalenformen an. Asymmetrisch ist der AF600 mit dem Nachfolger Suzuka. Auf den AF700 folgte der Indy und der Track700. Alle anderen Modelle sind symmetrisch. Welches System besser ist, dabei scheiden sich die Geister. Bei gleicher Härte der Schale werden die Asymmetrischen aufgrund der anderen Bauweise als direkter und härter empfunden. Es passt sich der Innenschuh bei den Asymmetrischen besser an, als der Überlapper bei den symmetrischen Modellen. Ein- und Ausstieg ist bei Letzteren aber besser. Dafür haben die asymmetrischen Modelle einen etwas breiteren Fußraum.                   
Im Carver´s Almanach kann man sehr gut die Historie der Modelle verfolgen. (Zum besseren Verständnis des Folgenden bitte dort die Tabelle unter Boot Selection ausdrucken). 
Über Modellbezeichnungen mit der Eins bis zur Fünf am Ende wurden die Schuhe härter. 1 und 2 sind ausschließlich Freerideboots, 3 ist für Einsteiger, 4 für Fortgeschrittene und 5 für Racer. Die 3-schnalligen 10er Reihen sind in der Regel Damenmodelle. Für mehr Variabilität wurden bei der SB-Serie in den 24er und 25er-Reihen häufig 2 unterschiedlich harte Zungen ausgeliefert, wobei mit der weicheren Zunge etwa die Performance des nächst weicheren Modells erreicht wurde.   
Zu beachten ist bei den 400er Modellen (zu erkennen an der falsch spiegelverkehrten Schreibweise), daß der 423 aber so hart ist, wie der 324. In der Weiterentwicklung folgen der Le Mans und der Track225.
Parallel zu 423 und Le Mans existierten die asymmetrischen AF600 und Suzuka. 
Nach dem symmetrischen 325 war nur noch der AF700 und der Indy verfügbar. Erst mit dem Track700 und Track 325 sind wieder gleich harte, aber unterschiedliche Systeme am Markt. 
In der Einsteigerklasse folgt auf den 323 der 4-schnallige 413 und dann derSpa, zusammen mit dem gleichwertigen Monza, die damit die letzten verfügbaren weichen Modelle sind.           
Die 2007 auf den Markt gekommenen Track-Modelle haben fein justierbare und stabile Metallschnallen.       
Fast alle Raichle/DeeLuxe Boots sind am Heck mit einem Flexmechanismus ausgestattet. Hebel unten (Walkmechanismus) bedeutet, daß der Schuh beim Fahren sehr viel Bewegungsfreiheit bietet (bitte nur im Tiefschnee, oder bei harten Modellen). Graues Rändelrad zur Seite gedreht bedeutet eingeschränkte Freiheit und mit dem hochgeklappten Hebel fährt man überwiegend bei harten Pisten. In dieser Position läßt sich die Vorlage von 1-5 in unterschiedlichen Positionen arretieren (nur bei den Boots für Fortgeschrittene und Racer), wobei es Sinn machen kann, beide Schuhe unterschiedlich einzustellen. Hier sollte man alles einmal durchprobieren, um die angenehmste Position zu finden.  
Die hier und da bei eBay auftauchenden Raichles im Golfballdesign passen aufgrund der großen Sohle nicht in alle Bindungen. Sie sind die Vorläufer der 100er Serie und werden heute nur noch im Tiefschnee gefahren.

Übrigens: keine Angst vor den älteren Schuhen. Viele gute Raceboarder sind noch mit Modellen aus der 200er und 300er Serie unterwegs. Die sind preiswert und bieten nach wie vor eine gute Performance. Allerdings härten die Schuhe mit der Zeit aus, sodaß bei den älteren Modellen ruhig eine weichere Variante gewählt werden sollte.            

Zum Schluß noch ein Tipp für diejenigen, die nicht wissen, wie die Hardboots im Tiefschnee eingesetzt werden (habe ich lange Jahre auch dazu gehört): Bindung möglichst weit nach hinten setzen und dem Schuh so viel Flex (Bewegungsfreiheit) wie möglich verschaffen. Bei den Raichles bedeutet das, den Feststellhebel auf den Walkmechanismus zu stellen und evtl. die Schnallen etwas lockern. (Aber nicht daß jetzt einer auf die Idee kommt, den Schuh in der Bindung zu lockern.)

Mir fällt noch was ein: Wenn Ihr Euch einen Schuh zugelegt habt, sollltet Ihr zuhause die optimale Schnalleneinstellung ausprobieren. So fest zumachen, bis es nach einiger Zeit anfängt im Fuß zu kribbeln. Dann wieder etwas lösen und die Stelle auf den Ratschen mit Filzer markieren.

Die lange Unterhose sollte nicht bis in den Schuh gehen (verursacht nur Scheuerstellen durch die Kanten oder die Naht).  

Boah ey, habt Ihr wirklich bis hierher durchgehalten? Dann seid ihr ja jetzt reichlich mit Wissen überfrachtet und wisst immer noch nicht was Ihr machen sollt. Aber keine Bange - Probieren geht über Studieren. Wenn Ihr Euch den Falschen ausgesucht habt, nehmt einfach einen neuen Anlauf. Ansonsten:
Weitere Infos zu Hardboots findet Ihr im Forum vom Boardhersteller Swoard und bei der Frozen Backside. Fantastisch ist wie gesagt auch der Carver´s Almanach. Dort findet Ihr auf englisch alles rund um das Thema Ausrüstung.    

Habe ich schon was zur Schuhauswahl gesagt? Nein? - Nun: Spaß macht das Carven nur, wenn der Schuh flexen kann (also wenn man ihn genügend weit nach vorn und hinten biegen kann). Dazu eignen sich bei den Raichle/DeeLuxe alle Boots aus der 3er-Reihe und Folgende (bei geschlossener Vorlage). Mit offener Vorlage könnte man die Boots aus der 5er-Reihe und Folgende fahren.  Wichtig: schwere Personen müssen eine härtere Variante wählen.     

 

  

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Hardboots

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