Ratgeber Handkehrmaschinen

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Beim Lesen der bisherigen Testberichte zum Thema Kehrmaschinen muss ich feststellen, dass die Mehrzahl der Verfasser in Unkenntnis der am Markt befindlichen Kehrsysteme und ihrer jeweiligen Vor- bzw. Nachteile schlicht und einfach zum für ihre Zwecke falschen Gerät gegriffen hat. Ich beschäftige mich seit etwa 10 Jahren beruflich mit Kehrmaschinen. An dieser Stelle möchte ich die verschiedenen Systeme erklären und erläutern, für welche Einsatzgebiete sie sich eignen oder auch nicht. Vielleicht gelingt es mir, den ein oder anderen Fehlkauf zu verhindern. EINWALZEN – PRINZIP Das Kehrmaschinen Urprinzip. Der Schmutz wird vorn zunächst überfahren. Im hinteren Teil kehrt eine gegen die Fahrtrichtung rotierende, weiche Walzenbürste den Schmutz über eine Gummilippe in den vorderen Sammelbehälter. VORTEIL: Funktioniert bei trockenem Material, feinem Schmutz und Sand, besonders gut bei höherwertigeren Geräten mit großen und dicht besetzen Bürsten. NACHTEIL: Gröbere Teile wie Zigarettenschachteln, Tannenzapfen, Laub, Eicheln, Steine etc. bleiben vor der Gummilippe hängen und werden nicht aufgenommen. Gerät muss zügig geschoben werden, das führt zu Staubentwicklung. HERSTELLER: Hako, WAP/Alto, Kärcher, Daaf u.a. DOPPEL – WALZEN – PRINZIP Weiterentwicklung des Einwalzen-Prinzips. Hier arbeiten zwei gegeneinander rotierende Walzenbürsten im vorderen Maschinenteil. Der Schmutz wird mit der vorderen Walze überfahren und mit Hilfe der gegenläufigen zweiten Walze zwischen beiden hindurch nach oben im hohen Bogen an eine Prallwand oder direkt in den hinteren Auffangbehälter befördert. VORTEIL: Durch den Verzicht auf eine störende Gummileiste können Gegenstände bis etwa zur Größe einer Zigarettenschachtel aufgenommen werden. Funktioniert gut für Sand, Granulat, kleine Steine und leichtes Kehrgut. Gute Behälterfüllung. NACHTEIL: Verursacht eine größere Staubaufwirbelung. Nasses Laub und schwereres Material wird weniger gut aufgenommen. Durch die zweite gegen die Fahrtrichtung drehende Walze schwerer zu schieben. HERSTELLER: WAP/Alto, Kränzle, Stolzenberg u.a. DOPPEL – TELLERBESEN – PRINZIP Zwei gegenläufig rotierende Tellerbesen kehren den Schmutz von den Seiten zur Mitte zusammen und schieben ihn über eine kleine, flach über den Boden gleitende Lippe direkt in den dahinter angeordneten Behälter. VORTEIL: Funktioniert gut bei grobem Schmutz, Eicheln, Kastanien, kleinen Ästen und Verpackungsmüll. Nasses, am Boden klebendes Laub wird von den flach rotierenden Tellerbesen unterschnitten und deshalb gut aufgenommen. NACHTEIL: Je feiner das Kehrgut wird, desto schlechter die Aufnahme. Nicht geeignet für größere, oberflächlich deutlich sichtbare Mengen an Staub und Sand. Lässt dann mittig einen Streifen stehen. Die schmale Lippe stoppt das Gerät abrupt beim Auffahren auf Kanten oder hoch gefrorene Platten. Schwach in abgesenkten Rinnsteinen. HERSTELLER: Haaga TURBO – KEHRSYSTEM Eine Kombination aus Doppel-Tellerbesen und Einwalzen-Prinzip. Kehrt zweifach bei einer Überfahrt. Die gegenläufig rotierende Tellerbesen nehmen vorne auf der gesamten Breite gröberen Schmutz auf und schieben ihn über eine Bodenplatte in Richtung der dahinter arbeitenden Kehrwalze. Diese feinere Walzenbürste nimmt danach den durch die Tellerbesen nicht mitgenommen Staub und feinen Sand unten vom Boden auf und übernimmt oben den gröberen Schmutz von der Bodenplatte. Zusammen wirft sie beides von oben in den Behälter. VORTEIL: Funktioniert für jeden Schmutz, feinen Sand, Staub, nasses Laub und auch gröberes und schwereres Kehrgut. Sehr wendig und leicht zu schieben. Bis zu einem Meter Arbeitsbreite. Beidseitig überstehende Bürsten. Geringe Aufwirbelung, weil Staub nur mit- und nicht hochgenommen wird. NACHTEIL: Die schmale über den Boden gleitende Lippe kann das Gerät beim Auffahren auf Kanten oder hoch gefrorene Platten abrupt stoppen, wenn es nicht rechtzeitig angelupft wird. Schwache Aufnahme aus abgesenkten Rinnsteinen. HERSTELLER: Haaga RADIALBESEN – PRINZIP Durch Elektro- oder Benzinmotor angetriebener flach drehender Bürstenteller. Fegt den Schmutz durch Drehbewegung zu einer Seite evtl. gegen ein Schwadblech oder in eine Auffangwanne. Bis zu 1 Meter Arbeitsbreite. VORTEIL: Vielseitig einsetzbar, auch zum Laub kehren, Moos entfernen und bedingt sogar zum Schnee räumen. Einziges System, dass Pfützen und kleine Vertiefungen auskehrt! Geringe Aufwirbelung, weil Staub nur mit- und nicht hochgenommen wird. Gut geeignet für Ställe. Verwickelt kaum Stroh. NACHTEIL: Keine oder unzureichende Aufnahmemöglichkeit. Abhängigkeit von Strom oder Benzinmotor, Geräuschentwicklung. Relativ kostspielig. HERSTELLER: Westermann, Herkules u.a. S E I T E N B E S E N S Y S T E M E RINNSTEINBESEN / ZUFÜHRSYSTEM An einer oder beiden Seiten der Kehrmaschine angebrachte über Riemen angetriebene topfförmige Besen mit steilen Winkel. Befördern das Material von der Seite vor die Maschine, damit es von deren Walzenbürsten aufgenommen werden kann. Dienen nur der Zuführung, nehmen selbst nichts auf! VORTEIL: Gut zum Auskehren von Rinnsteinen, an Bordsteinkanten und Wänden entlang. NACHTEIL: Die verschieden Riemenantriebe (Rund-, Flach- oder Zahnriemen) neigen zum Durchrutschen, längen sich mit der Zeit, blockieren leicht und verbrauchen einige Kraft beim Schieben. HERSTELLER: Hako, WAP/Alto, Kärcher u.a. TELLERBESEN / DIREKTAUFNAHMESYSTEM Beidseitig überstehende, im flachen Winkel über den Boden rotierende, tellerförmige Besen. Der Antrieb erfolgt durch unter dem Tellerbesen laufende Gummiräder, deren Vorwärtsbewegung über ein Winkelgetriebe in eine Drehbewegung der Bürsten umgesetzt wird. VORTEIL: Schlupffreier Antrieb. Der Vorschub wird zu hundert Prozent in Drehbewegung der Besen umgesetzt, deshalb sehr leicht zu schieben. Nasses und grobes Material wird von den Borsten unterschnitten und direkt in den Behälter befördert. NACHTEIL: Borsten stehen seitlich in der Luft. Unzureichende Aufnahme aus abgesenkten Rinnsteinen. HERSTELLER: Haaga GRUNDSÄTZLICH Die Behälter aller genannten Kehrmaschinentypen sind nicht für die Aufnahme von großen Mengen Laub geeignet! Pfützen und Spurrillen lassen sich nur bedingt bzw. mit mehreren Überfahrten auskehren!
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