Rasenerneuerung mit Schattenrasenvlies

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Ich möchte hier meine ganz persönlichen, leider negativen Erfahrungen mit der Rasenvliesverlegung Anfang Mai in Mittelthüringen schildern. Eine Rasenerneuerung war wegen starker Moosbildung, vielen Beikräutern und nach Baumaßnahmen am Haus nötig geworden.

Da ich gern etwas Neues ausprobiere, habe ich mich Ende März zum Kauf eines Rasenvlieses hinreissen lassen. "Echter" Rollrasen war mir zu teuer.
Was mich u.a. überzeugte: - im Angebotstext stand, die Rasenmatte wirkt Unkraut-, Wühlmaus- u. Maulwurf hemmend
                                         - das Vlies kann Wasser speichern, der Samen wird nicht verweht oder ausgeschwemmt
Aus meiner damaligen Sicht viele Vorteile gegenüber einer normalen Aussaat.

Die nötigen Vorbereitungsarbeiten waren wie beim Neuanlegen eines normalen Rasens. Der gesamte alte Rasen wurde tief abgestochen und die fehlende Schicht durch neue Erde ersetzt. Weil der Boden hier sehr lehmig ist, wurde Humus und Sand untergemischt.
Am 2.Mai´10 hatte sich der Untergrund genügend gesetzt. Am liebsten hätte ich nun einfach Grassamen darauf gestreut. Ein Päckchen davon war ja der Lieferung beigelegt. Mein Mann witzelte noch, daß das sicher seinen Grund hat. Doch da das Vlies schon gekauft war, haben wir es auch verwendet.
Die Nachbarn haben etwas gelächelt, als wir den "Putzlappen vom Meter" ausgerollt haben. Zum Glück mußte da noch eine Schicht Erde drauf.
Kurz kam mir der Gedanke -  ist Grassamen nicht eigentlich ein Lichtkeimer? Aber weiter nach der Anleitung...
Übrigens fiel mir beim Zuschneiden und Verlegen auf, daß ziemlich wenige Grassamen zu sehen waren.

Das Wetter war Anfang Mai ideal - schön viel Regen. Blieb der mal aus, habe ich mit dem Schlauch gewässert. Es dauerte ca. 3 Wochen, bis sich erste Halme zeigten. Einige kleine Flächen zwischen den Wegplatten hatte ich mit dem beigelegten Samen bestreut. Dieser ging schneller auf. Optimistisch dachte ich mir, daß der sich ja auch nicht erst durch einen Zentimeter Erde kämpfen muß. 
Nach 6 Wochen sah man den Unterschied noch deutlicher. Abgesehen vom Unkraut (kam wohl in der angelieferten Erde), das auf beiden Flächen reichlich aufgegangen war, waren die handgesäten Flächen viel dichter. Auf dem Rasenvlies gab es schachbrettartig viele leere Stellen. (Leider kriege ich kein Foto eingefügt.) 
Als ich nun ein kleines Stück Rasenmatte abzog und die Erde abschüttelte, sah ich noch besser, wie wenig Grashalme vorhanden waren. Ich glaubte nicht, daß da noch eine Sorte Rasensamen drin war, die erst später keimen würde (so stand es im Beipackzettel).
Also fragte ich beim Händler nach und schickte einige Fotos mit. Der Händler schickte die Anfrage an den Hersteller weiter. Hier auszugsweise die Antwort (Zitat): " Höchstwahrscheinlich wurde die Gewebematte entw. zu stramm verlegt oder in der Wachstumszeit ist die Matte ausgetrocknet was zum schrumpfen (ähnlich dem Einlaufen der Wäsche) geführt hat. Das wiederum hat die Matte angehoben, sodas die Rasensamen keine Wurzeln schlagen konnten und sind verkümmert. Für solche Fälle habe ich zusätzlichen Rasensamen beigelegt ..."
Fragen, die ich mir nach dieser Antwort zu stellen erlaube: Warum läuft das Rasenvlies überhaupt so drastisch ein, daß es zum Abheben kommen kann? Was ist mit der wasserspeichernden Eigenschaft des Materials? Wie sollen die aufgestreuten Rasensamen eigentlich Kontakt zum Untergrund bekommen?
Das Projekt Rasenvlies ist also in meinem Fall dumm gelaufen. Das Rasenvlies ist anscheinend trotz Regen und täglicher Bewässerung (an sonnigen Tagen früh uns abends) ausgetrocknet und sogar geschrumpft. Dabei hatte ich die Matte sehr locker ausgerollt, denn für die 65 qm hatte ich 110 qm kaufen müssen.
Diesen Bericht schreibe ich hauptsächlich, weil meiner Meinung nach im Angebotstext und im Beipackzettel auf diese Materialeigenschaft des Rasenvlieses nicht deutlich genug hingewiesen wird. Ich möchte anderen Käufern meine schlechten Erfahrungen ersparen.

Jedenfalls habe ich ungeduldige Person den "Teppich" wieder abgezogen. Bei den mit Grashalmen bewachsenen Stellen mußte ich ganz schön zerren. Es war also ein Einwurzeln im Untergrund erfolgt. Darunter war alles pitschnass, weil das Vlies wohl ein Abdunsten verhinderte. Also wirkt die Matte nur wasserzurückhaltend statt wasserspeichernd. Denn das Vlies selbst war  verhältnissmäßig trocken.
Ich habe nun Rasensamen gekauft und ausgesät. Nun freue ich mich auf das hoffentlich bald sichtbare Grün und die Krokusse darin im nächsten Frühjahr. Regenwürmer und Vögel freuen sich mit mir - kein meterlanges Tunnelgraben mehr, sondern freier "Durchschlupf" und "Durchpick".

Bei fachgerechterer Handhabung und Pflege ist das Rasenvlies sicher eine Möglichkeit.
Es gibt bereits einen hilfreichen und ausführlichen bericht von buwaba aus dem Norden der Republik.

missair

 

 

 

 

 

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