RC-Buggies - Billig oderTeuer - Die Unterschiede

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Der Markt für ferngesteuerte Buggies ist ziemlich groß und bisweilen unübersichtlich. Ich versuche hiermit eine kleine Orientierungshilfe zu geben und auch Enttäuschungen und Ärger vorzubeugen.

Als erstes sollte man sich im Klaren sein, was man möchte, bzw. wofür man den Buggy möchte. Wenn man zum Spaß im heimischen Garten fahren möchte, dann ist ein Verbrenner die falsche Wahl, weil die in Wohngebieten nicht gefahren werden dürfen, je nach Nachbarschaft kann das zu einer unangenehmen und teuren Anzeige führen. Dafür eignet sich ein Buggy mit Elektromotor wesentlich besser. Auch ist ein Elektro-Buggy nicht so schnell und leichter und würde damit bei einem Crash weniger Schaden anrichten.
Die Frage Allrad oder Heckantrieb ist eine Glaubensfrage, der Heckantrieb ist in den richtigen Händen (und mit dem richtigen Setup) etwas schneller als der Allradantrieb, aber nur auf der Geraden, durch die Kurven kommt ein Allradbuggy normalerweise schneller.

Buggies gibt es in allen Preisklassen und Ausführungen. Da ich mich persönlich mit Verbrennern nicht beschäftige, lasse ich die speziellen Sachen hierzu weg, die allgemeinen Dinge gelten hier aber genauso.

Beginnen wir mit den sogenannten Einsteiger-Buggies. Preislich sind die meistens sehr attraktiv gehalten. Aber der günstige Preis wird in den meisten Fällen durch günstigere Rohstoffe erzielt, ein normaler Mensch sieht dem Chassis nicht an wieviel Prozent Glasfaser oder Carbon da dem Kunststoff beigemischt wurde und erst recht nicht welcher Kunststoff verwendet wurde. Es gibt nämlich verschiedene Kunststoffe, die sich in ihren Eigenschaften deutlich unterscheiden. Da setzen die Profi-Buggies an. Dort erkennt man meistens schon am Namen des Autos, was im Kunststoff alles drin steckt (z. B. Losi XXX-CR: Carbon Resin, also Kohlefaserverbund oder Duratrax Evader Graphite: Graphit, ähnlich Kohlefaser).
Was bringt jetzt aber das Beimischen von Kohlefaser oder was auch immer? Es verändert die Eigenschaften des Kunststoffs, man kann z. B. das Chassis steifer machen und die Querlenker weicher, damit die bei einem Crash nachgeben und nicht abbrechen. Da aber diese Beimischung teurer ist als normaler Kunststoff wird dies nur bei teuren Buggies gemacht, in chinesischen Buggies ist im Normalfall gar nichts beigemischt, dafür werden dann die Querlenker oder sonstige kleine Teile als Sollbruchstellen ausgeführt, um das Chassis zu schützen, bestes Beispiel sind die HBX Buggies. Da wurden die selben Maschinen benutzt wie für das Tamiya TL-01 Chassis, nur eben nicht derselbe Kunststoff, weil Tamiya dessen Zusammensetzung garantiert unter Verschluß hält. Ich arbeite selbst in der Kunststoffindustrie und weiß wie das abläuft.

Ähnliches gilt auch für Chassisplatten aus Aluminium oder Kohlefaser. Nur wenige Menschen, die nicht in einem metallverarbeitendem Beruf ausgebildet wurden oder dort tätig sind, wissen, das es bei Aluminium genau wie bei Stahl verschiedene Festigkeitsklassen gibt. Ein Alu-Chassis mag schön und gut sein, ist es aber aus zu weichem Alu, verbiegt es sich beim ersten Crash und ist normalerweise nicht mehr in die ursprüngliche Form zurückzubringen. Bei Elektrobuggies findet sich Aluminium meistens in sehr harter Form als Motorhalterung oder als Strebe bzw. Versteifung, bei einem Aluchassis wäre ich sehr skeptisch.
Bei Verbrennerbuggies wird Alu noch immer für das Chassis benutzt, aber da braucht man dann schon etwas härteres Alu, sonst verzieht sich das Chassis beim ersten Anreißen des Zerknalltreiblings. Auch hier gilt dasselbe wie beim Kunststoff, je härter das Alu desto teurer die Herstellung.

Abschließend kann man sagen, man bekommt für was man zahlt. Wer für 80 Euro einen nagelneuen 4WD Elektrobuggy mit RC-Anlage und Akku kauft, braucht sich nicht wundern, wenn er schon bei der ersten Fahrt kaputt geht. Wobei diese Gefahr auch wieder relativ gering ist, denn auch bei Akkus gibt es Unterschiede. Ein 5 Euro Akku reicht um das Auto zu bewegen, um es zum Fahren zu bringen ist ein Akku ab 10 Euro besser. Gleiches gilt für den Rest des Antriebstranges. Genauso wie ein teurer Akku mehr Strom liefern kann ohne das seine Klemmenspannung zusammenbricht, muß auch der Fahrtenregler diesen Strom möglichst verlustarm an den Motor weiterleiten können. Dies wird heutzutage durch hochfrequentes Ansteuern ermöglicht (man hört bei ganz langsamer Fahrt ein Fiepen), die Verluste sind im Allgemeinen geringer, je mehr der Regler kostet. Aber auch die Strombelastbarkeit steigt mit dem Preis an, was für Tuningmotoren wichtig ist.

Noch ein paar Worte zum Tuning. Als erstes Tuning sollten immer Kugellager eingebaut werden, denn diese verringern die Rollreibung des gesamten Fahrzeuges, das bringt mehr Fahrzeit und ein kleines bisschen mehr Geschwindigkeit. Ein weiterer oft vernächlässigter Punkt sind die Verbindungskabel vom Akku zum Regler und vom Regler zum Motor. Diese sollten mindestens 2,5 mm² Querschnitt haben (bei 1:16/1:18 genügt 1,5 mm²), am besten mit Silikonisolierung, damit dem Strom hier möglichst wenig Widerstand entgegengesetzt wird. Im gleichen Zuge sollten die Steckverbinder am Akku und Regler vom Standard-Tamiya-System, das nach einiger Zeit Wackelkontakte und schlechte Übergangswiderstände aufweist auf bessere Verbinder umgebaut werden. Gold-Kontakte bieten sich hier an, doch auch MPX-Stecker haben durchaus ihre Daseinsberechtigung, vor allem in den kleineren Maßstäben. Letztendlich muß aber jeder selbst wissen,  welches Stecksystem er bevorzugt.
Ist das Auto so vorbereitet, kann man getrost ein paar Tuningteile verbauen, wobei man immer darauf achten sollte, das auch alles zusammen passt, z. B. wird ein 11 Turn Motor mit einem Standard-Regler nicht zusammenarbeiten, im  besten Fall schaltet der Regler ab, im schlimmsten Fall geht er in Flammen auf. Der Regler sollte immer zum Motor passen, kann der Regler mehr als der Motor braucht ist das sogar noch besser, denn dann ist nach oben noch Luft. Das man bei einem 11 Turn Motor mit 10 Euro Akkus nicht mehr weiter kommt sollte ja auch klar sein. Auch hier gibt es Stolperfallen! Ein guter Akku sollte hochstromfähig sein, schnellladefähig alleine reicht nicht (ein Hochstromakku ist immer schnellladefähig, ein schnellladefähiger Akku ist aber nicht automatisch auch hochstromfähig). Am besten fährt man mit Akkupacks, die aus Zellen von Intellect, GP, Sanyo oder Panasonic hergestellt wurden, diese Hersteller stellen ihre Qualität regelmäßig bei Wettbewerben unter Beweis. Wenn man nicht gerade die größte Kapazität wählt sind die auch relativ günstig zu haben. Lithium-Polymer-Akkupacks sind ein Thema für sich, auf das ich mangels Erfahrung auch nicht eingehen möchte.

In diesem Sinne,
masterbsax
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