Quist - die große Konkurrenz der WMF

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Neben Geislingen, dem Standort der WMF, war Esslingen ein weiteres großes Zentrum der silberverarbeitenden Industrie.
C.Deffner, A.Ritter & Co., Dupper & Bernhold, die Esslinger Metallwarenfabrik Gustav Schneider und eben auch Quist waren die bekanntesten Namen.

Heute findet man in Esslingen kaum noch Spuren dieser Industrie. Ein Grund des Esslinger Stadtmuseums, Nachforschungen zu betreiben und für ihre Sammlungen Produkte dieser Firmen aufzukaufen, hier bei Ebay, aber auch auf Flohmärkten. Besonders die der Firmen C.Deffner und Quist.
Besonders gefragt, aber selten für das schmale Budget bezahlbar, der Kugelaschenbecher von Quist.

Quist geht zurück auf einen Betrieb, der 1866 von Jacob Schweizer jun. gegründet wurde.
1872 wurde dieser Betrieb in die Actien-Plaqúe-Fabrik, eine Aktiengesellschaft, umgewandelt.
Friedr. Wilhelm Quist war einer der Aktioäre. Den Börsenkrach 1873 überstanden sie ohne grosse Blessuren.
Als Jacob Schweizer jun. 1886 starb, wurde die AG aufgelöst und Wilhelm Quist und Robert Eisenmann wurden die neuen Inhaber.
Eisenmann stieg 1890 aus und Friedr. Wilhelm Quist war nun alleiniger Inhaber.
1899 übernahm sein Sohn Fritz Quist
Von 1899 bis 1951 führte Fritz Quist diese Firma, danach seine Söhne Werner und Gerd Quist.

In der Branche herrschte ein ausgeprägtes Konkurrenzverhalten.
Um eine Schachtelbeteiligung an der WMF zu erhalten, kaufte Quist heimlich 25 Prozent der Aktien der WMF auf.
Sie wollte damit ein Kooperation mit der WMF erzwingen und ihre Artikel auch über deren Filialen vertreiben.
1971 verkündete sie ihr Ziel und mußte dann feststellen, das die Satzung der WMF ein geringeres Mitspracherecht einräumte und die Aufsichtsratsposten waren alle vergeben.
Ein teurer Flop für Quist, bei einem Jahresumsatz von 22,7 Millionen hatte sie dies ca. 18 Millionen DM gekostet.
Ein weiterer Plan, ein zweites Werk in Malaysia zu errichten, scheiterte ebenfalls. Das erworbene Grundstück war völlig unbrauchbar.

Die Firma Quist geriet in Schwierigkeiten, Rationalisierungsmaßnahmen und Umstrukturierungen halfen nichts.
Auch die Suche nach einem Teilhaber scheiterte.
1981 meldete die Firma Konkurs an.

Nach dem Konkurs kaufte die BMF (Bayrische Metallwarenfabrik), Nürnberg die Marke Quist, die Gebrauchsmuster und auch Werkzeuge und Maschinen.
Einige der Quist-Artikel wurden von BMF unter dem Namen Quist weiterproduziert. Z.B. die Serie Hawaii und Leuchter im Dresdner Hofmuster.

Die Firmen WMF und Quist waren also jederzeit eigenständige Unternehmen und hatten (ausser der Konkurrenz) nichts miteinander zu tun.

Da hier bei Ebay Quist und WMF oft in einem Atemzug genannt werden, war auch ich früher diesem Irrtum erlegen.
Ein Grund mehr, sich einmal mit diesem Thema zu beschäftigen ;-)


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