Quetschkommode, Schifferklavier, Akkordeon: Warum dem Instrument soviel Melancholie anhaftet

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Quetschkommode, Schifferklavier, Akkordeon: Warum dem Instrument soviel Melancholie anhaftet

Wenn Sie ein Musiker sind oder das Schaffen von Musik zumindest Ihr Interesse erweckt, werden Sie sicherlich sehr schnell einen Bezug zu einem oder mehreren Musikinstrumenten finden oder ihn bereits gefunden haben. Haben Sie sich das Spielen eines Instruments zum Ziel gesetzt, werden Ihnen auf dem Markt sehr viele verschiedene Möglichkeiten geboten, um Ihr Vorhaben in die Tat umzusetzen. Dabei ist die Musik nicht einfach nur eine Alternative, sich vom Stress des Alltags abzulenken. Insbesondere das selbsttätige Musizieren kann ein regelrechtes Wohlgefühl darstellen und Balsam für die Seele sein. In diesem Zusammenhang kommt es ganz besonders auf die Auswahl des Instruments an, mit dem Sie Ihren musikalischen Weg beschreiten möchten. Wenn es Ihnen um musikalische Atmosphäre und Melancholie geht, werden Sie in der Familie der Tasteninstrumente einige Exemplare finden, mit denen Sie nahezu märchenhafte, verträumte und sehnsüchtige Klänge und Melodien spielen können. Dieser Ratgeber wird Ihnen einen bestimmten Ableger dieser Familie vorstellen und Ihnen seine Funktionen und seine Ausstrahlung näher bringen.

Aus der Familie der Tasteninstrumente: Das Akkordeon ist ein atmendes Instrument

Das Akkordeon ist ein ganz besonderes Instrument. Allein schon sein Äußeres hinterlässt einen faszinierenden Eindruck. Kaum ein Instrument wurde mit so vielen Synonymen und Kosenamen versehen wie das Akkordeon. Und jedes Synonym steht metaphorisch für ein bestimmtes Merkmal – entweder des Instruments selbst oder der Klänge, die man ihm entlocken kann und die Geschichten, die damit verbunden werden. Man kann es genauso gut als Instrument mit besonderem Charakter bezeichnen, um das sich moderne Mythen und Sagen ranken.

Was ist eigentlich ein Aerophon?

Das Akkordeon gehört zur Familie der Aerophone. Die einzelnen Wortbausteine Aero und Phon stammen aus der griechischen Sprache und bedeuten Luft und Klang. Die übersetzten Bedeutungen machen bereits ziemlich deutlich, wie in etwa das Akkordeon funktioniert, beziehungsweise was seine Grundeigenschaften für die Erzeugung von musikalischen Klängen sind. Genau genommen ist jedes herkömmliche Blasinstrument ein Aerophon, weil man mithilfe der Luft Klänge erzeugt, die man wiederum durch die besonderen Merkmale des Instruments beeinflussen und verändern kann. Das Akkordeon wird daher in die Kategorie der Unterbrechungs-Aerophone eingeordnet. Es ist ein sogenanntes Handzuginstrument, denn durch das Aufziehen und Zudrücken wird die Luft in das Instrument hinein- und anschließend wieder hinausgepresst. Dadurch entsteht ein deutlich hörbares Luftgeräusch, das neben den visuellen Eindrücken ebenso akustisch wie Ein- und Ausatmen wahrnehmbar ist. Man kann das Akkordeon also sinnbildlich als atmendes Instrument bezeichnen, da es wie eine Lunge funktioniert und wie diese Luft benötigt, um im übertragenen Sinne lebendig zu werden.

Der Aufbau und die Funktionsweise des Akkordeons – Blasebalg, Diskant und Wechselknöpfe

Eines der Synonyme für die am weitesten verbreitete Variante des Akkordeons ist Ziehharmonika. Den Namen bekam es, weil man es zum Zufügen der Luft auseinanderzieht. Um die Luft wieder hinauszupressen, wird das Instrument zusammengedrückt. Diese Handhabung wird durch den flexiblen Klangkörper ermöglicht, den Balg oder Blasebalg. Er macht den kompletten Mittelteil des Akkordeons aus und ist sozusagen für die Atmung des Instruments zuständig. Der Balg besteht aus zahlreichen Elementen, die wie Rippen oder Lamellen anmuten und sich sowohl strecken als auch zusammendrücken lassen. In diesem Klangkörper sind Stimmplatten mit durchschlagenden Zungen verarbeitet, die durch das hinein- und herauspressen der Luft in Schwingungen versetzt werden und daraus resultierend die charakteristischen Klänge des Akkordeons erklingen lassen. Das Prinzip dieser Zungen ist in etwa gleich mit dem der Blättchen für Saxophone, die mit den Lippen des Spielers und durch seine Atemluft in Schwingungen versetzt werden. Die daraus erzeugten Töne können dann mit den Ventilen des Instruments verändert werden. Saxophone gehören im Übrigen ebenfalls zu den Aerophonen.

Knöpfe und Tasten

Um die Klänge in verschiedenen Tonhöhen erzeugen zu können, befindet sich auf der rechten Seite des Akkordeons der Diskant – also die instrumentale Sopranlage – in Form einer abgewinkelten Klaviatur. Diese ähnelt der Tastatur des namensgebenden Instruments Klavier. Nachdem der Spieler das Akkordeon mithilfe der Tragegurte oder je nach Modell des Tragegurts ähnlich wie einen verkehrt herum getragenen Rucksack aufgesetzt hat, kann er mit seiner rechten Hand die Klaviatur bedienen. Auf der linken Seite finden Sie den Bassteil mit einer ebenfalls abgewinkelten Tastatur vor, die allerdings ausschließlich aus Knöpfen besteht. Diese Tastatur erzeugt die Basstöne des Instruments und ist für die Begleitung der auf der Klaviatur gespielten Melodien zuständig. In der Regel handelt es sich um Wechseltöne mit vier oder mehr Knöpfen pro entsprechender Taste auf der Klaviatur des Diskants. Auf Druck des Akkordeons entstehen der Grundton und die Begleiter der Tonika und auf Zug die Dominante. Die Köpfe der Knöpfe sind beinahe allesamt nach oben hin abgerundet. Lediglich der in der Mitte sitzende Knopf für den Grundton ist nach innen gewölbt. Dies dient Ihnen als Spieler zur Orientierung während des Spiels, um von diesem Knopf ausgehend die Positionen aller anderen Knöpfe finden und diese problemlos bedienen zu können, ohne ständig hinsehen zu müssen.

Meist befinden sich direkt über der Klaviatur des Diskants noch einige zusätzliche Knöpfe, mit denen Sie einstellen können, ob Sie beim Betätigen einer Taste der Tastatur einzelne Töne, doppelte Töne oder ganze Akkorde erklingen lassen möchten. Die Einzeltöne sind für schnelle Tonfolgen gedacht, während doppelte Töne oder Akkorde der Melodie sehr viel mehr Fülle verleihen können und den Eindruck erwecken, es würden mehrere Instrumente gleichzeitig spielen.

Die verschiedenen Varianten des Akkordeons: Handharmonika, Knopfakkordeon und Steirische Harmonika

Das Akkordeon trägt viele Namen, Harmonika, Ziehharmonika, Quetschkommode, Quetsche oder das Schifferklavier sind die im deutschen Sprachraum gebräuchlichsten Synonyme. Manche stehen jedoch auch für abweichende Modelle. Die Handharmonika ist zum Beispiel ebenso wie die Ziehharmonika eigentlich ein kleineres Modell des Akkordeons, auch wenn sich der Name im Laufe beide Begriffe zudem eher auf das Knopfakkordeon beziehen. Bei dieser speziellen Variante finden Sie anstelle der Klaviatur des Diskants ebenfalls wie auf dem Bassteil Knöpfe vor. Allerdings sind diese größer als die Knöpfe für die Bässe und in Schwarz und Weiß unterteilt. Bei Instrumenten dieser Art werden die Melodien also ebenfalls mit Knöpfen erzeugt. Die Steirische Harmonika ist ein Modell aus der Familie der Knopfakkordeons und bietet neben den charakteristischen Klängen auch ein recht nostalgisches Aussehen.

Bei vielen Instrumenten aus dem Bereich der Akkordeons ist es also nicht nur der Klang, sondern auch die beeindruckende Erscheinung, die für zusätzliche Atmosphäre und Melancholie sorgen kann. Unter den Akkordeons gibt es jedoch noch viel mehr verschiedene Varianten für den begeisterten Musiker zu entdecken.

Von kleinen Träumereien bis zur Seefahrt – das Schifferklavier nimmt Sie mit auf musikalische Reisen

Kaum ein Instrument ist so sehr mit einer bestimmten Lebensphilosophie verbunden wie das Akkordeon mit der Seefahrt. Spricht man von dem Akkordeon, haben viele Menschen bestimmt zuerst das Bild eines Seemannes mit seinem Instrument vor Augen. Ganz besonders in den 1930er- und 1940er-Jahren wurde dieses Bild durch entsprechende Filme und deren berühmte Hauptdarsteller geprägt. Hans Albers ist auf vielen der Fotos aus der damaligen Zeit mit einem Akkordeon in der Hand zu sehen, mit dem er in den Filmen und auf seinen Konzerten Seemannslieder zum Besten gab. Allerdings war es meist eine besondere Variante des Akkordeons. Natürlich ist mit dem Schifferklavier schon aufgrund der Klaviatur das herkömmliche Akkordeon gemeint.

Wissenswertes über das Bandoneon

Doch die Melancholie aus den damaligen Heimat- und Seefahrerfilmen wurde oftmals durch eine Unterkategorie des Akkordeons erzeugt - dem Bandoneon. Dieses handliche Instrument war so klein und leicht, dass man es sich nicht auf die Schulter schnallen musste. Es war, beziehungsweise ist mit beiden Händen vor der Brust halt- und spielbar. Für den nötigen Halt sorgen Schlaufen auf der rechten und der linken Seite des Instruments. Die Töne werden wie bei dem Knopfakkordeon mit Knöpfen auf beiden Seiten erzeugt, während der übliche Balg für das Hinein- und Hinauspressen der Luft zuständig ist. Durch die unkonventionelle Form, Handlichkeit und Spielbarkeit dieses Instruments lässt es sich während des Spiels beinahe so flexibel wie eine Girlande bewegen. Die entsprechenden Bewegungen des Musikers erzeugen daraus resultierend ebenfalls musikalische Augenblicke, die für eine besondere Stimmung und Melancholie sorgen können. Das betrifft sowohl heitere als auch nachdenkliche Momente.

Das Kleinste: die Konzertina

Ein ganz spezieller Ableger der Familie der Akkordeons ist die Konzertina. Dieses nostalgische Instrument ist dem Bandoneon sehr ähnlich und wird im Grunde genauso gespielt. Meist handelt es sich um kleine Akkordeons mit Knöpfen auf beiden Seiten, die auf vier- oder sechseckigen Platten angebracht sind. Dieses Instrument wurde vor allem als das Instrument von Clowns bekannt, weil diese es in den Zirkusmanegen sogar heute noch sehr oft in ihr Programm einbauen.

Die einzigartige musikalische Stimmung und Ausstrahlung des Akkordeons an Festtagen nutzen

Der besondere Klang des Akkordeons kann eine atmosphärische Stimmung erzeugen, die ihresgleichen sucht. Ob in alten Filmen mit Geschichten über die Seefahrt und ihre Träumereien oder zu besonderen Anlässen. Das Akkordeon ist für vielfältige Unterhaltung prädestiniert und kann schon aufgrund der ersten erklingenden Töne eine Melancholie verbreiten, die die Menschen schnell in ihren Bann zieht. Ganz besonders intensiv entfaltet sich die akustische und visuelle Ausstrahlung des Akkordeons zu Anlässen wie zum Beispiel Weihnachten. Darum gibt es auch viele Notenhefte oder -bücher mit Weihnachtsliedern für das Akkordeon.

Die Kraft der melancholischen Klänge des Akkordeons hat sogar zu großen Erfolgen in den Hitlisten gesorgt. Einer der größten Erfolge der deutschen Musikgeschichte ist das reine Akkordeon-Lied „Biscaya" von James Last, das in den 1980er-Jahren sehr lange in den oberen Positionen der Charts platziert war und auch heutzutage noch sehr beliebt ist und oft gespielt wird.

Renommierte Hersteller der traditionsreichen Akkordeons – die Auswahl ist nicht leicht

Akkordeons besitzen eine lange Tradition. Ebenso gibt es auch zahlreiche Hersteller, die in der Herstellung der Akkordeons auf eine lange erfolgreiche Geschichte zurückblicken können. So ist zum Beispiel der seit 1857 aktive deutsche Musikinstrumentenhersteller Hohner der bekannteste Hersteller für Instrumente dieser Art. Dem Unternehmen unterliegt auch die Marke Sonor - ein ebenfalls renommierter Hersteller für Schlagzeuge. Hohner erfand im Jahr 1957 mit der vor allem bei Kindern beliebten Melodica sogar ein eigenes Instrument.

Ein weiterer bekannter Hersteller waren die VEB Klingenthaler Harmonikawerke aus der ehemaligen DDR. Die von diesem Unternehmen vertriebene Akkordeonmarke Weltmeister gehört noch heute zu den bekanntesten und beliebtesten Vertretern auf diesem Sektor. Instrumente der Marke Weltmeister sind daher auch heutzutage noch sehr begehrt und in gebrauchtem Zustand erhältlich.

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