Probleme mit Hotelgutscheinen von VocAtis (Rostock)

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Die Firma VocAtis Consulting S.L. mit Sitz in Rostock, Ulmenstrasse 41-43 hat Hotel- und Reisegutscheine bei eBay verkauft. Dazu wurden diverse Accounts benutzt, die zum Teil aber nicht auf die spanische (Mini)GmbH = S.L. angemeldet sind. Hier die Accounts die unter der Bezeichnung "powered by VocAtis" monatlich rund 500-700 Gutscheine verkauft haben. Die Links führen zu den Bewertungsprofilen:

travelpirats - bayreise - uncletomtravel - level3travel - dolle-ferien-dolle-preise - govitatours 

 

Update vom 29.07.2009: Strafanzeige von VocAtis

Meine kritischen Beiträge in den Foren haben VocAtis nicht gepasst. Deshalb hat die Firma vor einigen Monaten eine Anzeige gegen mich wegen Verleumdung erstattet, von der ich allerdings erst getern eine Mitteilung von der Polizei bekam.

Ich erkenne keinen Grund, meine Kritik an den Geschäftspraktiken der Unternehmen VocAtis und Cotosa zu korrigieren. Im Gegenteil, die Entwicklung und Rückmeldungen von Betroffenen haben die geäußerten Bedenken nachdrücklich bestätigt. Deshalb sehe ich einem Verfahren sehr gelassen entgegen.

Wirklich Sorgen sollte sich der VocAtis-Geschäftsführer machen, denn gegen ihn setzen sich immer mehr Kunden/Geschäftspartner mit Strafanzeigen zu Wehr. Zu Recht wie ich meine.

Betroffene Käufer, Hotels und ehemalige Mitarbeiter können sich gerne bei mir melden und über IHRE VocAtis- Erfahrungen berichten.  Selbstverständlich werde ich die Informationen auf Wunsch vertraulich behandeln. Mail: bubu.m (at) web.de

 

eBay hat alle laufenden Angebote gelöscht.

Am 26. März 2009 hat eBay die laufenden Auktionen der aufgeführten VocAtis-Accounts gelöscht. Das waren rund 500 Angebote. Gegenüber Kunden wurden Löschungen mit dem folgenden allgemeinen Hinweis begründet:

"Wir haben dieses Angebot vom eBay-Marktplatz entfernt, weil der Verkäufer gegen die eBay-Grundsätze verstoßen hat."

Bereits seit einigen Monaten wird in den eBay-Foren über die fragwürdigen Verkaufsmethoden von VocAtis Consulting S.L. diskutiert. Die Kunden erwerben dort keinen Gutscheine der Hotels, sondern solche, die VocAtis selbst ausgestellt hat. In vielen Fällen landet das Kundengeld erst nach 2 Monaten oder noch später bei den Hotels. Kunden berichteten im Dezember 2008, daß einige Hotels die Gutscheineinlösung verweigerten. Im Fall einer Insolvenz von VocAtis könnten weit über 1.000 Käufer Probleme bekommen, Gutscheine einzulösen, die noch nicht mit den Hotels abgerechnet wurden.

Zudem ist VocAtis nachweislich bei mehreren der eBay-Accounts nicht einmal Inhaber. Tatsächlich sind das natürliche Personen. Das ist deshalb relevant, weil laut eBay-AGB Verträge ausschließlich zwischen Mitgliedern geschlossen werden. Die eingeblendeten "rechtlichen Informationen" in den Artikelbeschreibungen waren teils falsch und teils irreführend. Nach meinen Erkundigungen hat der Geschäftsführer Thomas Lehmann die VocAtis Consulting S.L. als Gewerbebetrieb (selbständige oder unselbständige Niederlassung) in Rostock nicht einmal angemeldet, obwohl die Aktivitäten in Deutschland und wesentlich von Deutschland aus erfolgen. (Stand: März 2009)

Das Faß zum Überlaufen brachte für eBay vermutlich der Umstand, daß VocAtis für eine Reihe renommierter Hotels "Gutscheine" verkaufte, die davon weder etwas wußten noch dies überhaupt wollten. Dafür nutze VocAtis im größeren Stil auch geschütztes Bildmaterial der Hotels. Zudem sollten die Gutscheine frühestens 6 Monate nach der Vorauszahlung an VocAtis einlösbar sein. Das nährt den Verdacht, daß hier ein Unternehmen mit Kundenvorauszahlungen finanziert werden soll. Die Risiken für Vorauszahler sind da beträchtlich.

Der Geschäftsführer Lehmann von VocAtis ist am "Sitz" Rostock noch für ein weitertes Reiseunternehmen mit dem Namen Cotosa s.r.o. zuständig. Dieses ist offiziell in Bratislava/Slowakei angemeldet. Hier hat eBay den Account im April 2009 gesperrt:

Diskussion im eBay-Forum zur Firma Cotosa 

Nachfolgend ein gemeinsames Plakat beider Firmen am Sitz in der Rostocker Ulmenstrasse 41-43:

 

Von den guten Bewertungen der eBay-Accounts sollte man sich nicht täuschen lassen. Da man seit letztem Jahr nur noch 60 Tage nach dem Kauf bewerten kann, werden sich schlechte Erfahrungen und dauernde Vertröstungen kaum in den Bewertungen wiederfinden. Die meisten Käufer sind innerhalb von 60 Tagen ja noch gar nicht gereist. Zudem wird häufig auch nur der schnelle Erhalt des Gutscheins bewertet. Mehrere eBay-Gutscheinverkäufer die letztes Jahr Pleite machten, hatten 99,8% oder 99,9% "Positive" und zwischen 5.000 und 50.000 Bewertungspunkte.

 

Update: 5 Accounts kein Mitglied mehr - einer verkauft(e) weiter.

5 der 6 oben benannten Accounts von Vocatis sind keine angemeldeten eBay-Nutzer mehr. Vermutlich wurden die Accounts gesperrt. Mit einem Account - dolle-ferien-dolle-preise - lief aber seit Anfang Mai 2009 der Handel wieder. Diesen Verkauf hat eBay aber am 29. Mai unterbunden. Rund 100 laufende Angebote wurden gelöscht. Seit dem 17. Juni ist auch der letzte bekannte Vocatis-Account kein angemeldetes eBay-Mitglied mehr.

 

Aktuelle Diskussion im eBay-Forum "Sicherheit":

Unter dem Link "Community" auf der Startseite findet man die eBay-Foren. Im Forum "Sicherheit" gibt es eine aktuelle Diskussion mit weiteren Informationen. Dort kann man auch Fragen stellen oder Kommentare abgeben. Hier der direkte Link:

Diskussion über Vocatis aus dem eBay-Sicherheitsforum

 

Wie geht´s für die Gutscheininhaber weiter?

Bei einer vielen Hotels hat(te) VocAtis nach einiger Zeit (30-90 Tage) die eingenommenen Gelder für die Gutscheine weitergereicht. In diesem Fall sollte der Kunde auf jeden Fall einen Anspruch auf die Einlösung seines Gutscheins haben. Im Zweifelsfall sollte man das Hotel bitten, eine klare Aussage zu treffen.

Allerdings mehren sich Hinweise von Hotels, daß in größerer Zahl Gutscheinverkäufe nicht abgerechnet wurden, die drei und mehr Monate zurückliegen.

In den meisten Artikelbeschreibungen hat sich VocAtis als "Vermittler im Auftrag des Hotels" dargestellt. Aus diesem Grund kann man rechtlich prüfen lassen, ob die Hotels nicht für Zusagen (Gutscheine) ihres "Erfüllungsgehilfen" einstehen müssen. Dabei sind die Erfolgsaussichten für Gutscheininhaber gut. Soweit Hotels eine Einlösung verweigern oder ständig Termine hinausschieben, sollte man eine Verbraucherberatung bzw. einen Anwalt kontaktieren.

Zur rechtlichen Stellung der Gutscheininhaber hat auch der Vocatis-Anwalt - ganz im Sinne seines Klienten - einen Hinweis auf seine Website gestellt. Interessant für Käufer ist ein dort wiedergegebenes Urteil. Sternchen weglassen und auf Beitrag Nr. 2 (Gutscheinverkauf bei eBay) scrollen:

*http://www.uweschliedermann.de/aktuelles/aktuelles.html

Wenn durch schuldhaftes Verhalten von VocAtis (z.B. Nichtweiterleitung der Vorauszahlungen) Käufern ein Schaden entstanden ist oder entsteht, ist auch eine Anzeige bei der Polizei duchaus zu empfehlen. Schließlich haben Käufer darauf vertraut, daß der VocAtis-Geschäftsführer seinen Verpflichtungen als Vermittler gegenüber den Hotels nachkommen wird. 

Man sollte nicht vergessen, daß von Vocatis auch Gutscheine verkauft wurden, bei denen die beworbenen Hotels nicht Auftraggeber waren. Es handelt sich meist um 4- oder 5-Sterne Hotels wie das Steigenberger, bei denen die Gutscheine frühestens nach 6 Monaten einbuchbar sind bzw. waren.

Bei Problemen mit VocAtis können sie auch in den eBay-Foren oder bei "auktionshilfe.info" darüber berichten. Das nützt auch anderen informationssuchenden Käufern.

 

Wie geht´s für die Hotels weiter?

Hat ein Hotel einen Vermittler beauftragt, dann wird es die verkauften Gutscheine möglicherweise einlösen müssen. Das gilt auch, wenn der Gutscheinvermittler die Vorauszahlungen der Käufer nicht weitergeleitet hat. Die Hotels könnten dann zivilrechtlich versuchen, ihre Forderung beim Vermittler zu realsieren. Nach meiner Auffassung wird aber durch den Vermittlungsvertrag auch ein besonderes Treueverhältnis begründet. Wenn der Reise- bzw. Gutscheinvermittler pflichtwidrig "im Auftrag" eingenommenes Geld nicht weiterleitet, könnte u.U. eine Untreue nach § 266 StGB vorliegen. Das wäre im Einzelfall von der Staatsanwaltschaft zu ermitteln.

Ein allgemeiner Hinweis:

Haftung des Geschäftsführers für die unterlassene Weiterleitung des treuhänderisch erhaltenen Reisepreises.

Hotels sollten im Fall von ausbleibenden Zahlung eines Vermittlers prüfen, ob nicht auch ein direkter Anspruch auf Schadenersatz aus unerlaubter Handlung gegen den Geschäftsführer besteht. Gemäß dem Vermittlungsvertrag ist dem Reisevermittler ja eine Inkassovollmacht eingeräumt worden.

Dazu ein lesenswertes Urteil des Landgerichts Düsseldorf. (LG Düsseldorf 1 O 749/03 vom 18.11.2004) in einem ähnlich gelagerten Fall.. Link bitte ohne * kopieren:

*www.kanzlei-prof-schweizer.de/bibliothek/urteile/index.html?id=13142

Zitat aus dem Urteil:

"(...)Nach Abschluss des Vertrages zwischen Unternehmer und Kunden zieht der Inhaber
des Reisebüros die Gelder für den Unternehmer ein. Von diesem Zeitpunkt an
verletzt er daher die Vermögensbetreuungspflicht für den Unternehmer, wenn er
unberechtigt über die Gelder verfügt (vgl. BGHSt 12, 207, 209). Gleiches gilt,
wenn Kundengelder abredewidrig für eigene Zwecke verbraucht werden, ohne dass
eine Rückzahlung an den Kunden erfolgt (vgl. BGH, Wistra 1999,339 ff.)."

Es ging in die konkreten Fall um ein Reisebüro, welches vereinnahmte Kundenzahlungen nicht weitergeleitet hatte. Das Gericht billigte dem geschädigten Unternehmen einen Anspruch auf Schadensersatz gemäß §§ 823 BGB, 266 StGB zu. Für diesen Schadenersatz hatte der beklagte Geschäftsführer persönlich zu haften und nicht mehr dessen inzwischen insolventes Reisebüro.

 

(Vielleicht helfen diese ersten Informationen dem einen oder anderen Käufer ein wenig weiter. Wenn es Neues gibt, werde ich diesen Ratgeber ergänzen. Ich drücke allen Käufern die Daumen, für einen möglichst guten Ausgang der Geschichte.)

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