Private Filmaufnahmen - Praktische Tips für Hobbyfilmer

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Viele Menschen haben mittlerweile einen Camcorder und Freude am Filmen ihrer Mitmenschen. Doch bei aller Lust am Filmen übersehen viele, dass ihre fertigen Filme auch gesehen werden möchten und sind oft enttäuscht, wenn dann im Verwandten- und Bekanntenkreis während der Vorführung getuschelt und sich desinteressiert abgewandt wird. Dieser kleine Ratgeber soll Anregungen und Hinweise liefern für die ansprechende Gestaltung ihrer privaten Aufnahmen, damit Sie und Ihre Freunde mit dem Endprodukt zufrieden sind.

Die folgenden Ratschläge beziehen sich ausschließlich auf den Dreh, Schnitt und die Herstellung privater Filmaufnahmen, also die Hochzeit der Cousine, die ersten Schritte Ihres Babys, der Urlaub an der Nordsee. Auf weiterführende "Profitips" wie manuellen Weißabgleich, Blendenkorrektur oder Beleuchtung wird daher größtenteils verzichtet.

Was Sie benötigen:

  • Natürlich eine Videokamera samt Aufnahmemedien. Dabei ist es letztlich fast egal, für welches Format Sie sich entscheiden. Das momentan beste Preis-/Leistungsverhältnis bietet aber mit Sicherheit Mini-DV.

  • Ein leistungsfähiges Videoschnitt-Programm, mit dem Sie Ihre Ideen entsprechend umsetzen können. Es muß nicht immer das Teuerste sein. Dazu später mehr.

  • Empfehlenswert ist ein Stativ. Vor allem bei Landschaftsaufnahmen oder Motiven mit hoher Zoom-Stufe wird es Ihnen gute Dienste leisten. Für "normale" Aufnahmen erfüllen aber auch die eingebauten Bildstabilisatoren der meisten Camcorder ganz gut ihren Zweck.

  • Ein zweiter Akku. Sie kennen das vielleicht: Sie sind unterwegs und suchen nach passenden Motiven. Aber im entscheidenen Moment versagt die Batterie. Abhilfe schafft dabei ein Austausch-Akku. Da diese aber in der Anschaffung recht kostspielig sind, lassen Sie sich die lieber schenken. Zwingend erforderlich ist ein zweiter Akku nicht, beugt aber Frustrationen vor.

  • Eine Tasche für die Kamera. Eine passende Tasche für den Camcorder kann durchaus praktisch sein, wenn Sie darin zusätzlich Ihre Bänder und den 2. Akku unterbringen können. Ein Muß ist aber auch sie nicht.
  • Vor dem ersten Aufnehmen nun noch ein paar Hinweise zu Aufnahmetechnik und Kameraführung:

  • Filmen Sie Kinder und Tiere auf Augenhöhe! Kinder von oben gefilmt haben zu kurze Beine und einen riesigen Kopf. Also gehen Sie in die Knie oder setzen Sie sich auf den Boden. Damit vermitteln Sie dem Betrachter zugleich Nähe zum Objekt und werden v.a. dem Hauptdarsteller gerecht.

  • Achten Sie auf den richtigen Bildausschnitt! Sie kennen diesen unangenehmen Effekt auch von Fotos: Man sieht zwei winizg kleine Menschen vor einer riesigen weißen Wand. Oder man sieht nur einen Wald, aber nicht die Vögel, an denen Sie eigentlich Interesse hatten. Bedenken Sie beim Aufnehmen, welche Begebenheit der Szene Sie erzählen möchten. Der Zuschauer weiß ja nicht, was in Ihnen beim Filmen vor sich ging.

  • Wechseln Sie die Perspektive! Also nicht immer nur im Stehen filmen, sondern gehen Sie in die Knie (Froschperspektive) oder begeben Sie sich auf eine Anhöhe (Vogelperspektive). Und ändern Sie bei aufeinanderfolgenden oder ähnlichen Einstellungen die Kameraposition. Beim Schnitt haben Sie dann viel Material, aus dem Sie sich das Beste aussuchen können.

  • Verwenden Sie lieber Großaufnahmen als weitwinkelige Einstellungen. Bewegen Sie sich dabei aber auf Ihr Objekt zu, anstatt ranzuzoomen. Nähern Sie sich aus der Distanz (Totale oder Halbtotale), gehen Sie über halbnah bis nah an Ihr Objekt heran.

  • Bemühen Sie das "Schuß/Gegenschuß-Modell"! Also z.B. zeigen Sie erst den ankommenden Besucher vor der Tür, danach denselben, wie er die Tür von innen schließt.

  • Wenn möglich, vermeiden Sie zu ausgiebige Schwenks! Verwenden Sie lieber großzügige Einstellungen, die von Szene zu Szene detailreicher und konkreter werden. Schwenks sind natürlich nicht verboten, aber seien Sie sparsam damit! Wenn Sie schwenken, dann beginnen Sie mit einem stehenden Startbild, bewegen Sie die Kamera langsam in stetiger Geschwindigkeit bis zum Schlußbild. Und bitte nur in eine Richtung!

  • Zoomen Sie nicht unbedingt, während Sie filmen! Die "Gummilinse" ist verführerisch, und es fällt oft schwer, die Finger von der Zoom-Taste zu lassen. Nehmen Sie dennoch lieber zunächst eine Totale auf, stoppen die Aufnahme, zoomen dann auf das Objekt Ihrer Begierde und starten dann wieder die Aufnahme. Zoomen beim Filmen ist dann okay, wenn Sie damit bestimmte Effekte erzielen möchten.

  • Schwenks, Fahrten oder Zooms beim Schnitt nicht hintereinander legen! Bewegte Szenen sollten immer durch stehende Einstellungen getrennt werden.

  • Zu guter Letzt: Benutzen Sie, wenn möglich, ein Stativ! Ihre Bilder werden einfach deutlich ruhiger, vor allem weit entfernte mit Tele aufgenommene Objekte können nur mit Stativ entsprechend dargestellt werden. Zittrige Wackelbilder verleiden fast immer jede noch so spannende Szene.

  • Nun noch eine kurze Erläuterung zu Kameraeinstellungen:

    Weit: Hier sind keine Details gefragt. Landschaften, Sonnenuntergänge, Skylines - das sind Objekte für eine weitwinkelige Aufnahme. Zum Beginn oder Abschluß einer Handlungssequenz eignet sich diese Einstellung, um Atmosphäre zu vermitteln.
    Totale: Hier vermitteln Sie dem Zuschauer einen handlungsbezogenen Überblick. Er sieht den Ort des Geschehens und von weitem die Akteure. Die Totale darf auch ruhig etwas länger dauern, da mehr Inhalte zu entdecken sind.
    Halbtotale: Auch hier ist man von den Menschen noch recht weit entfernt. Man sieht sie und ihr Verhalten zwar komplett, doch ihre Mimik erkennt man nicht genau.
    Halbnah: In dieser Einstellung sieht man einen Menschen etwa von den Knien an, Kommunikation und Interaktion sind gut beobachtbar.
    Nah: Dies entspricht in etwa einem Brustbild. Sie können damit gut die Aufmerksamkeit auf die Mimik einer Person lenken.
    Groß/Detail: Hier sehen wir nur den Kopf eines Menschen bzw. nur Teile davon. Dadurch suggerieren Sie extreme Nähe und können winzige Details hervorheben. Es ist empfehlenswert, oft Großaufnahmen, da sie gerade auf dem TV-Bildschirm interessant wirken und der Zuschauer nicht von Nebensächlichkeiten abgelenkt wird.

    Nun aber zur Praxis! Ganz gleich, welche Thematik Ihr Film behandelt, achten Sie bei privaten Filmen zunächst auf eines: Fassen Sie sich kurz! Die meisten Heimvideos kranken an ihrer Überlänge. Kein noch so wohlgesonnener Zeitgenosse erträgt Anderthalb Stunden Hochzeit oder Geburtstag. Auch eine Stunde ist bei Weitem zuviel. Je nach Sujet sollte eine Dreiviertelstunde das Höchste der Gefühle sein, 15-30 Minuten reichen aber für die meisten Filme spielend aus. Bedenken Sie: Sie möchten Ihre Zuschauer fesseln und nicht ermüden. Beschränken Sie sich auf das Nötigste! Ihre Zuschauer werden es Ihnen danken.

    Prinzipiell gilt: Filmem Sie vorausschauend! Wer schon einmal mit einer alten Super 8-Kamera gearbeitet hat, weiß, wie mühsam der Schnitt der Rollen war. Daher war man bald bemüht, ökonomisch zu filmen; und zwar so, dass man so wenig wie möglich schneiden mußte. Dies ist im Zeitalter digitaler Aufnahme- und Schnitttechnik nicht mehr zwingend erforderlich. Trotzdem macht es die spätere Bearbeitung leichter, wenn Sie nicht auf einem Berg von Material sitzen, dass Sie erst umständlich sichten müssen. Das bedeutet nicht, dass Sie beim Filmen chronologisch vorgehen müssen. Wenn Sie ein Motiv erspähen, dass Ihnen für Ihren Film passend erscheint, dann halten Sie drauf! Sie können es später platzieren, wo Sie wollen.

    Im Vorfeld sollten Sie sich auf jeden Fall Gedanken machen, was Sie mit Ihrem Film aussagen möchten. Je nach Thematik bieten sich unterschiedliche Herangehensweisen an. Ein Hochzeitsfilm wird anders konzipiert sein als ein Urlaubsfilm, Muttis Geburtstag hat andere Schwerpunkte als Babys erste Schritte oder der Bau Ihres Hauses. Überlegen Sie sich, ob der Film an ständig wechselnden Orten stattfinden wird, Sie über einen längeren Zeitraum Aufnahmen sammeln oder alles an einem Tag in einem Raum abgedreht wird. Gibt es einen oder mehrere Protagonisten, wollen Sie viel über die Bilder erzählen oder sind Sie scharf auf Originaltöne? Wichtig ist zudem die Frage, wer den Film später einmal sehen wird. Sicher, vieles ergibt sich oft erst beim Filmen, aber es schadet nicht, sich vorher über ein grobes Konzept Gedanken gemacht zu haben, das Sie vielleicht sogar in Stichpunkten niederschreiben. Konzentrieren Sie sich auf das Wesentliche!

    Also: Verpassen Sie Ihren Filmen Struktur! Verschaffen Sie durch eine Einleitung, so kurz sie auch sein mag, dem Zuschauer einen leichten Einstieg in Ihren Film. Beim Hochzeitsfilm kann das z.B. eine Einstellung der Kirche sein. Die wartende Hochzeitsgesellschaft bietet das nächste Bild. Dann trifft das Brautpaar ein usw. Halten Sie sich bloß nicht (filmisch) zu lange in der Kirche auf. Das Beste an einer Hochzeit ist die Party! Auch Geburtstage bieten hierbei vielfältige Möglichkeiten, wie O-Töne sammeln, Party-Spiele, der Run auf's Buffet, usw., bis Sie am Ende vielleicht die abgekämpften Hauptdarsteller inmitten eines mittleren Chaos filmen dürfen.

    Der Inbegriff der Langeweile bei Amateurvideos ist vermutlich der Urlaubsfilm. "Guck mal, da sind wir am Strand" oder "In dem Hotel haben wir gewohnt." Gähn! Vor allem, wenn diese banalen Details in epischer Breite dargestellt werden, ohne dass im Film selbst darüber gesprochen wird. Versuchen Sie, das Flair Ihres Urlaubsdomizils einzufangen. Wenn Sie Ihren Partner schon beim Runterlatschen eines Sandweges filmen müssen, binden Sie es in eine kleine Geschichte ein oder machen Sie's zu einem Running Gag. Es muß ja nicht immer alles an einem Tag passiert sein. Wenn Ihr Film dies aber so wirken läßt, haben Sie schon viel gewonnen. Und wenn Sie eben jeden Tag essen waren, dann läßt sich sogar daraus noch ein fetziger Zusammenschnitt machen, bei dem Ihre Zuschauer sich das Lachen nicht verkneifen möchten.

    Babyfilme sind oft ein weiterer "Problemfall". Der stolze Papa filmt wie ein Besessener jeden trockenen Pups seines kleinen Lieblings und am Ende hat er drei Stunden Material, auf dem sein Baby einfach nur rumliegt und schläft. So schwer es auch fällt (Ich kenne das gut...): Lassen Sie sich Zeit! Säuglinge sind zwar wunderschön und zuckersüß, aber durch ihren noch sehr eingeschränkten Aktionsradius eben noch keine Actionhelden (das kommt später...;-)). Also, filmen Sie Ihren Liebling, aber nicht allein. Mama beim Stillen, das Baby in der Badewanne, ein unausgeschlafener Papi beim Spaziergang, Familie und Freunde zu Besuch - zeigen Sie, wie Ihr Baby an Ihrem Alltag teilnimmt und Sie an seinem! Vielleicht kommt ja Ihre Hebamme zu den Nachsorgeterminen zu Ihnen nach Hause und hat Lust, bei Ihrem Filmchen mitzuwirken. Sammeln Sie ruhig über ein paar Monate Material, holen Sie hin und wieder die Kamera raus. So können Sie Fortschritte dokumentieren und haben dadurch bereits die chronologische Struktur. Aber sammeln Sie nicht zuu lange - wenn Sie erst mit dem Bearbeiten anfangen, wenn Ihr Kind Drei geworden ist, steigt Ihnen die Arbeit schnell über den Kopf.

    Wichtige Komponenten eines Films sind natürlich auch Titel und Musik. Kein Film kommt ohne sie aus, auch Ihrer nicht. Titel geben dem Film erst den Namen, sie haben ordnende Funktion und können sogar ein humoristisches Moment sein, z.B. wenn Sie das Gebrabbel Ihres Bays mit Untertiteln versehen o.ä. Lassen Sie sich aber nicht von dem Überangebot an Schriftarten verführen, bleiben Sie möglichst bei einer, max. zweien, um das Gesamtbild Ihres Films einheitlich zu gestalten. Außerdem müssen Sie die Titel nicht immer von Hand eingeben. Straßenschilder, Wegweiser oder gar Titelseiten von Zeitungen können ebenso als "natürliche" Titel herhalten. Hauptsache, der Zuschauer hat ausreichend Zeit, den Titel zu lesen.

    Weitaus wichtiger für die Atmosphäre Ihres Films aber ist die musikalische Untermalung. Die den Schnittprogrammen oft beiliegende Musik können Sie da vergessen. Da Sie die Filme ausschließlich für Ihren privaten Gebrauch herstellen und bestenfalls Freunden und Verwandten präsentieren, können Sie nach Herzenslust ihre CD-Sammlung durchstöbern, um die Ihnen passend erscheinende Musik auszusuchen. Sollten Sie jedoch überlegen, Ihre Filme ins Internet zu stellen, sollten Sie keine urheberrechtlich geschützte Musik verwenden - außer, Sie haben Lust auf Post von Rechtsanwälten. Auch bei der Musik gilt: Weniger ist oft mehr! Wenn Sie spannende Originaltöne haben, brauchen Sie keine Musik drunterzulegen. Und wie gesagt, es muß passen.

    Damit sind wir auch schon längst bei der Bearbeitung Ihres Films, wobei Titel und Musiken so ziemlich als Letztes hinzugefügt werden. Vorher steht natürlich der Schnitt. Bei der Wahl der Software steht Ihnen eine breite Palette an Schnitt-Programmen zur Verfügung, so u.a. Produkte von Magix, Pinnacle, Ulead oder Adobe, um nur einige zu nennen. Die meisten von ihnen haben Stärken und Schwächen und auch ihren Preis. Es gibt von vielen Produkten manchmal sehr günstige "Silver Editions" (SE) auf Heft-CDs, welche es einem erlauben, sich die Programme mal anzuschauen. Ich arbeite am Liebsten mit Magix Video Deluxe, da dieses Programm 16 Spuren zur Verfügung stellt. Man wird diese nicht immer brauchen, aber vier oder acht Spuren sind schneller voll als man denkt. Dieses Programm in der aktuellen Version 2006/2007 erfüllt zumindest semiprofessionelle Ansprüche und bietet alles, was man zur Herstellung von Videofilmen braucht. Die Vorgänger-Versionen haben einen ähnlichen Leistungsumfang, leiden aber sehr unter ihrer Instabilität. Ich schätze das Preis/Leistungs-Verhältnis bei Magix am Besten ein, zudem gefällt mir die Benutzeroberfläche und das Funktionsangebot. Doch auch mit jedem anderen Programm können Sie natürlich komfortabel Ihre Filme bearbeiten.

    Jedes vernünftige Viedeoschnitt-Programm verfügt über eine automatische Szenenerkennung. Damit haben Sie alle Szenen Ihres Rohmaterials vor sich und können mit dem Grobschnitt beginnen. Alle unbrauchbaren Szenen sollten hier schon rausfliegen. Unscharf, verwackelt, langweilig - weg damit, auch wenn's manchmal schwerfällt! Achten Sie vor allem darauf, dass die einzelnen Szenen nicht zu lang sind. In Filmen, Serien oder Magazinbeiträgen beträgt die Szenenlänge selten mehr als 3-5 Sekunden. Wenn Sie eine besonders spannende oder stimmungsvolle Einstellung haben, ist auch eine längere Dauer okay, aber beachten Sie dabei immer die Dynamik des Films. Kürzer als drei Sekunden sollte aber keine Einstellung sein. Es gilt, je mehr in einer Szene zu entdecken ist, desto länger kann sie dauern. Wenn aber wenig passiert, sollte es schnell gehen. Denken Sie daran, Sie möchten Ihre Zuschauer fesseln, also sind kürzere Szenenabfolgen angebracht, um Dynamik und Spannung aufrecht zu erhalten.

    Verwenden Sie bei Szenenübergängen i.d.R. den "harten" Schnitt. Alle Programme bieten unzählige Blenden, Übergänge, Effekte. Die Verlockung ist groß, aber wirklich: Lassen Sie es! Seien Sie äußerst sparsam mit Blenden; sie sind vielleicht bei Ortswechseln oder Zeitsprüngen angebracht, also als gestalterisches Mittel. Wenn ein Übergangseffekt aber keinem Zweck dient, ist er bloße Spielerei und daher überflüssig. Um beim Wort zu bleiben, kann sogar der Film in seinem Fluß gestört werden durch zu viel Blendengetue. Dasselbe gilt für die Videoeffekte und den ganzen Schnickschnack. Wenn Sie es als gestalterisches Mittel einsetzen, ist es völlig in Ordnung und kann eine großartige Wirkung entfalten. Und wenn Sie auf Sprüche scharf sind wie "Super, was deine Software alles kann!", knallen Sie Ihre Filmchen voll mit dem Zeug! Um aber einfach eine Geschichte zu erzählen, beötigen Sie das alles meistens nicht.

    Nach all dem gilt es, wenn Sie es nicht schon beim Grobschnitt gemacht haben, Ordnung in Ihren Film zu bringen. Bestimmen Sie die Struktur des Films, den Handlungsablauf, Einleitung und Schluß. Sie haben alle Freiheiten, aber gehen Sie logisch vor. Erst das Essen zu zeigen, nachdem schon die schmutzigen Teller zu sehen waren, ist genauso unlogisch wie jemanden kommen zu sehen, der eben schon da war. Wenn Sie aber auf verschachtelte Erzählstrukturen stehen und das Vereinsjubiläum im "Pulp Fiction"-Stil wiedergeben wollen, wird Sie niemand davon abhalten können. Vermeiden Sie aber "Bildsprünge"! In ähnlichen Einstellungen sollte dieselbe Person nicht links und dann plötzlich rechts oder mit und dann sofort ohne Brille zu sehen sein.

    Noch eine kurze Erläuterung zu Schnitt-Arten: Da gibt es zunächst den Kausal-Schnitt. D.h., ohne die erste Szene versteht man die zweite nicht. Beim Parallel-Schnitt werden zwei zeitgleich verlaufende Handlungen abwechselnd gezeigt; so z.B. den Bräutigam, der die Braut anholt und die wartende Hochzeitsgesellschaft. Der Assoziativ-Schnitt weckt beim Betrachter durch die Szenenanordnung bestimmte Assoziationen, ohne dass die eigentliche Aussage direkt gezeigt wird. Ersatz-Schnitte verwendet man, wenn das eigentliche Ereignis nicht gezeigt werden kann, also statt der Geburt des Kindes wird das Aufblühen einer Knospe gezeigt o.ä. Mit dem Kontrast-Schnitt werden deutlich unterschiedliche Szenen gegenübergestellt, z.B. Neubausiedlungen contra grüne Landschaften o.ä. Und beim Formal-Schnitt werden Einstellungen zusammengeschnitten, weil sie formale Gemeinsamkeiten aufweisen, z.B. gleiche Farbe, Form, Bewegung.

    Wenn Ihnen selbst die Ordnung des Film klar ist, dann können Sie nochmal alles durchgehen. Vielleicht bemerken Sie erst jetzt, dass die eine oder andere Szene überflüssig ist oder störend wirkt und doch besser woanders platziert werden sollte. Schnippeln Sie ruhig hier und da noch was weg, seinen Sie nicht zimperlich! Erst wenn Sie 100%ig zufrieden sind, sollten Sie sich an die Musik und die Titel begeben. Wenn Sie dann hierbei mit Fingerspitzengefühl und Timing vorgehen, werden Sie anrührende und erfrischende Effekte erzielen.

    Zu guter Letzt gilt es noch, den nun fertigen Film auf DVD zu brennen. Die meisten Programme bieten vorgefertigte animierte Menüs zu den unterschiedlichsten Themengebieten, da sollte schon etwas für Sie dabei sein. Man kann sich sein Menü aber oft auch selbst zusammenbasteln und mit eigener Musik unterlegen. Es ist eine Überlegung wert, zunächst eine Fassung in niedriger Qualitätsstufe zu brennen. Evtl. haben Sie doch noch etwas übersehen, was Sie noch in Ordnung bringen möchten. Denn die Encodierung Ihres (wahrscheinlich) Mpeg-Materials zu einem DVD-Film kann, je nach Länge und Qualität, mitunter seeeeeeeeeehr lange dauern. Stellen Sie beim finalen Brennen dennoch die höchste Qualitätsstufe (Bitrate) ein, um die bestmöglichste Bild- und Tonqualität zu erhalten. Aber wie gesagt, es dauert. Doch wenn Sie am Ende mit Ihrem Film zufrieden sind, war es das Warten und die ganze Mühe wert. Wenn Sie dann noch z.B. mit eigenen zur Thematik passenden Fotos ein ansehnliches Cover erstellen (DVD-Leerhüllen gibt es ja äußerst preisgünstig zu erwerben), haben Sie wunderbare Geschenke mit nachhaltigem Wert und den Applaus und die Wertschätzung der Zuschauer auf Ihrer Seite.

    In diesem Sinne hoffe ich, Ihnen den einen oder anderen nützlichen Ratschlag zur Herstellung und Gestaltung Ihrer privaten Filme mit auf den Weg gegeben zu haben. Viel Freude beim Aufnehmen!

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