Prägungen eines Imperiums - spätrömische Münzen im Überblick

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Prägungen eines Imperiums - spätrömische Münzen im Überblick

Die spätrömische Zeit – vom Weltimperium bis zur Teilung und dem Untergang

Die spätrömische Zeit beginnt mit dem Regierungsantritt Diokletians und dem Ende der Reichskrise im Römischen Reich im Jahre 285 nach Christus. Zu dieser Zeit herrschte Rom noch über das gesamte Mittelmeergebiet, verlor aber zunehmend an Einfluss. Nach dem Tod von Kaiser Theodosius I. im Jahre 395 wurden zwei seiner Söhne zu Nachfolgern ernannt. Der ältere, Arcadius, wurde Kaiser über den westlichen Teil des Imperiums, während der jüngere, Honorius, über den Osten des Römischen Reiches herrschen sollte.

Mit der Teilung des Römischen Reiches in Ost- und Westreich im Jahre 395 beginnt der Untergang des römischen Imperiums. Als im Jahre 476 der weströmische Kaiser Romulus Augustus abgesetzt wird und 480 der letzte von Ostrom anerkannte Kaiser Julius Nepos verstirbt, bricht das Weströmische Reich endgültig zusammen. Das Reich im Osten, was man fortan das Byzantinische Reich nannte, überdauerte zwar diese Zeit und existierte noch bis ins Jahr 1453, entfernte sich jedoch immer weiter von der römischen Kultur.

Während dieser Zeit fanden mehrere Umbrüche in der Währung des Römischen Reiches statt. Welche Münzen im spätrömischen Reich im Umlauf waren und wie Sie diese unterscheiden und zeitlich einordnen, wird in diesem Ratgeber erläutert.

Die Münzreform unter Kaiser Diokletian

Um der immer schneller einsetzenden Inflation Einhalt zu gewähren, verstärkte Kaiser Diokletian ab dem Jahre 270 die Bemühungen einer Münzreform. Ziel seiner Reform war es, das uneinheitliche und verworrene System zu bereinigen und solide zu machen. Dies sah neben neuen Münzen auch die Abschaffung existierender Münzen vor. So fiel zum Beispiel der As, der lange Zeit eine der wichtigsten Münzen des täglichen Handels war, der Währungsreform zum Opfer und verschwand im Jahre 270.

Seit dem 3. Jahrhundert vor Christus war auch der Sesterz eine der häufigsten Münzen im Römischen Reich. In der spätrömischen Zeit war die ursprünglich aus Silber gefertigte Münze zu einer Bronzemünze verkommen. Die letzten Sesterze wurden um das Jahr 269 geprägt und bis 294 verschwand der Sesterz komplett aus dem Währungssystem der Römer.

Aus der gleichen Epoche wie der Sesterz stammte auch der Dupondius. Diese vom Wert zwischen dem As und dem Sesterz angesiedelte Münze wurde von Kaiser Diokletian ebenfalls aus dem Währungssystem entfernt, letzte Prägungen fanden zum Ende des 3. Jahrhunderts statt. In der spätrömischen Zeit betrug ihr Gewicht nur noch 17 Gramm, während der Dupondius zur Zeit der früheren Republik 655 Gramm auf die Waage brachte.

Bronze- und Kupfermünzen ab dem Jahr 270

Eine der ersten Münzen, die der Kaiser einführte, war der Follis. Dieser wurde aus Bronze geprägt und besaß einen Überzug aus Silber. Ab dem Jahr 294 wurde mit der Prägung dieser Münze begonnen. Das Gewicht war auf 1/32 eines römischen Pfundes, also rund 10 Gramm, festgesetzt. Sie besaß einen Durchmesser von 25 bis 27 Millimeter. Ab dem 1. September des Jahres 301 wurde der Wert des Follis von 12,5 auf 25 denarii communies aufgewertet und Kaiser Konstantin der Große verfügte im Jahre 309, dass die Münze kleiner werden sollte und keinen Silberfilm mehr erhalten solle. Das Gewicht des Follis betrug ab 309 nur noch 6 Gramm. So können Sie leicht die Folles aus der Zeit von 294 bis 309 von den späteren Folles unterscheiden.

Maiorina und Centenionalis

Im Jahre 346 wurde der Follis für rund 150 Jahre nicht mehr geprägt und von der Maiorina abgelöst. Kaiser Magnentius ordnete die Prägung dieser Münze an, die aus Bronze mit einem Anteil von Silber bestand. Zwischen 395 und 400 verschwand auch die Maiorina aus dem Währungssystem der Römer. Ebenfalls im Jahre 346 wurde der Centenionalis eingeführt. Bei diesem handelt es sich um eine Bronzemünze mit geringem Wert, die wahrscheinlich für den täglichen Gebrauch der Händler und der Bevölkerung gedacht war. Ihr genauer Wert ist nicht überliefert und Centenionalis sind heutzutage ausgesprochen selten zu finden. Aus dem Namen wird abgeleitet, dass der Wert ein Hundertstel einer Siliqua betrug.

Im Jahr 498 wurde den Follis wiederbelebt und der Aufdruck „My“ hinzugefügt. Verfügt wurde dies vom oströmischen Kaiser Anastasius. Der Follis war inzwischen nur noch im Oströmischen Reich anzutreffen und My ist das griechische Zahlwort für 40, was den Wert der Münze anzeigen sollte. Anhand dieser Merkmale ist eine grobe Einstufung der Folles auch für Laien gut möglich. Da diese Münze sehr zahlreich geprägt wurde, finden Sie noch viele unterschiedliche Folles.

Silbermünzen in der spätrömischen Zeit

Eine Münze, die Sie heute noch vielfältig  finden und die zu den am meistverbreiteten Silbermünzen im Römischen Reich gehörte, war der Denarius. Bereits 211 vor Christus eingeführt, überdauerte er die Herrschaftszeit der Römer und wurde sogar im 8. Jahrhundert unter Karl dem Großen noch verwendet. In der spätrömischen Zeit jedoch litt der Denarius unter der Inflation und seiner ständigen Gewichtsreduktion. Unter Kaiser Gallienus im Jahre 268 war der Kern der Münze komplett aus Kupfer und es wurde nur noch eine Feinschicht aus Silber aufgetragen. Während Denarii lange Zeit ein Gewicht von rund 4,5 Gramm besaßen, erkennen Sie die Münzen aus der spätrömischen Zeit daran, dass ihr Gewicht zwischen 1,5 und 2,3 Gramm liegt.
Um den Wertverfall des Denarius aufzuhalten, wurde bereits im Jahr 214 der Antoninian eingeführt. Diese Silbermünze besaß den doppelten Wert eines Denarius und wurde im 3. Jahrhundert zur meistgeprägten Münze im Römischen Reich. Deswegen sind auch viele dieser Münzen bis heute erhalten. Ihr Gewicht betrug anfangs 5,5 Gramm. Jedoch konnte auch der Antoninian die römische Währung nicht stabilisieren und unterlag einem rapiden Wertverfall. Zur Zeit von Kaiser Diokletian am Ende des 3. Jahrhunderts war auch der Antoninian zu einer Kupfermünze verkommen und wurde im Zuge seiner Währungsreform abgeschafft.

Die von Kaiser Diokletian und Konstantin eingeführten Silbermünzen

Die Währungsreform, die einen Großteil der alten Silber- und Kupfermünzen aus dem Währungssystem entfernte, machte die Einführung neuer Münzen für den täglichen Bedarf notwendig. Als Ersatz für den Denar wurde im Jahre 294 der Argenteus eingeführt. Diese Münzen finden Sie heute nur noch relativ selten, da sie bereits im Jahre 320 durch Konstantin den Großen durch die Siliqua ersetzt wurde. Der Argenteus hatte ein festgesetztes Gewicht von 3,41 Gramm und hatte den Wert von acht Folles. Die Siliqua, der Nachfolger, war ebenfalls aus Silber geprägt und wog zunächst 3,4 Gramm. Sie waren trotz des gleichen Gewichtes deutlich dünner als ihre Vorgänger. Im Jahre 340 wurde der Wert der Siliqua durch Kaiser Konstantin II. neu festgelegt und die Münze wog ab diesem Zeitpunkt nur noch 2,2 Gramm. In dieser Form hatte die Siliqua bis in das 7. Jahrhundert hinein bestand.

Kaiser Konstantin II. führte parallel eine weitere Silbermünze ein, den Miliarense. Dessen Gewicht betrug 4,55 Gramm und er war vom Wert über der Siliqua angesiedelt. Auch der Miliarense blieb für die gesamte spätrömische Zeit als Münze erhalten, verlor jedoch im Laufe der Jahrhunderte, bedingt durch die Inflation, an Gewicht.

Der Solidus – eine Goldmünze wird zur Leitwährung

Im Jahre 82 vor Christus führte man im Römischen Reich den Aureus ein. Diese Goldmünze war als wertvollste Münze gedacht und war lange Zeit die Hauptkurantmünze Roms. Jedoch wurde sie im Laufe der Jahrhunderte immer weiter verschlechtert. Viele Kaiser verringerten ihr Gewicht oder ihren Goldanteil, was zu einer Destabilisierung des ganzen Währungssystems führte, da andere Münzen direkt abhängig waren vom Aureus. Kaiser Konstantin I. erkannte 309 die Notwendigkeit, den Aureus abzuschaffen und eine neue, stabile Goldmünze als neue Leitmünze im Römischen Reich einzuführen. Diese neue Münze taufte man auf den Namen Solidus und sie wurde zunächst nur im westlichen Teil des Römischen Reiches eingeführt. Im Jahre 324 übertrug man die Münzreform auf den östlichen Teil des römischen Imperiums und der Solidus wurde zur Leitmünze im gesamten Römischen Reich. Die Münze selbst hatte ein festgelegtes Gewicht von 4,55 Gramm und besaß einen hohen Feingehalt. Die römischen Kaiser lernten aus den Fehlern der Vergangenheit und hielten das Grundgewicht sowie den Goldgehalt über die Jahrhunderte stabil. Dies machte den Solidus zu der Standardmünze im gesamten Mittelmeerraum und darüber hinaus zu einer wichtigen Münze für den Fernhandel mit anderen Völkern.

Die ältesten Solidi erkennen Sie an der Prägestätte, denn im Jahre 309 wurde der Solidus nur in Augusta Treverorum, dem heutigen Trier, geprägt. Dort hatte Kaiser Konstantin der Große seinen Regierungssitz. Der Solidus wurde zu einer der meist verbreitetsten Münzen der spätrömischen Zeit. Man geht davon aus, dass im 5. und 6. Jahrhundert mehrere Millionen dieser Münzen im Umlauf waren, deren Verbreitung weit über den Mittelmeerraum hinausging. Der Solidus sollte das Römische Reich überleben und blieb bis in das 12. Jahrhundert hinein eine der Leitmünzen Europas. Nach dem Untergang des Weströmischen Reiches prägten selbst die germanischen Nachfolgereiche auf dem Gebiet des Römischen Reiches den Solidus. Auf der Rückseite prangte ab dieser Zeit nur noch die Abbildung des Kaisers des Oströmischen Reiches.

Prägeorte und Münzbilder in der spätrömischen Zeit

Im Gegensatz zur früheren Geschichte des Römischen Reiches wurden in der spätrömischen Zeit Münzen dezentral geprägt. So fanden sich in vielen größeren und wichtigen Städten eigene Münzprägestätten. Zur Zeit Diokletians am Ende des 3. Jahrhunderts stammten viele Prägungen aus Siscia, dem heutigen Sisak in Kroatien.

Als Münzbilder wurden bis zum Untergang des Weströmischen Reiches die Abbilder des jeweiligen Kaisers auf die Münzen geprägt. Da zu dieser Zeit bereits zwei Kaiser regierten, einer über den Westen und der andere über den Osten, gibt es aus den gleichen Epochen Münzen mit zwei unterschiedlichen Münzbildern. So können Sie die Herkunft der Münzen zumindest grob einordnen. Nach dem Untergang des Westteiles des Reiches 480 wurden weiterhin römische Münzen in diesen Gebieten geprägt, die Germanen verwendeten dann jedoch das Abbild des oströmischen Kaisers auf diesen Münzen.

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