Powerseller unter wachsendem Kostendruck

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Bewertungen beeinflussen die Versandkosten

Viele Beiträge befassen sich mit dem Schutz von ebay-Käufern. Kritik äußert sich meist in der Form, dass ebay als Betreiber der Plattform nur selten ernsthafte Initiative ergreift, um Käufern zu helfen. Dass auch die Verkäufer unter Desinteresse und mangelnder Unterstützung leiden, kommt dabei selten zur Sprache. Bei sachlicher Betrachtung sollte man zu dem Schluss kommen, dass gerade die ebay-Händler, die sich als Powerseller qualifizieren können, besondere Aufmerksamkeit und Unterstützung genießen. Fakt ist jedoch:

  • Die Verkaufsprovisionen, Shop-  und Einstellgebühren wurden Ende 2008 massiv verteuert
  • Um den Powerseller-Status zu erhalten, werden Händler gezwungen, die teure Zahlungsabwicklung über PayPal anzubieten
  • Ein Rabatt bei den Verkaufsprovisionen ist an kaum zu erfüllende Bedingungen gekoppelt

Für die Erhöhung der verschiedenen Provisionen und Gebühren erhält der Verkäufer keine verbesserten Gegenleistungen, auch die Zahlungsabwicklung über PayPal bietet dem Verkäufer keine Vorteile. Im Gegenteil - die erhaltenen Zahlungen werden seinem Konto erst nach Aufforderung und dann mit mindestens 3 Tagen Buchungszeit gutgeschrieben. Selbstverständlich werden erhobene PayPal-Gebühren direkt einbehalten.

Ebay empfielt seinen Powersellern eine automatisierte Verkaufsabwicklung über das Programm "Afterbuy" und hält für diese zusätzliche Dienstleistung ebenfalls kräftig die Hand auf. Afterbuy ist, ebenso wie PayPal, im Besitz von ebay.

Der Rabatt den ebay seinen Powersellern theoretisch auf die Verkaufsprovisionen einräumt, ist unter Anderem an ein makelloses Bewertungsprofil gebunden. So müssen die detaillierten Bewertungen bei den Versandkosten im Durchschnitt mindestens 4,6 von 5 möglichen Sternen aufweisen. Der Käufer kann die Versandkosten seines Handelspartners mit maximal 5 Sternen bewerten.

  • 1 Stern steht für überhöhte Versandkosten
  • 2 Sterne stehen für unangemessene Versandkosten
  • 3 Sterne stehen für noch akzeptable Versandkosten
  • 4 Sterne stehen für angemessene Versandkosten
  • 5 Sterne stehen für günstige Versandkosten

Unter Versandkosten sind die Kosten zu verstehen, die gedeckt werden müssen, wenn der Käufer auf eine Selbstabholung verzichtet und sich die bestellte Ware zusenden läßt. Dazu gehören

  • Kosten für die Versandverpackung
  • Kosten für das Verpacken der Ware (= Personalkosten)
  • Kosten für den Versand (ein reguläres Postpaket kostet für den Normalbürger 6,90 EUR)
  • Kalkulierte Kosten für die unvermeidlichen Transportschäden
  • ggfs. Fahrtkosten zur Post
  • Kosten durch die "neue Verpackungsverordnung"

Dazu ein einfaches Beispiel:

Ein mehrwelliger Versandkarton, Maße ca. 30 x 30 x 40 cm,  kostet nicht unter 40 Cent, Hinzu kommen Kosten für Klebeband, Packpapier und eine Lieferscheintasche, zusammen nochmals 5 Cent; der Mitarbeiter, der die Ware verpackt, bekommt für diese Arbeit, wenn er schnell arbeitet, rund 50 Cent.

Trotz sorgfältiger Verpackung ereignen sich gelegentlich Transportschäden. Trotz Versandversicherung wenden alle bekannten Paketdienste ein Höchstmaß an Phantasie, Einfallsreichtum und Ausreden auf, um dem Versender zu erklären, dass ein Transportschaden bei einer besseren Verpackung vermeidbar gewesen wäre. Eine tatsächlich Regulierung von Transportschäden über die Versandversicherung des Paketdienstes stellt daher eine seltene Ausnahme dar. In der Regel bleibt der Versender auf den Kosten sitzen. Natürlich erwartet der Kunde mit Recht eine Nachlieferung. Auch die zusätzlichen Versandkosten zahlt natürlich der Versender. Lassen wir diese kalkulatorischen Kosten trotzdem unter den Tisch fallen, da es dem Versender überlassen ist, ober für eine absolut transportfeste Verpackung dann eben 5,00 EUR pro Paket ausgibt oder das Risiko eines möglichen Transportschadens trotzdem in Kauf nimmt.

Wenn man einem Normalbürger erklärt, wie hoch die tatsächlichen Kosten pro gefahrenen km in seinem privaten PKW sind, würde vermutlich die Hälfte der Auto fahrenden Bevölkerung künftig aus Kostengründen nur noch mit dem Taxi fahren. Seien wir gnädig und lassen die Kosten für Postfahrten trotzdem ebenfalls unter den Tisch fallen, zumal die größeren ebay-Powerseller ohnehin Rahmenverträge mit Paketdiensten abgeschlossen haben, die auch die Abholung der Ware im Auslieferungslager beinhalten.

Seit dem 1.1.2009 ist eine neue Verpackungsverordnung in Kraft, die gewerbliche Versender verpflichtet, gebrauchte Versandverpackungen kostenfrei zurück zu nehmen. Der Gesetzgeber schreibt in der Tat vor, dass private Verbraucher die Transportverpackungen (also leere Versandkartons!!!!) kostenfrei an den Absender zurück schicken können. Dies ist in der Praxis natürlich vollkommen illusorisch. Die Alternative ist, dass sich der Versender in die Hände eines zertifizierten Entsorgungsunternehmens begibt, dass gegen eine Jahrespauschale bescheinigt, dass gebrauchte Transportverpackungen fachgerecht und deutschlandweit entsorgt werden. Dann können die gebrauchten Versandkartons dahin, wo sie hin gehören: in die Altpapiertonne des Verbrauchers. Haben Sie es sich schon gedacht? Auch ebay bietet seinen Versendern einen entsprechenden Service an und langt dafür natürlich zusätzlich in die Tasche.

Bleiben noch die reinen Transportkosten. Abhängig vom monatalichen Paketaufkommen gibt es durchaus Verhandlungsspielraum bei den großen Paketdiensten. Trotzdem kann man (einschließlich Dieselzuschlag, Maut und Umsatzsteuer) von Selbstkosten um die 4,00 EUR pro versandtem Paket ausgehen.

Insgesamt ergeben sich also für den Versand eines Paketes überschlägig  5,10 EUR an Selbstkosten für den Versender. Wenn wir nun also einen Versandkostenanteil von lediglich 5,00 EUR an unsere Kunden weitergeben, dürften wir damit rechnen, dass diese unsere äußerst günstige und kundenfreundliche Kalkulation mit satten 5 Sternen honorierern. Aber - weit gefehlt. Die Erfahrung hat sogar gezeigt, dass selbst Powerseller, die die Versandkosten in den Artikelpreis kalkulieren und mit versandkostenfreier Lieferung werben, im Durchschnitt nur 4,8 von 5 möglichen Sternen erhalten. Dieser Umstand ist sogar dem ebay-Powerseller-Service unerklärlich, aber natürlich wird keine Abhilfe geschaffen. Abkassieren ist viel einfacher. Stattdessen erhalten wir den ernst gemeinten Rat, jedem einzelnen Kunden diese Hintergründe zu schildern, um ihn so zu einer äußerst positiven Bewertungsabgabe zu vernlassen. Wir haben im Interesse unserer Kunden darauf verzichtet.

Dem Kunden ist aus seinem Bewertungsverhalten absolut kein Vorwurf zu machen. Für ihn, der kein kaufmännisches Hintergrundwissen hat, kostet ein Päckchen bei der Post 3,90 EUR und wer mehr dafür kassieren möchte, verdient dafür bestimmt keine Belohnung. Außerdem - wenn viele Kunden erhobene Versandkosten kritisieren, werden diese vielleicht gesenkt.... Eine einfache Rechnung.

Aber - natürlich zahlt der Kunde am Ende die Zeche. Kein Kaufmann kann etwas verschenken. Man kann daher nur den Rat geben: Gönnt Eurem Handelspartner die Kostenersparnis und bewertet ihn äußerst positiv, wenn Ihr zufrieden seid. Nur so kann er seine günstigen Preise langfristig aufrecht erhalten.

Wir haben unser Angebot im Ebay-Portal drastisch reduziert. Von rund 900 verschiedenen Artikeln unseres Gesamsortiments bieten wir aus Kostengründen über ebay nur noch ca. 100 Artikel an. Dafür liefern wir alle Bestellungen, die über unser "normales" online-Versandhaus aufgegeben werden, versandkostenfrei an unsere Kunden. Über 99 % unserer Bestellungen werden dort übrigens im Voraus per Banküberweisung bezahlt. Hierfür ziehen wir auf der Rechnung nochmals 5 % Rabatt ab.  Für den Kunden und für uns eine gute Investition. Für uns bleibt diese Art des Entgegenkommens durch eingesparte ebay-/PayPal-/Afterbuy- usw.-Gebühren kostenneutral und beschert uns Stammkunden, die gern wiederkommen.

Nicht vergessen: Nicht ebay e.V., sondern ebay AG - die Konzernmutter sitzt in den USA und möchte möglichst schnell möglichst leicht möglichst viel Geld verdienen.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

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