Postversand mit Stempeln und Berechnungen – die Vorphilatelie der Schweiz kennenlernen

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Postversand mit Stempeln und Berechnungen – die Vorphilatelie der Schweiz kennenlernen

Die Vorgänger der Briefmarken

Schon lange bevor die ersten Briefmarken auf Umschlägen klebten, gab es ein Postsystem, das für die Beförderung von Waren und Personen zuständig war und das ungefähr Mitte des 15. Jahrhunderts entwickelt wurde. Auch in der Schweiz gab es diverse Systeme, die zum Verschicken von Briefen genutzt wurden: Wie in sehr vielen Staaten Europas gab es auch in der Schweiz im Mittelalter noch kein reguliertes Postsystem, sondern verschiedene Privatpersonen und -firmen verdienten ihr Geld durch diverse Botengänge. Die ersten Hinweise auf Vorphilatelie in der Schweiz lassen sich bereits im 17. Jahrhundert finden: Erste postalische Verzeichnisse zeigen zum Beispiel den Briefverkehr der Alten Eidgenossenschaft, bei der es sich um einen Zusammenschluss der damaligen Kantone und verbündeten Orte handelt. Nur wenige Jahrzehnte später wurden bereits die ersten Stempel von Postbehörden verwendet. Wenn Sie auf der Suche nach solchen ersten Vorgängern des heutigen Postsystems sind, dann werden Sie ganz bestimmt bei eBay fündig.

Geschichte des Postsystems der Schweiz

Nachdem bereits die ersten weiter verzweigten Postsysteme in der Schweiz entstanden sind, kam langsam die Mode auf, Stempel zu verwenden, um die Zahlung einer Postsendung nachzuweisen. Der erste offizielle Stempel wurde 1689 in Genf von einer Handelsgilde verwendet und zeigt die Worte „De Geneve“, was „aus Genf“ bedeutet und ist auf Umschlägen zu finden, die von Genf in die französischen Regionen versendet wurden. Einige französische Orte waren von dieser Methode so überzeugt, dass auch sie begannen, das Stempelsystem einzuführen, wohingegen sich andere Orte der Schweiz weiterhin auf handschriftliche Kennzeichen verließen. Allerdings folgten innerhalb des nächsten Jahrhunderts viele Schweizer Städte diesem Vorbild und führten ebenfalls Ortsstempel ein. So konnte sich das Postsystem der Vorphilatelie immer weiter ausbreiten und die Verbindungen zwischen den einzelnen Schweizer Städten wurden immer solider. Allerdings wurde diese Entwicklung durch den Einmarsch von französischen Truppen im Jahr 1798 unterbrochen, wodurch das alte Postsystem der Schweiz von nun an unter französischer Flagge stand. Diese Übernahme wirkte sich tatsächlich sehr förderlich auf die postalischen Verbindungen zwischen den einzelnen Kantonen aus: Durch die Einschränkungen der Privilegien der Schweizer Städte und der Gleichschaltung durch die französische Besetzungsmacht wurde ein einheitliches Stempelsystem etabliert und Tarife aneinander angepasst. Das führte zu einer landesweiten Gleichheit und erst durch den Fall der Helvetischen Republik erlangten die einzelnen Schweizer Kantone wieder neue Selbstständigkeit.

Die ersten Schweizer Briefmarken

Parallel zur Entwicklung der Schweizer Post gab es auch in anderen Ländern Europas bereits Ideen zur Entwicklung von briefmarkenähnlichen Zahlungsmitteln: Bereits 1653 erschien in Paris eine Postmarke, die einen Gebührenstreifen aus Papier darstellte, jedoch noch keinen Klebestreifen auf der Rückseite hatte, weshalb sich diese Idee wohl auch nicht durchsetzen konnte. Auch in Großbritannien gab es bereits ähnliche Vorläufer, die sich Ende des 17. Jahrhunderts jedoch nicht gegen die staatlich kontrollierte Post durchsetzen konnten. Doch letztendlich war es das Vereinigte Königreich, das 1840 mit der „One Penny Black“ die erste offizielle Briefmarke der Welt herausbrachte. Drei Jahre später übernahmen diverse Schweizer Kantone ebenfalls dieses System und machten es als zweites Land der Welt Großbritannien nach, woraufhin weltweit weitere Länder – unter anderem USA und Deutschland – in den Folgejahren ebenfalls auf ein Markensystem umstiegen und damit den weltweiten Siegeszug der Briefmarke unterstützten. Noch heute gelten die Schweizer Briefmarken für Philatelisten als wichtiges Kettenglied in der Geschichte der Briefmarken.

Schweizer Briefe der Vorphilatelie

Vorphilatelie bezeichnet die Zeit vor den ersten Briefmarken. Sammler, die sich auf dieses Themengebiet spezialisiert haben, sind dabei immer auf der Suche nach sogenannten Altbriefen, die durch Stempel und handschriftliche Vermerke freigemacht worden sind. Die allerersten Stempel auf Briefen zur Zeit der Vorphilatelie wurden 1449 in Venedig, Italien benutzt und hatten neben dem Mailänder Wappen auch die Inschrift „Mediolarum Cursores“ eingraviert, was so viel bedeutet wie „Mailänder Kurier“ und als erster Hinweis auf ein Postsystem gilt. Tatsächlich ist es für Historiker auch heutzutage nicht einfach, die Geschichte der Poststempel genau zu verfolgen, weil gerade zur Zeit der Renaissance kaum Umschläge erhalten geblieben sind und erst ab der Mitte das 17. Jahrhunderts eine lückenlose Geschichtsverfolgung stattfinden kann. Natürlich sind so alte Schriftstücke sehr wertvoll und Museen sowie private Vorphilatelisten sind stets auf der Suche nach solchen Objekten. Wenn Sie auf der Suche nach solchen oder ähnlichen Raritäten sind, dann werden Sie mit Sicherheit bei eBay fündig.

Bedarfsbriefe

Auf der Suche nach Fundstücken der Vorphilatelie sind Sammler auf sogenannte Bedarfsbriefe angewiesen, bei denen es sich um ganz alltäglichen Schriftverkehr handelt, der zwischen Privatpersonen oder aus geschäftlichen Interessen geschrieben wurde. Bedarfsbriefe können aus verschiedenen Gründen für Vorphilatelisten von großem Wert sein: Zunächst einmal ist natürlich das Alter sehr entscheidend, denn je älter ein Brief ist, desto größer ist auch sein Sammlerwert. Das Alter eines Briefes lässt sich sehr einfach über den Stempel oder den handschriftlichen Vermerk bestimmen, da dort das Datum der Bearbeitung festgehalten ist. Aber auch aus anderen Gründen kann ein Bedarfsbrief sehr wertvoll sein: Bedeutende Persönlichkeiten der Geschichte haben selbstverständlich auch regen Briefverkehr betrieben und solche Briefe und Umschläge sind für viele Historiker und Sammler von unschätzbarem Wert. Aber auch militärische Korrespondenz ist aus historischer Sicht sehr interessant, da sie auch in Kriegszeiten regelmäßig verschickt wurde und deshalb oft zeitliche Lücken füllen kann.

Postkarten der Vorphilatelie

Ebenfalls für Sammler, die sich auf die Zeit der Vorphilatelie spezialisiert haben, sind die Postkarten dieser Zeit: Die ersten Postkarten führte 1760 das Pariser Postunternehmen „Petite Poste“ (Kleine Post) ein und vier Jahre später sprang auch ein Wiener Postunternehmen auf denselben Zug auf. Allerdings sind in beiden Fällen bis zum heutigen Tag keine Exemplare auffindbar, lediglich aus historischen Schriftstücken weiß man von deren Existenz. Viele Sammler sind auch heute noch auf der Suche nach möglichst alten Postkarten. Die Schweiz übernahm die ersten Postkarten jedoch erst relativ spät im Vergleich zu anderen europäischen Staaten: Erst im Jahr 1870 erschien die erste sogenannte Carte-correspondance, die nicht mit einer Briefmarke freigemacht wurde, sondern lediglich mit einem Poststempel. Diese Postkarten zählen zu den Ganzsachen und sind im Voraus bezahlte Karten mit Wertzeicheneindruck. Der Vorteil von Ganzsachen liegt dabei klar auf der Hand: Die Kombination von Postkarte und passender Frankatur sorgt für Zeitersparnis und für einen günstigeren Preis: Dadurch, dass keine weiteren Briefmarken notwendig sind, zahlt der Kunde nicht für Karte und Marke, sondern lediglich für das Kombi-Paket, für das weniger Bearbeitungszeit und Materialkosten benötigt werden. Sie finden sowohl neue als auch viele alte Postkarten bei eBay.

Einfluss der Vorphilatelie auf heutige Postsysteme

Auch heutzutage lassen sich viele Einflüsse finden, die noch aus der Zeit der Vorphilatelie stammen. Der offensichtlichste Punkt sind natürlich die damals wie heute genutzten Stempel: Betrachtet man zum Beispiel die gestempelten Schweizer Briefmarken, dann stellt man fest, dass sich in den letzten Jahrhunderten am Aufbau der Stempel nicht viel geändert hat: Noch immer zeigen sie Ort und Datum der Entwertung an und Sonderstempel sind auch heute noch für Sammler von enormem Wert. Auch wenn sich diese Art der Entwertung von Briefmarken heutzutage durchgesetzt hat, so wurden in den ersten Jahrzehnten der Briefmarke doch auch noch viele andere Möglichkeiten ausprobiert, die ihren Ursprung in der Vorphilatelie haben. Zum Beispiel wurden viele Marken handschriftlich entwertet, was auch früher bereits der Fall war: Angestellte der einzelnen Poststellen haben durch einen Eintrag auf dem Briefumschlag festgehalten, dass ordnungsgemäß bezahlt worden ist. Briefmarken, die jedoch noch nicht entwertet worden sind, bezeichnet man als „postfrisch“ und sind normalerweise wesentlich wertvoller als bereits mit Stempeln oder anderen Markierungen versehene Postwertzeichen.

Auch das System der Nachentwertung hat sich bereits in der Vorphilatelie entwickelt und findet heute noch Anklang: Wird eine Postsendung versehentlich nicht bei der Entgegennahme der zuständigen Poststelle entwertet, obliegt diese Aufgabe dann dem Postboten, der zum Beispiel durch Zuhilfenahme eines Kugelschreibers die Postmarke im Nachhinein entwertet. Wird die nicht entwertete Sendung allerdings bereits schon beim Ankunftspostamt entdeckt, gibt es extra einen Poststempel, auf dem der Hinweis „nachträglich entwertet“ zu finden ist. Gerade alte Poststempel der Nachentwertung sind bei Sammlern gerne gesehen und können auf alten Schriftstücken sehr wertvoll sein. Auch solche und ähnliche Sammelobjekte finden Sie problemlos bei eBay.

Fälschungen und Echtheitsgarantie

Gerade sehr alte Poststempel sind äußerst selten, weshalb diese natürlich auch Leute anziehen, die versuchen, durch Fälschungen ehrliche Käufer zu betrügen. Eine weitere Masche ist die Rückdatierung von echten Stempeln, die dann in der Fachsprache als „verfälschte Stempel“ bezeichnet werden. Leider sehr leicht zu fälschen sind zum Beispiel handschriftliche Entwertungen von alten Briefen und Umschlägen, da es schwer bis unmöglich ist, die genaue Handschrift eines bestimmten Postangestellten von vor mehreren Hundert Jahren nachzuweisen und nicht selten entstehen so für Sammler finanzielle Schäden. Deshalb werden viele Schriftstücke aus der Zeit der Vorphilatelie mit sogenannten Echtheitsgarantien ausgestattet, die von staatlich anerkannten Prüfern ausgestellt werden. Dabei sollten Sie darauf achten, dass auch wirklich nur anerkannte Prüfer, und nicht etwa jeder Händler dazu berechtigt und in der Lage ist, ein solches Echtheitszertifikat auszustellen.

Außerdem schützt natürlich eigenes Wissen hervorragend vor Betrügern: Sollten Sie in Erwägung ziehen, eine neue Sammlung zu beginnen, dann ist es immer ratsam, wenn Sie sich zunächst ein wenig in die Materie einarbeiten: Auf Fachseiten im Internet oder bei vertrauenswürdigen Händlern lassen sich Kataloge einsehen, die nicht nur eine ungefähre Preisvorstellung liefern, sondern ebenfalls einen Überblick darüber verschaffen, wie die Originalmotive auszusehen haben. Dabei ist es für Sie wichtig zu wissen, dass lediglich ein paar wenige Bereiche für Fälschungen anfällig sind – wie eben zum Beispiel handschriftliche Entwertungen oder gewisse alte Stempel – und Sie dann speziell hier vorsichtig mit größeren Investitionen sein sollten.

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