Polierte Platte Spiegelglanz Herstellungsart von Münzen

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Polierte Platte oder Spiegelglanz

Bei der häufig angegeben Qualitätsangabe "Polierte Platte" oder bei deutschen Münzen ab 1966/67 "Spiegelglanz",  handelt es sich nicht um eine Erhaltungsangabe sondern um eine bestimmte Herstellungsart von Münzen. 


Moderne Münzen werden häufig in mehreren Herstellungsvarianten angeboten.

Polierte Platte, Spiegelglanz, Handgehoben oder der Erhaltungsangabe Stempelglanz.

Polierte Platte Münzen werden sehr aufwändig einzeln hergestellt. Sie werden mit Polierten Stempeln auf polierten Schrötlingen oder Ronden geprägt.

Polierte Platte Münzen sind daran zu erkennen, dass die Relieffpartien der Münze mattiert sind, und die Flächen spiegelnd, poliert wirken. 

Spiegelglanz Münzen werden in einem einfacheren Verfahren in größeren Mengen maschinell von lediglich polierten Schrötlingen oder Stempeln geprägt. 

Das Münzbild  einer Spiegelglanzprägung ähnelt dem von  "Polierte Platte" Münzen sehr stark. Der Laie kann den Unterschied bei deutschen Sondermünzen kaum feststellen.

In Deutschland werden seit der 5 DM Münze Leibniz keine Polierte Platte Münzen mehr hergestellt sondern aus Kostengründen nur noch Spiegelglanz Prägungen. 

Allerdings hat sich im Handel, bei Ebay und auch in einigen Katalogen ( Michel )  für diese Münzen die Herstellungsangabe "PP" oder "Polierte Platte" durchgesetzt.

Da es diese Münzen nur in einer Herstellungsart gibt, also Spiegelglanz und nicht in Polierter Platte, ist das kein Schaden und auch keine Irreführung  für den Sammler oder Händler. 

Die Bezeichnung "PP" oder Polierte Platte für diese Münzen ist allgemein anerkannt und wird auch allgemein verwendet.

Leider gibt es besonders bei Ebay einen gewissen Personenkreis, der daraus ein Problem macht indem er behauptet die Bezeichnung Polierte Platte währe irreführend, betrügerisch und berechtige sogar zu Schadenersatzansprüchen. Verweisen Sie auf die gängige Zitierungsweise im Michel Katalog und die Kategorieneinteilung bei Ebay

Fazit: Es gibt ab 5 DM Leibniz keine Münzen in der Herstellungsart "Polierte Platte" mehr, nur noch Spiegelglanz-Prägungen.

Es kann daher naturgemäß auch keinen, von einigen Personen irrtümlich oder mit der Absicht, um Vorteile oder Preisnachlässe bei Ebay zu erschleichen, angenommenen Qualitätsunterschied bei den DM und Euro Prägungen ab 1967 geben, da diese nur in Spiegelglanz und nicht in der Herstellungsart Polierte Platte hergestellt wurden. 

Aus eigener Erfahrung kann ich jedem Anbieter nur empfehlen nicht PP oder Polierte Platte in die Angebote zu schreiben, sondern Spiegelglanz, ist zwar sperriger, aber man ist bei einem gewissen Personenkreis immer auf der sicheren Seite.

Ich habe meine Angebote mittlerweile alle sicherheitshalber überarbeitet.

In einigen Ländern wie zum Beispiel Kanda werden diese Spiegelglanz Münzen ohne mattierte Relieffpartien mit einem voll spiegelnden Münzbild hergestellt. Diese Herstellugsart nennt man dort BU oder Brilliant Uncirculated. 

Handgehoben wird in Deutschland nicht geprägt. Es handelt sich um besonders qualitativ hochwertigen Einzelprägungen von neuen, nicht polierten Stempeln.  Diese Herstellungsart findet man zum Beispiel in der Schweiz oder in Österreich.

Bewertung von "Polierte Platte" Münzen

Wegen der kleineren Auflage und der höheren Herstellungskosten sind Polierte Platte Münzen häufig erheblich teurer als Normalausgaben.

Münzen vor 1945 sind in Polierter Platte sehr selten und auch wesentlich teurer als die Normalausgaben. Im 3.Reich wurden nur extrem wenige PP-Münzen hergestellt. Alle Münzen der Jahre 1933 bis 45 in der Herstellungsart Polierter Platte sind echte Raritäten !

Diese älteren Münzen von vor 1945 nie reinigen oder mit Silberbad tauchen ! dadurch wird der Sammlerwert der Münze erheblich vermindert !
Anlaufen oder Patina ist keine Beschädigung !
Kursmünzen der Bundesrepublik Deutschland vor 1974 in Polierter Platte oder ab 1966/67 in Spiegelglanz sind alle selten. Die Massenproduktion setzte erst ab Anfang der 70 er Jahre ein.

Von allen Kursmünzen, besonders aber von einigen 5 DM Silberadlern vor 1968, oder zum Beispiel von den 2 DM Münzen: 1951 Weintraube/Ähren oder den "Bank Deutscher Länder" Münzen, wurden nur jeweils wenige 100 Exemplare in "Polierter Platte" oder ab 1966/67 in Spiegelglanz geprägt. Diese Münzen sind gegenüber den Normalausgaben die es mit gleichen Jahrgängen in großer Menge gibt echte Raritäten.

Ab Mitte der 70er Jahre wurden wegen der starken Verbreitung des Münzensammelns verstärkt Spiegelglanz oder PP-Münzen geprägt und verkauft.
Bei modernen Gedenkmünzen besteht häufig kaum noch ein Preisunterschied zwischen den Normalausgaben, die allerdings bereits mit extrem hohen Qualitätsansprüchen geprägt werden, und den PP-Ausgaben in der Qualität und im Herstellungsaufwand kaum noch nachstehen.
In manchen Ländern sind PP Münzen sogar weniger beliebt als die Normalausgaben. Das ist besonders in den USA der Fall.. Stempelglanz-Ausgaben der Gedenk-Ein-Dollar- Serie kosten zum Teil ein mehrfaches der PP-Münzen.
Eine Faustregel, dass PP-Münzen teurer sein müssen als Normalausgaben, gibt es bei modernen Münzen ab den 80er Jahren nicht.

Erhaltungen von Münzen

Stempelglanz

Bei der Angabe Stempelglanz handelt es sich nicht um eine  Herstellungsart sondern um eine Erhaltungsangabe.

Erhaltungsangaben bezeichnen die Qualität einer einzelnen Münze und nicht deren Herstellungsart.

In Deutschland sind folgende Erhaltungsangaben und Abkürzungen gebräuchlich: 

Stempelglanz - Stgl. - ST

Vorzüglich - vz

Sehr schön - ss

Schön - s

Sehr gut erhalten - sge

Als Zwischenstufen haben sich noch folgende Angaben eingebürgert:

Prägefrisch oder Bankfrisch / Prfr. - Bfr.

Erstabschlag - EA

Vorzüglich bis Prägefrisch - vz-prfr.

Vorzüglich aus "Polierte Platte" - vz aus PP

und Zwischenerhaltungen wie "sehr schön bis vorzüglich" - ss-vz

Genaue Definitionen der Erhaltungsangaben finden Sie zum Beispiel auf den Seiten der Münz Zeitschriften  Money-Trend oder Münzen-Revue





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