Plattenspieler und Tonabnehmer

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gebogene Tonarme

Turntable-Plattenspieler für den klassischen DJ-Einsatz

Der Turntable ist das klassische Werkzeug des DJs. Im privaten Bereich ist die Zeit des Plattenspielers wohl schon vorbei. Hier hat das digitale Musikzeitalter mit seinen mp3-Dowloads bereits das Ruder übernommen. Basierend auf einem mittlerweile über hundert Jahre alten Funktionsprinzip, erfreut sich der Schallplattenspieler im DJ-Bereich allerdings immer noch größter Beliebtheit.

Der folgende Ratgeber möchte Sie bei der Kaufentscheidung für Ihren neuen DJ-Decks & Turntables unterstützen. Er liefert Ihnen wertvolle Hintergrundinformationen zu Funktionsweise, zu Typen und den verschiedenen Komponenten von DJ-Plattenspielern.

 

Wie Plattenspieler funktionieren

Das Funktionsprinzip des Plattenspielers ist bereits über hundert Jahre alt. 1887 meldete Emil Berliner seine Erfindung beim Patentamt an. Damals bestanden Plattenspieler ausschließlich aus mechanischen Bauteilen. So zum Beispiel die Vorgänger des heutigen Plattenspielers, das Grammofon und der Phonograph. Von Emil Berliner stammt auch schon der Name: Schallplatte.

Die auf der Schallplatte befindlichen Rillen werden beim Betrieb von einer Nadel abgetastet. Die Nadeln moderner Plattenspieler können dabei aus unterschiedlichen Materialien bestehen. So finden sich beispielsweise Nadeln aus Saphir oder Diamant.

Die Nadel ist am Tonabnehmer befestigt, der sich wiederum am Tonarm des Plattenspielers befindet. Der Tonabnehmer wandelt die Schwingungen der Nadel in elektrischen Strom um. Die Schwingungen werden dabei verstärkt und entzerrt, damit ein entsprechendes Tonsignal wiedergegeben werden kann.

Der Tonarm, an dem der Tonabnehmer befestigt ist, kann eine radiale oder tangentiale Bauart aufweisen. Bei DJ-Plattenspielern kommen allerdings ausschließlich Radialtonarme zum Einsatz. Die üblichen Umdrehungsgeschwindigkeiten der Schallplatte liegen bei modernen Turntables bei 33 1/3 und 45 Umdrehungen pro Minute (UpM). Einige Modelle besitzen auch Umdrehungsgeschwindigkeiten von 78 Umdrehungen pro Minute.

Unterschiede bei aktuellen Plattenspielern und Tonabnehmern

Moderne Plattenspieler für den DJ-Bereich unterscheiden sich in mehreren Punkten. Diese sind:

  • Antriebsart
  • Eigenschaften des Motors
  • Form des Tonarms
  • Pitch-Bereich

Darüber hinaus werden Sie auch Modelle finden, die spezielle Eigenschaften besitzen, die andere Plattenspieler nicht aufweisen. So können manchen Turntables Schallplatten vorwärts und rückwärts spielen. Weiterhin gibt es Geräte, die über eine Tonhöhenkorrektur verfügen, S/PDIF-Ausgänge besitzen oder digitale Wandler integrieren.

Beim Kauf eines DJ-Plattenspielers muss man sich auch für den Kauf eines entsprechenden Tonabnehmers entscheiden. Tonabnehmer ist nicht gleich Tonabnehmer. In diesem Komponentenbereich gibt es zwei verschiedene Bauformen sowie zwei unterschiedliche Schliffarten der Nadel.

Welche Antriebsarten stehen zur Verfügung?

Es existieren verschiedene Antriebsarten, mit der der Elektromotor den Plattenteller in Rotation versetzen kann. Jeder Antrieb hat Vor- und Nachteile. Die Verwendung einer bestimmten Antriebsart hängt dabei ganz von dem angestrebten Einsatzgebiet ab. Bei Plattenspielern für den DJ-Bereich kommen vor allen dingen zwei Betriebsarten in Betracht.

Plattenspieler mit Riemenantrieb

Die Kraft des Elektromotors wird beim Riemenantrieb mithilfe eine Flachriemes aus Gummi übertragen. Der Riemen verbindet dabei die Motorspindel und eine größere Walze, die sich am Plattenteller befindet. Diese entkoppelte Konstruktionsweise hat dabei einen entscheidenden Vorteil. Sie minimiert unerwünschte Vibrationen, die die Nadel auf der Schallplatte „springen“ lassen.

Die Anpassung der Drehzahl funktioniert bei diesen Modellen über die Steuerung der Motordrehzahl oder durch unterschiedliche Übersetzungen zwischen dem Plattenteller und der Motorachse. Durch diese Antriebstechnik erwachsen dem Plattenspieler aber auch einige Nachteile – jedenfalls für bestimmte DJ-Bereiche.

Durch Scratchen oder andere manuelle Techniken, bei der die Schallplatte rhythmisch vor und zurückbewegt wird, kann es zu Beeinträchtigungen kommen. Davon ist oft der Riemen betroffen. Dieser kann durch die manuelle Bewegung des Plattentellers ausleiern oder sogar abrutschen. Weiterhin stehen die relativ langen Hochlaufzeiten sowie geringe Drehmomente einigen DJ-Disziplinen entgegen.

 

Der Direktantrieb

Bei Turntables mit Direktantrieb ist die Achse des Elektromotors auch gleichzeitig die Achse des Plattentellers. Hierbei werden zumeist Motoren mit einem starken Drehmoment verwendet. Jede Drehzahlabweichung wirkt sich bei dieser Betriebsweise direkt auch auf den Plattenteller aus, sodass PLL-Regelkreise zur Gleichlauf-Stabilisierung verwendet werden.

Neben den direkt angetriebenen Plattenspielern durch integrierte Motor-Plattenteller-Bauweise zählt auch noch ein weiterer Typ. Plattenspieler, in denen ein Zahnrad für die Übertragung der Kraft von Motor zu Plattentellerachse sorgt, werden ebenfalls zu den Direktanbtrieben gezählt.

Der Direktantrieb besitzt einige Vorteile. Für den DJ-Gebrauch ist die schnelle Hochlaufzeit des Plattentellers von Vorteil. Zwar kann es vorkommen, dass gewisse Gleichlaufschwankungen auftreten. Dennoch ist ein Plattenspieler mit Direktantrieb äußerst stabil. Stabilität ist ein entscheidendes Kriterium. Durch die per Hand hervorgerufenen Geschwindigkeitsveränderungen (bspw. beim Scratchen) muss der Antrieb einiges aushalten.

 

Welche Eigenschaften besitzt der Motor?

Zum einen ist die Antriebsart des Plattenspielers von entscheidender Wichtigkeit. Zum anderen sollte man beim Kauf eines Plattenspielers auf weitere Kriterien achten, die den Motor betreffen.

Die unter Umständen entstehenden Gleichlaufschwankungen müssen sehr niedrig ausfallen. Das ist insbesondere beim DJ-ing wichtig, weil sonst die Platte aus dem Mix laufen kann. Eine schnelle Anlaufzeit und ein starker Elektromotor sind ebenfalls wichtig, wenn man den Plattenspieler beispielsweise zum Scratchen verwenden möchte.

Welche unterschiedlichen Tonarme gibt es?

Der Tonarm ist dafür da, dass die Nadel des Tonabnehmers exakt in der Spur der Schallplattenrille gehalten wird. Die bei DJ-Turntables verwendeten Tonarme sind Radialtonarme. Diese Typen sind so gelagert, dass sie um einen Punkt herum drehbar sind. Sie können mit einem speziellen Gegengewicht fein justiert werden.

Grundsätzlich gibt es zwei Formen von Radialtonarmen. Auf der einen Seite haben sich besonders im Techno- und House-Bereich gebogene Tonarme durchgesetzt. Im Hip-Hop-Bereich werden hingegen gerne gerade Tonarme benutzt. Das hängt damit zusammen, das diese Bauweise besser mit den verschiedenen Scratch-Techniken zurechtkommt.

Der Pitch-Controller ist eine der wichtigsten Turntable-Funktionen

Der Pitch-Bereich ist für den Turntable-Dj eine wichtige Kategorie. Mit dem „Pitch-Adjustment“ können DJs die Geschwindigkeit des Plattentellers kontrollieren. Damit wird es möglich, beim Mixen unterschiedlich schnelle Musikstücke miteinander zu überblenden.

Der Pitchbereich bezieht sich dabei darauf, um wieviel Prozent der Plattenteller – gemessen an der aktuellen Umdrehungsgeschwindigkeit – schneller oder langsamer rotiert. Standardpitchbereiche liegen heutzutage bei +/- 6% und +/-50 %.

Was sollte man zu Tonabnehmern wissen?

DJ-Plattenspieler werden – Auktionen von gebrauchten Stücken vielleicht ausgenommen – nicht selten ohne Tonabnehmer geliefert. Der Tonabnehmer befindet sich am vorderen Ende des Tonarms und besteht aus mehreren Komponenten: Abtastnadel, Nadelträger, Wandler und Gehäuse.

Die Spitze der Nadeln kann aus verschiedenen Materialien gefertigt sein. Darüber hinaus gibt es unterschiedliche Schliffarten. Die Nadel kann dabei entweder elliptisch als auch sphärisch geschliffen sein.

Der elliptische Schliff hat den Vorteil, dass mehr Informationen aus der Rille der Schallplatte „gelesen“ werden könne. Sie bildet ein höheres Frequenzspektrum ab und ist grundsätzlich lauter. Allerdings ist sie in diesem Zusammenhang ungeeignet für Plattenspieler zu Scratchen. Hier sind sphärisch geschliffene Nadeln besser geeignet. Sie nutzen die Schallplatte weit weniger schnell ab als elliptisch geschliffene Nadeln.

Tonabnehmer für den DJ-Bereich kann man in zwei Gruppen ordnen. Auf der einen Seite gibt es die sogenannten Unterdecksysteme. Sie besitzen eine Halbholzbefestigung und sind relativ schwierig zu installieren. Man muss bei Einbau besonders darauf achten, dass die Tonabnehmer genau justiert sind.

Dadurch wird ein schneller Wechsel des Tonabnehmers so gut wie unmöglich. Man ist mehr oder weniger auf einen DJ-Bereich begrenzt. Darüber hinaus haben sich Tonabnehmer mit SME-Anschlüssen etabliert.

Der eindeutige Vorteil bei diesen Tonabnehmern besteht in der Möglichkeit, diese schnell und einfach – auch während eines Musik-Events - zu wechseln. Nachteilig wirkt sich bei dieser Bauform aus, dass die Tonabnehmer im Vergleich zu Unterdecksystemen weniger genau justiert werden können. Selbstverständlich bieten viele Anbieter auch Nadel- & Tonabnehmer-Sets.

Bei eBay finden Sie ein reichhaltiges Angebot von unterschiedlichen Turntables

Wenn Sie sich die Auktionen und „Sofort-Kaufen“-Angebote unserer eBay-Mitglieder ansehen, werden Sie schnell fündig werden. Sie werden hier Einsteigermodelle ebenso finden wie Geräte für den Profi-Bereich oder Klassiker, wie den Technics SL-1210 Mk2.

Dabei finden Sie alle großen und bekannten Herstellermarken wieder. Turntables von Numark, Ortofon, Reloop und Technics sind hier genauso vertreten, wie Geräte von Stanton, Vestax oder Gemini.

Kostengünstige bzw. gebrauchte Modelle bekommen Sie schon für etwa unter hundert Euro. Für Geräte, die sich im High-End-Bereich bewegen, oder für Spezial-Editionen kann der Preis allerdings einige Tausend Euro überschreiten.

FAZIT: Mit dem richtigen Hintergrundwissen zum richtigen Turntable

Heutzutage prägen MP3s und digitale Download-Plattformen unseren privaten Musikkonsum. Ipods und Smartphones haben CD-Player und besonders auch die Plattenspieler schon längst aus den Wohnzimmern verdrängt.

Nur in manchen Nischen hat der Plattenspieler noch überlebt. Eine davon ist der DJ-Bereich, im dem Turntables auch noch lange zum klassischen Tonträgerabspielgerät gehören wird.

Dieser Ratgeber konnte Ihnen hoffentlich einige gute Hinweise und Tipps geben. Er hat Ihnen ein solides Grundwissen vermittelt, was Ihnen beim Kauf eines DJ-Turntables helfen kann.

Selbstverständlich müssen Sie vor dem Kauf bereits wissen, in welcher Weise Sie Ihren Plattenspieler betreiben wollen. Wenn Sie das wissen, können Sie auf verschiedene Dinge achten. Schauen Sie sich genau den Antriebsmechanismus Ihres Plattenspielers an. Hierbei geht es um Riemenantriebe oder Direktantriebe.

Darüber hinaus können Sie auf die Leistung des Motors achten. Unterschiedliche Radialtonarme empfehlen sich für unterschiedliche Verwendungszwecke, wenn sie zum Beispiel scratchen möchten usw. Ein ordentlicher Pitch-Bereich hilft Ihnen beim Mixen Ihrer Tracks. Und schließlich will die Wahl eines entsprechenden Tonabnehmers samt Nadel auch gut bedacht sein.

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