Plattenspieler für die Nostalgiker und Plattenfans

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Plattenspieler für die Nostalgiker und Plattenfans

Seit einigen Jahren befinden sich traditionelle Plattenspieler wieder in einer gewissen Renaissance und erfreuen sich steigender Beliebtheit. Allen Unkenrufen zum Trotz und obwohl digitale Formate wie die CD oder mp3 im Allgemeinen massenkompatibler sind, vermelden Hersteller von Plattenspielern und Vinylverkäufer kontinuierlich steigende Umsatzzahlen. Ganz zu schweigen von der gesellschaftlichen Reputation. Heutzutage gilt der Schalplattenspieler wieder als gesellschaftsfähig und cool – und das nicht nur bei Nostalgikern, DJs und Musikbegeisterten. Dennoch sollten Sie vor dem Kauf eines solchen Gerätes einige Aspekte beachten.

Die Entscheidung für den Plattenspieler – die Entscheidung für ein anderes Hörempfinden

Immer wieder werden Schallplatten-Fans und Musikbegeisterte damit zitiert, wie speziell der analoge Klang dieses Mediums sich von anderen unterscheidet. Im Allgemeinen gelten Vinyls in ihrem Klang als dynamischer, voller und auf gewisse Art und Weise „wärmer". Spezielles Mastering der Aufnahmen passt den Sound an das Gerät an, dieser wirkt dabei – gerade durch das Knistern und Kratzen – organischer. Eine exakte wissenschaftliche Erklärung für diesen Klang steht dabei allerdings immer noch aus, zu sehr spielen individuelle und subjektive Faktoren mit hinein. Aber auch die Soundanlage, Technik und vor allem das Umfeld sind entscheidend. Der Schallplattenspieler ist ein schwingendes Gebilde, sein spezieller Sound gehorcht damit viel mehr den akustischen Gesetzen der Natur, als der digitaler Medien.

Dieser unumgängliche Fakt geht Hand in Hand mit einer gewissen und nicht zu unterschätzenden psychologischen Komponente. Vinylhörer erleben den Prozess des Musikabspielens in jedem Fall bewusster und sorgfältiger. Auswahl und Handhabung des Gerätes verlangen mehr Fingerspitzengefühl. Dadurch, dass einzelne Titel auf dem Medium nicht übersprungen werden können, wie es bei CDs oder digitalen Musikdateien gang und gäbe ist, verlangt das Hören und Anwenden eines Plattenspielers auch mehr Zeit von Ihnen. Musikerleben über einen Plattenspieler steht für bewusstes Entschleunigen und Genuss, eine Komponente, die heutzutage wieder zusehends von den Menschen geschätzt wird.

Eine Übersicht über die wichtigsten Komponenten, die ein guter Plattenspieler benötigt

Der Schallplattenspieler besteht primär aus drei Elementen, dem Plattenteller mitsamt Antriebsmechanismus, den Tonabnehmer inklusive Plattennadel, sowie den Tonarm. Zusätzlich benötigen sie eine Soundanlage zur Wiedergabe des Tons, außerdem gibt es diverse Zusatzkomponenten, die optional nach Bedarf und Nutzungsverhalten angeschafft werden können.

Verschiedene Antriebsmechanismen haben Einfluss darauf, wie genau die Platte sich dreht.

Es gibt unterschiedliche Art und Weisen, wie die Schallplatte in Bewegung gesetzt wird. Teilweise sind diese historisch bedingt, andererseits auch mit dem Hintergrund unterschiedlicher Anforderungen.

  • Direktantrieb: Hier bildet die Achse des Plattentellers gleichzeitig auch die Achse des Antriebsmotors. Dabei handelt es sich um eine sehr sensible und feine Form des Abspielens, die allerdings auch schnelle Tempowechsel gut verkraftet und somit auch primär für DJs relevant ist.
  • Riemenantrieb: Hierbei wir die Bewegung des Motors via Gummiriemen auf den Plattenteller übertragen. Das vermeidet unnötige Vibrationen und ist in der Herstellung vergleichsweise günstig, dafür aber weniger 'spontan' in Sachen Temporegulierung, wie beispielsweise der Direktantrieb.
  • Reibradantrieb: Diese Form kann als Vorgängerform des Riemenantriebs bezeichnet werden und wurde verstärkt in den 1950- und 60er-Jahren angewendet. Der Motor treibt hierbei ein Reibrad an, das wiederum die Drehung auf die Innenseite des Plattentellers überträgt. Dies ist für die Temporegulierung besser, überträgt gleichzeitig aber auch Vibrationen stärker direkt auf den Plattenteller. Heutzutage wird dieses Prinzip kaum noch aktiv hergestellt.

Der Tonabnehmer überträgt elektrische Impulse und Schwingungen zu auditiven Signalen.

Der Tonabnehmer mitsamt seiner Plattennadel markiert das Herzstück jedes Schallplattenspielers, indem der als elektroakustischer Wandler die Schwingungen der Schallplatte in akustische Signale umwandelt. Der Kontakt, der beim Drehen des Plattentellers zwischen Nadel und Vinyl entsteht, erzeugt elektrische Spannung und überträgt somit das Audiosignal. Der Tonabnehmer besteht aus der Abtastnadel, welche meist ein geschliffener Diamant ist, Nadelträger, dem Wandler und einem Gehäuse. In einigen Fällen ist an dem Gehäuse für den Nadelträger ein sogenannter Mitlaufbesen angebracht, welcher in erster Linie Staub und Schmutz vor der Abtastnadel entfernt. Es gibt dabei zwei unterschiedliche Hauptformen von Tonabnehmern auf dem Markt – elektromagnetische (MM) und elektrodynamische (MC) Wandler.

  • 1. MM-Systeme. Die Abkürzung steht in diesem Fall für 'Moving Magnet', sie sind die am weitesten verbreiteten Tonabnehmer für Schallplatten. Hierbei wird ein kleines Eisenteil in der Nähe von Spulen mit Eisenkern bewegt, während der Magnetkreis durch Dauermagneten in Bewegung versetzt wird. Die Ausgangsspannung ist relativ hoch, ein Entzerrervorverstärker wird zur Wiedergabe benötigt.
  • 2. MC-Systeme. Das 'MC' steht in diesem Fall für 'Moving Coil', benannt nach den Spulen, die sich hierbei in einem in einem konstanten und möglichst homogenen Feld eines Dauermagneten bewegen. Die Ausgangsspannung ist hierbei geringer, es wird ein spezieller Vorverstärker benötigt. Der Prozess ist insgesamt sensibler, dafür gilt das Klangbild bei diesem Modell im Allgemeinen als sauberer.

Die Abtastnadel ist mit Sicherheit einer der sensibelsten Bereiche eines Plattenspielers. Rechnen Sie also damit, diese bei entsprechendem Verschleiß auszutauschen. Das ist insofern im Vorfeld des Gerätekaufes zu wissen, da es bestimmte Plattenspieler gibt, wo sich die Nadel nicht austauschen lässt, sondern stattdessen das komplette Tonabnehmersystem gewechselt werden muss.


Bei der Nadel an sich unterscheidet man zwischen elliptischen oder sphärischen Schliff. Bei Ersterem kann der Tonabnehmer mehr Informationen erfassen und ein größeres Frequenzspektrum abdecken, wodurch er auch lauter wirkt. Dieser Nadel belastet die Schallplatte allerdings mehr und sorgt für stärkere Abnutzung. Der sphärische Schliff hingegen schont die Schallplatten mehr und ist gerade bei häufigerem Umgang zu empfehlen, wenngleich er die oben genannten Eigenschaften vermissen lässt.

Der Tonarm führt die Plattennadel und dient zur Führung durch die Rillen.

Der Tonabnehmer allein nützt nicht viel, wenn der Tonarm, an dem er befestigt ist, nicht ausreichend justiert genug ist. Er ist für die exakte Führung durch die Rillen einer Schallplatte zuständig. Er besteht aus dem Arm selbst, einem Befestigungsmechanismus für den Tonabnehmer samt Nadel, sowie einem Gegengewicht, mit dem er auf verschiedene Formen des Tonabnehmers flexibel reagieren kann.

Er kann auf zwei unterschiedliche Arten angebracht werden. Zum einen als Steckverschluss, der sogenannten SME-Befestigung. Diese sorgt für eine schnelle Verbindung und einen leichten Austausch. Für Berufsgruppen wie DJs ist dies sicher geeignet, allerdings kann die Plattennadel in dem Fall nur schwer nachjustiert werden. Bei der zweiten Möglichkeit handelt es sich um die Halbzoll-Befestigung. Der Tonabnehmer wird dabei unter den Tonarm justiert, was mit deutlich mehr Aufwand verbunden ist, allerdings auch für ein wesentlich exakteres Justieren sorgt.

Während viele Plattenspieler auch direkt als Komplettsystem mit Tonabnehmer und Tonarm verkauft werden, gibt es für Kenner und Interessierte auch stets die Möglichkeit, diese Elemente separat zu erwerben.

Optionale Ergänzungsmöglichkeiten erweitern den Hörgenuss und die Handhabung.

Während Plattenteller, Tonarm und -abnehmer den Kern des Plattenspielers darstellen, gibt es einige zusätzliche Elemente, welche helfen können, das Plattenspieler-Erlebnis zu optimieren.

  • Plattengewichte und Plattenklemmen helfen, einen optimalen Anpressdruck der Schallplatte zur Oberfläche zu generieren. Das schafft beste Voraussetzungen während des Abtastens und hilft vor allem auch bei älteren, schon leicht lädierten Schaltplatten. Auch gibt es spezielle Auflagen und Zentrierungshilfen, welche optional hinzugekauft werden können.
  • Plattenreiniger hilft bei der Pflege der geliebten Scheiben.
  • Ersatzriemen oder -nadeln können nach Wahl auch direkt auf Vorrat gekauft werden.
  • Wie bereits erwähnt, benötigen moderne Plattenspieler aufgrund der geringen Ausgangsspannung stets einen Phono-Vorverstärker, bevor sie in den normalen Audio-Verstärker hineingehen.
  • Wer Vergangenheit und Zukunft, analog und digital, miteinander verknüpfen möchte, hat die Möglichkeit, heutzutage auf spezielle Phono USB-Adapter oder gar moderne Plattenspieler mit direkt eingebautem USB-Anschluss zu setzen. In Kombination mit spezieller Software lassen sich auf diesem Weg Schallplatten problemlos digitalisieren und dann auch nachbearbeiten, sollte man den traditionellen Vinylsound auch auf dem hauseigenen mp3-Player genießen wollen.

Geduld und Feingefühl – worauf muss ich beim Umgang mit dem Plattenspieler achten.

Es dürfte deutlich geworden sein, dass Plattenspieler sensible Geräte sind, die mit Achtsamkeit, Feingefühl und jede Menge Beharrlichkeit behandelt werden müssen. Genau da liegt ja auch ihr Kernunterschied zu den schnellen digitalen Tonträgern. Sowohl die Platten, als auch das Gerät sollten daher ausreichend und regelmäßig gewartet werden. Vinyls müssen vorsichtig gereinigt werden und sollten stets sensibel behandelt werden. Dafür gibt es unter anderem spezielle Karbonbürsten mit besonders weichen Borsten. Auch spezielle Flüssigreiniger für die Tonabnehmer-Nadeln sind hier eine Möglichkeit.

Der Plattenspieler sollte auch nicht in der unmittelbaren Nähe von Verstärkern, Receivern oder Netzteilen positioniert werden, da in diesem Fall die Gefahr besteht, dass der Klang durch ein Brummen übertönt wird. Das Gerät sollte auf stabilen Grund stehen, sowohl unmittelbar, als auch im Bezug auf die Beschaffenheit des Fußbodens. Viele Plattenspieler-Nadeln springen bereits bei geringen Aussetzern und Erschütterungen.

Die genaue Justierung des Tonarmes, sowie des Tonabnehmers ist entscheidend und von Modell zu Modell unterschiedlich. Erkundigen Sie sich vorher darüber, welche Komponenten für ihr spezielles Modell die besten sind. Besonders wenn Sie ein Nostalgiker sein sollten und ein verhältnismäßig altes Gerät Ihr Eigen nennen, müssen Sie mit diesem noch ein Stück behutsamer umgehen, als mit einem fabrikfrischen Modell.

Plattenspieler gibt es natürlich in großer Auswahl bei Ebay. Zu den bekanntesten Herstellern aktueller Modelle gehören hierbei Stanton, Numark, Thorens, Dual oder Pro-Ject.

Fazit – entscheidender als die technischen Werte ist der Umgang mit dem Gerät.

Die abschließende Frage, welcher Plattenspieler denn nun der sinnvollste sei, ist eine, die Sie nur in Rücksprache mit ihrem Hör- und Anwendungsverhalten beantworten können. Sollten Sie mehr Wert auf entschleunigten und detailverliebten, aber gerade dadurch auch zuverlässigen Hörgenuss legen, so sind sie mit einem hochwertigen und teureren Produkt vermutlich längerfristig glücklicher. Andere Modelle sind hingegen flexibler und belastbarer und zeichnen sich in eigen Fällen durch einen versimpelten Benutzerkomfort aus, der fast an den eines klassischen CD-Player heranreicht. Das besondere Hörempfinden hat in jedem Fall viel mit Ihrer Einstellung und dem dadurch resultierenden Erleben des Klanges zu tun.

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