Plattenkameras – faszinierende Technik aus den Fotografie-Anfängen

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Plattenkameras für Liebhaber und Sammler – faszinierende Fototechnik aus der Anfangszeit

Alte Kameras und vor allem Plattenkameras mit ihrer recht rustikalen Technik üben einen besonderen Reiz aus. Wer eine historische Kamera in die Hand nimmt, spürt dabei das Gewicht: Dann wird die Faszination plastisch. Es ist nicht nur die solide Technik, die den fotobegeisterten Sammler in seinen Bann zieht. Die Kameras von früher haben eine lange Zeit überdauert und ihre Funktionen haben dabei keinen Schaden genommen. Eine Eigenschaft, die die moderne Kunststoff- und Elektroniktechnik sicherlich nicht für sich beanspruchen kann. Eine Plattenkamera ist ein fotografisches Aufnahmegerät, die Fotoplatten mit Glas als Trägermaterial der lichtempfindlichen Schicht verwendet. In der Plattenkamera konnten aber auch Kalotypien oder Daguerreotypien hergestellt werden. Der Einsatz von Plattenkameras war typisch für die frühen Jahre der Fotografie.

Die Verwendung der Plattenkameras

In den ersten Jahren waren die Pioniere der Fotografie gezwungen, die Platten bei Außenaufnahmen vor Ort in einem abgedunkelten Zelt mit lichtempfindlichem Material zu beschichten und unmittelbar darauf im nassen Zustand zu belichten und sofort darauf zu entwickeln. Bald darauf war die Entwicklung so weit voran geschritten, dass diese Prozedur trocken erfolgen konnte, was die hierfür benötigte Ausrüstung wesentlich verringerte. Trotzdem war das Gewicht der Glasplatten noch immer sehr groß. Erst als es die Möglichkeit gab, einen Planfilm mit einem Träger der Schicht aus Acetat oder später Zelluloid zu verwenden, konnte dieses Handicap reduziert werden. Ein wesentlicher Vorteil der Glasplatten-Technik im Hinblick auf die modernen und kleineren Filmformate bestand allerdings darin, dass wegen der großen Formate gestochen scharfe Kontaktabzüge auf Fotopapier hergestellt werden konnten. Die Negative bei der Glasplatten-Fotografie war stets so groß wie die hiervon gewonnen Abzüge. Für großformatige Landschaftsaufnahmen wurden Kameras von enormen Ausmaßen gebaut, die dann meist von mehreren Männern an den gewünschten Ort transportiert werden mussten. Moderne Großformatkameras für Planfilm werden unter Kennern der Materie heute ebenfalls noch als Plattenkameras bezeichnet.

Chemische Grundlagen der Fotografie

Bereits der Forscher Johann Heinrich Schulze, der zwischen 1687 und 1744 lebte, stellte fest, dass das Sonnenlicht spezielle chemische Materialien einfärben konnte. Schulze vermischte 1717 dabei Kreide mit einer Silberlösung und konnte eine auf das Licht basierende Reaktion konstatieren. Der Chemiker Carl Wilhelm Scheele, der zwischen 1742 und 1786 in Stralsund lebte, experimentierte ebenfalls mit Silbersalzen, bei denen er entdeckte, dass die Schwärzung durch metallisches Silber hervorgerufen wurde. Kurz vor Ende des 18. Jahrhunderts fanden die ersten nachgewiesenen Experimente zum Fixieren von fotografischen Aufnahmen von Claude und Joseph Nicéphore Niépce um 1798 und von Thomas Wedgwood um 1799 statt.

Ab etwa 1815 begann sich der begüterte französische Jurist Joseph Nicéphore Niépce mit der Lithografie zu beschäftigen. 1822 gelang Niépce mit seiner von ihm selbst Heliographie genannten Methode eine Direktkopie einer lithographischen Aufnahme auf einer Zinnplatte, die ihrerseits mit Asphalt beschichtet war. Niépce gravierte die Zinnplatte nach dem Auflösen der unbelichteten Stellen des Asphalts mit Lavendelöl. So konnte diese vervielfältigt werden. Schon von 1816 an versuchte der Tüftler parallel zu der Entwicklungsarbeit mit der Camera obscura Positivabzüge auf unterschiedlichen Stoffen herzustellen. 1829 benutzte Niépce zusammen mit Daguerre eine mit Asphalt, Jod und Silber beschichtete Kupferplatte. Erst viele Jahre später, nämlich 1952, wurde die wohl älteste erhaltene Heliographie neu entdeckt, deren Platte aus Zinn bestand, wobei bei diesem Verfahren noch eine Belichtungszeit von mehreren Stunden erforderlich war. Auf der wiederentdeckten Fotografie ist der Blick aus dem Arbeitszimmer Niépces in Le Gras zu sehen. In unserer Zeit gehört das Bild zur Gernsheim-Sammlung in den Vereinigten Staaten in der Universität von Austin, Texas.

Weitere Entwicklungen der Plattenfotografie

Eine größere Anzahl von Forschern und Erfindern arbeitete in den ersten Jahrzehnten des 19. Jahrhunderts an der Weiterentwicklung der fotografischen Prozesse. Erste lichtstarke Objektive wurden entwickelt, wie das so bezeichnete Petzval für die Voigtländer-Metallkamera, die Linsen für die Camera obscura wurden vervollkommnet, bessere, lichtempfindlichere Silbersalze wurden entdeckt und vor allem die Belichtungszeiten reduziert. Zu den Weiterentwicklungen der Verfahren dieser Jahre zählen die Einführung von Uran-Kollodium, die so genannte Wothlytypie um 1864 durch Jacob Wothly, das albuminisierte Papier durch Louis Désiré Blanquart-Evrard, albuminisierte Glasplatten durch Abel Niépce de St. Victor im Albumin-Verfahren, das Wachspapier durch Gustave Le Gray sowie die Kollodium-Nassplatte durch Frederick Scott Archer, die in der englischen Sprache auch wet plate process genannt wird.

Die Verringerung der Belichtungszeit auf etwa 20 Sekunden gelang erstmals durch das Albuminverfahren. Damit war es möglich, Menschen oder sich bewegende Objekte abzubilden. Erste Beispiele hierfür können ab 1854 nachgewiesen werden. In einem nächsten Schritt verringerte die Kollodium-Nassplatte die Belichtungszeit auf wenige Sekunden, wobei dieses Verfahren jedoch noch eine Reihe von Nachteilen aufwies. Hierbei war es nämlich notwendig, dass die Platten an Ort und Stelle präpariert und sofort danach entwickelt werden mussten. Diese Vorgehensweise war äußerst aufwendig und engte die Mobilität des Fotografen stark ein. Beispielsweise war ein Reisefotograf, wenn er das nasse Kollodiumverfahrens verwendete, dazu gezwungen, ständig ein Zelt, das als Dunkelkammer diente, mit sich zu führen. Die Fotoschichten waren unterschiedlich empfindlich im Hinblick auf die verschiedenen Farben und größtenteils auf Blau sensibilisiert. Im praktischen Gebrauch bedeutete dies, dass die Fotografien die Motive nur eingeschränkt abbilden konnten. Die großformatigen Fotoplatten konnten nicht eingesetzt werden, wenn Reihenaufnahmen und Bildfolgen gefragt waren.

Die Plattenkamera in den letzten Jahrzehnten des 19. Jahrhunderts

Ab 1850 wurden Bestrebungen unternommen, diese Nachteile und Probleme in Angriff zu nehmen und somit auch nach und nach gelöst. Um 1855 erfand zum Beispiel Louis-Alphonse Poitevin den Gummi- und den Pigmentdruck. Ab 1856 wurden auch verschiedene Trockenplatten entwickelt, die mit Albium, Gelatine und Tanninen beschichtet waren. Bemerkenswert ist die Entwicklung der Gelatine-Trockenplatte durch Richard Leach Maddox um 1871, bei der die industrielle Fertigung etwa 1880 begann. Louis Ducos du Hauron veröffentlichte schon 1862 erste Studien über ein farbfotografisches Verfahren. 1868 präsentierte er erste farbige Pigmentdrucke und patentierte verschiedene Methoden. 1869 entwickelte Edward Muggeridge einen der ersten Verschlüsse. Dies ermöglichte einige Jahre darauf die ersten Reihenaufnahmen bewegter Motive, wozu bis zu 30 Kameras eingesetzt wurden. Étienne-Jules Marey konstruierte 1883 ein fotografisches Gewehr, mit der eine ganze Serie von Belichtungen auf einer einzigen Platte festgehalten werden konnten. Der als solcher bezeichnete Chronofotograf mit einem umlaufenden Schlitzverschluss und fester Platte konnte bis zu hundert Bilder pro Sekunde machen. 1888 erfand Ottomar Anschütz eine Kamera mit Schlitzverschluss für außerordentlich kurze Belichtungszeiten.

Die Voraussetzungen für die Farbfotografie und die panchromatische Tonwertwiedergabe waren um die Wende vom 19. zum 20. Jahrhundert geschaffen. Allerdings bezog sich die Bezeichnung der panchromatischen Sensibilisierung zu diesem Zeitpunkt noch ausschließlich auf schwarz-weiße Halbtonvorlagen. Ab 1906 waren panchromatische Platten verfügbar. Bei diesen Platten sind die Fotomaterialien für sämtliche Farben des Lichtspektrums sensibilisiert. Dies ist die Voraussetzung für die Farbfotografie und eine tonwertrichtige Wiedergabe in Grauwerten. Durch die Verkleinerung der Amateurkameras am Ende des 19. Jahrhunderts und die Trockenverfahren wurde die Fotografie zunehmend mobil. Darüber hinaus wurde eine industrielle Produktion des fotografischen Aufnahmematerials möglich, da die Fotoplatten ab jetzt auch gelagert werden konnten.

Plattenkameras im heutigen Betrieb

Noch immer sind alte Plattenkameras für relativ wenig Geld erhältlich. Die Formate, die am weitesten verbreitet sind, sind sechs mal neun und neun mal zwölf Zentimeter groß. Dies vor allem in der charakteristischen Laufbodenkamera-Variante. Die besondere Schwierigkeit bei diesem Typ der Balgenkamera ist, sie wurden für Glasplatten konstruiert. Eine derartige orthochromatische, also rotunempfindliche Glasplatte wird im Vergrößerer eine, ansonsten nicht zu erreichende, Plan-Lage ermöglichen. Im gegenteiligen Falle erscheint es kaum lohnenswert, auch heute noch Glasplatten zum Fotografieren zu verwenden, zumal alte, unbelichtete Platten mit Sicherheit einen Grauschleier aufweisen würden und ihre Empfindlichkeit auf nur noch wenige ASA gesunken sein dürfte.

Wenn Sie sich eine Plattenkamera zulegen, achten Sie unbedingt darauf, dass neben der Mattscheibe noch Kassetten im Lieferumfang enthalten sind. Darüber hinaus benötigen Sie als neuer stolzer Besitzer noch so genannte Planfilmeinlagen, in die die Planfilme, die Sie verwenden, eingeschoben werden. Erst, wenn diese Voraussetzungen erfüllt sind, lassen sich die Filme in den alten Platten-Kassetten der Balgenkamera einlegen. Eine Planfilmeinlage kann demnach als Adapter betrachtet werden, um die heute noch erhältlichen Planfilme in den alten Kassetten für Glasplatten zu verwenden.

Weitere Hinweise für den Kauf von Festplattenkameras

Jeden Tag werden eine große Anzahl von Balgen- oder Plattenkameras angeboten. Es kann demnach davon ausgegangen werden, dass dieser Kameratyp in sehr großen Mengen bis in die 30er Jahre des 20. Jahrhunderts hergestellt wurde. Vielfach lassen sich die Formate einer alten Platenkamera auf einem Foto eines Angebots gar nicht unterschieden. Bei Kameras im neun mal zwölf-Format ist die Standardbrennweite 13,5 Zentimeter, bei den sechs mal neun-Kameras 10,5 Zentimeter und die zehn mal fünfzehn-Balgenkameras wurden oft mit Objektiven einer Brennweite von 16,5 Zentimeter ausgestattet. Seltener wurde auch ein 15 Zentimeter-Objektiv verbaut, wobei dies wohl hauptsächlich bei der neun mal zwölf-Variante vorkam. Internationalen Kassetten sind 17,2 Zentimeter hoch und 12 Zentimeter breit. Das Gehäuse der Kamera sollte natürlich die entsprechenden Maße aufweisen. Prinzipiell muss der Foto-Freund beim Kauf einer etwa 100 Jahre alten Kamera darauf achten, dass der Laufboden im aufgeklappten Zustand kein Spiel aufweist. Die Standarte sollte ebenfalls fest auf der Schiene sitzen und nicht wackeln. Dass der Balgen keine Löcher haben darf, sollte selbstverständlich sein.

Fotografieren wie Anno Dazumal mit nostalgischem Flair – mit Plattenkameras ist dies auch heute immer noch möglich.

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