Piano Mechanik-Regulierung

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Flügel und Klavier: Regulierung

Gestaltung der Spielart, der mechanische Zugang zum Klavierklang

Bei jedem einzelnen Piano-Ton führt der Weg vom Tastenbelag bis zum Scheitel des Hammerkopfes über mehr als 70 (siebzig) Bauteile. Sie sind verleimt, geachst, verschraubt, gelagert, aufgepresst, gesteckt, vernietet. Gemessen an der Vielzahl der Teile ist die Funktionsweise logisch und einfach: Taste wird gedrückt, Hammer wird vorgetrieben, Dämpfer wird abgehoben. Dann wird der Hammer ausgelöst und abgefangen und kann erneut vorgetrieben werden.

Wenn alle Bauteile gut miteinander harmonieren sollen, müssen sie richtig bemessen sein. Deshalb ist die Konstruktion und der Bau perfekt spielender Piano-Mechaniken eine hohe Kunst mit zahllosen Varianten. Einige der Bauteile sind regulierbar. Jedes Piano wird ab Werk reguliert oder spätestens seitens des Fachhändlers. (Beim Direktimport / Direktvertrieb gibts da allerdings keine Sicherheit.)

   Blick in eine Klavier-Mechanik

Durchsicht der Mechanik: Bitte rechtzeitig!

Jede Piano-Mechanik sollte wenige Jahre nach der Auslieferung durchgesehen und nachreguliert werden. Bei Hausklavieren ist das normalerweise in ein bis drei Stunden getan; die Nachregulierung eines intensiv pianistisch genutzten Flügels kann dagegen zur Wissenschaft werden, zum peniblen Ausreizen von Zehntelmillimetern und Zentigrammen. Jede gute Regulation verbessert die "Spielart", sie vermindert Störungen und Verluste auf dem Weg von der Taste zum Ton.

Pianistische Mikro-Feinheiten spielen im Piano-Alltag kaum eine Rolle; vielmehr ist ganz allgemein der solide regulierten Mechanik mehr Beachtung zu wünschen. Den meisten Klavieren und Flügeln wird eine Nachregulierung erst nach sehr vielen Jahren, oft mehreren Jahrzehnten, gegönnt. Sie kann dann recht aufwändig werden. Bei vielen vernachlässigten Piano-Mechaniken messen die erforderlichen Einstellungen mehrere Millimeter oder sogar Zentimeter. In solchen Fällen verbessert eine Regulation auch den Klang maßgeblich. Wenn nach Jahren oder Jahrzehnten vermeintlicher "Wartungsfreiheit" endlich alle ca. 400 Schrauben wieder fest und geräuschlos sind, wenn die Töne wieder vollständig und präzise angeschlagen werden, und wenn die Dynamik wieder den vollen Umfang hat, dann gibt es immerhin diesen Vorteil: Die nachher fühl- und hörbaren Unterschiede sind wirklich überzeugend!

Selbsthilfe? Ja - aber bitte mit Sachverstand und großem Geschick

Sie können die wichtigsten Einstellungen der Piano-Mechanik überprüfen. Das sollten Sie allerdings erst dann tun, wenn Sie jeden der nun folgenden Sätze verstehen - anderenfalls lesen Sie bitte erst einmal Fachliteratur und/oder halten Rücksprache mit Ihrer Fachperson.

  • Im Ruhezustand sind alle weißen und schwarzen Tasten jeweils auf gleicher Höhe.
  • Der Tastentiefgang  beträgt am vorderen Tastenende knapp 1 cm.
  • Die Tasten haben hinten engen Kontakt zur Mechanik, ohne aber zu kneifen.
  • Die Tastenführungen gleiten leicht und klappern nicht.
  • Der Weg der Hammerköpfe bis zu den Saiten misst maximal 50 mm, minimal 43 mm.
  • Die Auslösung der Hämmer erfolgt 1-3 mm vor den Saiten.
  • Nach dem Anschlag werden die Hämmer bei gedrückter Taste gut 1 cm vor den Saiten abgefangen.
  • Auf halbem Hammerweg heben die Dämpfer ab.
  • Die Hämmer treffen mittig alle Saiten eines Tons.
  • Das rechte Pedal hebt alle Dämpfer gleichzeitig und vollständig ab.

Besonderheiten beim Klavier:

  • Das linke Pedal verringert den verfügbaren Hammerweg auf gut die Hälfte.
  • Bei getretenem linken Pedal sind die Rückhol-Bändchen an den Hämmern gespannt, ziehen aber die Hebeglieder nicht hoch.

Besonderheiten beim Flügel:

  • Bei getretenem linken Pedal treffen die Hammerköpfe nur zwei von drei bzw. eine von zwei Saiten und berühren keine Saiten der Nachbartöne.
  • Repetition: Nach dem Anschlag soll beim langsamen Freigeben der gedrückten Taste der Hammer mit sanfter Energie aus dem Fang hochgetragen werden, aber nicht tanzen. Er wird maximal bis zur Abnick-Höhe getragen, die auf ein bis zwei mm unterhalb der Auslösung eingestellt sein soll.

Die Regulation der Piano-Mechanik ist größtenteils ein feinhandwerklich-optisches Geduldsspiel. Wenn Sie ein sicheres Augenmaß, gute Nerven, viel Zeit und ein sehr geschicktes "Händchen" haben, können Sie mit geeigneter Literatur und richtigem Werkzeug Ihrem Klavier oder Flügel auch selbst etwas nachhelfen. Die Erfolgsaussichten dabei sind deutlich größer als bei dem Versuch, Ihr Piano selbst zu stimmen. Achtung: Wenn in größerem Umfang Garnierungen oder Bauteile ausgetauscht werden müssen, ist Selbsthilfe nicht ratsam. Halten Sie bitte rechtzeitig Rücksprache mit einer Fachperson Ihres Vertrauens, dann können Sie Gefahren und Pfusch vermeiden und erlaubte Toleranzen besser einschätzen.

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Ein eBay-Ratgeber - mit freundlicher Empfehlung von PianoCandle

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