Piano-Generalrenovierung

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Piano-Generalrenovierung
 - lohnt sich die für meinen Flügel oder mein Klavier?

Klaviere und Flügel können leicht 200 Jahre alt werden. Aus praktisch jedem Zustand heraus können sie völlig instandgesetzt oder restauriert werden. Ob sich das lohnt, steht auf einem anderen Blatt!

Branchenüblich bezeichnet der Begriff "Generalrenovierung" Reparaturen, in deren Verlauf ein Klavier oder Flügel ganz auseinander genommen wird. In wesentlichen Teilen verjüngt oder erneuert wird das Piano wieder zusammengefügt.

  • Der Stimmstock (das Holz in dem die Stimmwirbel sitzen) wird ggf. repariert oder ersetzt, Resonanzbodenrisse werden ggf. mit Spänen abgedichtet. Danach wird die "akustische Anlage" des Pianos mit neuen Saiten und Wirbeln wieder aufgebaut und unter Spannung gesetzt.
  • Meist wird dann im Zuge der ohnehin teuren Reparatur auch die Mechanik renoviert: Die Hammerköpfe werden neu befilzt oder ersetzt, verschlissene Garnierungen und defekte Bauteile werden ausgetauscht. Manchmal wird auch der gesamte Hammersatz oder sogar die komplette Mechanik neu angefertigt.
  • Je nach Anspruch und Ausgangslage wird das Werk durch eine äußere Restauration und/oder Neulackierung ergänzt.

Die Ergebnisse dieser aufwändigen Arbeiten sehen in der Regel beeindruckend aus. Doch damit allein wird sich nach dem immensen Aufwand gewiss niemand begnügen! Eine Generalrenovierung, wie oben beschrieben, kostet selbst bei Ausführung in einem Billiglohnland mehrere tausend Euro. Welch Wunder - ist doch so eine Generalrenovierung praktisch eine individuelle Einzelanfertigung.

Hoher Aufwand - hoher Anspruch!

Der notwendige Finanzaufwand für eine Piano-Generalrenovierung geht bei der heutigen Marktlage ganz klar in die Bereiche hinein, wo sowohl respektable neue Instrumente, als auch gut erhaltene hochwertige Gebrauchtpianos zu bekommen sind. Das war vor zehn bis zwanzig Jahren noch anders! Und aus diesem strengen aktuellen Vergleichsmaßstab ergeben sich m. E. ganz klar zwei Erkenntnisse:

  • Ein generalrenoviertes Piano muss sehr hohen Anforderungen an Klang und Spielart genügen und aktuellen Instrumenten "das Wasser reichen" können.
  • Im Normalfall ist nur bei hochpreisig gehandelten Marken-Pianos eine Generalrenovierung wirtschaftlich eindeutig sinnvoll. In fast allen anderen Fällen gibt es gute Gründe zu nüchterner Abwägung zwischen einer Generalrenovierung und anderen gleichwertigen oder sogar besseren Alternativen.

Die heutige Wirklichkeit existierender Pianos passt nur bedingt zu diesen Erkenntnissen. Es gibt viele generalrenovierte Flügel und Klaviere im preislichen Mittelfeld. Optisch sind sie meist prima, aber klanglich und technisch erreichen sie oft kaum annähernd die Qualität gut erhaltener gleichwertiger Originalzustand-Instrumente. Das ist auch keine leichte Aufgabe: Jedes Piano steht jahrzehntelang unter einer gewaltigen Saitenspannung von fünfzehn bis über zwanzig Tonnen. Diese Spannung wird für die Generalüberholung komplett abgebaut und danach wieder aufgebaut. Im Verlauf dieser Prozedur müssen etliche Maßnahmen zum Spannungsausgleich getroffen werden, teilweise sind diese äußerst sensibel oder gehören zur geheimen "Trickkiste" einzelner Spezialisten. Dazu kommt, dass viele eingebaute Neuteile nur ungefähr passen und erst nach aufwändiger Feinarbeit perfekt funktionieren. Jedes alte Piano ist ein Individuum. Die Herstellung neuer Serien-Klaviere ist in dieser Hinsicht einfacher und deutlich weniger kompromissbelastet.

Heutzutage werden sehr viele Generalrenovierungen in lohngünstigen EU-Ländern ausgeführt. Trotz berechtigter Bedenken hinsichtlich der inländischen Auftragslage hat das auch seine guten Seiten: Zum einen können so mehr überholungsbedürftige Instrumente als früher einer einigermaßen rentablen Renovierung zugeführt werden. Und zweitens hat die Wahrscheinlichkeit, fragwürdige Leistungen sehr teuer zu bekommen, eher abgenommen.

Wenn ein Piano in wesentlichen Teilen (z. B. Wirbelsitz, Besaitung, Hammerfilz, Mechanikgarnierung) verbraucht ist, dann ist in der Regel eine Generalrenovierung machbar, förmlich zum Greifen nahe. Technisch und musikalisch ist sie aussichtsreich, aber eben auch riskant. Und in jedem Fall ist sie teuer.

Meine Empfehlung: Lassen Sie Ihr Klavier oder Ihren Flügel nur dann generalüberholen, wenn das zwingend nötig ist, und wenn Sie nach eingehender Fachberatung ganz sicher dieses Piano behalten und kein anderes haben wollen. Und dann suchen Sie mit viel Geduld Ihre Fachwerkstatt, oder auch mehrere Spezialisten. Nehmen Sie sich Zeit und vergewissern Sie sich, dass bis ins Kleinste sehr gut gearbeitet wird, und dass für die Abwicklung aller Schritte reibungslose Verständigung möglich und somit Ihr Vertrauen gerechtfertigt ist.  Am Ende werden Sie sehr viel Geld ausgeben und trotzdem von der Richtigkeit Ihrer Entscheidungen überzeugt sein.

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Ein eBay-Ratgeber - mit freundlicher Empfehlung von PianoCandle

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