Photographica – lebendige Geschichte von Foto und Film

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Photographica – lebendige Geschichte von Foto und Film

Vor der Erfindung der Fotografie dienten zur Dokumentation von besonderen Ereignissen oder Orten ausschließlich Gemälde und Zeichnungen. Diese Aufgabe hat die Bildende Kunst heute fast vollständig an die Medien Foto und Film abgegeben. Nur in einer kleinen Nische, der Gerichtszeichnung, werden noch heute Grafiker tätig, um das Geschehen zu bebildern, denn im Gerichtssaal sind Kameras meist nicht erlaubt.

Bevor es Foto- und Filmkameras gab, nutzten Zeichner jedoch bereits ein Hilfsmittel, das man als direkten Vorläufer der Kamera ansehen kann, die Camera obscura („dunkle Kammer"). Ihr Bestreben war, möglichst detailgetreue und proportionsgerechte Zeichnungen anzufertigen. Dabei half ihnen das Prinzip, das der Camera obscura zugrunde liegt: Mittels einer Linse wurde ein Bild der Außenwelt ins Innere der Kammer projiziert. Die Projektionsfläche war die Rückwand der Kammer oder ein Tisch, der sich darin befand. Der Künstler konnte nun das projizierte Bild als Vorlage für seine Zeichnung verwenden. Natürlich wurden auch Bewegungen ins Innere übertragen. Es liegt jedoch auf der Hand, dass die Camera obscura kein Hilfsmittel sein konnte, um schnelle Bewegungen im Bild festzuhalten. So war ihre Anwendung auf unbewegliche Objekte oder Landschaften beschränkt. Der Prozess des Zeichnens selbst blieb mühsam und langwierig.

Die immer schneller sich ändernde Welt wartete auf ein Medium, das dieser neuen Zeit gerecht wurde – die Fotografie. Im Prinzip ging es darum, die Projektionsfläche der Kamera obscura mit einer lichtempfindlichen Schicht auszustatten, die die Helligkeitsunterschiede automatisch registrieren und bewahren konnte. Mit der Erfindung der lichtempfindlichen Fotoplatte nahm eine stürmische Entwicklung ihren Anfang, die bis heute anhält. Die dinglichen Zeugen dieser Entwicklung sind Photographica. Historische Kameras, aber auch Zubehör wie Belichtungsmesser, Filme, Objektive und vieles mehr werden heute von Fotobegeisterten in aller Welt gesammelt.

Die Daguerreotypie

Der Erfinder Louis Jacques Mandé Daguerre

Der französische Maler Louis Jacques Mandé Daguerre entwickelte in den Jahren 1835 bis 1839 das erste fotografische Verfahren, das als Daguerreotypie bezeichnet wird. Am 19. August 1839 wurde es in einer gemeinsamen Sitzung der Französischen Akademie der Wissenschaften und der Schönen Künste der Öffentlichkeit präsentiert. Von Beginn an voll ausgereift und praxistauglich, begann diese frühe Form der Fotografie ihren Siegeszug um die Welt. Jedermann stand es frei, das Verfahren zu verwenden, denn die französische Regierung hatte die Lizenzrechte erworben und stellte sie der Allgemeinheit zur Verfügung. In eine der Camera obscura sehr ähnliche Kamera wurde eine versilberte Kupferscheibe eingeschoben. Diese wurde für die Aufnahme vorbereitet, indem sie auf Hochglanz poliert und anschließend mit Jod- oder Bromdämpfen lichtempfindlich gemacht wurde. Die Platte musste von nun an im Dunkeln gelagert und alsbald verwendet werden, weil ihre Haltbarkeit sehr gering war. Die nötigen Belichtungszeiten anfänglicher Versionen betrugen 10 bis 15 Minuten. Somit waren mit dieser Technik noch keine Bewegungsaufnahmen zu realisieren. Durch chemische Modifikationen der Fotoplatte und lichtstärkere Objektive konnte die Belichtungszeit später auf ca. 30 Sekunden reduziert werden, sodass Porträtaufnahmen möglich wurden.

Der erste per Foto abgelichtete Mensch

Dennoch gebührt Daguerre das Verdienst, den ersten Menschen auf einem Foto festgehalten zu haben. Noch im Entwicklungsstadium des Verfahrens machte er 1835 eine Aufnahme aus dem Fenster seines Pariser Arbeitszimmers. Die eigentlich belebte Straße erscheint auf dem Bild menschenleer, da die lange Belichtungszeit alle Bewegungen verschwimmen ließ. Zwei Menschen jedoch verharrten lange genug in ihrer Position, um auf dem Bild zu erscheinen: ein Schuhputzer und sein Kunde. Niemand weiß, ob sie jemals erfuhren, dass sie die ersten fotografierten Personen der Menschheitsgeschichte waren. Das entstandene Bild war hochglänzend und man musste es unter einem bestimmten Winkel betrachten, um es als Positiv zu sehen. Zudem war es aufgrund der einfachen Optik der Kamera seitenverkehrt. Die Daguerreotypie setzte dennoch bereits hohe Maßstäbe in puncto Detailtreue. Man konnte das Bild mit einer Lupe betrachten und so feinste Einzelheiten erkennen.

Detailtreue würden wir heute als „Auflösung" bezeichnen. In Bezug auf das Daguerreverfahren bekommt dieses Wort eine doppelte Bedeutung, denn an den belichteten Stellen des Bildes löste sich die Silberbromidschicht auf der Fotoplatte tatsächlich auf. Durch Fixieren mit Salzwasser und anschließendes Bedampfen mit Quecksilber wurden die Bilder dauerhaft haltbar gemacht. Ihre Lichtbeständigkeit übertrifft die heutiger Fotos bei Weitem. Noch heute sind Daguerreotypien der Anfangsjahre im Umlauf und zu begehrten Sammlerobjekten geworden. Die wenigen noch erhaltenen Exemplare der verwendeten Schiebekastenkameras kosten heute Hunderttausende. Sie befinden sich teils in Privatbesitz und teils im Besitz von Museen. Für einige Jahrzehnte war die Daguerreotypie sehr populär und nahezu alternativlos. Ihre entscheidenden Nachteile waren die seitenverkehrte Darstellung, das aufwendige, gesundheitsschädliche Entwicklungsverfahren sowie der Fakt, dass jedes Bild ein Unikat war und nicht vervielfältigt werden konnte. Es war deshalb nur eine Frage der Zeit, dass andere Verfahren den Markt eroberten.

Der Beginn der Filmgeschichte

Das Bedürfnis, bewegte Bilder aufzunehmen und sichtbar zu machen, existierte bereits lange, bevor echte Filme realisierbar waren. Der Film, der uns bewegte Bilder vorgaukelt, nutzt eine besondere Eigenschaft des menschlichen Auges und des Gehirns: Wenn Einzelbilder, die sich nur geringfügig unterschieden, unserem Auge in genügend schneller Folge gezeigt werden, sind wir geneigt, die kleinen Unterschiede der Einzelbilder als Bewegung zu interpretieren. Um die Bewegung von Objekten wiederzugeben, müssen diese aber erst einmal in einer ebenso schnellen Folge aufgenommen werden. Das war mit Plattenkameras nicht zu bewerkstelligen. Zwar konnte man schon Fotos mit kurzen Belichtungszeiten herstellen und somit eine kurze Bewegungsphase festhalten. Der Wechsel der Fotoplatte hätte jedoch 16 bis 18 Mal pro Sekunde stattfinden müssen, um eine flüssige Bewegung zu erreichen.

Eadweard Muybridge und die Chronofotografie

Dieses Problem wurde zunächst nicht gelöst, sondern umgangen: Bei der sogenannten Chronofotografie wurden mehrere Fotokameras benutzt, die schnell nacheinander auslösten. Erstmals verwendet wurde das Verfahren von dem englischen Fotografen Eadweard Muybridge. 1872 wurde er vom Gouverneur Kaliforniens beauftragt, eine spezielle Frage zu beantworten: Gibt es beim Galopp eines Pferdes einen Moment, in dem keines seiner Beine den Boden berührt? Muybridge stellte am Rand einer Rennstrecke 12 Kameras auf, die durch Kontaktdrähte ausgelöst wurden, die das Pferd beim Vorbeilaufen berührte. Wenn der Betrachter die entstandenen Fotos in schneller Folge sieht, entsteht der Eindruck einer Bewegung. Muybridge konstruierte einen Vorführapparat für seine Serienaufnahmen, das Zoopraxiskop. Zusammen mit der Laterna magica, und dem Stroboskop wurde dieses Gerät zum direkten Vorläufer heutiger Filmprojektoren. Historische Exemplare der Laterna magica oder alter Filmprojektoren gehören ebenso wie Kameras in den Bereich Photographica und sind der Stolz darauf spezialisierter Sammler.

Die Filmkamera

So näherte man sich von verschiedenen Seiten einer Technik an, die Kinematografie im eigentlichen Sinne erst möglich machte. Ohne einen Film, der mit äußerst kurzen Belichtungszeiten auskam und schnell transportiert werden konnte, waren jedoch weder Filmkamera noch Filmprojektor denkbar.

Der Rollfilm

Der Rollfilm aus Zelluloid ist an den Rändern perforiert. In die Löcher greifen Ritzel der Kamera bzw. des Projektors und bewegen ihn mit großer Geschwindigkeit. Es müssen mindestens 16 Bilder pro Sekunde belichtet werden (heute sind es üblicherweise 25), um den Eindruck einer flüssigen Bewegung zu vermitteln. Es stellt sich jedoch ein großes Problem: Während des Belichtens muss das Bild für einen kurzen Moment absolut stillstehen. Analog besteht diese Anforderung auch in Projektoren: Das momentan sichtbare Einzelbild muss für einen Moment absolut bewegungslos vor der Linse verharren, auch wenn dieser Moment nur den Bruchteil einer Sekunde ausmacht.
Es liegt auf der Hand, dass die entsprechende Technik ihren Preis hat. Filmkameras waren und sind teuer. Anders als bei elektronischen Geräten ist der Preisverfall bei mechanischen Filmkameras gering. So werden für funktionstüchtige professionelle Geräte hohe Preise gezahlt, auch wenn diese schon viele Jahre auf dem Buckel haben. Für historische Einzelstücke kann der Sammlerwert den ursprünglichen Neupreis weit übersteigen. Jedoch nicht nur 35-mm–Kameras, sondern auch Super 8–Kameras und Schmalfilmkameras, die für die Berichterstattung und im Amateurbereich eingesetzt wurden, können das Objekt der Begierde für Sammler von Photographica sein.

Die Kleinbildfotografie

Für uns schon fast Vergangenheit, war die Kleinbildkamera für lange Jahrzehnte der Standard in der Amateurfotografie, aber auch für die aktuelle Berichterstattung.
1925 kam mit der Leica 1a die erste Kleinbildkamera auf den Markt. Es war eine einfache Sucherkamera, die eine weite Verbreitung erfuhr. In einer Auktion wurde 2011 eine Leica für fast eine Million Euro versteigert und damit zur teuersten Kamera der Welt. Photographica müssen jedoch nicht so teuer sein: Sehr schöne und funktionstüchtige Modelle finden Sie bei eBay, darunter auch historische Leicas aus den Anfangsjahren der Kleinbildfotografie. Mit Spiegelreflexkameras perfektionierten Firmen wie Nikon, Rollei und Agfa die Kleinbildtechnik. Mit Wechselobjektiven wurde die Vielseitigkeit der Kameras gesteigert. Bei modernen Geräten wird ein großer Bereich zwischen Weitwinkel- und Teleobjektiv mit einem einzigen Zoomobjektiv abgedeckt. Auch ältere Objektive werden bei eBay in einer breiten Auswahl angeboten. Die Käufer sind nicht nur Sammler, denn der reine Gebrauchswert dieser Objektive besteht nach wie vor, weil sie oftmals mit sehr hochwertiger Optik ausgerüstet sind. Die Kleinbildkamera ist von der Digitalkamera fast vollständig verdrängt worden. In den vielen Jahrzehnten von 1925 bis zum Anfang unseres Jahrhunderts jedoch wurde die ganze Welt auf das Kleinbildformat von 24 x 36 mm gebannt.

Zubehör macht Ihre Sammlung komplett

Die Grenzen zwischen Gebrauchswert und Sammlerwert sind oft fließend. Viele Sammler hält ihre Liebe zu historischer Fototechnik nicht davon ab, diese auch zu benutzen. Voraussetzung dafür ist natürlich das entsprechende Fotomaterial. Kleinbildfilme werden nach wie vor produziert. Auch Fotoplatten können Sie heute noch kaufen. Selbst das Verfahren der Daguerreotypie ist für heutige Fotografen als Stilmittel wieder interessant. Von nahezu unendlichen Möglichkeiten der Bildbearbeitungssoftware möchte man sich durch analoge Bildbearbeitung abheben. Zubehör wie Belichtungsmesser, Lampen, Taschen, Gebrauchsanleitungen runden das Angebot an Photographica ab. Entwicklertechnik und Dunkelkammerausrüstungen lassen den kreativen Prozess auch nach dem eigentlichen Fotografieren nicht enden.

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