Philatelie der Kriegskorrespondenz – so finden Sie Feldpost aus dem Ausland

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Philatelie der Kriegskorrespondenz – so finden Sie Feldpost aus dem Ausland

Die Ursprünge der Feldpost

Den Befehlshabern der Armeen fiel es im Laufe des 18. Jahrhunderts auf, dass es für die Moral der Soldaten positiv ist, wenn sie eine Kommunikationsmöglichkeit mit ihren Verwandten in der Heimat hatten. Da die Soldaten sich unmöglich selbst um die Organisation von Briefen, Postmarken und das Versenden der Post kümmern konnten, begann man damit, eine Postorganisation innerhalb der Armee aufzubauen. Diese sollte sich um die Bereitstellung von Schreibmaterial kümmern, Briefe und Pakete von und zu den Soldaten befördern und auch die Kosten des Transports möglichst gering halten. Darüber hinaus war es wichtig, die militärische Geheimhaltung zu wahren, was Standort und Aufgaben der Truppen anging. Dies schloss eine Beförderung der Post über die öffentlichen Kanäle aus und die Idee der Feldpost war geboren.

Die erste Feldpost in Deutschland

In Deutschland wurde die erste Feldpost im Zuge des Siebenjährigen Krieges zwischen 1756 und 1763 von den Preußen eingerichtet. Auch andere Länder folgten mit ähnlichen Systemen dem Beispiel. Die Briten zum Beispiel führten im Jahre 1795 die Feldpost ein und legten das Porto auf den symbolischen Wert von einem Penny fest. Dies stellte eine deutlich günstigere Möglichkeit der Postversendung gegenüber den üblichen Portopreisen zu dieser Zeit dar und sollte allen Armeeangehörigen die Versendung von Briefen ermöglichen.

Besonders für Soldaten fern der Heimat, die lange Zeit in fremden Ländern im Einsatz waren, war die Feldpost ein wichtiger Teil ihrer Kommunikation. Heutzutage sind diese Kriegskorrespondenzen für viele Philatelisten zu begehrten Sammelobjekten geworden und vielfach werden diese Briefe zum Kauf angeboten. Zum Beispiel bei eBay finden Sie zahlreiche Sendungen aus der Feldpost der verschiedensten Epochen.

Die erste weitverbreitete Feldpost im Deutsch-Französischen Krieg

Im Preußisch-Deutschen Krieg des Jahres 1866 wurde die Notwendigkeit der Umstrukturierung der Feldpost offensichtlich. Mit rund 30.000 Briefen, die täglich befördert werden mussten, war das alte System mit nur einem Feldpostamt pro Armeekorps an seinen Grenzen angelangt. Man passte das System den neuen Anforderungen an und erweiterte sowohl die Anzahl der Feldpoststationen als auch die Menge des mit der Zustellung der Post betrauten Personals.

Mit dem Ausbruch des Krieges zwischen Deutschland und Frankreich kam es zur ersten Bewährungsprobe der deutschen Feldpost. Diese war inzwischen mit den zu dieser Zeit modernsten Möglichkeiten wie Eisenbahnen und Telegrafen ausgestattet und deutlich vergrößert. Die Feldpost alleine bestand nun aus 77 Feldpoststellen mit 292 Beamten sowie 202 Unterbeamten und konnte auf 869 Pferde und 188 Fahrzeuge zugreifen. Für das Hauptquartier an der Front stand eine gesonderte Postverbindung nach Berlin parat, die über eine direkte Eisenbahnverbindung verfügte. Dies gewährleistete eine zuverlässige und schnelle Verbindung, sodass die Post in weniger als 24 Stunden zugestellt werden konnte. Post aus der Heimat an die Front wurde an sechs Sammelstellen an der Grenze zusammengefasst und von dort aus über Feldpoststationen zu den Einheiten weiter verteilt. Dies gewährleistete die Geheimhaltung der genauen Positionen und Truppenbewegungen an der Front. Im Verlaufe des Krieges beförderte die deutsche Feldpost in den Jahren 1870 und 1871 mehr als 90 Millionen Briefe, 2,5 Millionen Zeitungen und 2 Millionen Pakete.

Die Feldpost im Ersten Weltkrieg

Der Erste Weltkrieg, welcher von 1914 bis 1918 den europäischen Kontinent überschattete, stellte auch an die Feldpost enorme Anforderungen. Auf den Seiten der Mittelmächte und der Entente kämpften insgesamt über 60 Millionen Soldaten, die alle mehr oder weniger regelmäßig mit Feldpost versorgt wurden. Aus dem Ersten Weltkrieg sind nur sehr wenige der Feldpostbriefe an die Soldaten erhalten geblieben. Feldpost von den Soldaten an ihre Familien und Verwandte in der Heimat hingegen findet sich noch häufiger bei eBay und anderen Anbietern von Kriegskorrespondenz. Deutsche Soldaten kämpften vor allem auf den Gebieten Frankreichs, Belgiens, Russlands und Österreich-Ungarns. Die Feldpost wurde bis zum Ende des Krieges im Jahre 1918 aufrechterhalten und so finden Sie bei eBay auch noch Korrespondenz aus den letzten Kriegstagen.

Feldpost zwischen den Weltkriegen

Nach dem Ende des Ersten Weltkrieges wurden Teile des Deutschen Reiches dauerhaft von den Siegermächten besetzt. In diesen Gebieten wurden große Truppenkontingente stationiert, welche die Einhaltung des Versailler Vertrags überwachen sollten. Für diese Truppen wurden eigene Feldpostämter eingerichtet, die Briefe der Soldaten in die ganze Welt verschickten. Im Rheinland, Ost- und Westpreußen und dem Saarland waren zwischen 1918 und 1935 Truppen aus Frankreich, dem Britischen Empire, Belgien, aber auch aus Kanada und Neuseeland stationiert. In der Philatelie werden Marken aus diesem Abschnitt der Geschichte als die Briefmarken aus den deutschen Abstimmungsgebieten geführt.

Die deutsche Feldpost im Zweiten Weltkrieg

Bereits seit 1937 war es für Wehrmachtsangehörige kostenlos, Briefe und andere Poststücke innerhalb des Deutschen Reiches über die Feldpost zu verschicken. Mit Ausbruch des Zweiten Weltkrieges am 3. September traten für die deutsche Feldpost ab 1939 einige Änderungen in Kraft. Briefe, Postkarten und Zeitungen bis zu einem Gewicht von 250 Gramm waren weiterhin frei von Beförderungsentgelten, Sendungen bis zu einem Gewicht von 1000 Gramm kosteten nun 20 Reichspfennige Porto.

Feldpostnummern

Die Wehrmacht führte sogenannte Feldpostnummern ein, die vergleichbar sind mit Postleitzahlen. Jede militärische Einheit besaß eine fünfstellige Kennziffer. So konnte auch Post aus der Heimat an die Truppen an der Front geschickt werden, ohne dass der aktuelle Standort der Truppen bekannt sein musste. Gleichzeitig konnten so Truppenbewegungen geheim gehalten werden, was von militärischer Bedeutung war. So konnte man anhand der Feldpostnummer keine Rückschlüsse ziehen, ob sich die Einheit in Frankreich befindet, an der Ostfront im Einsatz ist oder gar in einer Kaserne in Deutschland in der Ausbildung ist. Auch ein Rückschluss auf die Art des Truppenteils war nicht möglich, da die Nummern nicht laufend, sondern nach dem Zufall vergeben wurden. Zwei Bataillone einer Division konnten somit komplett unterschiedliche Feldpostnummer besitzen. Die Feldpostnummer war Teil der Anschrift, die in der Reihenfolge Dienstgrad, Name, Feldpostnummer angegeben wurde.

Die Stempel der Feldpost waren im Zweiten Weltkrieg zumeist sehr simpel gehalten, auch damit keine Rückschlüsse auf den Standort der Einheiten geschlossen werden konnten. Neben dem Adler als Zeichen für die Feldpost der Wehrmacht finden Sie das Datum, an welchem der Brief das Feldpostamt durchlaufen hat. Dazu finden Sie als zweiten Stempel den Stempel der Einheit, von wo der Brief aufgegeben wurde. Diese sind ebenfalls vom Aufbau immer gleich und tragen als Kennzeichen der Herkunft nur die jeweilige Feldpostnummer der Stammeinheit.

Die Feldpost im Zweiten Weltkrieg wurde dazu mit einem voranstehenden Buchstaben versehen, welcher Auskunft gab über den Truppenteil. So stand ein „L“ vor der fünfstelligen Feldpostnummer für eine Einheit der Luftwaffe, ein „M“ für Truppenteile der Marine und Landmarine sowie die Abkürzung „SCH“ für Küstenschutzeinheiten. Abteilungen des Heeres besaßen keine gesonderte Kennzeichnung vor der Feldpostnummer.

Für die genaue Bestimmung, welcher Einheit eine Feldpostnummer zuzuordnen ist, und in welcher Gegend Europas diese zu einer bestimmten Zeit stationiert war, sind inzwischen ganze Handbücher und Kataloge erschienen. Da die Einheiten sehr oft verlegt wurden, ist nur mithilfe des genauen Datums und der Feldpostnummer eine exakte Identifizierung möglich. Die Feldpostnummer 31795 zum Beispiel gehörte im Dezember des Jahres 1942 zum Pionierbataillon 196, welches sich zu dieser Zeit in Stalingrad befand.

Feldpost aus verschiedenen Ländern

Ab 1941 war ein Großteil der deutschen Soldaten an der Ostfront eingesetzt. Dort begann am 22. Juni mit der Operation Barbarossa der Angriff auf die Sowjetunion. Ein Großteil der Feldpost in diesem und den darauffolgenden Jahren kam nun aus Russland und den besetzten Gebieten im Osten.

Die Feldpost der Wehrmacht funktionierte auch in den letzten Jahren des Krieges, sodass auch zahlreiche Briefe von der Front aus den Jahren 1944 und 1945 bis heute erhalten sind. Feldpost aus diesen Jahren stammte nun vermehrt aus anderen Regionen Europas, was an den veränderten Situationen an der Front lag. So kam erstmals deutsche Feldpost aus Italien, da die Alliierten im September 1943 im Süden des Landes bei Sizilien gelandet waren und relativ schnell die Hälfte des Landes besetzen konnten. Auch Feldpost aus Frankreich wurde ab 1944 häufiger, da vermehrt Truppen der Wehrmacht im Westen stationiert wurden um die alliierten Truppen, die in der Normandie gelandet waren, aufzuhalten.

Feldpost von Kriegsgefangenen aus dem Zweiten Weltkrieg

Viele deutsche Soldaten gingen während und nach dem Zweiten Weltkrieg in Kriegsgefangenschaft. Während die Soldaten, die in England und den Vereinigten Staaten interniert waren, relativ schnell wieder nach Deutschland zurückkehren durften, wurden in der Sowjetunion viele Soldaten jahrzehntelang in Lagern fern der Heimat gefangen gehalten. Kriegsgefangenenpost war für die Familien in Deutschland oftmals das ersehnte Lebenszeichen, da vielfach der Verbleib der Soldaten, besonders zum Ende des Krieges, unklar war.

Kriegsgefangenenpost besitzt im Normalfall keine Briefmarken, ist aber versehen mit Aufklebern und Aufschriften, welche die Herkunft des Briefes deutlich werden lassen. Oftmals ist die genaue Herkunft, aus welcher Stadt oder welcher Gegend der Brief genau stammte, aber nicht feststellbar.

Spezielle Briefmarken für die Verwendung in der Feldpost

Oftmals kam es auch zur Anfertigung von speziellen Briefmarken für die Feldpost. Dies hatte mehrere Gründe. Zum einen war die Beförderung von Post für Armeeangehörige meist vergünstigt, teilweise sogar ganz umsonst. Damit diese Briefe im Heimatland über den normalen Postverteiler ausgeliefert werden konnten, wurde vielfach auf die üblichen Briefmarken zurückgegriffen. Diese wurden mit speziellen Aufdrucken für den Gebrauch in der Feldpost vorbereitet oder speziell dafür angefertigt. Meist findet sich auf diesen Marken kein nominaler Wert, sondern wenn überhaupt eine Markierung, wie schwer das zu befördernde Poststück maximal sein darf. In der Philatelie werden diese Marken unter einer eigenen Kategorie, und zwar den Feldpostmarken, geführt. Im späteren Verlauf des Zweiten Weltkriegs wurden von der deutschen Feldpost so gut wie gar keine Briefmarken mehr verwendet, da die Beförderung von Briefen mit der Feldpost für die Soldaten kostenfrei war.

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