Pfeilspitzen, Haifischzähne und Knochen - Folkloreschmuck amerikanischer Ureinwohner

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Pfeilspitzen, Haifischzähne und Knochen - Ratgeber über Folkloreschmuck amerikanischer Ureinwohner

Wenn Ihnen der Begriff „Folkloreschmuck” schon einmal begegnet ist, haben Sie sich sicherlich gefragt, was genau sich hinter dieser Bezeichnung verbirgt. Der Begriff Folklore umschreibt schlicht und einfach die spezifischen Gebräuche und Überlieferungen eines Volkes oder Stammes – oder anders definiert sein traditionelles und meist regionsbezogenes Können in Handwerk und Brauchtum. Haben Sie sich bereits mit der Thematik befasst und möchten nun ein Schmuckstück aus einer anderen Kultur erwerben? Dann wird Ihnen dieser Ratgeber über Folkloreschmuck, im Speziellen der amerikanischen Völker und Kulturen, sicherlich hilfreiche Einblicke vermitteln können.

Verwendete Materialien und Rohstoffe für Folkloreschmuck

Gemeinhin wird so ziemlich alles, was eine Region an Materialien und Rohstoffen zu bieten hat, für die Anfertigung von Ringen, Armbändern, Halsbändern und weiteren Schmuckstücken verwendet. So finden bei den nördlichen Ureinwohnern Kanadas bzw. Alaskas wie etwa bei den Inuit zumeist Knochen, Felle, Tierzähne und Sehnen ihre Verwendung. Andere Ureinwohner verwenden weitere tierische Produkte wie Krallen, Ruten und Stacheln. Des Weiteren werden Naturstoffe und Rohmaterialien wie Steine, Sterlingsilber, Kupfer, Messing, Holz, Tonerde, Koralle und Muscheln eingesetzt. Auch finden getrocknete Pflanzenteile ihren Platz in der Schmuckherstellung.

Die Symbolik verwendeter Materialien

Bei den amerikanischen Ureinwohnern stehen Tierzähne für Stärke, Schutz und einen hohen Status. Federn wurden insbesondere in Nordamerika bei der Kopfschmuckfertigung verarbeitet, wobei die Federnarten jeweils eigene Bedeutungen hatten. Beispielsweise stehen Adlerfedern für vollbrachte Taten und Truthahnfedern für erlittene Kampfverletzungen. Sie dienen auch der spirituellen Verbindung zu Schutzgeistern. Steine und Edelsteine symbolisieren Schutz und Heilkräfte. Knochen dienten ursprünglich als Schutz gegen Angriffe mit Messer oder Pfeilen. Sie haben oftmals auch eine rituelle Bedeutung und dienen als Ausdruck von Kraft und Stärke.

Haifischzähne

Allgemein wurden und werden Haifischzähne in der Herstellung von Amuletten, Schmuck oder Werkzeug verwendet. In der alten Geschichte wurden versteinerte Haifischzähne als zu Stein gewordene Drachen-Schlangen- oder Natterzungen angesehen. Erst in der Neuzeit fand man ihre tatsächliche Herkunft heraus. Seit 380 Millionen sind sie allerdings bereits bekannt. Haifische gehören zu den Knorpelfischen und da sie über kein Knochenskelett verfügen, sind gesamtüberlieferte Haie sehr selten gewesen. So kam es, dass in erster Linie ihre Zähne, Wirbel und Schuppen über die Jahrhunderte erhalten und danach gefunden wurden.

Sind Sie auf der Such nach Folkloreschmuck mit Haifischzähnen ist die erste Frage: Was genau suchen Sie? „Echten” Folkloreschmuck mit einem echten Haifischzahn oder eine ganze Haifischzahnkette? Oder genügt Ihnen ein Duplikat aus Kunststoff oder Holz völlig? Dann finden Sie Anhänger und Amulette oft im Zusammenhang mit Surferschmuck.

Folkloreschmuck mit Pfeilspitzen

Als Pfeilspitze benannt sind die Spitzen von Armbrustbolzen, Katapultbolzen, Bogenpfeile der Blasrohrpfeile und allgemein der Geschosse, die mittels „Flügel“ stabilisiert sind. Sinn und Zweck der Pfeilspitze ist es, eine schädliche Wirkung an einem vorher festgelegten Zielort zu erzeugen. Es gibt unterschiedliche Pfeilspitzen, u. a. die Penetrator-Pfeilspitze, die genutzt wird, um ein Beutetier zu erlegen oder sogenannte Kriegsspitzen, die zum Töten und Verwunden von Menschen erzeugt wurden. Bei beiden Typen ist das Einschließen von Giften und Betäubungsmitteln üblich.

Weitere Pfeilspitzenarten sind die Falarika/Brandpfeile zum Entzünden gegnerischer Lager, pfeifende Pfeile für Botschaften an eigene oder feindliche Truppenteile sowie kolbenartige Pfeilspitzen (Blunts) zum Erschlagen oder Betäuben kleinster Beutetiere bzw. von Feinden.

Einteilung der Pfeilspitzen nach Material und Epoche

Zum einen gibt es Pfeilspitzen aus „organischem” Material wie Holz, Knochen und Horn. Zum anderen wurden Pfeilspitzen aus „anorganischem” Material gefertigt. Je nach Epoche wurden Feuerstein, Obsidian, Achat, Basalt und unterschiedliche Metalle verwendet. Aus alten Stahlschrauben hergestellte Pfeilspitzen wurden beginnend im 17. Jahrhundert bis hin zum 19. Jahrhundert im Handel mit Indianern von Engländern und Franzosen benutzt. Kupfer und Eisen waren die am häufigsten verwendeten Rohstoffe dieser Ära. Auch hier lässt sich ein breites Angebot finden. Und auch hier ist es wie mit den Haifischzähnen so, dass es auch bei den Schmuckstücken, die mit Pfeilspitzen ausgestattet sind, zahlreiche Variationen gibt.

Pfeile und Pfeilspitzen der Indianer in Nordamerika

Als Pfeilspitzen fanden u. a. Feuerstein, Knochen oder Bronze ihre Verwendung. Mit Besiedelung von europäischen Einwanderern wurden diese Rohstoffe gegen das Material Stahl getauscht. Aus Eisenblech oder Eisen stellten einige Stämme ihre Pfeilspitzen selbst her. Scharf schneidend, länglich, dreieckig und dick waren typische Merkmale für diese Form der Spitzen. Adler-und Habichtfedern, die mit dem Schaft verbunden wurden, fanden ihre Verwendung für eine bessere Flugeigenschaft des jeweiligen Pfeiles. Umwickelt wurde das Ganze am Federende und an der Pfeilspitze mittels feiner Sehnen. Der Schaft bestand aus Hartholz. In seiner Herstellung war er regionsbedingt sehr unterschiedlich in der Ausführung. Oft wurde er aber mit Spiral-, Zickzack- oder Schlangenlinien bemalt. Diese Pfeilspitzen findet man heute unter dem Namen „Folsom-Spitzen”.

Traditioneller Schmuck der Ureinwohner Nordamerikas

Unterteilt werden die Ureinwohner Alaskas in 5 Untergruppen. Hier finden sich als Beispiel die nördlichen Eskimos – die Inupiat. Die Aleuten-Indianer, die Indianer der südöstlichen Küstenregion Tsimshin, Haida und Tlingit schließen sich den südlichen Eskimos und den Indianern des Landesinneren, den Athabascanern an. Elfenbeinschnitzereien, Beinschmuck, Perlenstickerei, geschnitzte Schmuckstücke, limitierte Sonderdrucke, handgeschnitzte Masken und Flechtkörbe gehören zu den traditionellen Objekten der Handwerkskünste.

Weiters seien die Navajo-Indianer genannt, die wohl den Hauptanteil in der Herstellung von traditionellem Schmuck herstellen und seit Mitte des 19. Jahrhunderts Silberschmiedearbeiten ausführen. Noch heute werden entlang der Route 66 Ringe, Armreife, Ketten, Traumfänger und Zierschnallen im indianischen bzw. im Western-Stil gefertigt. Glasperlen, verschiedene Steine (insbesondere der Türkis) und Federn sowie verschiedene Holzarten finden hier ihre Verwendung. Knochenröhrchen (oxbone pipes) wurden ebenfalls verwendet. Eine Garantie für ursprüngliche Schmuckstücke bieten sogenannte „Pawns”, da sie aus einem der Pfandleihe ähnlichen Tauschsystem stammen, das gegen Ende des 19. Jahrhunderts in Reservaten betrieben wurde. In Not geratene Navajo-Indianer tauschten ihre Schmuckstücke bei Handelsstellen gegen Lebensmittel als auch andere Güter und lösten diese in besseren Zeiten wieder ein. Eine besondere Bedeutung haben hierbei Schmuckstücke, die bei den Händlern nicht ausgelöst wurden. Sie werden als „Dead Pawns” bezeichnet und sind bei Sammlern hochbegehrt.

Folkloreschmuck der Ureinwohner Südamerikas

Aufgrund der häufigen Anbindung an große Gewässer wie den Amazonas finden sich in der Produktion von Folkloreschmuck vor allem bei den indigenen Ureinwohnern Südamerikas oft Korallen, Muscheln und Palmblätter wieder. Ferner werden Tierprodukte wie Stacheln, Krallen, Zähne und Federn verwendet. Armrasseln und Federschmuck sind gängige Erzeugnisse. Bei den Ye’kuana, einem südamerikanischem indigenem Stamm, sind Armrasseln beliebt und Federgebinde, die durch die Ohrmuscheln gesteckt werden. Bei Feierlichkeiten wird der Ansa-Schmuck getragen, die geschnitzte „heilige Fledermaus”. Die Metall-Steinverarbeitung in Gold und Kupfer nimmt einen weiteren Platz ein. Bei den Azteken z. B. wurden Holzskulpturen mit Blattgold Federn und Türkismosaiken geschmückt. Kupfer und Bronze fanden ihre Verwendung, nachdem sie geschmolzen wurden. Produkte waren hier u. a. Glöckchen, die für Tanzbekleidung eingesetzt wurden. Interessant ist es eventuell zu erwähnen, dass dort eine Legierung ihren Ursprung hat, die den Begriff Tumbaga trägt und eine Mischung aus Kupfer und Gold darstellt. Oft findet man dort auch Folkloreschmuck in einer Kombination aus Türkis, Jade und Kristallen mit Goldeinlagen vor. Tonarbeiten, Münzen, Perlen sowie bunte Flecht- und Webkunst zeigen sich bei den Ureinwohnern Mexikos. Bei den Azteken wurde oft mit Blattgold, mit Federn und mit Türkismosaiken geschmückt.

Antiker Schmuck oder neuzeitliche Herstellung?

Bei der Vielfalt der angebotenen Folkloreschmuckstücke ist es nicht einfach, den Überblick zu behalten. Bevor Sie bei der Suche die Orientierung verlieren, stellen Sie sich zu Beginn zuerst die Frage, ob Sie ein antikes Objekt suchen oder ob Ihnen auch ein neuzeitliches Exemplar ausreicht. Beachten Sie hierbei, dass sich in vielen Fällen mit der Zeit die Art und Weise der Anfertigung als auch die Materialverwendung verändert hat. In alter Zeit hatten die amerikanischen Ureinwohner zumeist nur Zugriff auf regionales Material und selbst dann wurde aufgrund der unterschiedlichen Gebräuche und Bedeutungen der Schmuckstücke nicht alles, was verfügbar war, auch verwendet. Beispielsweise sind Edelsteine und Gold bei einigen Völkern für Folkloreschmuck völlig bedeutungslos, bei anderen dagegen von spirituellem Wert.

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