Panflöten privat verkaufen - auf was kommt es an?

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Es gibt im wesentlichen zwei Arten von Panflöten. Die Dekorationsflöten für die Vitrine und die anderen, die unter spielbare Musikinstrumente einzuordnen sind. Die Übergänge zwischen beiden sind manchmal fließend. Bei den spielbaren Panflöten kann man noch unterscheiden zwischen Anfänger- oder Schülerpanflöten und den professionell einsetzbaren Instrumenten.

Beide, auch die preislich günstigeren Schülerflöten,  müssen aber spielbar sein,  handwerklich ohne Fehler und genau gestimmt sein.
Für das Zusammenspiel mit anderen Instrumenten ist es gut zu wissen,
ob der Referenzton, der sogenannte Kammerton“ A“ mit 440 oder 444 Hertz festgelegt wurde. Um dies zu ergründen, braucht man ein elektronisches Stimmgerät. Die Instrumente eines Orchesters werden heute in der Regel auf  A=444 Hertz gestimmt.  Zwei unterschiedlich gestimmte Panflöten erzeugen Dissonanzen, die recht unangenehm empfunden werden, von den Spielern, noch mehr aber von  den Zuhörern. Beim Zusammenspiel mit anderen Instrumenten ist eine einheitliche Stimmung unverzichtbar.

Industriell und serienmäßig gefertigte Panflöten erfüllen in der Regel diese Anforderungen nicht in zufriedenstellender Weise und steigen nach kurzer Zeit in den Rang einer Deko-Panflöte ab, für die oft zu viel Geld ausgegeben wurde. Man erkennt sie an den wiederkehrenden Verkaufsanzeigen für dasselbe Instrument, jedoch von verschiedenen Verkäufern. Die Erwartungen der Käufer waren nicht erfüllt worden.
Das müsste nicht sein, wenn  gleich zu Beginn der Aktion das Instrument richtig beschrieben worden wäre.

 Was hätte der Verkäufer über das Instrument – speziell hier über die Panflöte – an Informationen zur Verfügung stellen sollen? Für alle, die über Panflöten zu wenig wissen, deshalb hier eine kleine Checkliste der wichtigsten Kriterien, die eine (gute) Panflöte ausmachen und über die der Angebotstext Auskunft geben sollte.

1. Anzahl der Rohre
 Für eine Standardflöte haben sich 22 Rohre – diese umfassen 3 Oktaven  –  beim Erwachsenen
als bequem für Arme und Hände  herausgestellt. Weniger Rohre,
jedoch mindestens 18, sind für Kinder angemessen. Darunter – ab in die Vitrine!
   Mehr Rohre – es gibt „Profi-Panflöten“  mit bis zu 32 Rohren – sind zwar spielbar, aber von Bequemlichkeit kann keine Rede mehr sein.
   26 oder 27 Rohre sind für den fortgeschrittenen Amateurmusiker gerade noch vertretbar, schnelle Tonfolgen bereiten dem Anfänger bei einer solchen „Monsterflöte“ mit Gewissheit große Schwierigkeiten
Die Anzahl der Rohre ist somit wichtig, weil zweckbestimmend..

2. Tonumfang (Tonlage)
   Der Tonumnfang G1 - G4, also 3 Oktaven, normalerweise gestimmt in G-Dur hat sich als Standardgröße durchgesetzt. Die Tonraumerweiterung nach oben ist wenig sinnvoll, weil höhere Töne praktisch nicht erforderlich sind. Tiefere Töne sind für die Interpretation klassischer Kompositionen gelegentlich vorteilhaft. Solche Instrumente werden dann mit Tenor- bzw. Basspanflöten bezeichnet. So hat sich die Tenorpanflöte von D1-G3 bzw. C1 bis G3 als zweithäufigste etabliert. Das höhere Gewicht, für flottes Spielen eher ein Hindernis, muß dabei in Kauf genommen werden.
Erweiterungen des Tonumfangs  nach oben oder unten kommen praktisch immer den Wünschen der Käufer entgegen, deren Vorstellung erweiterter Spielmöglichkeiten damit erfüllt wird.
Die Tonlage entscheidet, was man damit spielen kann.
Die meist eingesetzte Tonlage ist die Tenorflöte, also im Tonbereich C 1 bis C 4, bei Bedarf dann gerne auch in C-Dur gestimmt.
Die seltene Tonlage „Alt“ umfasst den Umfang F1 bis F4 und ist dann, was sinnvoll ist, in F-Dur gestimmt, vergleichbar mit den F-Alt-Blockflöten.

Die Standardflöte umfasst den Tonumfang G1 bis G4 und ist in der Regel  in G-Dur gestimmt. Die F-Rohre wurden vom Panflötenbauer bereits auf  Fis höher gestimmt. Durch spezielle Anblastechnik (Kippen der Panflöte) kann der Spieler auf diesem Rohr auch ein F erklingen lassen, wenn er z.B. in C-Dur spielen möchte.

3. Die Tonart (Stimmung)
    Wer Noten lesen kann, weis, dass es verschiedene Tonarten gibt und dass diese auch unterschiedliche Wirkungen auf unser klangliches Empfinden haben.  Die meisten Kirchenlieder  sind z.B. in F-Dur gesetzt. Wer also häufig bei Kirchenliedern mitspielen möchte, für den wäre eine in F-Dur gestimmte Flöte bestimmt nicht verkehrt.
    Das Gros der Folklore-Panflötenliteratur ist in G-Dur geschrieben. Es liegt daher nahe, die Standard-Panflöte gleich in G-Dur zu stimmen, was bedeutet, dass alle F-Rohre bauseits  um einen Halbton, also zum Fis höher gestimmt wurden.
Die Töne auf der Panflöte lassen sich nämlich technisch nicht höher als das „leere“ Rohr erzeugt spielen, mit spezieller Anblastechnik (siehe oben) jedoch einen Halbton tiefer. Dies  fällt Anfängern oft schwer.
Vereinfacht gesagt: Wer beim Erzeugen von Halbtönen Schwierigkeiten hat, dem bleibt nur der Ausweg, seine Wunschmelodien ausschließlich in der Tonart zu spielen,  in der die Panflöte gestimmt ist. Also z.B. in G-Dur, oder in C-Dur  oder einer anderen, ungeachtet der tatsächlichen Tonart in welcher das Stück komponiert oder gesetzt wurde. Auch derjenige, der keine Noten kennt, aber nach Gehör spielen möchte oder kann, ist diesem Zwang unterworfen.
Die Angaben zur Stimmung der Panflöte sind deshalb für den Käufer besonders wichtig, auch wenn davon ausgegangen werden kann, dass die meisten Panflöten in G-Dur gestimmt sind, wenige in C-Dur.

3. Das Material
   Die Rohre der meisten Panflöten werden aus Bambus hergestellt. Aber auch Rohre aus einer speziellen Art von hartem Schilf, erkennbar an auffallend dünner Rohrwanddicke, sind immer häufiger zu finden. Leichtes Anblasen, aber ein weniger "voller" Klang zeichnen sie aus.
Die wuchsbedingte, nach unten erweiterte, leicht konische Röhre gibt der Bambuspanflöte ihren charakteristischen Sound.
Naturbelassen haben sie  ein mehr oder weniger fleckiges Äußeres, geschält ist ihre Oberfläche farblich nahezu  gleichmäßig gelblich, geschält und „geflammt“ sind sie dunkel von mittlerem Braun bis zu  fast Schwarz. Die Außenfläche wird geölt, gewachst oder lackiert, seidenmatt oder hochglänzend. Innen müssen die Rohre versiegelt werden. Meistens geschieht dies mit flüssigem Paraffin, gelegentlich auch mit Mandelöl.
 
Rohre aus Holz sind aus dem vollen Querschnitt gedrechselt und ausgebohrt, hergestellt ähnlich wie  Klarinetten, Blockflöten und verwandte Holzblasinstrumente. Holzpanflötenrohre haben einen durchgehend gleichen kreisförmigen Querschnitt, was sich zwangsläufig auf den „Sound“ auswirkt.
Das meist verwendete Holz ist Ahorn, bei den teueren Instrumenten auch Buchsbaum oder andere Edelhölzer.
Bambuspanflöten sind zwar meist verbreitet, Panflöten aus jahrelang abgelagerten Hölzern sind jedoch bei handwerklich perfekter(!) Herstellung den Bambusflöten klanglich praktisch ebenbürtig, sind aber nicht jedermanns Sache. Die Wände der Rohre sind etwas dicker als bei Bambus, was die Ansprache hörbar verändert.

Industrielle, also nicht handgefertigte Holzpanflöten sollte man vor dem Kauf von einem erfahrenen Musiker auf ihren „Sound“ testen lassen.
    
Der untere Abschluss der Panflöte, der sogenannte „Schuh“ , kann aus unterschiedlichen  dünnen Furnieren bestehen. Er kann auch ganz oder teilweise fehlen, die mechanische   Festigkeit des Instruments ist im diesem Fall ohne Zweifel in Gefahr. Herunterfallen kann schlimme Folgen haben.

4. Die Mensur
   Unter Mensur verstehen die Panflötenbauer das Maß von Außenkante bis Außenkante vom  ersten bis zum letzten Rohr, über die gewölbte Außenfläche gemessen. Dieses Maß solte bei zwei Panflöten unterschiedlicher Hersteller aber  gleichen Tonumfangs nahezu gleich sein. Der Spieler hätte sonst bei Wechsel  zu einer anderen Panflöte mechanisch bedingte Schwierigkeiten, weil bei unterschiedlichen Mensuren der Abstand gleicher Rohre nicht mehr der gleiche ist. Der Spieler trifft daneben, weil er auf die gewohnten Rohrabstände eingespielt ist. Für Amateurflötisten mag dies „Haarspalterei“ sein. Der Vollständigkeit halber sei es aber wenigstens  erwähnt.
Es heißt, dass der weltberühmte Panflötist Georghe Zamfir peinlich darauf geachtet hat, dass die Mensuren seiner Instrumente absolut gleich sind. Er hat seine Panflötenbauer damit sehr genervt.
Ebenso sei die Tatsache erwähnt, dass die Mensuren industriell gefertigter Panflöten und von billiger Massenware von denen handwerklich gefertigter Panflöten praktisch immer abweichen.

5. Der Hersteller
   Dass für den interessierten Käufer der Hersteller einer höherwertigen Panflöte  von Bedeutung ist, sollte eigentlich selbstverständlich sein. Es gibt leider zu viele Produzenten, bei denen Klasse wenig, Masse dafür umso mehr im Vordergrund stehen. Eine kleine Zahl seriöser Panflötenbauer mit fundiertem handwerklichem Können bürgt mit ihrem Namen für die hohe Qualität ihrer Instrumente.
Doch Vorsicht! Auch hier gilt „Es ist nicht alles Gold was glänzt“. Es gibt auch namentlich gut bekannte Hersteller oder Vertriebsfirmen, die  technisch abgespeckte Instrumente zu erstaunlich günstigen Preisen anbieten. Spitzenqualität darf man da jedoch nicht erwarten. Für einen Anfänger der sein Talent nur mal erproben will, mögen sie ausreichen.
Panflöten Marke „Namenlos“ sollten nicht als Profiinstrumente angepriesen werden.  Das ist nicht nur unseriös sondern kann als Käufertäuschung ausgelegt werden.
Der musikalische Laie kann sich bei Profimusikern die Namen fachlich erfahrener Panflötenbauer nennen lassen. In sog. Musikgeschäften wird man aber möglicherweise Kopfschütteln ernten.

6. Bildliche Darstellung
  „Ein Bild sagt mehr als tausend Worte“
Das gilt auch bei Panflöten. Ein Kenner der Materie kann sich zumindest halbwegs ein Urteil bilden wenn die Fotos klar ohne Unschärfen mindestens folgende Details  zeigen:
Den Anschliff der Rohre oben, von vorne und von hinten,
die Fugen der aneinander geklebten Rohre,
sowie den unteren und seitlichen Abschluss (der Schuh, falls
vorhanden)
Tricksen ist unehrlich! Man kann auch eine einfach gestaltete Panflöte so fotografieren, dass sie wie eine superteuere, dunkel geflammte aussieht,
in Wirklichkeit aber nicht einmal lackiert sondern nur mit Bohnerwachs behandelt wurde.
                    
Zusammenfassung
Für den halbwegs kompetenten Käufer sind für eine Kaufentscheidung wichtig:

Wie viele Rohre hat die Panflöte?
Welchen Tonumfang hat die Panflöte?
In welcher Tonart ist sie gestimmt?
Aus welchem Material bestehen die Rohre?
Das Maß der Mensur (nur für professionelle Flötisten wichtig)?
Wer hat das Instrument gebaut? (Wie weit wurde es von Hand gefertigt?)
Wurde das Instrument regelmäßig gepielt und gepflegt? Falls bekannt von wem?
Wie lange wurde das Instrument nicht mehr gespielt?
Anmerkung: Eine 10 Jahre lang regelmäßig gespielte Panflöte  ist "eingespielt" und für den Kenner interessanter als dasselbe Instrument nagelneu!                           
Aussagekräftige Fotos sind unerläßlich. Vermeiden Sie unscharfe Bilder. Achten Sie auf eine realistische Farbgebung. Unterbelichtete Fotos lassen Panflöten zu dunkel erscheinen und täuschen eine "geflammte" Ausführung nur vor!

Zum Schluss eine herzliche Bitte an alle privaten Verkäufer.
Wenn Sie über Panflöten zu wenig Bescheid wissen, bitten Sie einen Profi-Musiker  bei der textlichen Gestaltung der Anzeige zu helfen. Es lohnt sich.
 
        
 

    

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Panflöte

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