Overclocking – die richtige Kühlung für Speicher und Chipsatz finden

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Overclocking – die richtige Kühlung für Speicher und Chipsatz finden

Die Kühlung eines Systems ist äußerst komplex, was insbesondere auch dann gilt, wenn sie den Chipsatz des Mainboards und den Arbeitsspeicher mit einbezieht. Ebenso wie bei anderen Komponenten auch, müssen Sie hier eine Auswahl zwischen passiver und Luft-Kühlung sowie einer Wasserkühlung treffen. Gerade der Chipsatz und der Arbeitsspeicher haben dabei einen immensen Einfluss auf die Stabilität des Systems und sollten unter Belastung auf keinen Fall zu heiß werden.

Kühlung des Arbeitsspeichers

Unabhängig davon, ob ein System bei Standardtakt oder mit einem höheren Takt im Rahmen des Overlockings betrieben werden soll, ist die Kühlung des Arbeitsspeichers von großer Bedeutung. Der RAM ist für die temporäre Bereitstellung von Daten im System verantwortlich und wird laufend beansprucht. Hierdurch ergibt sich eine hohe Datenlast des Speichers, die auch Ausdruck in der hohen Speicherbandbreite des DDR-Speichers findet. Wie bei allen Komponenten im Computer ist es daher auch beim Arbeitsspeicher so, dass der hohe Rechenaufwand eine hohe Hitzeentwicklung mit sich bringt. Die RAM-Speicherriegel sind dicht aneinander verbaut, sodass sich zusätzliche Hitzeprobleme ergeben können. Je mehr Speicherbänke Sie besetzt haben, desto eher neigen diese Komponenten dazu, sich gegenseitig zu erhitzen. Je nach Mainboard-Layout kann das Hitzeproblem noch verstärkt werden, wenn sich in der Nähe des Speichers weitere Komponenten befinden. Hier ist ein eigener Kühlkörper für die Speicher sinnvoll.

RAM-Kühler

Viele Hersteller statten ihre Speicherbausteine von Haus aus mit einer entsprechenden Kühlerlösung aus. Diese RAM-Kühler aus Metall leiten die Hitze schnell weg und tragen so dazu bei, dass die Speicher störungsfrei arbeiten können. In vielen Fällen geben Ihnen diese Kühllösungen auch ein wenig Spielraum für das Übertakten des Speichers. Wenn Sie wünschen, können Sie größere Heatsinks dazukaufen, die größere Lamellen aufweisen und damit eine höhere Leistungsfähigkeit mit sich bringen. Die schlechteste Lösung besteht in jedem Fall darin, auf einen RAM-Cooler gänzlich zu verzichten und die Speicherbausteine einfach freiliegen zu lassen. In solchen Fällen sollten Sie wenigstens dafür sorgen, dass sich die Speicher im Luftzug der Gehäusekühlung befinden.

In vielen Fällen ist es nämlich möglich, dass Sie den Luftstrom der Gehäuselüftung so steuern, dass auch der obere Teil des Mainboards, wo die Speicherriegel liegen, erfasst wird. Häufig kann auch eine Kühlung der Speicher durch den CPU-Kühler realisiert werden, wenn dieser groß genug sein sollte. Ausladende CPU-Kühler mit einer großen Breite ragen teilweise über die Speicherriegel und sorgen dafür, dass die heiße Luft etwas schneller abtransportiert wird. Bei der Kühlung von Computer-Komponenten gilt grundsätzlich, dass auch kleine Verbesserungen der Kühlung bereits einen großen Effekt haben können. Sollte in der Nähe der Speicher also auch noch zusätzlich ein Gehäuselüfter verbaut werden, kann in der Kombination aller dieser Maßnahmen bereits eine deutliche Verbesserung der Kühlungssituation erreicht werden.

Kühlung des Chipsatzes

Großem Stress ist das System nicht nur beim Übertakten, sondern auch unter Last bei Standardtakt ausgesetzt, wovon fast alle Komponenten des Computers betroffen sind. Das gilt nicht nur für den Arbeitsspeicher und die CPU, sondern auch für den Chipsatz des Mainboards. Hierbei handelt es sich um eine zusätzliche Recheneinheit, die sich um eine Vielzahl von Steuerungsaufgaben hinsichtlich der angeschlossenen Hardware kümmert. Sollte das System stark beansprucht werden, muss auch der Chipsatz deutlich mehr leisten und kann sehr heiß werden. Aus diesem Grund sollte ein ausgewogenes Kühlungskonzept unbedingt auch immer den Chipsatz einbeziehen.

In vielen Fällen wird der Chipsatz gar nicht gekühlt, sondern liegt frei auf der Platine. Das ist vor allem bei kleineren Mainboards der Fall und bei solchen Modellen, auf denen eher leistungsschwache Komponenten verbaut werden sollen. Bei Chipsätzen mit hoher Leistung hingegen, bei denen schnelle Quad-Core-Prozessoren und ähnliche Komponenten eingesetzt werden sollen, ist eine Kühlung meistens unabdingbar. Die Hersteller der Mainboards verbauen hier bereits kleine, passive Kühlungen, die aus einem einfachen Kühlkörper ohne PC-Fan bestehen. Eine solche Kühllösung wird Ihnen im Falle des Übertaktens aber vermutlich nicht genügend Reserven bieten können.

Kühler austauschen

Einen solchen Kühler können Sie leicht gegen ein leistungsstärkeres Modell austauschen. Die Kühlkörper sind häufig über zwei Stifte oder Schraubverbindungen mit dem Mainboard verbunden, die sich leicht lösen lassen. Danach müssen Sie die bereits vorhandene Wärmeleitpaste gründlich entfernen. Dieses ist ein wichtiger Schritt, da die Wärmeleitpaste Unebenheiten auf den Metalloberflächen des Chips und des Kühlers ausgleichen kann und so für eine bessere Ableitung der Hitze sorgt. Am besten wird diese Paste mit einer alkoholhaltigen Flüssigkeit entfernt. Nach dem Auftragen einer neuen Wärmeleitpaste können Sie einen leistungsfähigeren Kühlkörper verbauen, der eine möglichst große Oberfläche besitzen sollte. Da Sie hier nur wenig Platz für das Verbauen eines Kühlers vorfinden werden und der Chipsatz eine nur sehr geringe Breite aufweist, haben diese Kühllösungen häufig sehr lange Metalllamellen, die senkrecht nach oben ragen. Mit solchen Kühlern lässt sich bereits ganz ohne Lüfter eine gute Kühlwirkung erzielen.

Mehr Kühlleistung durch Lüfter

Falls die so erreichte Kühlleistung nicht ausreichen sollte, muss ein Lüfter auf dem Kühler angebracht werden. Hierbei handelt es sich zumeist um 40-mm- oder auch 80-mm-Lüfter.

Am effektivsten lässt sich der Chipsatz per Luft kühlen, etwa per Silent-Lüfter bzw. Silence-Lüfter für eine geringere Geräuschentwicklung oder per normalem 80-mm-Fan. Hierbei wird zusätzlich zum Kühlkörper ein Lüfter verbaut, der die heiße Abluft sehr schnell ins Gehäuseinnere transportiert. Auf diese Weise kann einer Überhitzung in den meisten Situationen vorgebeugt werden. Eine solche Luftkühlung wird zumeist über das Mainboard gesteuert, sodass das BIOS bestimmen kann, wie schnell der Lüfter drehen soll. Unter Last wird dann die maximale Rotationsgeschwindigkeit abgerufen, im Leerlauf regelt der Lüfter herunter. Eine solche Steuerung ist jedoch nicht bei jedem Mainboard möglich, sodass sich ein Anschluss des Lüfters an das Netzteil lohnen kann, falls dieses über eine PWM-Steuerung verfügen sollte. In diesem Fall können Sie von einer Regelung des Lüfters über das Netzteil ausgehen.

Beim Kauf eines solchen Lüfters sollten Sie einen guten Kompromiss zwischen Drehgeschwindigkeit und Lautstärke finden. Ein Lüfter mit 1.600 RPM (Rotationen pro Minute) und mehr ist im Zusammenhang mit dem Chipsatz häufig nicht notwendig. Hier können auch Lüfter mit 1.000 RPM oder weniger eingesetzt werden, die deutlich leiser sind. Solche Lüfter ebenso wie die Kühlkörper für Speicherriegel und Chipsätze finden Sie bei eBay.

Vor- und Nachteile passiver Kühlung

Eine passive Kühlung hat grundsätzlich den Vorteil, dass sie die geringste Geräuschentwicklung mit sich bringt. Wenn ein störungsfreies Arbeiten für Sie eine hohe Priorität hat, sollten Sie einer solchen passiven Kühlung des Chipsatzes unbedingt Vorrang geben. Der Arbeitsspeicher wird grundsätzlich passiv gekühlt, da hier die Montage eines Lüfters ohnehin nur schwer möglich wäre. Beim Chipsatz hingegen haben Sie die Wahl, ob eine aktive Lösung oder eine passive besser geeignet ist. Hier sollten Sie bedenken, dass mit dem Hauptprozessor und der Grafikkarte bereits Komponenten im System vorhanden sein werden, die aktiv gekühlt werden müssen. Da sich der Schall in einem System addiert, bedeutet das Hinzufügen eines weiteren Lüfters stets, dass sich die Lautstärke erhöhen wird – selbst dann, wenn dieser Lüfter leiser sein sollte als die bereits vorhandenen. Aus diesem Grund kann die Wahl einer passiven Kühlung sinnvoll sein.

Weiterhin ist eine passive Kühlung mit weniger Kosten verbunden, da hier kein Lüfter gekauft werden muss. Damit sparen Sie gleichzeitig auch den Anschluss für einen weiteren Lüfter auf dem Mainboard ein, sodass Sie diesen zum Beispiel für einen Gehäuselüfter verwenden können. In der Praxis werden Sie sich hier jedoch auch mit Nachteilen konfrontiert sehen. Zu diesen gehört insbesondere, dass eine passive Kühlung beschränkt ist, was die maximale Kühlleistung angeht. Sie kann zu einer erheblichen Verbesserung der Systemstabilität bei Standardtakt beitragen – beim Übertakten wird eine solche Kühlung jedoch schnell an ihre Grenzen gelangen. Hier ist die Luftkühlung dann häufig die bessere Wahl.

Vor- und Nachteile der Wasserkühlung

Die mit Abstand stärkste Kühlleistung erreichen Sie beim Einsatz einer Wasserkühlung. Hierbei wird das Medium Luft durch Wasser ersetzt, das in einem Kreislauf an allen wichtigen Komponenten des Computers vorbeigeführt wird. In einen solchen Kreislauf können Sie auch einen RAM-Wasserkühler und einen Kühler für den Chipsatz aufnehmen. Sie benötigen in diesem Fall für jede Komponente einen speziellen Kühlkörper – die Kühlkörper der Luftkühlung können Sie nicht weiterverwenden. An jeden dieser Kühler müssen Wasserschläuche angeschlossen werden, die sowohl mit einer Pumpe als auch mit einem Radiator verbunden sind. Die Pumpe befördert das Wasser durch den Kreislauf, und der Radiator übernimmt die Kühlung des Wassers.

Die Verwendung einer solchen Wasserkühlung bringt eine ganze Reihe von Vorteilen mit sich. Zuerst zu nennen ist hier die überlegene Kühlleistung, die gerade dann wichtig wird, wenn Sie Übertaktungen des Systems in erheblichem Maße planen. Während bei extremer Übertaktung die meisten Luftkühlungen bereits versagen werden, kann eine Wasserkühlung noch immer sehr niedrige Temperaturen des Chipsatzes erreichen. Zudem ist bei einer Wasserkühlung auch mit einer nur sehr geringen Geräuschentwicklung zu rechnen. Das resultiert daraus, dass bei dieser Lösung auf Lüfter verzichtet werden kann.

Eine Wasserkühlung hat jedoch wie jedes andere Kühlungskonzept auch ihre Schwächen. Hier ist zunächst der Preis zu nennen, der unvergleichlich viel höher liegt als bei allen anderen Kühllösungen. Neben diesen hohen Investitionskosten ist jedoch auch die Montage der Wasserkühlung deutlich schwieriger und nicht mit dem einfachen Auswechseln eines Kühlkörpers zu vergleichen. Zudem lohnt sich die Anschaffung einer Wasserkühlung nur dann, wenn eine Vielzahl von Komponenten damit berücksichtigt werden soll. Für eine Kühlung alleine der Speicherriegel und des Chipsatzes wäre eine Wasserkühlung überdimensioniert.

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