Orientierungshilfe zu Faschings- & Theaterkostümen für jeden Anlass

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10 Tipps zum Kauf von Faschings- & Theaterkostümen von 1900 bis heute

1. Fasching, Fastnacht

Fasching, Fastnacht, Fasnet waren ursprünglich Feiern am Jahresende zum Winteraustreiben. Alle schlechten Dinge des letzten Jahres sollen rituell vertrieben werden. Im überlieferten Brauchtum werden die schlechten Eigenschaften meist als dämonenartige, wilde Männer personifiziert. Benutzen Sie dafür Hörner am Kopf, Fellstücke, primitive Waffen wie Keulen oder Spieße und grobe oder zerrissene Kleidung. Manchmal werden die auszutreibenden schlechten Dinge auch von lautem Trommeln oder Hörnerblasen begleitet. Die positiven Mächte werden mit hellen und bunten Farben dargestellt. Schöne Masken, lange, fließende Kleidungstücke und Glitzer oder Gold- und Silberborten charakterisieren die Dämonenaustreiber. Oft tragen sie auch Glöckchen an der Kleidung. Klein gemusterte oder geblümte Stoffe mit bunten Farben, viel Weiß oder Pastell und Kopfschmuck wie Kronen oder Diademe lassen die guten Mächte schimmern und glitzern. Die entsprechenden Kostüme und Accessoires finden Sie im Faschingsshop auf eBay. Aber Achtung! Nicht mit Teufel und Engel verwechseln, diese idealen Gestalten sind aus einer anderen Tradition entstanden.

2. Die europäischen Kasper- und Eulenspiegelfiguren

Das holländische Mittelalter kannte bereits einen Vorläufer unserer Kasperfigur, der zur Karnevalszeit leibhaftig auftrat. Der frühe Kasper war eine Art Schelm, vergleichbar mit Eulenspiegel, dessen Neigung zu gutem Essen und Trinken mit einem Kochlöffel am Hut und einer Weinflasche dargestellt wurde. Dazu gehört ein dicker Bauch vom Schlemmen und eine dicke, rote Nase, die von reichlich Alkoholgenuss erzählt. Manchmal wird er auch mit einem Hering am Hut dargestellt, was auf seinen Namen Pickelhering hinweist. Sein bekanntester literarischer Nachfahre der Neuzeit ist Sancho Pansa.

Die Eulenspiegel-Figur ist eine Schelmenform, die seit dem späten Mittelalter literarisch überliefert ist. Die Eule ist das Symbol ihrer Weisheit, den Spiegel hält sie den Zuschauern vor. So ist sie dem mittelalterlichen Narr ähnlich und wird in späteren Jahrhunderten als weiser Narr und Bürgerschreck interpretiert. Seit den siebziger Jahren hat die Fools- oder Narrenbewegung die Eulenspiegel-Gestalt als ihr Vorbild wiederentdeckt.

3. Rheinischer Karneval

Düsseldorfer und Kölner Karneval sind in der uns heute bekannten Form entstanden durch die Verspottung der preußischen Besetzung im Rheinland. Daher rühren die uniformierten Funkenmariechen und die mit Süßigkeiten schießenden Kanonen der Anfangszeit. Als satirisch verzeichneter friderizianischer Gardist oder preußischer Beamter greifen sie sozusagen auf die Wurzeln des rheinischen Karneval zurück. Heutzutage sind auch alle anderen Darstellungen möglich, da der heutige Karneval zu einer Feier des Verkleidens um seiner selbst willen geworden ist. Denken Sie bei Ihrer Kostümauswahl aber auch an die Temperaturen, die Anfang des Jahres noch ziemlich widrig sein können. Da sich das Karnevalsdatum nach dem Osterdatum richtet, ist der spät möglichste Aschermittwochtermin der 10. März.

4. Brasilianischer und karibischer Karneval

Heutzutage ist der brasilianische Karneval dafür berühmt, dass die Samba-Schulen im ganzen Land prächtige Paraden veranstalten. Seit einigen Jahren gibt es dafür in den größeren Städten extra erbaute Sambodrome, in denen die Gruppen in einem straßenartigen Amphitheater zwischen den aufsteigenden Zuschauerrängen hindurchziehen.

Auch der Karneval in der Karibik, besonders auf den Inseln der Bahamas, kann sich mit dem brasilianischen Karneval messen. Die Einheimischen betrachten ihn als zweitprächtigsten Karneval nach Rio de Janeiro.

Die Kostüme des tropischen Karnevals sind für die mitteleuropäischen Außentemperaturen zur Faschingszeit allerdings ungeeignet. Wichtig ist, viel Haut zu zeigen. Prächtige, großformatige Dekorationen aus Strass und Federn, hohe Absätze für die Teilnehmerinnen und kunstvolles Tanzen machen das Kostüm perfekt, brauchen aber auch einiges an Platz. In Brasilien und den karibischen Inseln gibt es spezialisierte Schneidergeschäfte, die ausschließlich, meist für Gruppen, Karnevalskostüme fertigen.

Nur auf den Karneval spezialisierte Stoff- und Zubehörgeschäfte helfen den kleineren Karnevalsgruppen beim Selberschneidern. Auch in unseren Breiten gibt es auf Artistenbedarf spezialisierte Geschäfte, die das glitzernde Zubehör auch in kleinen Portionen für den Einpersonenbedarf anbieten.

5. Karneval in New Orleans – Mardi Gras

Die französischen und spanischen Einwanderer im Süden der heutigen USA pflegen ihre Bräuche und ihre Lebensweise nach wie vor. Der in New Orleans gefeierte Karneval heißt nach seinem Höhepunkt Mardi Gras, fetter Dienstag, und wird mit großen Umzügen der Karnevalsgesellschaften gefeiert. Am Abend schließen sich öffentliche und private Feiern an. Hier wird König Bacchus mit einem eigenen Wagen geehrt, und die Kostüme sind auch hier bunt und knapp. Dabei können die Temperaturen durchaus mitteleuropäische Tiefen erreichen. Einheimische Figuren sind die Voodoo-Götter. Der Götterbote ist Legba, der Meeresgott heißt Agwé und tritt in einer Marineoffiziersjacke auf. Die Liebesgöttin Erzulie liebt luxuriösen Schmuck sowie rosa und blaue Gewänder. Zwei Kriegsgötter, ein Farmer, eine Dreiheit von Göttern, die die Friedhöfe beherrscht, und weitere Personifikationen, etwa von Weisheit und Vegetation, bereichern die Karnevalskostüme. Dazu gehört die spezielle Jazz-Musik von New Orleans oder die aktuellen Dance-Hits. Besonders typisch und extrem gut zum Tanzen geeignet sind die Musikstile Cajoun oder Zydeco aus den südlichen USA.

6. Venezianischer Karneval

Schon zur Goethezeit war der italienische Karneval eine Touristenattraktion. Wiederbelebt ab 1979 von Künstlern und Studierenden wurde er wiederum zum touristischen Magneten. Ein öffentliches Bühnenprogramm und ein festlicher Umzug aller Masken mit einer abschließenden Prämierung sorgen heute für touristischen Zustrom. Für eine venezianische Maske brauchen Sie unbedingt eine halbe oder ganze Gesichtsmaske, außerdem weite, den Körper verhüllende Gewänder. Tipp: Suchen Sie sich ein Motto aus, das Sie darstellen wollen. In den letzten Jahren wurden häufiger Masken prämiert, die eine Verkörperung, etwa den Ozean, darstellten. Dazu gehört neben Fantasie auch buntes oder glitzerndes Zubehör, aber nicht zu viel. Setzen Sie damit nur Akzente, etwa als Kopfschmuck. Oder unterstreichen Sie mit einem goldgewirkten Stoff die Pracht Ihrer Maske. Die internationalen Besucher, die Venedig als Masken bereichern, legen Wert auf selbst gemachte Kostüme und jedes Jahr wechselnde Verkleidungen. Dabei gilt: Die Verkleidungen können gar nicht detailliert und aufwendig genug sein.

7. Lernen Sie Theaterkostüme zu erkennen

Theaterkostüme sollen den dargestellten Charakter unterstreichen und betonen. Arbeiten Sie mit Ihrer eigenen Kostümierung, also Standesmerkmale oder Charaktereigenschaften, heraus. Um die letzte Jahrhundertwende wurden gerne historische Stoffe dargestellt. Besonders beliebt waren möglichst dramatische Geschichten, die in prächtigen Gewändern dargestellt werden konnten, aus Mittelalter, Renaissance oder im „byzantinischen“ Stil. In der Zeit um 1900 wurden die Kostüme noch nicht von den Theatern gestellt, sondern die Schauspieler mussten für ihre Kostümierung selber sorgen. Besonders die hoch bezahlten Theaterstars ließen sich gut sitzende, vorteilhafte und gern prächtige Kostüme anfertigen. Besonders zeitgenössische Gesellschaftskomödien wurden mit großem Erfolg gegeben, daher sind mit den heutigen Sehgewohnheiten manche Theaterkostüme aus der Zeit um 1900 kaum von gehobener Alltagskleidung zu unterscheiden. Wenn Ihnen ein solches Sammlerstück begegnet, versuchen Sie, den Träger und das Stück zu bestimmen, zu dem es gehörte. Die meisten Theaterkostüme können Geschichten erzählen, die historisch Interessierten einen lebendigen Blick in frühere Epochen vermitteln.

8. Commedia dell´Arte

Die italienische Commedia dell´Arte verbindet den venezianischen Karneval mit dem Theater. Italiens Theatertradition bewahrt die Figuren und ihre Spannungsverhältnisse untereinander bis in die heutige Zeit. In einem feststehenden Figurenrepertoire entwickeln sich unterschiedliche Geschichten entlang der immer gleichen Charakterzeichnung. Der berühmteste Charakter ist der Harlekin, der heute noch in der mitteleuropäischen Kultur als naiver Spaßmacher lebendig ist. Er wird mit einem - meist hohen - Hut und einem Anzug aus bunten Flicken dargestellt und ist von einem Hund begleitet. Pagliacco, der feige Maulheld, ist in Weiß gekleidet und hat ein weißes Gesicht. Die Kolumbine ist eine handfeste, junge Frau aus dem Volk und wird mit schlichter Alltagskleidung charakterisiert. Der wohlhabende Kaufmann, der Doktor in Schwarz mit seinem vermeintlichen Wissen und der listige Akrobat Brighella komplettieren die Personenriege der Commedia dell´Arte.

9. Feste im Künstler-Atelier

Um 1900 waren besonders Faschingsfeste in Künstler-Ateliers beliebt. Hier verkleidete man sich mit dem ganzen Repertoire, das heute noch bekannt ist. Die Zigeunerin, der Zauberer, die Hexe, weibliche und männliche Clowns oder historische Kostümierungen waren beliebt. Eine Besonderheit stellten die regionalspezifischen Trachten dar, die sich besonders in südlichen Ländern oder aus dem Alpenraum bedienten. Zirkusartisten, Hawaiikostüme oder eine Künstlerfigur mit Samtjackett und Barett ergänzten das Repertoire. Ab den 1920er Jahren kam ein besonderer Stil dazu, der großen Wert auf die Demonstration einer modernen, vorurteilsfreien Lässigkeit legte. Dazu gehörten Frauen in Hosen, mit Zigarette und Monokel, kubistische Papp-Kostüme und wilde Tanzvorführungen zu Jazzmusik. Damals wurde es schick, sich als schwarze Bühnenfigur zu verkleiden, etwa als Stepptänzer oder Jazzmusiker. Nachdem Josephine Baker im Bananenröckchen das Publikum begeistert hatte, wurden ihre Auftrittskostüme gern als Verkleidungen nachgeahmt.

10. Bühnenfiguren

Um 1900 entwickelte das deutsche Bürgertum ein verstärktes Interesse an historischen Fragestellungen. Germanen tauchten bei Kostümfesten und Maskenbällen auf, und die Bühneninszenierungen der Wagner-Opern wirkten stilbildend für die damit einhergehende Darstellungsweise. Seit einer Inszenierung der Ring-Trilogie in der New Yorker Metropolitan Opera tragen die Wagner-Germanen Hörner an den Helmen, was für die historischen Germanen archäologisch nicht belegt ist. Heutzutage hat sich der Fokus der Kostümierungen von der Opernbühne auf Figuren der Populärkultur verschoben. Film, Fernsehen und Comic liefern die Vorbilder. Jetzt stellen Superhelden, Filmstars und Fantasiefiguren aus der Disney-Trickwelt die Vorlagen für Kostüme und Verkleidungen. Tipp: Oft ist es gar nicht nötig, das Aussehen des Vorbilds exakt nachzuahmen. Denken Sie etwa an das Symbol für Superman, das sich fast verselbstständigt hat. Auch in ganz neuen Zusammenhängen lässt es sich einsetzen, auf einer Küchenschürze oder einem Schlafanzug entfaltet es eine sympathische Ironie. Inzwischen wirkt auch der Film zurück auf historische Kostümierungen, denken Sie an den Film „Titanic“, der eine Welle von „Titanic-Era“-Mode ausgelöst hat. Filme wie „Der blaue Engel“ mit Marlene Dietrich oder „Cabaret“ mit Liza Minelli liefern Vorlagen für Verkleidungen, die mit einfachen Mitteln selber zu machen sind. Wenn Sie dann noch die eindrücklichsten Merkmale der Protagonisten in Ihre Maske einbeziehen, wirken Sie überzeugend.

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