Onlinebetrug - Recht haben nicht gleich Recht bekommen

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Der Gesetzgeber schreibt: "Wer in der Absicht, sich oder einem Dritten einen rechtswidrigen Vermögensvorteil zu verschaffen, das Vermögen eines anderen dadurch beschädigt, dass er durch Vorspiegelung falscher oder durch Entstellung oder Unterdrückung wahrer Tatsachen einen Irrtum erregt oder unterhält, wird mit Freiheitsstrafe bis zu fünf Jahren oder mit Geldstrafe bestraft."
Leider sieht die Praxis im Onlinehandel etwas nüchterner aus und die meisten aller offensichtlichen Betrugsdelikte werden aufgrund einer völlig überlasteten Justiz wegen mangelnden öffentlichen Interesses mit dem Verweis auf die zivilrechtlichen Möglichkeiten eingestellt.
Ein Beispiel aus der Praxis soll dies verdeutlichen. Im Sommer 2009 ersteigerte ich auf eBay für knapp 70,00 € in der Kategorie "Möbel - Antike Original vor 1945" einen laut Beschreibung "alten und originalen" Fliegengitterschrank. Man sollte nun also meinen können, dass man bei einem Verkäufer mit knapp 200 Punkten auf eBay nicht übers Ohr gehauen würde.
Nach wundervollen zwei Wochen Lieferzeit erhielt ich einen lustiges Möbelstück, was weder antik noch original war. Der Verkäufer hat sich wohl vom Sperrmüll ein "älteres" Schränkchen geklaut, die Füllungen dilenttantisch herausgesägt, diese durch Kükendraht ersetzt, um den Effekt eines Fliegengitterschranks zu erzielen, und als krönenden Abschluss vier kurze Abschnitte einer Dachlatte aus dem Baumarkt als Füße unter den Schrank geschraubt. Man muss kein Tischler oder Schreiner sein, um diesen Fusch erkennen zu können.
Der anschließende Versuch eines klärende Telefonats, man kann es erahnen, verlief nach gleichgültigen Ausflüchten und späteren Beschimpfungen seitens des Verkäufers ergebnislos. Mit stolz geschwellter Brust und mit einem Bündel an "Beweis"-Fotos bewaffnet fuhr ich zwei Tage später zur Kripo und schilderte dem Kriminalbeamten für Betrugsverfahren ausführlich den Sachverhalt. Ein nun begeisterter Polizeihauptkommissar entgegnete mir nüchtern, dass er dies gerne zu Protokoll nähme und über die zuständige Staatsanwaltschaft zur Anzeige brächte. Über den Erfolg einer solchen Anzeige klärte er mich ebenfalls genauso trocken mit den Worten auf "Nur weil sie sich betrogen fühlen, heißt es noch lange nicht, dass sie auch betrogen wurden". Seinen weiteren Ausführungen hörte ich weiter teils gespannt teils wütend zu.
Zuerst wies er mich auf die dürftigen Fotos des Verkäufers hin, in welche man alles herein interpretieren könne. Und trotz der gewählten Kategorie und der Artikelbeschreibung sei wohl eine Täuschung im strafrechtlichen Sinn nicht gegeben, da man sich den Artikel ja auch vor Ort hätte anschauen können. Nach dem Satz "Das sei halt das Risiko im Versandhandel" riss mir spätestens mit der Erläuterung über die Nichtverantwortlichkeit des Verkäufers über die Richtigkeit der Artikelbeschreibung und der gewählten Kategorie in Bezug auf das Auktionshaus eBay, das nur das Portal für einen Handel zur Verfügung stellt, der Geduldsfaden.   
Enttäuscht wollte ich nun niemanden mehr anzeigen, da ich dies nach diesem Gespräch für sinnlos erachtete. Trotz eines nun zum Protokoll bereitem Kripobeamten verlies ich wütend aber aufgeklärt die Polizeiwache und erhielt am gleichen Tag die Nachricht von eBay, dass sie diesen Sachverhalt bedauern und empfehlen mit dem Verkäufer in Kontakt zu treten oder ggf. rechtliche Schritte einzuleiten.
Nach einer Kosten-Nutzen-Rechnung oder besser gesagt Geld-Nerven-Überlegung ersparte ich mir eine Zivilklage. Ich machte mir klar, dass weder eBay, das immer nur eine Vereinbarung mit den einzelnen Mitgliedern hat aber nicht für die Kaufverträge zwischen den Mitgliedern verantwortlich ist, noch die Justiz in diesem Fall mir hätten helfen können.
Fazit: Ein Restrisiko wird im Onlinehandel immer bleiben. Je weniger der Verkäufer schreibt, je undeutlicher die Fotos sind und je schwammiger die auszulegende Artikelbeschreibung ist, desto höher die Wahrscheinlichkeit enttäuscht oder gar betrogen zu werden. Gute Verkäufer hingegen haben nichts zu verbergen und werden Probleme mit offenem Visier zu klären wissen.
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