Online-Handel läuft wie verrückt

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"Online-Handel läuft wie verrückt"


Während der Einzelhandel in Fußgängerzonen und Einkaufszentren leidet, erwarten Online-Händler zweistellige Zuwächse. Im Vergleich mit dem Ausland bleiben aber auch sie hinter ihren Möglichkeiten zurück.


Es wird wohl nichts mehr. Zum Jahresende hat sich der Einzelhandel eine Wachstumsschwäche eingefangen, die Umsätze vom Vorjahr scheinen unerreichbar. Für einen kleinen Teil der Einzelhändler aber hatte der Hauptverband des Deutschen Einzelhandels Anfang der Woche gute Nachrichten: „Der Online-Handel läuft wie verrückt und das auch an Weihnachten." Im November und Dezember würden schätzungsweise rund 4,6 Mrd. Euro umgesetzt – eine halbe Milliarde oder zwölf Prozent mehr als im Vorjahr.


Zwar machen Online-Geschäfte bislang nur rund fünf Prozent des gesamten Einzelhandels aus. Die Weihnachtspräsente aber kauft laut der Nürnberger Gesellschaft für Konsumforschung inzwischen mehr als jeder zweite Deutsche online. Bei einer Umfrage des Marktforschungsunternehmens Ecircle gaben sogar fast 70 Prozent der Teilnehmer an, mindestens ein Geschenk im Internet zu kaufen - allerdings hatten nur Konsumenten mit E-Mail-Adresse an der Befragung teilnehmen können.

Marktführer ist laut der Studie mit einem Anteil von 50 Prozent das Internetversandhaus Amazon. Dort werden Kunden in diesen Tagen wieder mit einer garantierten Lieferung bis zum 24. Dezember geködert. Auch beim Zweitplatzierten, dem Auktionshaus Ebay, können Kunden gezielt nach Anbietern suchen, die einen Versand innerhalb von zwei Tagen garantieren. Die schwächelnde Konjunktur betrachte man gelassen, sagte ein Ebay-Sprecher FTD-Online, schließlich sei der weltweite Umsatz im vierten Quartal in den vergangenen Jahren stetig gewachsen: Von 935 Mio. $ im Jahr 2004 auf 1,7 Mrd. $ im Vorjahr. Besonders häufig hätten Ebay-Nutzer in der vergangenen Woche nach Kleidung der Marke „Esprit“, Spielzeug von Playmobil sowie Handys gesucht.

Last-Minute Shopping ohne Drängelei


Generell schenken die Deutschen laut einer Studie von Ernst & Young am liebsten Bücher (63 Prozent) sowie CDs und DVDs (52 Prozent) - Produkte also, die sich problemlos online erwerben lassen. Dabei warten laut Ecircle-Studie 62 Prozent der Konsumenten mit ihren Besorgungen bis kurz vor dem Fest, wenn überfüllte Einkaufsstraßen den virtuellen Einkaufsbummel noch deutlich attraktiver machen.

Trotz der Zuwachsraten könnte es aber auch bei deutschen Online-Händlern deutlich besser laufen. Laut am Mittwoch veröffentlichten Zahlen des Marktforschungsunternehmens Comscore erhöhte sich die Zahl der Internet-Einkäufe in Großbritannien und Frankreich in der ersten Dezemberwoche gegenüber den beiden Vormonaten um 38 und 45 Prozent – in Deutschland waren es dagegen nur 8 Prozent. Die Autoren führten die Flaute auf geringes Verbrauchervertrauen zurück, ihre Studie misst allerdings nur die Besuchszahlen auf den Seiten von Online-Händlern, nicht den Umsatz. Wie hoch der trotz einer kriselnden Wirtschaft sein kann, zeigt ein Blick nach Übersee: US-Konsumenten gaben allein zwischen Anfang November und Mitte Dezember 23 Mrd. $ online aus – ein 19-prozentiger Zuwachs im Vergleich zum Vorjahr.

In Deutschland kämen derzeit vor allem Kataloganbieter wie Quelle oder Otto auf hohe Umsätze, sagte ein Sprecher des Branchenverbandes Bitkom FTD-Online. "Da profitieren wir in Deutschland von einer ganz guten Distanzkauftradition." Tatsächlich wächst laut Comscore sowohl in Deutschland als auch in Frankreich der Online-Handel des Quelle-Eigentümers Arcandor am schnellsten. In Deutschland findet sich in den Top 5 zudem das Verbraucherportal Ciao, auf dem sich Konsumenten vor dem Kauf über Produkte informieren können. Diese Möglichkeit nutzen laut Ecircle in der Weihnachtszeit inzwischen 38 Prozent der Käufer, 43 Prozent besuchen direkt die Internetseite des jeweiligen Herstellers. Im Netz präsent seien zwar inzwischen die meisten Unternehmen, folgert man bei Ecircle. Nun komme es aber darauf an, „die Frequenz der Werbekontakte erheblich zu erhöhen.“
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