Öfen und Zubehör für Goldschmiede – so entsteht handgefertigter Schmuck

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Öfen und Zubehör für Goldschmiede – so entsteht handgefertigter Schmuck

Ein Goldschmied beherrscht das traditionelle Handwerk der Schmuckherstellung aus Edelmetallen, Schmucksteinen und Perlen. Er fertigt in reiner Handarbeit exquisite Schmuckstücke und führt außerdem fachmännische Änderungen und Umarbeitungen aus. Auch Reparaturen und Reinigungsarbeiten an altem oder beschädigten Schmuck gehören zu seinen Aufgaben. Das Faszinierende an diesem Handwerksberuf ist die Tatsache, dass sich die verwendeten Arbeitstechniken im Laufe der Jahrhunderte kaum geändert haben. Der heutige Goldschmied benutzt zwar das ein oder andere technische Hilfsmittel, das ihm einzelne Arbeitsschritte erleichtert, aber die grundlegenden Arbeiten vom Schmelzen der Metalle über das Formen und Veredeln der einzelnen Produkte ist nach wie vor reine Handarbeit. Lesen Sie hier, welche Verarbeitungstechniken der Goldschmied anwendet und welche Gerätschaften er benötigt, damit unter seinen Händen Schritt für Schritt ein einzigartiges Schmuckstück entsteht.

Die Geschichte der Goldschmiedekunst

Schmückende Accessoires aus Gold, Silber und Edelsteinen sind schon seit der Frühzeit sehr begehrt. Archäologische Funde belegen, dass es schon vor über 5000 Jahren fein gearbeiteten Goldschmuck gegeben hat. Schmuck zieht sich seitdem wie ein roter Faden durch sämtliche Hochkulturen der Geschichte. Von den Germanen, Kelten oder Wikingern über die alten Griechen und Römer bis hin zu längst vergangenen Dynastien aus Persien, Japan und China nimmt Goldschmuck stets einen festen Platz im Leben der Menschen ein. Neben dem Schmelzen und Formen des Edelmetalls beherrschen schon die Goldschmiede der Frühzeit diverse Techniken zum Veredeln und Verzieren der Schmuckstücke. So bereichern beispielsweise die Wikinger dieses Handwerk mit ihrer kunstvollen Ornamentik. Auch das Ziselieren gehört zu den frühesten Methoden, um Goldschmuck eine individuelle Note zu verleihen. Bei diesem Verfahren werden mithilfe von Hämmern und speziellen Meißeln, den Punzen, Muster und Strukturen in das Metall getrieben. Dabei wird das Material nicht abgetragen, sondern lediglich verformt. Das Gegenstück dazu ist das Gravieren, eine spanabnehmende Technik, bei der die entsprechenden Muster oder Schriftzüge in den Goldschmuck geschnitten werden.

Daneben ist auch das Fassen von Edelsteinen, das heißt, ihre Befestigung auf dem Goldschmuck, eine sehr alte Fertigkeit. Schon die frühen Menschen beherrschen die Kunst, geschliffene Edelsteine mittels feiner Haken und Halterungen an Ringen, Anhängern und Diademen zu befestigen.

Nach der Blütezeit der Goldschmiede in der Antike entwickelt sich dieses Handwerk im Mittelalter vor allem durch die Herstellung kirchlicher (klerikaler) Symbole sowie kunstvoll gestalteter Buchrücken für prachtvolle handgeschriebene Bücher weiter. In der Neuzeit wechseln zwar oftmals die modischen Stilrichtungen des Schmucks und beeinflussen damit sein Aussehen und seine Art, jedoch werden auch moderne, handgefertigte Produkte noch nach diesen altbewährten Methoden hergestellt.

Legieren, Schmelzen, Gießen – das Rohmaterial Gold wird vorbereitet

Reines Gold ist ein sehr weiches, formbares Metall. Um ihm eine größere Festigkeit zu verleihen, wird es darum häufig mit anderen Metallen gemischt. Diese Mischungen werden auch Legierung genannt. Sind heute auch andere Metalle wie Zink, Zinn, Platin oder Nickel als Zusätze bei den Goldlegierungen zugelassen, so kommt für Gold bis Mitte des 19. Jahrhunderts nur Kupfer und Silber infrage. Diese beiden Metalle können den Härtegrad des Goldes erhöhen, ohne jedoch seine Dehnbarkeit wesentlich zu beeinflussen. Dabei wird Kupfer nicht nur wegen der Härte, sondern vor allem wegen der Farbe zugegeben. Legierungen, die nur aus Gold und Silber bestehen, besitzen ein gelblich-grünes Aussehen und heißen entsprechend auch Grüngold. Erst durch den Kupferanteil erhält die Legierung einen warmen Goldton. Goldlegierungen mit höheren Anteilen an Kupfer bekommen eine rotgoldene Färbung und werden daher auch Rotgold genannt. Legierungen mit hohem Silberanteil schimmern weißlich und werden daher auch als Weißgold bezeichnet.

Bei Goldlegierungen werden die Anteile der gemischten Metalle heute in Tausendstel angegeben. Früher waren dagegen Angaben in Karat üblich. Der Goldanteil wird heute auch als Feinanteil bezeichnet. So hat reines Gold einen Feingehalt von 999 zu 1000 Teilen. Das bedeutet, von 1000 Teilen sind 999 aus reinem Gold. Klassisches gelbes Schmuckgold besteht dagegen nur zu 750 Teilen aus Gold. Der Rest setzt sich aus 110 Teilen Silber und 140 Teilen Kupfer zusammen. Es wird besonders wegen seines schönen Goldtons geschätzt. Außerdem läuft es nicht an und ist relativ abriebfest.

Punktgenaue Hitze: der Schmelzbereich von Gold und Goldlegierungen

Das Schmelzen von Gold erfordert von einem Goldschmied einiges an Geschick. Zum einen ist der Umgang mit dem über 1000 °C heißen flüssigen Metall nicht ungefährlich und zum anderen gilt es, einzelne Temperaturwerte genau einzuhalten. Denn reines Gold und Goldlegierungen besitzen jeweils unterschiedliche Schmelzpunkte. Während pures Gold bei 1064 °C schmilzt, liegt der Schmelzpunkt von Silber mit 962 °C weit darunter. Dagegen schmilzt Kupfer erst bei Temperaturen um die 1083 °C. Werden diese drei Metalle nun gemischt, also zu einer Legierung, ergeben sich für jedes Mischverhältnis andere Schmelzbereiche. So kann 750er Schmuckgold je nach Beschaffenheit der Kupfer- und Silberanteile bei völlig unterschiedlichen Temperaturen schmelzen. Weißgold mit 750 Teilen Gold und 250 Teilen Silber besitzt einen Schmelzbereich von 1030 °C bis 1040 °C. Dagegen löst sich eine Goldlegierung mit 750 Teilen Gold und je 125 Teilen Silber und Kupfer schon bei 885 °C bis 895 °C.

Auch beim Verbinden einzelner Goldschmuckteile durch Löten ist die Kenntnis über den Schmelzbereich sehr wichtig, um eine wirklich dauerhafte Verbindung zu schaffen. Je nach Goldlegierung stehen dem Goldschmied dazu unterschiedliche Lötverfahren und Verbindungsmittel (=Lote) zur Verfügung.

Daher nutzen Goldschmiede spezielle Schmelzöfen mit stufenloser Temperaturregelung, um den gewünschten Temperaturbereich exakt einstellen zu können. Aufgrund der hohen Temperaturen sind die dazu gehörigen Schmelztiegel und Rührstäbe in der Regel aus Grafit. Dennoch können sie nur rund 15 bis 20 Gießvorgänge lang genutzt werden, bevor sie ausgetauscht werden müssen.

Alles aus einem Guss – das Gold wird in Form gebracht

Ist das Metall verflüssigt worden, wird es in die gewünschte Form gegossen. Die Gießtechniken gehören zu den ältesten Verfahren bei der Schmuckherstellung. Je nach verwendeter Technik kann die Goldlegierung damit zu Blechen und Drähten geformt werden oder durch entsprechende Gießformen gleich die Gestalt des gewünschten Schmuckstücks annehmen. Dabei stehen dem Goldschmied Gusstechniken in Dauerform (=Kokillen) sowie in verlorener Form zur Verfügung. Die gebräuchlichsten Gusstechniken sind der Sandguss, der Schleuderguss, der Ossa-Sepia-Guss sowie der Vakuum-Guss.

Der Sandguss

Der Sandguss gehört zu den Gusstechniken mit verlorener Form. Er war Mitte des 20.Jahrhunderts gebräuchlich. Inzwischen ist er jedoch vom Schleuderguss abgelöst worden. Dieser gehört ebenfalls zu den Techniken mit verlorener Form und wird auch Wachsmodellschmelzverfahren oder kurz Wachsguss genannt. Die Gießform besteht dabei aus der exakten Vorlage des Schmuckstücks aus Wachs, die in eine Gipsmasse eingesetzt wird. Nach dem Trocknen und Brennen des Gipses ist das Wachs geschmolzen und hat einen Hohlraum in dem hart gewordenen Gips hinterlassen. Dieser wird nun anschließend mit der flüssigen Goldlegierung gefüllt. Dieses geschieht mit einer Art Zentrifuge, in die die Form eingespannt ist. Durch die Kräfte, die beim Schleudern der Zentrifuge entstehen (= Zentrifugalkraft), wird die Legierung in die Form gedrückt und gleichmäßig darin verteilt. Nach dem Erkalten erhält der Goldschmied einen Rohling, den er entsprechend weiterverarbeiten kann.

Die Ossa-Sepia-Technik

Für kleine Schmuckstücke eignet sich die Ossa-Sepia-Technik besonders gut. Schon die alten Ägypter kannten die Schale des Sepia-Tintenfisches. Diese Sepia-Schalen sind heute vor allem in Zoohandlungen verbreitet, wo sie als Mineralienspender für Ziervögel in den Käfig gehängt werden. Sepia-Schalen besitzen eine harte, stabile Außenseite aus Horn. Das Innere ist dagegen weich und lässt sich gut ritzen. In diese Schale drückt und formt der Goldschmied die Konturen des Schmuckstücks und füllt sie anschließend mit flüssigen Edelmetallen.

Der Vakuumguss

Der Vakuumguss ist heute am weitesten verbreitet. Er kommt nicht nur in der Schmuckherstellung, sondern auch bei anderen Metall- und Kunststoffgussarbeiten zum Einsatz. Hierbei wird das flüssige Metall mithilfe eines Vakuums in die Formen eingebracht und frei von Lufteinschlüssen gleichmäßig verteilt. Diese Vakuumgussmaschinen sind in verschiedenen Größen erhältlich und reichen vom kleinen Modell für Kunsthandwerker bis hin zu großen Maschinen für die industrielle Serienfertigung.

Edelsteine mit Fassung – wie Steine und Schmuck zusammenkommen

Nach dem erfolgreichen Guss werden Kettenglieder, Ringe und Brocken entgratet und geglättet. Anschließend kann der Goldschmied ihnen durch die Behandlung der Oberfläche mit verschiedenen Werkzeugen noch ein individuelles Aussehen verleihen. Dazu gehören die obengenannten Techniken des Gravierens und Ziselierens ebenso wie das Mattieren glänzender oder das Polieren matter Oberflächen.

Manchmal ist der Fertigungsprozess damit jedoch noch nicht abgeschlossen, zum Beispiel wenn Perlen und Steine die Dekoration ergänzen sollen. Während diese Accessoires bei Billigschmuck einfach aufgeklebt werden, bekommen sie beim Goldschmied eine professionelle Fassung. Diese besteht aus winzigen Klammern und Haken, die auf den Schmuck gelötet werden und Perle oder Edelstein an ihrem Platz halten.

Im Laufe der Zeit haben sich viele verschiedene Fassungen entwickelt, sodass dem Kunsthandwerker heute eine große Auswahl zur Verfügung steht. Sollen beispielsweise kleine Steine in die Oberfläche eines Ringes eingepasst werden, wird gerne die „Eingeriebene Fassung verwendet. Hierbei werden die Schmucksteine in konische Vertiefungen gesteckt und das Metall darum gepresst. Für große, einzelne Steine ist jedoch die Krallenfassung üblich. Je nach Art des Edelsteins wird dieser durch ein Gitter von drei bis sechs Krallen, auch Krappen genannt, gehalten. Daher wird diese Fassung auch Krappenfassung genannt.

Der Goldschmied – ein Meister des traditionellen Kunsthandwerks

Handgefertigter Schmuck ist nicht nur individuell, er ist auch Zeugnis uralter Handwerkskunst. Vom Schmelzen der Metalle über das Mischen der Legierungen bis hin zum Gießen der Form und der abschließenden Feinbearbeitung profitiert der Handwerker bei seinen Arbeiten von überliefertem und stetig weiterentwickeltem Wissen. Für seine Arbeiten benötigt der Goldschmied hochwertige Werkzeuge und Hilfsmittel. Besonders der Schmelzofen und die Gießformen sind wichtige Komponenten, um ausgesuchten Schmuck anzufertigen. Damit verwirklicht der Goldschmied sowohl eigene Ideen als auch die Wünsche seiner Kunden. Gleichzeitig kann er durch das Einschmelzen alter Schmuckstücke völlig neue und andersartige Teile erschaffen.

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