Obsidian: Wenn Vulkane farbige Schmucksteine formen

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Obsidian: Wenn Vulkane farbige Schmucksteine formen

Es ist erwiesen, dass der Mensch seit etwa 200.000 Jahren den Obsidian kennt und für seine Zwecke einsetzt. In der Vorgeschichte nahmen die ersten menschlichen Wesen weite Wege auf sich, um den damals äußerst begehrten, ja sogar für die Jagd nahezu unentbehrlichen Stein zu gewinnen. Aus den Splittern und Bruchstücken dieses meist schwarzen Gesteinsglases konnten die schärfsten Speerspitzen und Messerklingen gefertigt werden. In der Nähe seiner Fundstellen kommt er in riesigen Mengen vor und brachte den dort lebenden Menschen einen frühen Wohlstand. Der römische Reisende Obsius war der Namensgeber des Obsidians. Obsius soll den ersten Obsidian in der Antike von Ägypten nach Rom gebracht haben. Der römische Gelehrte, Naturforscher und Schriftsteller Plinius bezeichnete das Gestein mit lapis obsianus oder nur obsidianus. Obsidian wird in heutiger Zeit in erster Linie zur Fertigung von Kunstgegenständen oder als Schmuckstein verwendet. Allerdings wird der Obsidian in der plastischen Chirurgie wie in der Augenheilkunde als Alternative zum Laserskalpell verwendet.

Anwendungsformen von Obsidian

Heutzutage ist Obsidian als Edel- oder Schmuckstein und als Basismaterial für Skulpturen und Gefäße sehr beliebt. Als Rohstoff in der Produktion von Gesteinswolle als Isolationsmaterial und Dämmstoff spielt er in der Bau-Industrie eine gewichtige Rolle. Auf vielen Gebieten wie im Gartenbau, der Baustoffindustrie, im Bereich der Feuerdämmung, als Füllstoff oder als Filterhilfsmittel kommt Perlit zum Einsatz. Der Bimsstein wird regelmäßig in der Bauindustrie als Schall- und Wärme-isolierender Leichtbaustein eingesetzt. Der Obsidian wird auch als Hilfsmittel zur Datierung herangezogen, wobei die Dicke der Hydratationsschicht an prähistorischen Fundstücken betrachtet wird. Artefakte aus Obsidian können wichtige Hinweise über den prähistorischen Handel liefern, weil die Herkunft des Gesteins aufgrund der Anhaftung oder Beimischung von Spurenelementen oder anhand der Isotopenzusammensetzung und des Alters zugeordnet werden kann.

Früheste Anwendungsbereiche des Obsidians

Als Rohstoff war Obsidian im Laufe der Steinzeit aufgrund seiner scharfkantigen Beschaffenheit und seines verhältnismäßig hohen Härtegrades neben Feuerstein ein sehr begehrtes Element für Instrumente des täglichen Bedarfs wie Speer- oder Pfeilspitzen sowie Messerklingen. Auf diese Weise wurde Obsidian in Mexiko bis in das 16. Jahrhundert hinein benutzt. Im Zeitalter des alten Mittelmeerneolithikums, das etwa zwischen 6000 und 4000 vor Christus einzuordnen ist, und auch in späteren Jahrhunderten gab es bereits einen schwunghaften wie weitreichenden Handel mit dem Gesteinsglas. Die Vulkaninseln des Mittelmeeres Lipari, Sardinien und Milos standen hierbei im Fokus.

Manche Experten gehen davon aus, dass nahezu sämtliche im östlichen Mittelmeer gefundenen Speer- und Pfeilspitzen oder Messer von einem einzigen Vulkanausbruch auf Milos zurückzuführen sind. Die Einwohner dieser Insel gelangten in minoisch-mykenischer Zeit durch die Geschäfte mit Obsidian zu einem gewissen Wohlstand. Schon vor 4000 Jahren wurde Obsidian auch in Sardinien am Monte Arci abgebaut. Die wirtschaftlichen Beziehungen mit Süditalien, Korsika und Südfrankreich sind nachgewiesen, wo archäologische Fundstücke aus sardischem Obsidian entdeckt wurden. Auf der Insel Lipari wird auch heute noch Bimsstein abgebaut, der in der Bauwirtschaft Verwendung findet.

Wie Obsidian entsteht

Bei Eruptionen vulkanischen Ursprungs strömt Lava oft in Form von gewaltigen Strömen aus dem Inneren der Erde an die Oberfläche. Dieses flüssige Gestein stammt aus verschiedenen Lagen des Erdinneren. Aus den Bereichen der normalerweise festen Erdkruste, die bis in 35 km Tiefe reicht, stammt die saure Lava, die stark mit Kieselsäure – Siliziumdioxyd oder SiO2, Natrium und Kalium sowie Aluminium – versetzt ist. Innerhalb dieses Bereichs der Erdkruste wird von Zeit zu Zeit meist granitisches, helles und saures Gestein durch tektonische Veränderungen des Drucks und eines damit verbundenen Temperaturanstiegs aufgeschmolzen. Aus den flüssigen Schichten des oberen Erdmantels ab 35 km Tiefe stammen dagegen basische Verbindungen, also solche, die mit Kalzium, Magnesium und Eisen überwiegend verschmolzen sind. Saure, stark kieselsäurehaltige Lava, in der Obsidian vorkommt, besitzt daher grundsätzlich eine niedrigere Temperatur als die basische Lava. Deshalb ist diese weniger flüssig als basische Lava, wobei die Fließeigenschaften stark abhängig sind vom Wassergehalt der Lava.

An der Erdoberfläche wird saure, weniger heiße und vergleichsweise wasserarme Lava sehr schnell fest. Dabei entstehen vulkanische Gläser wie Obsidian oder Bims auf natürlichem Wege. Der Unterschied zwischen Obsidian und Bims besteht darin, dass die Lava, die aus der Bims stammt, relativ viel Wasser enthält. Dieses Wasser entweicht als Dampf beim Austritt der Lava an die Erdoberfläche. Aufgrund der Ausdehnung des Gases sowie des Wasserdampfes ist der Bims, der auch Bimsstein genannt wird, durch die Entgasung der Lava und der hierbei entstehenden Bläschen sehr porös. Das Volumen von Bims ist daher sehr leicht und schwimmt sogar auf dem Wasser.

Obsidian und Bims werden unter Aspekten der Steinkunde den rhyolitischen Gläsern zugeordnet. Der Name rührt von dem feinkristallinen Gestein Rhyolit, das in erster Linie aus Quarz, Feldspäten und einem geringen Anteil von Glimmer besteht. Obsidian wird oft zusammen mit Rhyolith, das auch als Liparit bezeichnet wird, angetroffen oder ist ein Bestandteil davon. Beide Gesteinsarten haben die gleiche chemische Zusammensetzung, die auch in Zügen dem magmatischen Äquivalent Granits zugeordnet wird. Obsidian ist unter bestimmten Umständen auch als Bestandteil in verwandten Vulkaniten wie Phonolith oder Trachit nachweisbar. Selbst in basalthaltigen, also basischen Gesteinen werden vereinzelt Gläser angetroffen. Bei größeren Vulkanausbrüchen ist es durchaus möglich, dass sich reine Obsidianströme ergießen, wie auf der vulkanischen Kykladeninsel Milos oder beim Vulcano Fossa auf Sizilien.

Erdgeschichtliche Hintergründe

Die Oberfläche der Erde entstand vor etwa 4000 Millionen Jahren im Zuge der Abkühlung des glühend heißen, flüssigen Gesteinsschichten. Dabei kam es zur Bildung der ersten Kontinentalplatten, die auch als präkambrische Schilde bezeichnet werden und aus leichten mineralischen Stoffen wie Siliziumdioxid oder anderen zusammengesetzt sind. Der heutige Erdmantel bildete sich durch das Absinken schwererer Elemente in tiefere Schichten. In den Gebieten, an denen diese alten Schichten an die Oberfläche gelangen, wird ein Gestein von einer Konsistenz gefunden, wie es sonst lediglich bei Meteoriten vorkommt. Diese mineralischen Stoffe ähneln den Gesteinen der Urschmelze, wie sie nach der Trennung in leichtere und schwerere Bestandteile vorkamen und damit diese Theorie unterstreichen. Hauptsächlich handelt es sich hierbei um vulkanisches Glasgestein. Diese Komatiite werden in Kanada und Australien sowie am Komati River in Südafrika, der ihnen den Namen gegeben hat, angetroffen.

Lagerstätten von Obsidian in Gegenden mit ausgeprägtem Vulkanismus

Obsidian kommt in erheblichen Mengen in Island, in Idaho und in Utah in den Vereinigten Staaten, in der GUS, in Italien, auf den Liparischen Inseln, in Anatolien sowie in den Karpaten und ebenfalls in der Slowakei und Ungarn vor. Darüber hinaus existieren weitere Vorkommen in Japan, auf Java, in Mexiko und in Neu-Mexiko, in Äthiopien, in Ecuador und in Guatemala. Auch in Montana in den USA im Nationalpark Yellowstone ist das so genannte Obsidian Cliff, eine schwarze 50 Meter große Erhebung bestehend aus Obsidian, zu betrachten. Wirtschaftlich verwertbare Lagerstätten von Perlit befinden sich in der GUS, der Türkei sowie in Ungarn. Bimsstein-Vorkommen sind auf allen Erdteilen festzustellen.

Obsidian und seine Varietäten

Die unterschiedlichen Farben, die bei den Obsidianen vorkommen, werden durch von Gestein zu Gestein abweichende Anteile von Kalzium, Natrium, Hämatit, Kohlenstoff, Aluminium, Eisen, Magnesium und hervorgerufen. Beispielsweise hat der Regenbogen-Obsidian, der auch als "Elfen-Waffe" oder "Feen-Spur" bezeichnet wird, eine schwarze Färbung und schillert in sämtlichen Farben des Regenbogens. In bestimmten Fällen weisen die Obsidiane kleine Bläschen auf, die durch entweichende Gase oder Wasserdampf beim Schmelzvorgang entstanden sind. Hieraus ergeben sich Lichtreflexionen, die dem Gestein einen silbrigen, bisweilen goldfunkelnden Glanz verleihen. Der Begriff für solche Minerale ist Silber- oder Goldobsidian. Ganz eng beieinanderliegende winzige Blasenansammlungen verursachen einen seidigen Glanz. Dementsprechend heißen diese Steine Seidenglanz-Obsidiane.

Der Rauchobsidian ist am häufigsten vorkommende, graubräunlich bis schwarze Varietät des Obsidian. Auch der Schneeflockenobsidian, eine Varietät mit Quarzbeimengung, ist bei Kennern und Sammlern sehr beliebt. Eine weitere Spielart des Gesteins mit kleingemusterter, verzweigter Kristallzeichnung ist auf dem Markt als Blumenobsidian erhältlich. Eine schwarze Varietät mit braunen bis rostroten Flecken, die durch Anhaftungen von Eisenoxid stammen, ist der sogenannte Mahagoni-Obsidian. Perlit setzt sich zusammen aus kleinen Glaskügelchen bis zur Größe zu 5 Millimetern. Perlit ist stark wasserhaltig und bläht sich auf ein Vielfaches seines Volumens auf, wenn das Material erhitzt wird. Perlit besitzt große industrielle Bedeutung, unter anderem in der Bauindustrie.

Der Obsidian in der Esoterik

Dem Heilstein Obsidian wird in der Esoterik eine Vielzahl medizinischer Kräfte zugeschrieben. Er soll den Körper vor Infektionen bewahren, Magengeschwüre heilen sowie Entzündungen lindern. Er soll vor Pilzbefall und Herpes kurieren und das Abwehrsystem verbessern. Esoterisch orientierte Heiler attestieren dem Obsidian auch eine kräftigende Wirkung des Knochenbaus und der Wirbelsäule. Daneben soll er die Verkalkung von Arterien verhindern sowie die Sehkraft verbessern. Auf die Seele der Patienten soll der Obsidian stärkend und entspannend wirken. Er soll Depressionen und Ängste abschwächen und bei unzureichendem Realitätssinn und starker Zerstreutheit helfen. Darüber hinaus soll er Hemmungen nehmen und Tatendrang und Lebensmut stärken. Astrologisch wird der Obsidian den Sternzeichen Skorpion, Stier, und Steinbock zugeordnet.

Verwechslungsgefahr und Imitate beim Obsidian

Da die Fundstätten des Obsidians relativ groß sind und daher sein wirtschaftlicher Wert vergleichsweise gering ist, wird der Stein an sich nur relativ selten gefälscht. Der Obsidian ist aufgrund seines typischen Glasglanzes leicht zu erkennen. Dennoch kann der schwarze Obsidian mit schwarzem Schörl aus der Gruppe der Turmaline und Onyx verwechselt werden, wenn er undurchsichtig ist. Alle anderen Varianten sind wegen ihrer charakteristischen Muster und Farbenspiele nicht mit anderen Steinen zu verwechseln. Im Erscheinungsbild ist der Pechstein dem Obsidian recht ähnlich.

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