Oberheim Matrix 1000

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Oberheim Matrix 1000 - Analoger Synthesizer

 

Ja, er ist ein echter analoger Synthie - trotz digitaler Bauteile - und er klingt wie ein echter Oberheim und ist damit bei seinem aktuellen Preis ein echtes Schnäppchen. Aber jetzt chronologisch:

Der Matrix 1000 kam in der 80-er Jahren heraus, folgte dem Oberheim Matrix 6 und kann als dessen Billig-Version betrachtet werden. Leider war das aber genau die Zeit, in der Yamahas DX7 und die den Markt überrollenden, bezahlbaren Sampler regierten. Die analogen Synthies befanden sich im stetigen Sinkflug, was vor allem den teuren Nobelherstellern Sequential Circuits (Prophet 5) und Oberheim zu schaffen machte. Letztere Firma brachte darauf mit dem Matrix 6 und Matrix 6R für ihre Verhältnisse revolutionär preisgünstige Modelle auf den Markt, die neben einem unverkennbaren Oberheim-Sound über sehr umfangreiche Modulationsmöglichkeiten verfügten. Möglichkeiten, die erst viel später von anderen Herstellern realisiert wurden. Doch die Verkaufszahlen waren nicht so überzeugend, wie man es sich erhofft hatte und so entwickelte man daraus eine äußerst abgespeckte Version, die eigentlich nur als Preset-Gerät gedacht war. Man implementierte die für damalige Verhältnisse sensationelle Anzahl von 1000 Presets, verkaufte das Gerät für etwa 1000,- DM und warb mit dem Slogan: "Für jeden Sound 1,- DM".

Von den 1000 Presets befanden sich 800 im ROM- und 200 im RAM-Bereich. Es sollte dadurch ermöglicht werden, seine bevorzugten Sounds auf den RAM-Bereich zu überschreiben, um dadurch seine eigenen "Best Of" - Sounds komprimiert auf zwei 100-er Bänken ablegen zu können.

Dadurch war also eine Speichermöglichkeit vorhanden. Findige Köpfe fanden schnell heraus, dass im Inneren eine fast identische Matrix 6 - Engine arbeitete und dass man diese problemlos über SysEx-Befehle steuern konnte. Also besaß man eigentlich einen voll programmierbaren Synthie, man brauchte nur noch einen entsprechenden Editor.

Die Firma Access kam bald mit einem Hardware-Programmer auf dem Markt, mit dem sich viele der Parameter tatsächlich problemlos editieren lassen. "Viele" heißt aber: man beschränkte sich auf die wesentlichen Parameter wie VCO, VCA und Filter. Leider läßt sich damit nicht die Modulations-Matrix ansteuern. Auch Parameter wie Portamento kann man damit nicht editieren. Es bleibt einem dann nichts anderes übrig, als aus den vielen Preset-Sounds einen ähnlichen herauszusuchen und ihn dann mit dem Editor in die gewünschte Richtung zu verändern. Trotz dieser Einschränkungen mag ich den Accesss-Programmer, weil er eben richtige Potis und richtige Schalter besitzt und sehr wertig gebaut ist.

Das kann man von dem am weitesten verbreiteten Software-Editor zwar nicht sagen, aber mit dem gelangt man tatsächlich in die hintersten Tiefen des Gerätes und kann neue Sounds von Grund auf neu aufbauen.

Aber vielleicht möchte man ja gar nichts verändern, weil man glaubt, dass unter 1000 Sounds immer ein passender zu finden sei. Nun - erst einmal liegt hier ein gewisser Etikettenschwindel vor, denn die 200 RAM-Sounds bilden schon eine Auswahl aus den 800 ROM-Sounds. Trotzdem - die Auswahl ist schon beeindruckend und deckt sehr viele Bereiche ab.

Generell teilt der Matrix die Sounds in 100-er Gruppen/Bänke ein, die alle nach einem Soundmotto sortiert sind. Das umfasst zwei 100-er Bänke mit typischen Synthie-Sounds, eine Bank mit Imitationen von Holzbläsern und Hörnern, eine Bank für Syn-Brass und -Solosounds und je eine Bank für Strings, Bässe, Effekt-/Percussionsounds und für Imitationen von klassischen Keyboards wie z.B. Hammond, Rhodes etc.

Natürlich sind bei einem über 20 Jahre alten Gerät keine Sound-Überraschungen zu erwarten. Alles befindet sich auf 80-er Jahre Niveau, inclusive "Jump" und Nena-Sounds etc. und man hat das Gefühl, dass alles ein wenig angestaubt ist - wenn man es denn unter solchen Gesichtspunkten sieht. Es gab daher vor einigen Jahren ein sogenanntes Expansion-Set, d.h. ein Sound-Set mit 2 kompletten Bänken, das dem Gerät vor allem Technosounds einimpfte und sein moderneres Potential offenbarte. Aber wie auch immer - durch die Editierbarkeit sind ja sowieso keine Grenzen gesetzt.

Was kann man denn nun am Gerät selbst editieren? Nun, das beschränkt sich auf die globalen Parameter wie: Lautstärke, Midi-Kanal, Fine Tune, Transpose, Unisono-Mode oder Midi-Echo (!). Man kann aber auch eine sogenannte Midi-Kette einstellen. Das Gerät ist ja nur 6-stimmig und wem das nicht reicht, kann durch diese Kette mehrere Matrix miteinander koppeln und die Polypihonie entsprechend erhöhen. Außerdem kann man natürlich einen Data-Dump in beiden Richtungen vornehmen. Man kann Sounds speichern und zielgenau anwählen, weil eine komplette numerische Tastatur vorhanden ist. Das Netzteil befindet sich im Gerät und auch ein An/Aus-Schalter ist vorhanden. Ich erwähne das, weil so etwas bei neuzeitlicheren Spargeräten nicht mehr selbstverständlich ist.

Wie klingt er denn nun? Wie ich bereits schrieb: wie ein richtiger Oberheim und dieser Sound war und ist unter den polyphonen Synthies recht eigenständig und durch seine Konkurrenten nicht zu ersetzen. Neben den bereits erwähnten Jump- und Nena Sounds möchte ich noch verweisen auf Joe Zawinul von Weather Report und Billy Payne von Little Feat, die beide wundervolle Sounds aus ihren Oberheims holten. Auch Pink Floyd verewigte die typischen "Oberheim Horns" in "Shine on you crazy diamond". Doch der Matrix kann auch anders, nämlich hart, kreischend, metallisch und völlig Oberheim-untypisch klingen - der Modulationsvielfalt sei Dank.

Generell möchte ich vor allem die Brass-Sounds hervorheben, die typisch und nach wie vor in ihrer Dichte und Power einzigartig sind. Daneben produziert das Gerät abgrundtiefe Bässe, die wahrscheinlich nur noch von Moog erreicht werden. Die Effektsounds sind wegen der ausgefuchsten Modulationsmöglichkeiten für einen analogen Synthie sehr respektabel und die Solosounds decken einen breiten Anwendungsbereich ab. In puncto Strings und Flächen ist er zwar nicht schlecht, abe da würde ich persönlich Roland den Vorzug geben. Sämtliche Naturinstrument-Imitationen sind mit unseren heutigen Ohren natürlich eher kurios, aber was macht das schon? Wer einmal einen direkten Vergleich zwischen einem VA-Synthie und einem Matrix 1000 machen konnte, der weiß, was analoge Qualitäten darstellen können. Diese volle, warme, analoge Wand, die einem da entgegen kommt, ist nach wie vor konkurrenzlos und warum sollte man sich einen VA kaufen? Wegen des Preises? Der Matrix 1000 wird momentan um die 300,- € gehandelt! Wegen der Größe? Der Matrix misst gerade einmal 1 HE. Weil der VA ein eigenständiges Soundbild besitzt? Ja, das stimmt, so wie der Matrix 1000 aber auch.

 

Schwachpunkte:

Es gab den Matrix in der frühen, schwarzen Gehäuseversion und später in einer creme-weißen. Einige Modelle der schwarzen Serie verursachen ein leises Brummen. Aber keine Angst, selbiges befindet sich nicht im Signalweg, sondern wird physisch durch den Trafo verursacht. Live stellt das überhaupt kein Problem dar, im Studio könnte es etwas nerven.

Der Matrix 1000 besitzt nur einen Mono-Audioausgang, was ihn vom Matrix 6 unterscheidet. Ich gebe zu, dass ich die Breite eines Stereo-Ausgangs immer bevorzugen würde, aber der ist hier nun mal nicht vorhanden. Falls man trotzdem auf Stereo bestehen sollte, muss man sich eben ein zweites Exemplar zulegen.

 

Fazit: Für alle preisbewussten Musiker stellt der Matrix 1000 immer noch eine Art analoger Referenz dar. Er vereinigt viele der sogenannten analogen Qualitäten in sich und bietet ein sehr typisches Klangbild, das von den analogen Synthies der Konkurrenten nicht befriedigend abgebildet werden kann. Daher gehört er nach wie vor zu meinen Lieblingssynthies und könnte dabei höchstens von einem XPander abgelöst werden. Aber der ist gehäusemäßig sehr groß und unhandlich und kostet gebraucht mehr als 6 einzelne Matrix 1000 zusammen.

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