Oberfräse

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Kaufentscheidende Unterschiede zwischen den angebotenen Fräsmaschinen verschiedener Hersteller und Typen auszumachen ist für Laien sehr schwer. Besonders, wenn es sich um eine Erstanschaffung handelt und man noch nicht selbst mit solch einer Maschine gearbeitet hat.

Hier einige Anhaltspunkte:

Geschwindigkeit
Diese sollte bis zu etwa 18.000/22.000 Umdrehungen pro Minute reichen und regelbar sein. Normalgroße Fräsköpfe (bis ca. 25 mm Durchmesser) sind für die Maximaldrehzahl ausgelegt, beim Einsatz größerer Fräskopfdurchmesser muss die Umdrehungszahl heruntergeregelt werden.

Watt
Die se Kennzahl gibt die Motorstärke an. Um flüssig arbeiten zu können, sollte die Maschine mind. 800 Watt stark sein. Je stärker der Motor um so schwerer und größer wird jedoch die Oberfräse sein. Mit 1000 Watt kann man schon hervorragend arbeiten.

Spannhülse/Spannzange
In diese werden die Fräsköpfe (bzw. der Schaft der Fräsköpfe) eingespannt. Gängige Größen sind 6, 8 und 12 mm. Die Regel sind in den USA 6 mm und in Deutschland 8 mm. Mit dem Kauf einer Oberfräse legt man sich auf die max. Größe der verwendbaren Fräsköpfe fest. Denn kleinere Spannhülsen können in die Fräse eingesetzt werden aber keine größeren! Abplattfräser bspw. haben auf Grund ihres großen Durchmessers meist einen 12 mm Schaft.

Verstellhub/Fräshub
Dieser Wert bestimmt, wie weit man den Fräskopf in der Höhe verstellen kann. Je größer dieser Wert ist, um so tiefer kann der Fräskopf in das Werkstück eintauchen. Dies ist besonders beim Einsatz preisgünstiger Fräsköpfe wichtig, da diese meist eine kürzere Schaftlänge haben. Ein Fräshub von 50 mm ist dann schon knapp. Eine spezielle Feineinstellung ist sinnvoll, weil die Höhenjustierung manchmal auf zehntel Millimeter genau eingestellt werden muss.

Fräsköpfe
Für die Oberfräse sind zwei Sorten relevant: Hartmetall (HM) und Schnellarbeitsstahl (High Speed Steel = HSS). Einfache Unterscheidung: HM-Fräser halten länger und werden darum vorzugsweise für Hartholz eingesetzt. HSS-Fräser ergeben ein schöneres Schneidergebnis. Da letztgenannte aber schneller stumpf werden, ist ihr Einsatzgebiet in der Regel auf Weichholz beschränkt.
Die Preise für Fräsköpfe sind extrem unterschiedlich. Sie entsprechen meist (aber nicht immer) der angebotenen Qualität. Insbesondere die Schaftlänge ist ein Preiskriterium. Je länger dieser ist, um so tiefer kann gefräst werden. Mind. 2/3 der gesamten Schaftlänge muss nämlich in die Spannhülse gesteckt werden. Da das Angebot von Fräsköpfen sehr groß ist, empfehle ich nach dem Kauf der Oberfräse, sich erst mal einen "Grundstock" zu kaufen, mit dem man experimentieren kann. Hierzu reicht eine mittlere Qualität völlig aus. Ich habe mir einen Holzkoffer mit 30 Fräsköpfen (HM) für 120 Euro gekauft. Darin enthalten sind Abrund-, Profil-, Nut- und z. B. Fasenfräser unterschiedlicher Größe. Später kann man einzelne Fräsköpfe dazu kaufen. Dann weiß man auch, was man noch braucht.

Kopierring / Kopierhülse / Zentrierkegel
Um mehrere gleiche Teile zu fräsen, fertigt man eine Schablone an. Um diese dann nachfahren zu können, steckt oder schraubt man eine Kopierhülse an die Grundplatte der Oberfräse. Im Handel gibt es zudem interessante Hilfmittel, die mit Kopierhülsen arbeiten: zum Verzieren, Zinken, Zapfen uam.
Um Kopierhülsen genau zentriert an der Oberfräse zu befestigen, verwendet man einen Zentrierkegel. Dieser wird wie ein Fräskopf in die Spannhülse gesteckt und fixiert bei der Montage die Kopierhülse.

Netzkabel
Sehr hilfreich ist eine Steckverbindung direkt an der Oberfräse. Beim Wechsel der Fräsköpfe muss nämlich aus Sicherheitsgründen der Netzstecker gezogen werden. Da ist es viel einfacher, das Netzkabel an der Oberfräse abzuziehen, wie es jedesmal aus der Steckdose zu lösen.

Seitenanschlag und Führungsschine
Mit der Oberfräse bearbeitet man nicht nur die Brettkanten. Oft ist eine Fräsung auf der Brettober- oder Unterseite erforderlich. Dafür wird ein Seitenanschlag benötigt, der gewährleistet, dass die Fräslinie gerade wird. Sehr empfehlenswert ist auch eine Führung mittels Schiene. Beides ist jedoch herstellergebunden, so dass bereits beim Kauf darauf geachtet werden muss, ob dies als Zubehör nachgekauft werden kann.

Frästisch
Auf dem Markt findet man Frästische, in die man seine Oberfräse einbauen kann. Dies ermöglicht eine völlig andere Arbeitsweise. Denn nun wird das zu fräsende Holzstück bewegt und nicht mehr die Oberfräse. Entweder entlang eines Anschlages oder – wenn der Fräskopf einen Anlaufring hat – an diesem Anschlagring. Damit können auch kleine und unförmige Werkstücke bearbeitet werden, bei denen die Oberfräse keine Auflage hätte. Wer handwerklich schon etwas weiter ist, kann sich einen Frästisch selbst bauen. Eine kostenlose detaillierte Anleitung hierzu findet man z. B. bei www.hobbywood.de.

Viel Spaß und viele Erfolgserlebnisse!
Michael Stöckl
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