„Nur mit ins Bett nehme ich sie nicht.“ – Aus dem Leben eines Fahrradkuriers

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Jérôme Thiriet im Einsatz (Copyright: Jérôme Thiriet)
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Jérôme Thiriet im Einsatz (Copyright: Jérôme Thiriet)

Jérôme Thiriet machte bereits mit 16 Jahren erste Erfahrungen als Fahrradkurier. Mittlerweile ist der 32-jährige Betriebswirt Geschäftsführer der KurierZentrale GmbH in Basel und war in diesem Jahr Teilnehmer der Weltmeisterschaft der Fahrradkuriere in Melbourne. Welche Tipps für das eigene Bike gibt uns jemand, der sein Leben mit sieben Fahrrädern teilt?

Warum hast du dich für den Job als Fahrradkurier entschieden?

Das war Zufall. Ich bin im zarten Alter von 16 Jahren spontan für meinen Bruder eingesprungen und habe seine Schichten übernommen. Die Freiheit auf dem Rad, das Privileg, Rad fahrend Geld zu verdienen, und der bemerkenswerte Zusammenhalt unter den Fahrradkurieren haben mich dann bis heute in diesem Beruf gehalten.
Rasant unterwegs (Copyright: Jérôme Thiriet)
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Rasant unterwegs (Copyright: Jérôme Thiriet)

Welche Verletzungen hast du dir schon bei der Arbeit zugezogen?

Glücklicherweise bin ich bis heute von gröberen Verletzungen verschont geblieben. Außer ein paar Schürfungen und einer Radiusköpfchenfraktur gibt es in 16 Jahren in dem Beruf nichts zu berichten. Andere hat es da schon heftiger erwischt: Knochenbrüche sind in der Branche nichts Seltenes.

Bist du nach Feierabend auch ständig mit dem Rad unterwegs oder hast du dann genug?

Ein- bis zweimal wöchentlich mache ich nach Feierabend oder am Wochenende mit meinen Freunden vom Veloclub Peloton Rennradausfahrten in der Region. Man kann also sagen: Ich kann vom Radfahren nicht genug kriegen!

Kannst du dich überhaupt noch von deinem Fahrrad trennen – oder muss es überall mit hin?

Tatsächlich greife ich auch für die kürzesten Distanzen auf das Fahrrad zurück. Auch wenn es in den Urlaub geht, gehört das Rennrad zur obligatorischen Reiseausrüstung. Die Liebe zu den Fahrrädern geht soweit, dass alle sieben einen Platz in der Wohnung haben. Nur mit ins Bett nehme ich sie nicht.

Wie arbeitet es sich unter extremen Wetterbedingungen?

Manchmal ist das richtig hart. Bei Schneeregen und Minusgraden friert alles ein. Da ist es eine große Herausforderung, die Schicht bis zum Ende und dem erlösenden heißen Bad durchzuhalten. Auch Temperaturen über 30 Grad, wenn man kaum noch Abkühlung findet, sind wahnsinnig taff. Manchmal braucht es in diesem Job wirklich ausgeprägte Nehmerqualitäten. An schönen Tagen bei angenehmen Temperaturen draußen arbeiten zu dürfen, entschädigt aber vielfach für die wenigen wirklich harten Tage.
Check: Wohin geht es als Nächstes? (Copyright: Jérôme Thiriet)
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Mit welchem Fahrrad bist du unterwegs?

Auf der Kurierschicht fahre ich einen Singlespeed Crosser „Nature Boy“ der Marke All City.

Hast du Modifikationen am Fahrrad vorgenommen?

Ja. Ich passe jeweils die Übersetzung meinen Bedürfnissen an. Auch den Sattel tausche ich aus. Der muss wirklich bequem sein, wenn man den ganzen Tag darauf sitzt. Sattelhöhe und Vorbaulänge verändere ich auch, damit ich meine optimale Sitzposition erreiche. Sonst kriege ich schnell Ärger mit Knien oder Rücken. 

Was ist dein persönlicher Geheimtipp zur Fahrradoptimierung?

Wichtig ist, dass man bequem sitzt. Im Zweifelsfalle den Sattel lieber etwas tiefer einstellen und eine bequemere Variante montieren. Lohnend ist auch, die Bremsen zu überprüfen und gegebenenfalls gegen gut greifende Exemplare auszutauschen. Rechtzeitig anhalten zu können, ist hilfreich. Einen pannensicheren Reifen für den Stadtverkehr zu montieren, kann helfen, Reparaturkosten zu vermeiden. 

Was war das für eine Erfahrung, an einer Weltmeisterschaft für Fahrradkuriere teilzunehmen?

Die Weltmeisterschaften der Fahrradkuriere sind eine spannende Sache. Es gilt, auf einem abgesperrten Kurs so viele Sendungen wie möglich abzuholen und zu liefern. Wer am Ende des Tages am meisten Geld gemacht hat, ist der Sieger! Dabei kann man seine Berufsskills mit Kurieren aus der ganzen Welt messen. Nach den Rennen findet dann ein reger Austausch über das Leben als Kurier statt und man kann wunderbar Kontakte in die ganze Welt knüpfen. Das Feiern kommt ebenfalls nicht zu kurz. Die Fahrradkuriere sind eine kleine eingeschworene Gemeinschaft mit einem engen weltweiten Zusammenhalt. 
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