Nützliche Ratschläge für den Kauf von Fahrwerksteilen für eine Dnepr

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Nützliche Ratschläge für den Kauf von Fahrwerksteilen für eine Dnepr

Die Motorradbranche hat im Laufe der Jahre viele Namen hervorgebracht, wobei so manche Marke gar von einigen besonderen Modellen lebt. Yamaha, Moto Guzzi, Aprilia, KTM, Ducati oder Harley Davidson dürften jedenfalls selbst weniger interessierten Zeitgenossen mehr oder weniger bekannt sein.

Andere Hersteller wie BMW, Suzuki oder Honda sind wahrscheinlich eher für ihre Autos ein Begriff, bauen und vermarkten jedoch sehr wohl und quasi „nebenbei" eine recht breite Palette an Motorrädern aller Arten und Klassen. Wieder andere Hersteller sind längst Vergangenheit, beispielsweise MZ/MuZ, Heinkel, Matchless oder Adler. Manche Marken agieren hingegen bis heute, allerdings nur auf ganz wenigen Märkten.

So manche Marke ist auch im Zuge eines politischen Umbruchs verschwunden, was insbesondere für den ehemaligen Ostblock gilt. Eine Dnepr – oder Dnipro – beispielsweise wird wohl nur ostdeutschen Bundesbürgern bekannt sein, und selbst hier nur der älteren Generation oder Dnepr-Liebhabern. Und doch ist die Dnepr interessant, vor allem bei dem Bedarf nötiger Ersatzteile wie etwa dem Fahrwerk. Wie und wo solche Fahrwerksteile für entsprechende Motorräder selbst heute noch zu finden sind, verrät Ihnen dieser kleine Dnepr-Ratgeber.

Dnepr: Motorradhersteller aus der ehemaligen Sowjetunion

Vorweg dürfte jedoch erst einmal der genannte Hersteller als solches interessieren. Ansässig ist Dnepr – übrigens bis heute – in der Ukraine und somit der ehemaligen Sowjetunion. Tatsächlich wurde Dnepr erst nach dem Zweiten Weltkrieg und somit quasi mitten zu Sowjetzeiten gegründet, nämlich 1946. Wie einige andere sowjetische Produzenten war und ist Dnepr allerdings mehr eine Marke denn vollwertiger Hersteller und gehörte von Anfang an den Motorradwerken KMZ beziehungsweise den Kiewer Motorradwerken.

Dnepr steht vor allem für schwere Gespanne, die obendrein geländetauglich sind. Die Basis der Modelle stellten Motorräder der Sowjet-Marke Ural im russischen Irbit. Die Ural-Motorräder basierten ihrerseits wieder auf der BMW R 71, deren Pläne nach dem Krieg in die damalige UdSSR gelangten. Erstes Modell war schließlich die Dnepr M72, für welche die Konzernschwester Ural etliche Komponenten zulieferte.

Neben den „schweren" Modellen baute Dnepr anfangs außerdem leichte Motorräder mit nur 98 Kubik. Eine entsprechende Zweitakter-Maschine wurde in Russland als Kievlanin vermarktet, wobei auch hier die Technik aus Deutschland stammte, genauer von der Wanderer 98.

Modellübersicht: die Motorräder von Dnepr bis heute

In den 1960ern wandelte sich Dnepr schließlich zum Spezialisten für Offroad-Gespanne, was die ukrainische Marke wohl vor allem der Roten Armee verdankte. Für das russische oder vielmehr sowjetische Militär entwickelten die Kiewer die Dnepr MV-750, ein Gespann samt Zweirad- und Seitenwagenantrieb. Das Rad des Beiwagens diente bei der MV-750 somit ebenfalls als Antrieb, was die Maschine erst für das Gelände tauglich werden ließ.

Ebenfalls als Meilenstein der Entwicklung bei Dnepr gilt die K 650 ab 1967, die erstmals den sogenannten OHV-Motor nutzte. Eben diese Antriebe sollten für alle späteren Modelle der sowjetisch-ukrainischen Marke typisch werden, egal ob Gespanne oder Solomotorräder. Bekannte Modelle mit den besagten OHV-Motoren war beispielsweise die Dnepr MT-9 mit 650 Kubik, die als „Cossack" sogar in Westeuropa vertrieben wurde. Andere bekannte Modelle der Ukrainer waren die Dnepr MT 11 oder die Dnepr MT 16.

Der Niedergang: Mitte der 2000er wird Dnepr eingestellt

Mit dem Zusammenbruch der Sowjetunion in den 1990ern begann allerdings auch der Niedergang von Dnepr. Jedoch scheint der untergehende Ostblock nicht allein maßgeblich zu sein, denn bis 1989 hatte Dnepr rund zwei Millionen Motorräder gefertigt. Mit dem Fokus auf das Militär hatten diese allerdings unter Privatkäufern einen relativ schlechten Ruf, weswegen die heutige Fangemeinde eher überschaubar ist.

Die mangelnde Qualität dürfte somit ebenfalls ein Grund für den Untergang der Marke sein, die zuletzt übrigens noch drei Modelle im Programm hatte. Und auch das war auf eine recht kleine Klientel begrenzt, zumal eines der „Modelle" lediglich ein Motorrad-Anhänger war. Daneben wurden die Straßenmaschine Dnepr-11 sowie die Geländemaschine samt Beiwagen Dnepr-17 vermarktet.

Der Verkauf nach Deutschland wurde im Jahr 2000 eingestellt, da Dnepr-Motorräder seit diesem Zeitpunkt hiesige Abgasnormen nicht mehr erfüllen konnten. 2004 wurde die Produktion der Marke schließlich endgültig eingestellt, wobei KMZ bis heute aktiv ist. Mitte der 2010er Jahre sind wie zuletzt drei Modelle – ein Motorradgespann, eine Art Motorrad-Dreirad sowie ein Motorradhänger – erhältlich, die deutliche Ähnlichkeiten mit den ehemaligen Dnepr-Modellen zeigen. Mitunter wird sogar wieder der alte Markenname Dnepr verwendet, weswegen die Produktion zwischenzeitlich wohl wieder angelaufen ist.

Biker-ABC: was zählt beim Motorrad zum Fahrwerk?

Für Halter und Fahrer einer Dnepr wäre das sicherlich von Vorteil, denn in puncto Ersatzteile dürfte die Lage in diesem Fall deutlich besser aussehen. Da Dnepr-Motorräder wie gesagt nicht gerade den besten Ruf genießen und obendrein gezielt für das Gelände ausgelegt sind, können diverse Defekte und damit entsprechend nötige Reparaturen jedenfalls kaum ausgeschlossen werden. Als Offroader können diese beispielsweise das Fahrwerk der Dnepr betreffen. Doch woran können Sie als Laie Schäden am Fahrwerk erkennen?

Die Frage ist vielleicht einfacher zu beantworten, wenn man das Fahrwerk als solches erklärt. Zum Fahrwerk zählen quasi sämtliche Teile, die den Kontakt zur Straße oder zumindest dem Boden gewähren. Daher gehören Räder und Radaufhängung ebenso zum Fahrwerk wie Federn, Stoßdämpfer und sogar Lenkung oder die Betriebsbremse. Letztgenannte ist nicht zu verwechseln mit der Hand- oder Feststellbremse, sondern quasi jene Bremse, mit der Sie Ihr Motorrad oder Auto aktiv verzögern und abbremsen.

Biker-ABC II: woran Sie einen Defekt am Fahrwerk erkennen

Jede Art von Schäden zeigen die genannten Teile mit mehr oder weniger deutlichen Anzeichen. Eine defekte Lenkung erkennen Sie beispielsweise an der plötzlich schwierigeren Handhabung oder einer schlechten Straßenführung. Auch ein schlechtes Einlenken oder ein flatternder Lenker sind mögliche Anzeichen. Ein flatterndes Vorderrad kann hingegen schon in einer defekten Felge begründet sein, möglicherweise sind auch die Radlager verschlissen oder der Motorradreifen selbst beschädigt.

Defekte Federn und Dämpfer zeigen sich mit zu wenig oder zu viel Federung, einer durchschlagenden Gabel, einem pumpenden Hinterteil oder gar nur einem Quietschen. Wobei diese Fahrwerksteile nicht einmal defekt sein müssen und mit etwas Glück eine Überprüfung von Muttern oder Schrauben sowie Öldruck oder Spannung das Problem bereits beheben könnten.

Fehlerhafte und nicht mehr perfekt arbeitende Bremsen müssen schließlich wohl nicht näher erklärt werden. Wird der Bremsweg immer länger und die Bremswirkung dabei jeweils schwächer, ist ein baldiger Wechsel der Bremsen wohl angebracht.

Auf der Suche: Wie sieht es mit Ersatzteilen für die Dnepr aus?

So oder so sind langfristig neue Ersatzteile für die Dnepr nötig, die allerdings durchaus noch erhältlich sind. Zum einen wurden wie schon erwähnt bis Ende der 1980er zwei Millionen Motorräder produziert, womit entsprechende Ersatzteile quasi in Masse vorhanden sein sollten. Die frühere sowjetische Technik gilt zudem nicht gerade als komfortabel, dafür jedoch als robust und wartungsleicht.

Mit anderen Worten: Ersatzteile sollten nach wie vor zu bekommen sein, was auch für ältere Modelle der Marke gilt. Offizielle Händler in Deutschland werden Sie allerdings keine mehr finden, möglich sind aber durchaus Firmen, die Ersatzteile direkt aus der Ukraine beziehen und hier auf eigene Rechnung verkaufen. Parallel lohnen die typischen Wege, also beispielsweise Online-Börsen und Auktionshäuser. Die Suche nach eventuellen Fanclubs oder zumindest einzelnen Fanseiten sowie eigene Gesuche in speziellen Foren bringen mit etwas Glück ebenfalls Erfolg.

Hilfestellung: Wo könnten Dnepr-Fahrwerksteile zu finden sein?

Speziell beim Thema Fahrwerk und mit Blick auf künftige Schäden lohnt unter Umständen sogar der Ankauf einer kompletten Dnepr, wobei das Modell möglichst Ihrem eigenen entsprechen sollte. Werden Sie fündig – was bei zwei Millionen produzierten Maschinen wohl keine Überraschung wäre –, lohnt übrigens ein konkretes Nachfragen, wie lange die Maschine schon in Schuppen, Garage oder Scheune stand. Denn lange Standzeiten gehen ebenfalls zu Lasten des Fahrwerks, was übrigens ebenso für den verbauten Dnepr-Motor gilt.

Bei einer Standzeit von mehreren Jahren, die bei Garagen- oder Scheunenfunden keine Seltenheit wäre, besteht somit die Gefahr, dass gerade die gesuchten Fahrwerksteile bereits Schaden genommen haben. Besteht die Möglichkeit, schauen Sie sich die Maschine persönlich an. Werden Sie im Internet irgendwo in Sibirien fündig, lassen Sie sich via Mail Fotos senden, die heute mit jedem Handy geschossen werden können. Bestehen Sie auf Nahaufnahmen der gesuchten Ersatzteile.

Russisch als Vorteil: Dnepr-Recherche im ehemaligen Ostblock

Eine Anfrage direkt bei KMZ könnte ebenfalls Erfolg verheißen. Eine Website wird seitens des ehemaligen Herstellers der Dnepr jedenfalls nach wie vor betrieben, Kontaktdaten in Form von Telefon oder Mail werden genannt. Wer etwas Russisch oder noch besser Ukrainisch spricht, könnte KMZ daher sogar direkt kontaktieren.

Da Dnepr scheinbar wieder produziert und zumindest im ehemaligen Ostblock angeboten wird, wäre es sogar möglich, nagelneue Ersatzteile zu ordern. Inwieweit diese Aussage aber tatsächlich zutrifft, müssten Sie selbst recherchieren. Auf jeden Fall ist KMZ nach wie vor aktiv und selbst der Markenname scheint wiederbelebt. Eventuell kann Ihnen KMZ auch mit vergleichbaren Ersatzteilen aushelfen, die zwar nicht dem Original entsprechen, aber trotzdem verbaut werden können.

Tatsächlich dürfte der Versuch einer Kontaktaufnahme zu KMZ einigen Erfolg und unter Umständen sogar fabrikneue Originalteile bedeuten. Die Beherrschung der russischen oder ukrainischen Sprache dürften hierbei von Vorteil sein, möglicherweise genügen auch Kenntnisse des Englischen. Fazit: Der direkte Weg zu KMZ kann nicht schaden, sondern nur nützen. Ebenso lohnt eine Suche nach ehemaligen Dnepr-Importeuren, die vor allem in den neuen deutschen Bundesländern und somit der ehemaligen DDR zu finden sind. eBay verspricht ebenfalls einiges, zumal dort auch andere Teile wie ein Dnepr-Tank, Dnepr-Getriebe oder Dnepr-Vergaser angeboten werden.

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