Nützliche Hinweise zum Kauf gebrauchter Highend Anlagen

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Was heißt eigentlich Highend ? Man will den Klang authentisch reproduzieren ! Das erreicht man in der Regel mit neutral klingenden Geräten und Lautsprechern. Viele Leute glauben und meinen, das superteuere Geräte auch irgendwie supergut klingen müssen. Was supergut ist legen die Leute natürlich selber fest und das ist meist schon eine persönliche Geschmacksache, oder weil es beim Bekannten auch so klingt. Eine Highend-Anlage besticht durch natürlichen Klang der Instrumente und Stimmen und jetzt der Unterschied zur Oberklassen - durch deutlich mehr Raum in der Tiefe und Breite, mehr Bühne und Dynamik. Die Musik löst sich von den Lautsprechern. Schließt man die Augen denkt man, man sitzt vor dem Orchester, jedes Instrument läßt sich präzise orten und es klingt fast wie live. Da wollen wir hin - oder ?  Dieses Ziel erreichen wir in der Regel erst mit der High-End-Klasse. Kommt bei einer CD oder LP nicht "genügend" Baß und Druck rüber, dann ist entweder die Aufnahme schlecht oder der Künstler wollte nicht so dick auftragen. Jetzt mit Equilizer und Klangregeln am besten noch mit Loudness der Sache zu Leibe rücken - kann man machen - hat aber mit High-End nixs zu tun - ist die Kategorie DISCO ! damit beschäftigt sich dieser Ratgeber nicht.

Eine Audio-Kette ist nur so gut wie das schwächste Glied. Ein Super-CD-Player kann eine Mittelklasse Anlage nicht rausreißen. Das Signal muß unverfälscht verstärkt und über die gesamte Kette bis zu den Schallwandler ausgegeben werden. Meine Idee: Sich ein Gesamtkonzept überlegen - und in welchem Segment soll die Anlage denn liegen - Meine Empfehlung: Highend, darunter ist der zu betreibende Aufwand (auch finanziell) es nicht wert und wird immer wieder zu Unzufriedenheit und Neukäufen führen, Referenzklasse auch im ebay nicht bezahlbar, wer es kann Gratulation! Zur Orientierung können Bestenlisten von einschlägigen Audio-Magazinen dienen.  Jetzt im Fachhandel probehören mit eigenen audiophilen Referenz-CD´s (weil man die von der eigenen Anlage her gut kennt), sich preisliche Vorstellungen überlegen - was darf soll die gesamte Anlage kosten, was soll sie alles leisten (Stereo, 5 Kanal usw.). Der Trend geht aber eindeutig zum guten alten Stereo, denn Mehrkanal-Anlagen im Highend-Bereich sind sehr sehr teuer und dünn gesät. Bei sehr großen zu beschallenden Räumen könnte man zur Unterstützung der Highend-Stereo-Hauptanlage sich einen zusätzlichen kleineren Verstärker für rückwärtige Lautsprecher überlegen, wäre aber eher mehr experimentell und der letzte Schritt, aber soweit sind wir jetzt noch nicht. Alternativen der Geräte überlegen, weil im ebay wird zwar jeder Wunsch erfüllt, aber nicht zu jedem Preis und zu jedem Gerät/Hersteller. Und jetzt, wenn das ziemlich abgeklärt ist, hinten anfangen: also Lautsprecher, Endstufe (das muß total harmonieren) oder Lautsprecher, Vollverstärker (muß immer noch total harmonieren). Dieser Schritt wertet jede Oberklasse Anlage deutlich auf. Jetzt einen entsprechenden CD-Player dazu und eine ausbaufähige Basis wäre vorhanden. Vielleicht schon das Gesamtwerk ?  wenn der CD-Player einen variablen Ausgang hat und direkt an die Endstufe angeschlossen werden kann.  Sollen mehrere Klangquellen angeschlossen werden, kommt man um einen Vorverstärker nicht drumrum; dieser sollte und muß so klingen, als wäre er nicht da !  Wer kein Vinyl hat, sollte damit nicht noch eine weitere Baustelle aufmachen. Vinyl ist - richtig betrieben - besser als CD, aber der Aufwand ist immens hoch. Plattendreher 1.000 EUR aufwärts, Tonabnehmersystem ab 500,-, hochwertige Phonovorstufe bei MC, Plattenwaschmaschine, Antistatic-Hüllen usw. und - empfindlich sind die Scheiben auch noch. An der CD kommt aber so gut wie keiner dran vorbei. Dann lieber bei  dem CD Player entsprechend höheren Aufwand betreiben. Eine "Basis" High-End-Anlage wird NP etwa rund 10.000 Eur verschlingen, sorgfältig ausgesucht und zusammengestellt über ebay 4 - 5.000 EUR. Wem das zuviel ist muß sich in der Oberklasse orientieren. Man muß auch Zeit haben, sich diesem Hobby zu widmen und auch etwas lauter spielen zu können. Wir wollen jetzt nicht die Nachbarn ärgern, aber leise dahingedudelt kann keinen Lautsprecher so richtig zum schwingen bringen. Klein-Kinder, eine nichtverständnisvolle Ehefrau/Freundin/Partner, schallempfindliche Nachbarn alles Punkte die gegen den Ausbau eines solchen Vorhabens sprechen. Eine Reihe von Zeitgenossen sagen sich, mir ist das sowieso wurscht, ich höre das sowieso nicht - meine Message: Das Ohr schult sich, auch wenn man schon etwas älter ist.  Nach einer Weile des Einhörens, man hört die Unterschiede und Feinheiten, es ist unglaublich - aber es ist tatsächlich so ! Mir macht dieses Hobby sehr viel Spaß und ich kann super abschalten vom Alltag.

Das Herzstück der Anlage wird die Endverstärkung und die Lautsprecher sein (siehe oben) und stellt auch schon die Weichen wohin die Reise geht. Am besten hört man sich sehr gute Lautsprecher an, durchaus in Regionen 5.000 - 15.000 das Paar, abstriche kann man immer noch machen, aber man muß erstmal ein Gehör für solche Dinge entwickeln. Zum Beispiel Elektrostaten, ist man denen erst einmal verfallen und kann diese Teile auch vernüftig aufstellen und kann auch die gehobeneren Lautstärken zuhause hören, schöne Sache. Aber Elektrostaten sind Watt hunrige Wölfe ab 80 Watt-Sinus-Leistung geht es los, besser aber 200 oder 400 Watt - Sinus pro Kanal versteht sich. Aber da wird es gleich richtig teuer, die Elektrostaten kriegt man vielleicht für 800 - 1.600 EUR im ebay (bei älteren Teilen sollten neue Folien drauf sein), aber die Endstufen kosten dann richtig Geld ab 2.000 aufwärts, Krell, Mark Levinson, McIntosh, Symphonic-Line oder Burmester lassen alle herzlich grüßen. In diesem Segment wird das ganze auch mehr zur Königsklasse tendieren (Referenzklasse) als zur High-End-Klasse. Lautsprecher mit Horn sind ebenfalls eine Klasse für sich - man muß auch hier sich vorher intensiv mit beschäftigen und anhören. Hörner brauchen jedoch nicht soviel Endverstärkerleistung. Gerade in Verbindung mit Röhrenverstärkung sind Hörner sehr interessant.

Es ist natürlich richtig, das diesem Herzstück der Anlage beste Zutaten serviert werden müssen. Was vorne nicht reinkommt, kann hinten unmöglich rauskommen. Umgekehrt funktioniert die Sache aber ebensowenig, also guter Zuspieler, schlechte Verstärkung und/oder schlechte Lautsprecher - das Ergebnis dürfte klar sein. Wenn aber die Geräte eindeutig der Highend-Klasse zuordenbar sind, kann nicht soviel schief gehen (Audio-Punktzahl 90 aufwärts).

Kommen wirkungsgrad starke Lautsprecher zum Einsatz (ab 89 dB aufwärts) ist für Wohnraumverhältnisse keine allzu hohe Verstärkerleistung erforderlich. 10-30 Watt-Sinus bei Röhrenverstärkern, oder 30-80 Watt-Sinus bei Class-A oder Transistor-Verstärkern reichen bei weitem aus, da kann man auch mal Party machen. Bei Röhren ist die Leistung mit Faktor 3-4 zu multiplizieren, das entspreche in etwa dann dem Transitor-Äquivalent. Wichtiger wäre da schon der Frequenzgang der Endstufe. Obwohl wir maximal bis 18.000 Hz hören können, ist es für den Klang eher positiv, wenn der Endverstärker bis 30, 50 oder 100 KHz verstärken kann. Das liegt an den Oberwellen, die dann nicht verloren gehen und so in Wechselwirkung das Klanghaus audiophiler aufbauen können.

Röhre oder Transitor ? Diese Frage läßt sich pauschal nicht beantworten. Kommen Geräte und/oder Lautsprecher mit einem Eigen-"Sound" zum Einsatz plus Röhrenverstärkung, dann klingt das für mich nicht mehr natürlich und neutral - und wird einem früher oder später auf den Senkel gehen. Meine Idee sind neutrale Geräte und einem neutralen Lautsprecher mit Class-A Endstufe oder auch Röhren-Verstärkung betreiben. Röhren klingen in der Regel etwas analoger, jeder Hersteller hat so ziemlich seinen Klang. Es gibt Röhren die sehr analytisch klingen, meistens klingen Röhren aber eher mit vollerem sonoren Sound. Die Geräte und Lautsprecher muß man probehören, idealerweise zu Hause in den eigenen 4 Wänden.  Die Unterschiede Transistor, Class-A-Transistor und Röhre sollte man sich mit einem neutral klingenden Lautsprecher demonstrieren lassen. Möglicherweise das ganze nochmals wiederholen bis einem ziemlich klar ist, was man eigentlich sucht und möchte.

Wer gute Geräte sucht, sich aber nicht unbedingt Burmester leisten kann (auch im ebay nicht), dem würde ich AVM Geräte ans Herz legen, das dürfen ruhig schon ältere Teile sein. AVM ist unter Highend-Kenner schon lange eine feste Größe und ein offenes Geheimnis und bieten außerdem einen excelenten Service auch noch nach Jahrzenten. Ein AVM-V1 oder V3 Vorverstärker zeichnet sich durch Klangneutralität aus, wobei die V1 einen kleinen Tick direkter zur Sache geht, aber nicht nervig - bei Rock, Pop und Jazz eigentlich ideal. Die V3 ist da etwas runder, analoger, ebenfalls ohne Eigenklang. Der Tuner T1 reizt das Medium Radio schon sehr weit aus und man ist verblüfft, wie gut Radio klingen kann und welche Bühne er aufbaut. Ein CD-1 beispielsweise hat zwar "nur" 48.000 Oversampling, aber eine Schaltung und einen Klang - schon sehr, sehr gut. Beim CD-1 muß man darauf achten, das es eine Version mit integriertem DAC-Wandler ist, sonst wäre es nur ein reines Laufwerk (CD-Transport)  und man benötigte dann zusätzlich einen externen Wandler, idealerweise aus gleichem Haus. Der integrierte Wandler ist nahezu identisch mit der externen Variante, leider auf der Hauptplatine verbaut, also keine Steckkarte und somit nicht updatefähig. Klar es gibt bessere CD-Player, aber dafür dürfen dann auch mehr Euronen auf den Tisch gelegt werden. Wenn es eine Transistor-Endstufe sein soll, empfehle ich Class-A - die haben meist nicht soviel Leistung, klingen aber einfach besser, die typische Transitor-Härte fehlt völlig. AVM-M4 Monoblöcke wäre mit eine gute Wahl. Geheimtipp - Valvet Endstufe, die A2 mit 2x30 Sinus oder noch besser die Monos A3 mit je 40 Watt Sinus. Diese Leistungsangaben sind das untere Ende der Leistungsfähigkeit dieser Verstärker, denn die Valvet verfügen über üppige Netzteile und sind somit Pegelfest, ein pumpem beim Baß bei Spitzenpegeln gibt es da nicht, der Lautsprecher bleibt stets kontrolliert.  Die Valvet-Endstufen bauen eine unglaubliche virtuelle Klangbühne auf, bzw. erweitern sie nochmals ganz deutlich. Der Valvet L2-Vorverstärker ist klanglich ebenfalls sehr zu empfehlen (mit Röhren drinn), ist aber schon deutlich teuerer zu bezahlen - mit seinen zwei Drehknöpfen und Ein-/Ausschalter und sonst nichts - eine Augenweide. In diesem Preissegment buhlen aber auch schon mehrere Hersteller mit hervorragenden Geräten um die Gunst der Käufer. Prinzipiell sind auch Accuphase-Endstufen in die engere Wahl zu ziehen. Sie reproduzieren die Musik sehr genau, es fehlt da nichts, die Höhen, die Mitten, die Bässe alles perfekt - aber mir persönlich spielen sie zu schnell.

Sind alle Geräte wie empfohlen sehr neutral im Klang, dann könnte man auch durchaus eine Röhrenendstufe in Betracht ziehen, um vielleicht einen kleinen Tick analoger zu klingen. Von billigen China-Geräten rate ich ab, mit Ballad könnte man sich schon eher beschäftigen. Die McIntosh MC275 gefällt mir persönlich sehr gut, allerdings fehlt es mir etwas in den Höhen an Brillianz; dem kann aber durch andere Vorstufenröhren abgeholfen werden. Für Röhrenverstärker gilt auch wieder, probehören. Alleine ein Röhrenwechsel zu einem anderen Röhrenhersteller bewirkt soviel, als wäre es fast ein anderes Gerät. Auch sind die Endstufenröhren (KT88, EL34, 6550 usw.) nicht alleine für den Klang verantwortlich, auch die Vorstufenröhren haben ein gewichtiges Wörtchen mitzureden.

Generell gilt: Gute/sehr gute Verbindungskabel benutzen (Cinch, Lautsprecherkabel ect.) ist ein MUSS. Bessere Netzkabel und  phasenrichtigem Anschluß bringt ebenfalls noch einiges. Mit Netzfiltern muß man aufpassen, am besten bei gewerblichen Anbietern kaufen, denn man hat dort 4 wöchiges Rückgaberecht wenn es nicht den erwarteten Effekt bringt, oder eine Verschlimmbesserung eingetreten ist. Alle Kontakte sollte man konservieren und verbessern, das geht mit sogenannten Kontakt-Enhancern. Ich empfehle wonderlube hier im ebay für etwa 15-20 EUR, bringt die Sache klanglich einen guten Schritt nach vorne, sollten alle Kontakte mit dünn eingepinselt werden, außer Röhrenstifte - brennt sich vielleicht durch die Hitze ein und könnte eher Schaden anrichten.

Highend-Geräte haben den Vorteil, das selbst über viele Jahre hinweg keine nennenswerten Störungen auftreten, z.B. gibt es kein Kratzen beim Lautstärkeregler. Und wenn wirklich mal Service erforderlich sein sollte, dann am besten direkt zum Hersteller, der auch nach 10 oder nach 20 Jahren noch Service bietet, außer er ist Pleite. Bei CD-Playern ist allerdings nach etwa 10 Jahren oder rund 10.000 Betriebsstunden ein neuer Laser fällig - dies ist ein Verbrauchsteil und muss so akzeptiert werden ! Dafür spielt er dann wieder wie neu - die CD wird schneller eingelesen, die Titel schneller angesprungen, die Fehlerrate sinkt weit nach unten, was zur Folge einen deutlich besseren Klang hat.

Nun viel Spaß beim stöbern, probehören, sowie beim Neukauf bzw. Altkauf.

 Valvet L2 Vorverstärker mit Röhren

 

Valvet A3 Monoblock Endstufe in Class-A 1 x 40 Watt Sinus 8 Ohm

 

Valvet A2 Stereo Endverstärker Class-A  2 x 30 Watt Sinus 8 Ohm

Die Fronten gibt es wahlweise in Alu gebürstet, schwarz eloxiert oder ganz edel in Chrome

 

  Apogee Elektrostat - nur noch gebraucht zu bekommen, auf neue Folien achten !

 

 Martin Logan Elektrostat mit aktiven Baß - brauchen viel Platz um "richtig zu klingen"

 

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