Nostalgische Filmvorführungen: Tipps zum Kauf von Filmprojektoren für Schmalfilme

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Nostalgische Filmvorführungen – worauf Sie beim Kauf von Filmprojektoren für Schmalfilme achten sollten

Private Filmvorführungen sind heute relativ einfach zu gestalten: Schnell ist eine Leinwand aufgestellt, der Computer ein- und der Beamer zugeschaltet, und schon flimmern Bilder und Videos auf dem weißen Untergrund, fast wie im Kino.
Wenn jedoch ein Filmvorführgerät zum Vorführen von Schmalfilmen aufbaut wird, entsteht gleich eine andere Atmosphäre im Raum.

Amateurfilme – ein umfangreiches Hobby

Der Schmalfilmer hat in der Regel viel Zeit und Geld in sein Hobby gesteckt. Aus meist einer großen Menge Filmmaterial wurde in geduldiger Arbeit ein Film zusammengeschnitten und –geklebt und danach die Musik und Erläuterungen hinzugefügt. Auf diese Weise entstanden z. B. Dokumentation eines Ausflugs, von dem Bau eines Hauses, einer Familienfeier, vom Spiel der Kinder, als diese noch klein waren, und vielen anderen Begebenheiten.
Diejenigen, die eine Schmalfilm-Vorführung im privaten Rahmen schon einmal erlebt haben, freuen sich auf das leise Rattern des Filmtransports. Mit einem gewissen Bangen wird auf eine Show ohne Filmriss gehofft, auf das Knistern in der Tonspur gelauscht. Selbstverständlich sind Videos in unseren Tagen leichter zu drehen, zu bearbeiten und vorzuführen. Allerdings fehlt die Magie, die zweifellos von der Schmalfilmtechnik ausgeht. Ja, es gibt heute Möglichkeiten, einen Schmalfilm auf Video umzukopieren, aber zum Schmalfilm gehört eben auch das Flair des echten Filmmaterials – und das erstreckt sich natürlich auch auf das Vorführgerät.

Die wichtigsten Bestandteile eines Filmprojektors

Um einen ersten Überblick über die Technik zu vermitteln, folgen hier die wichtigsten Komponenten eines Filmprojektors:

  • Das Projektionsobjektiv: Entzerrt das Bild und projiziert es scharf und mit den richtigen Maßen auf die Leinwand.
  • Die Bildmasken: Dieses Bauteil wird auch Bildfenster genannt. Diese gibt es für die unterschiedlichsten Projektions- oder Bildformate, damit Tonspur und Perforation nicht auf der Leinwand erscheinen.
  • Die Umlaufblende: Diese wird auch als Sektor-Scheibe bezeichnet, dieses Bauteil unterbricht den Lichtstrahl, während der Film transportiert wird und auch noch für einen weiteren kurzen Zeitraums, in dem das Bild auf die Leinwand projiziert wird.
  • Der Kondensor: Diese Komponente projiziert die Lichtquelle auf die Blendenebene des Objektivs.
  • Das Ton-Gerät für Licht- oder Magnet-Ton: Mit diesem Gerät werden die Tonspuren des Filmes abgetastet.
  • Der Filmantrieb: Diese Komponente hat die Funktion, den Film in der Dunkelphase zu transportieren, um diesen während der Hellphase möglichst lange im Stillstand projizieren zu können. Der Film läuft in einer sogenannten Film-Bahn, wo er entlang einer optischen Achse geführt wird.
  • Die Lichtquelle: In früheren Zeiten waren dies beim 35-Millimeter-Film, wie er normalerweise in Kinos vorgeführt wurde, Kohlebogen-Lampen. Später wurden hierfür Xenon-Bogenlampen mit zwischen 900 Watt und 10 Kilowatt Leistung eingesetzt. Bei 16-mm-Filmen werden zum Teil Halogen-Glühlampen, zum Teil Xenon-Lampen verwendet. 8-mm-Filmprojektoren haben fast ausschließlich Halogenglüh-Lampen. Die 35-Millimeter-Filmprojektoren für den privaten Gebrauch in den frühen Jahren der Filmerei waren normale Glüh-Lampen oder gar Petroleum-Lampen
  • Die Lichtklappe: Dies ist eine metallene Blende zwischen Film und Lampe, die bei einem Stopp des Projektors oder einem Filmriss automatisch geschlossen wurde und so den nicht transportierten Film vor der Hitze der Lampen schützte. Wenn die Lichtklappe hakte, konnte das Filmmaterial schmelzen. Auch der Vorführer konnte die Klappe bedienen, um bestimmte Teile des Films auszublenden.

Schmalfilme von Kodak und Agfa und Co.

Nach dem 2. Weltkrieg blieben Kodachrome und Agfacolor nur für kurze Zeit ohne Konkurrenz. Weitere Produzenten von Filmen suchten in der Folgezeit nach Möglichkeiten, ebenfalls farbige Schmalfilme in den Handel zu bringen. Hier boten sich die mittlerweile bewährten Verfahren von Agfa und Kodak an. Die Konkurrenz strebte danach, Kodachrome aufgrund der überragenden Schärfeleistung und hohen Farbstabilität zu kopieren. Hierbei profitierten sie vom Ende der Schlüsselpatente von Kodak, obschon sie teilweise für den Prozess der Farbentwicklung Lizenzgebühren an Kodak bezahlen mussten.
Japanische Produzenten wie Fuji mit Fujicolor stiegen in das Geschäft mit den Farbfilmen ein. Ein ehemaliger Mitarbeiter von Kodak folgte in den Vereinigten Staaten von Amerika mit seinen Dynacolor und Dynachrome Filmen. In Europa starteten nicht nur Ilford in England, sondern auch Perutz mit dem Perutz Color C14 aus München mit der Schmalfilm-Herstellung. Selbst die ersten Fujichrome Single 8 Filme konnten ihre Verwandtschaft mit Kodachrome nicht verleugnen, bevor diese Anfang der 70er-Jahre auf das Ektachrome umgestellt wurden. 1965 war Single 8 in Konkurrenz zu Super 8 getreten und diesem in technischer Hinsicht überlegen.

Als Folge des verlorenen Weltkriegs verfielen 1945 die Patente bei Agfacolor. Aus diesem Grunde konnte Gevaert aus Belgien 1952 als ersten Schmalfilm Gevacolor R5 in den Handel bringen, der etwa 1959 von Zeiss Ikon als „Ikolor U12" dem westdeutschen Publikum vorgestellt wurde. Ebenfalls 1952 kam Ferraniacolor aus Italien auf den Markt. Dieses Produkt verdankte seine Herstellung der maßgeblichen Unterstützung ehemaliger Agfa-Chemiker. Ferraniacolor erfuhr eine Weiterentwicklung bis zu den 3M Color Movie Filmen, worin die Marke 1964 nach der Übernahme durch den US-Konzern 3M umbenannt worden war. Bis 1941 gehörte Ansco in den USA zum deutschen I.G. Farben-Konzern und damit zur Agfa. So konnten dort bereits 1938 Agfacolor 16 Millimeter Filme als „Ansco Color" produziert werden. Als das Unternehmen 1941 als sogenanntes Feindvermögen beschlagnahmt worden war, begann Ansco erneut mit der Herstellung und fertigte Ansco Color 16 Millimeter zunächst ausschließlich für die Armee der USA. Auf die höher empfindlichen Anscochrome von 1955 und Super Anscochrome von 1957 Diafilme folgten entsprechende 16 Millimeter Filme. Diese waren nicht nur noch höher empfindlich, sondern auch in der Farbwiedergabe und Körnigkeit wesentlich verbessert. Allerdings verwandte Ansco für das 8 Millimeter Format das Kodachrome-Verfahren.

Schmalfilme nach dem Ektachrome-Verfahren

Bereits während des 2. Weltkriegs entwickelte Kodak ein zweites Prinzip für den Farbfilm. Bei diesem Verfahren sind die Farbkuppler, die in einer öligen Harzsubstanz eingebettet sind, in Form von feinen Tropfen in den Filmschichten verteilt. Daher werden diese auch als ölgeschützte, wasserunlösliche Kuppler bezeichnet. Das Ektachrome-Verfahren, mit dem leichter als mit Kodachrome gearbeitet werden konnte und das daher im 2. Weltkrieg auch im militärischen Bereich verwendet wurde, wurde in der Folge praktisch für alle Farbfilme eingesetzt. 1967 kamen als die ersten auf dieser Basis funktionierenden Amateur-Schmalfilme die Ektachrome II Filme heraus. Die folgenden Entwicklungen führten über Ektachrome 40 und 160 bis zu Ektachrome 100D Super 8. Durch das Ektachrome-Verfahren wurden höhere Empfindlichkeiten der Filme ermöglicht.

Viele Schmalfilm-Produzenten sahen sich genötigt, aufgrund der führenden Rolle von Kodak aber auch wegen der Qualität der Ektachrome Filme in Farben und Feinkörnigkeit, das Ektachrome-Verfahren zu übernehmen. Darüber hinaus schlug auch der Vorteil der höheren Empfindlichkeit der Filme zu Buche. Auch die deutlich einfachere Verarbeitung des Materials bewirkte den Umstieg von Filmen des Kodachrome-Typs bei Fujifilm, 3M, Konica sowie für die bestimmte Farbschichten der Moviechrome Filme von Agfa-Gevaert. Super 8 und Single 8 Filme verloren Mitte der 80er-Jahre des vergangenen Jahrhunderts gegenüber Video an Bedeutung. 2012 hat Fujifilm das Ende des Verkaufs des letzten Fujichrome Single 8 Films Typ R25N angekündigt. Retro Enterprises, Tokio, kaufte unperforiertes Fujichrome Diafilmmaterial auf und stellte daraus Single 8 Filme her, die unter der Marke Cinevia in den Handel kamen. Super 8-Filme werden ebenfalls nach wie vor angeboten, darunter der neue Ektachrome 100D. Durch Unternehmen wie Wittner Cinetec in Hamburg lebt das Format Schmalfilm auch neben Kodak weiter.

Das Überspielen von Schmalfilm auf Video und DVD

Das Kopieren von Schmalfilmen war problematisch und für private Anwender mit recht hohen Kosten verbunden. In unserer Zeit ist es möglich, die Schmalfilme auf DVD oder Video zu kopieren. Das Verfahren, Schmalfilme von der Leinwand mit einer Videokamera abzufilmen, führte nicht zu zufriedenstellenden Ergebnissen, weil weder die Bildfrequenz in Einklag gebracht werden konnte, noch die Lichtstärke an jeder Stelle des Bildes einheitlich war, was beispielsweise zu einer helleren mittleren Bereich und Unterbelichtungen an den Rändern führte. Professionelle Kopierwerke verwendeten, ebenso wie beispielsweise Fernsehsender, Filmabtaster mit Einzelschaltung. Selbst die Ergebnisse der Kopieranstalten entsprachen nicht immer allen Erwartungen und waren darüber hinaus relativ kostspielig.

Für den Hobby-Filmer, der etwas handwerkliches Geschick mitbrachte und die erforderliche Geduld besaß, gab es jedoch ein Verfahren, das recht gute Ergebnisse brachte und auch relativ kostengünstig war. Hierbei ist die Methode der Digitalisierung des Films mithilfe eines guten Flachbettscanners gemeint. Die Direktabtastung von Schmalfilmen brachte ebenfalls sehr gute Ergebnisse. Hierbei werden die Filme nicht gescannt oder projiziert, sondern im Filmfenster modifizierter Projektoren aufgezeichnet. Zu diesem Zweck wurde die Geschwindigkeit des Projektors manipuliert. Unerlässlich hierfür waren Spezial-Objektiv und Speziallampe mit Helligkeitsregelung. Das Ergebnis war ein flackerfreies Video - ohne Unschärfen und ohne Hotspot.

Trotz der verschiedenen Möglichkeiten des Überspielens von Schmalfilmen auf DVD oder Video lassen sich nostalgische Filmvorführungen nur mit originalen Projektoren dieses Formats realisieren.

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