Nostalgie-Handys der 90er: Knochen, Klappen & Bananen

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Kaum zu glauben, dass der Massenmarkt für Handys schon ein Vierteljahrhundert alt ist. Die Geräte aus den 1980er und 1990er-Jahren galten als Pioniere ihrer Art. Heute sind sie kultige Telekom-Oldtimer.

Raten Sie mal, wie lange es schon Mobilfunk gibt?

Die Anfänge der kommerziellen Nutzung reichen bis in die 1940er zurück. Die ersten Geräte waren allerdings fest in Fahrzeugen verbaut. Und kosteten oft mehr als die Autos selbst. Bis in die 1980er schrumpften Mobiltelefone dann zunächst auf die Größe eines Koffers, später waren sie so groß wie Kofferradios. Wer noch die smarten Cops aus der Kultserie „Miami Vice“ kennt, erinnert sich an die ersten TV-Einsätze cooler Mobiltelefone mit Antenne.
 


Der Urknochen: Motorola erfindet das Handy

Schon Mitte der 1980er gelingt es Motorola ein Gerät zu entwickeln, das man – wenn auch mühsam – in einer Hand halten kann: das Dynatec 8000X. Schon besser geht das 1992 mit dem „Knochen“. Das „International 3200“ verdankt den Spitznamen seiner klobigen, in der Mitte abgesenkten Form. Schnell avanciert das Handy zum Statussymbol der Reichen und Schönen. Damals übrigens schon ein digitales GSM-Telefon – in den meisten Mobilfunknetzen von heute funktioniert es immer noch. Seine Weiterentwicklung nennt sich „International 5200“. Es ist wesentlich handlicher als sein Vorgänger und mit einem ausklappbaren Mikrofonteil ausgestattet.
1996 gelingt Motorola ein Design-Geniestreich: Mit dem „StarTac“ ist das Klapphandy geboren. Es wiegt weniger als 100 Gramm und erlebt unzählige Neuauflagen bis in die Anfänge des 21. Jahrhunderts.


Siemens S1 – Handys made in Germany

Bis Anfang der 1990er-Jahre bringt Siemens noch schwergewichtige Kofferhandys auf den Markt. Dann startet 1994 die S-Serie. Das S1 von Siemens ist das erste echte Handy „made in Germany“. Bei knapp 400 Gramm Gewicht und den Maßen 20 x 6 x 3 cm sind Muskelkater und Handkrampf beim mobilen Telefonieren von nun an vorbei.
1997 glänzt Siemens mit dem S10, das weltweit erste Gerät mit farbigem Display. Zwei Jahre später macht das SL10 als Slider-Handy von sich reden. Doch trotz aller Innovation kann Siemens auf dem Weltmarkt nicht mit Motorola und Nokia mithalten. 2005 verkaufen die Münchner ihre Handysparte an BenQ.


IBM-Intermezzo: Simon der Zauberer

Eine bemerkenswerte Fußnote der Mobilfunkgeschichte ist IBMs Simon aus dem Jahr 1993. Simon ist das erste Smartphone, bevor der Begriff überhaupt geprägt wurde. Denn das Gerät hat einen Touchscreen, beherrscht E-Mail, Fax und integriert Apps wie Kalender, Taschenrechner und Terminverwaltung. Kurios: Der Ausflug von IBM in den Mobilfunkmarkt währt nur kurze Zeit; schon nach weniger als einem Jahr verschwindet es einfach wieder vom Markt.


Nokia: Gummistiefel machen mobil

Nokias Weg führt von Papiererzeugnissen über Reifen und Gummistiefeln zur Hightech-Schmiede. Der finnische Konzern übernimmt in den 1990ern die Führung auf dem internationalen Handymarkt. Der Grund: eine riesige Modellpalette für verschiedene Zielgruppen, gut durchdachte Benutzerführung und hohe Verarbeitungsqualität.
1992 wird das Nokia 1011 zum Konkurrenten für Motorolas International. Der Bestseller markiert gestalterisch den Übergang vom Knochen zum Riesen-Schokoriegel. Vier Jahre später kommt das vielleicht erste Volkshandy: Bewusst reduziert und deshalb für viele erschwinglich überzeugt das Nokia 1610 über 50 Millionen Käufer. Geschäftsleute bevorzugen allerdings zu dieser Zeit eine „Banane“: Das gebogene Nokia 8110 ist als hochwertiges Business-Handy konzipiert. Es bringt große Leistung bei kleinen Maßen und kommt mit Schutz-Schieber für die Tastatur. Der Megaseller 3210 ist schon seit Ende der Neunziger im Einsatz und wird noch immer millionenfach genutzt.


Oldies im Hier und Jetzt

Besonders die Geräte aus den frühen 1990er-Jahren sind inzwischen Sammlerstücke. In technisch gutem Zustand werden sie zu ähnlich hohen Preisen gehandelt wie damals. Großes Manko: die altersschwachen Akkus. Die ohnehin recht kurzen Standby- und Gesprächszeiten eignen sich nicht zur alltäglichen Nutzung unserer Zeit. Besser, man lässt die Handy-Oldtimer nur zu besonderen Gelegenheiten aus der Garage.
Geräte aus den späten 1990ern sind noch reichlich verfügbar. Besonders die Modelle von Nokia erweisen sich als beinahe unverwüstlich. Sie überleben selbst Treppenstürze und Toilettentauchgänge. Praktisch für alle, die mit ihrem Handy nur eins wollen: zuverlässig telefonieren.

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