Nie ohne Warnweste am Unfallort!

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Nie ohne Warnweste am Unfallort!

Niemand möchte, dass es passiert, doch vor Unfällen ist man nie völlig gefeit. Ein Auffahrunfall in der Stadt kann schon durch eine kleine Unaufmerksamkeit verursacht werden. Doch noch viel schlimmer ist es, wenn ein Unfall an einer schnell befahrenen Bundesstraße oder auf einer Autobahn passiert. Selbst, wenn beim Unfall niemand verletzt wurde, kann danach noch immer Gefahr bestehen. Denn durch nachkommende Autos, die Sie nicht sehen, kann schnell ein weiterer Unfall verursacht werden. Und das nicht nur, wenn Sie nach Einbruch der Dunkelheit verunfallen. Auch Nebel, schlechte Wetterbedingungen, blendendes Licht oder Kurven und Fauna können die Sicht behindern.

Um dies zu verhindern, hat der Gesetzgeber bestimmte Vorschriften erlassen, wie etwa das Aufstellen eines Warndreiecks. Das haben auch Sie sicher jederzeit dabei. Im Falle eines Unfalls können Sie jedoch für noch mehr Sicherheit sorgen, indem Sie eine Warnweste tragen.

Dieser Ratgeber liefert Ihnen Informationen rund um das Thema Warnweste, damit Sie am Unfallort optimal geschützt sind und andere Verkehrsteilnehmer rechtzeitig gewarnt sind.

Was genau soll die Warnweste bei einem Unfall eigentlich bewirken?

Eine Warnweste, oftmals auch Signalweste genannt, sorgt dafür, dass Ihr Träger von anderen Menschen besser gesehen werden kann. Entsteht ein Verkehrsunfall, ist es besonders wichtig, dass Sie so frühzeitig wie möglich von anderen Verkehrsteilnehmern wahrgenommen werden. Und dazu reicht auch nicht Ihre normale Kleidung, auch wenn Sie vielleicht gerade etwas sehr Helles anhaben. Den Effekt, den Warnwesten erzielen, können Sie gut an Arbeitern im Straßenbau sehen, die stets solche Signalwesten tragen und damit auch auf großer Entfernung wahrgenommen werden.

Der Fahrer eines herannahenden Autos erkennt Sie in der Warnweste frühzeitig und kann sicher ausweichen.

So funktioniert eine Warnweste: Aufbau und Spezialbeschichtung sorgen für gute Erkennbarkeit

Besser als normale, helle Kleidung wirken Warnwesten vor allem deshalb, weil sie in einer sogenannten Tagesleuchtfarbe gehalten sind und zusätzlich mit retroreflektierenden Streifen ausgestattet werden. Tagesleuchtfarben haben eine spezielle Beschichtung, die mehr sichtbares Licht reflektiert als einfällt. Sie werden mit Leuchtpigmenten eingefärbt und sind dadurch noch viel besser erkennbar als zum Beispiel Rückstrahler an einem Fahrrad.

Die Warnweste funktioniert sowohl bei Tageslicht als auch bei Nacht. Tagsüber wird von der Fläche mit Tagesleuchtfarbe das einfallende Sonnenlicht genutzt, indem das normalerweise nicht sichtbare UV-Licht durch Fluoreszenz in sichtbares Licht umgewandelt wird. Die Weste erscheint dadurch wesentlich heller als normale Kleidung, die kein UV-Licht nutzen kann.

Bei Nacht sorgen die retroreflektierenden Streifen dafür, dass einfallendes Licht – zum Beispiel von den Scheinwerfern eines Autos – zurückgeworfen wird. Nachts sollten Sie deshalb möglichst nah an einer Lichtquelle stehen, um mit Warnweste gut gesehen zu werden. Das Abblendlicht Ihres Fahrzeuges reicht schon aus.

Damit diese beiden Effekte optimal funktionieren, müssen Warnwesten übrigens stets geschlossen getragen werden.

Die gesetzlichen Regelungen zu Warnwesten in Deutschland und Österreich

In Deutschland ist das Tragen oder Mitführen von Warnwesten für Privatpersonen nicht Vorschrift, wird aber trotzdem empfohlen. Allerdings ist es Pflicht für alle gewerblich geführten Fahrzeuge, die mehrspurig sind und deren Inhaber bei der Berufsgenossenschaft versichert sind. Ausnahmen sind nur Fahrzeuge, die über Funk verfügen und für die Werkstattwagen bereitstehen. Sitzt in dem Fahrzeug regelmäßig ein versicherter Beifahrer, muss auch für diesen eine Warnweste mitgeführt werden.

Im Nachbarland Österreich gilt seit 2005 Mitführpflicht von Warnwesten für alle mehrspurigen Fahrzeuge. Dazu gehören sogar Microcars und Quads. Nur Motorradfahrer sind davon ausgenommen. Zu tragen sind diese Warnwesten immer dann, wenn auch das Aufstellen des Warndreiecks Pflicht ist. Durch das frühzeitige Erkennen von Personen auf der Fahrbahn haben sich bis 2010 in Österreich solche Unfälle um 39 % vermindert.

Der Unterschied zwischen Ausrüstungs- und Verhaltensvorschriften

Bei den Verhaltensvorschriften bezüglich der Warnweste unterscheidet man zwischen der sogenannten Ausrüstungsvorschrift (also dem Mitführen der Warnweste) und der Verhaltensvorschrift, die im konkreten Falle eines Unfalls oder einer anderen Verkehrssituation das tatsächliche Tragen der mitgeführten Warnweste vorschreibt. Sind Sie zum Beispiel im Ausland unterwegs, gelten dort für Sie die Verhaltensvorschriften des jeweiligen Staates, aber nicht zwangsläufig die Ausrüstungsvorschriften. Für Länder, in denen das Tragen einer Warnweste bei Unfällen Pflicht ist, sollten Sie vorsichtshalber immer eine dabei haben. Das dient schließlich auch Ihrer eigenen Sicherheit.

Warnwestenpflicht: Gesetzliche Regelungen in diversen europäischen Urlaubsländern

In vielen europäischen Ländern herrschen Mitführpflicht und Tragepflicht für Warnwesten. Wenn Sie in eines dieser Länder in Urlaub fahren möchten, sollten Sie sich über die jeweiligen gesetzlichen Regelungen informieren. Tragepflicht besteht zum Beispiel in Belgien, Frankreich, Italien, Spanien, Portugal, Norwegen, Tschechien, Kroatien und Ungarn. Eine solche Regelung besteht hingegen noch nicht in Ländern wie Schweden, Polen, Großbritannien, die Schweiz und Irland. In Finnland besteht zwar keine Pflicht, eine Warnweste nach Norm zu tragen, jedoch müssen alle Fahrer Kleidung mit reflektierendem Material tragen, wenn Sie nachts das Auto verlassen.

Die richtige Warnweste kaufen: Normen und Klassen von Warnkleidung

Wenn Sie Warnwesten kaufen möchten, sollten Sie wissen, dass es Normen und Klassifizierungen für Warnkleidung gibt. Warnwesten unterliegen den Normen EN 471 und EN 1150. Warnwesten mit der Norm EN 1150 sind nur für die Freizeitanwendung gedacht, also nicht für den professionellen Gebrauch. Für diese Art Westen reicht schon ein einziger Reflexstreifen von der Breite 2,5 cm. Warnwesten mit der Norm 471 sind dagegen für die gewerbliche Anwendung gedacht und müssen über zwei umlaufende Reflexstreifen verfügen, die 5 cm breit sind.

Warnkleidung der Norm 471 ist zudem noch in drei verschiedenen Schutzklassen unterteilt:

  • Klasse 1: Die Fläche des fluoreszierenden Materials muss mindestens 0,14 m² betragen, die des reflektierenden Materials mindestens 0,10 m²
  • Klasse 2: Die Fläche des fluoreszierenden Materials muss mindestens 0,50 m² betragen, die des reflektierenden Materials mindestens 0,13 m²
  • Klasse 3: Die Fläche des fluoreszierenden Materials muss mindestens 0,80 m² betragen, die des reflektierenden Materials mindestens 0,20 m²

Für Warnwesten, die im Straßenverkehr vorgeschrieben sind, ist mindestens Klasse 2 erforderlich. Für Personen, die im Rettungsdienst arbeiten, wird Klasse 3 empfohlen, da dies zumeist komplette Warnjacken sind. Für Menschen, die im Pannendienst arbeiten, ist Klasse 3 sogar Vorschrift.

Wenn Sie sich eine Weste für den Gebrauch bei Unfällen kaufen möchten, achten Sie also darauf, dass diese der Norm EN 471 entspricht und mindestens Schutzklasse 2 hat.

Die Farbe der Warnweste – orange oder gelb tragen?

Wie Ihnen bei der Suche nach einer Warnweste schnell auffallen wird, gibt es Westen in verschiedenen Farben. Zumeist können Sie gelbe und orangefarbene Westen finden, manchmal gibt es auch rote oder grüne Westen.

Die Farbe ist kein Hinweis dafür, ob eine Weste schlechter oder besser als eine andere ist. Es ist Ihrem Geschmack überlassen, welche Farbe Sie wählen. Achten Sie nur darauf, dass Ihre Weste, egal in welcher Farbe, der Norm EN 471 entspricht, wenn Sie sie für den Gebrauch im Straßenverkehr kaufen.

Die richtige Größe: Nur gute Passform gewährleistet besten Schutz

Beim Kauf einer Warnweste ist es ebenso wichtig auf die richtige Größe der Weste zu achten, wie auf die richtige Norm. Sitzt eine Weste nicht richtig, kann sie ihre Wirkung nicht optimal entfalten. Das gilt auch, wenn sie nicht richtig geschlossen werden kann, weil sie zu klein oder zu locker ist. Es gibt Westen in allen Größen: S, M, L und XL und auch Kinderwesten für verschiedene Altersgruppen.

Andere Namen für Warnwesten: Pannenweste, Unfallweste und Co.

Mitunter wird Ihnen bei der Suche nach einer Warnweste vielleicht auffallen, dass diese auch unter anderem Namen angeboten werden. Zum Beispiel als Pannenweste, Unfallweste oder Sicherheitswarnweste. Auch hier gilt, dass Sie sich nur darauf konzentrieren sollten, welcher Norm die Weste entspricht, unabhängig davon, wie sie genannt wird. Ein anderer Name muss nicht bedeuten, dass die Weste nicht für ihren Zweck geeignet ist.

Andere Verwendungen von Warnwesten außerhalb des Straßenverkehrs

Warnwesten kommen mitunter auch in anderen Bereichen zum Einsatz. Wie Sie schon gesehen haben, gibt es zum Beispiel Westen der Norm EN 1150, die für den Freizeitbereich gedacht sind. Bei Gemeinschaftsjagden etwa ist das Tragen von Warnwesten sogar Pflicht – für Mensch und Jagdhund. Auch im Wassersportbereich kann sich das Tragen von Warnwesten empfehlen.

Des Weiteren werden Warnwesten auch zur Kennzeichnung von Sicherheitspersonal bei Massenveranstaltungen, an Flughäfen und Häfen, Behörden und Organisationen verwendet, sowie von Bauarbeitern auf der Baustelle.

Aufbewahrung von Warnwesten im Fahrzeug: Richtiges Lagern verlängert die Wirkung

Wenn Sie eine Warnweste gekauft haben und für den Notfall bereithalten möchten, mag es verlockend sein, die Weste nicht im Kofferraum oder im Handschuhfach aufzubewahren. Manche Fahrer drapieren Ihre Weste für leichte Erreichbarkeit einfach über der Rückenlehne. Davon wird aber abgeraten, denn dort ist die Weste oft starker Sonneneinstrahlung ausgesetzt – und diese vermindert in nur kurzer zeit erheblich die Fluoreszenzeigenschaften der Weste. Dadurch kann die Weste im echten Notfall keine Schutzwirkung mehr haben und Sie und alle anderen Verkehrsteilnehmer gefährden. Bewahren Sie Ihre Weste daher lieber geschützt vor Sonneneinstrahlung im Kofferraum oder Handschuhfach auf.

Sie sehen: Auch wenn Warnwesten für Privatpersonen nicht Vorschrift sind, sollten Sie stets eine dabeihaben, um sich und Ihre Lieben im Falle eines Unfalls schützen zu können.

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