Neue Bastel- und Filzideen mit Wolle, Nadeln und Vlies

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Filzfreunde aufgepasst: Neue Bastelideen und Wissenswertes über Wolle, Nadeln und Vlies zum Filzen

Filzen ist ein sehr schönes und zugleich ungemein praktisches Hobby. Wasserfeste Hüte und warme Hausschuhe sind nur zwei der vielfältigen Einsatzgebiete der kunstvoll gefilzten Wolle. Auch Applikationen, Schmuck, Kinderspielzeug und Haarschmuck lassen sich aus dem Naturmaterial herstellen. Wer sich die Möglichkeiten des Filzens genauer vor Augen führen möchte, kann sich in zahlreichen Bastelbüchern zum Thema „filzen" Inspirationen einholen.

Filzen ist dabei eine ganz besondere Art der Textilienherstellung. Hierbei wird der Stoff nicht durch Weben oder Stricken erstellt, vielmehr macht man sich die raue Oberflächenstruktur von Wolle zunutze. Die einzelnen Fasern werden dabei ungeordnet miteinander verfilzt, sodass ein festes, nicht leicht zu trennendes Fasergut entsteht. Auf diesen Prozess, der in unterschiedlichen Varianten angegangen wird, möchten wir im nächsten einführenden Punkt genauer eingehen.

In diesem Ratgeber sollen Sie erfahren, welche Arten des Filzens es gibt und welche Varianten für Ihre ganz persönlichen Zielsetzungen geeignet sind. Außerdem lernen Sie die wichtigsten Grundbegriffe, das Werkzeug und das passende Zubehör zu Ihrem neuen Hobby kennen.

Was bedeutet filzen und wie funktioniert es?

Durch das Filzen werden feste und nicht wieder auftrennbare Textilien aus Wolle hergestellt. Es handelt sich bei Filzstoffen also um nicht gewebte oder gestrickte Textilien, da diese sich wieder lösen lassen. Filzstoffe haben dabei viele Vorteile, die sich im Tragekomfort und im Aussehen niederschlagen. Filzstoffe sind sehr robust und unempfindlich gegenüber Nässe. Die Struktur der Wolle ermöglicht es, dass die Wolle zwar die Feuchtigkeit des Körpers in sich aufnimmt, an der Oberfläche jedoch wasserabweisend ist. Durch die poröse Struktur der Wolle besteht sie zu einem Großteil aus Luft. Diese Luft wird durch den Körper erwärmt und dient als zusätzliche Wärmeschicht. Aus diesem Grund wirkt Wolle im Gegensatz zu anderen Fasern besonders wärmend.

Werden bereits gefertigte Gewebe oder Strickstoffe im Nachhinein verfilzt, spricht man von sogenannten Walkstoffen. Die Vorform der zu verfilzenden Textilien nennt man Loden. Filz kann aus tierischen, pflanzlichen aber auch aus chemischen Fasern hergestellt werden. Zur Verarbeitung der jeweiligen Grundmaterialien werden dafür unterschiedliche Verfahren eingesetzt. Diese möchten wir Ihnen nun genauer vorstellen.

Nassfilzen oder Walkfilzen: Ein uraltes Handwerk mit großem Naturbezug

Nassfilzen ist ein sehr altes Handwerk, das bis in die Jungsteinzeit zurückgeführt werden kann. Viele Wissenschaftler gehen sogar davon aus, dass das Filzen zur Textilherstellung älter sei, als die Technik des Webens. Wolle und Tierhaare werden beim Nassfilzen mit Wasser und Seife behandelt. Dafür werden die Fasern zunächst gekämmt und glatt gelegt, unter Umständen auch gefärbt. Nun werden Wasser und die alkalische Seifenlauge hinzugefügt und in die Fasern eingearbeitet. Dieser Vorgang, den man mit Knetbewegungen vergleichen kann, wird Walken genannt – die Produkte dieses Prozesses nennt man daher Walkstoffe. Man kann die Stoffe per Hand walken, indem man den Stoff in nasse Tücher einwickelt und rollend knetet. Diese Methode wird auch heute noch bei vielen Naturvölkern eingesetzt. Bei der mechanischen Verarbeitung zu Filzstoffen wurden im Mittelalter sogenannte Walkmühlen eingesetzt. Dabei wurde unter fließendem Wasser mit Hämmern auf das Material geschlagen.

Durch das Wasser und die Seifenlauge stellt sich die schuppenartige oberste Hornschicht der Naturwolle auf. Das gleichzeitig durchgeführte Walken bewirkt, dass sich die Fasern gegenseitig durchdringen und dass die Hornschichten sich wie Widerhaken ineinander verfangen. Das führt dazu, dass sich die Fasern miteinander zu einer unauflösbaren Fläche verbinden.

Nassfilzen eignet sich vor allem dafür, Textilien herzustellen. Dabei muss man nicht zwingend mit gekämmter Wolle arbeiten. Auch gestrickte Textilien, zum Beispiel Hausschuhe, lassen sich mit der Walktechnik verfilzen. Dabei ist zu beachten, dass das gefilzte Textil stark zusammenschrumpft. Neuere Produkte, wie spezielle Filzwolle zum Häkeln und Stricken, lassen sich auch in der Waschmaschine verfilzen. Die gefilzten Produkte können im nassen Zustand noch relativ einfach in Form gezogen werden. Sobald sie jedoch getrocknet sind, bleiben die Fasern fest in dieser Form ineinander verankert. Die Form kann mit etwas Geschick und Übung nahtlos aus einem Stück moduliert werden. Neben Stoffen und Textilien kann man mit der Nassfilzmethode auch kleinere Figuren, Bälle oder ähnliche Formen herstellen. Im Gegensatz zum Trockenfilzen oder Nadelfilzen bietet Nassfilzen etwas gröbere, dafür aber auch festere Ergebnisse.

Trockenfilzen oder Nadelfilzen: auch mit synthetischen Fasern zu verarbeiten

Beim Trockenfilzen oder auch Nadelfilzen werden die trockenen Wollfasern mithilfe spezieller Filznadeln in Form gebracht. Nadelfilz wird mechanisch mit zahlreichen Nadeln hergestellt, die mit Widerhaken ausgestattet sind. Diese sind umgekehrt wie eine Harpune geformt, damit der Haken zwar die Fasern miteinander verhakt, aber dennoch einfach wieder herausgezogen werden kann. Durch wiederholtes Einstechen der Nadeln werden die Fasern in der gewünschten Form miteinander verschlungen. Bei der mechanischen Herstellung von Nadelfilz werden die Materialien oftmals danach noch mit Wasser oder Chemikalien nachbehandelt, um die Fasern in Form zu halten.

Nadelvliesstoffe können nicht nur aus Wolle, sondern auch aus allen anderen Fasern erstellt werden. Im Gegensatz zum Nassfilzen wird hierbei nämlich nicht die Schuppenstruktur des Materials eingesetzt, um die Fasern miteinander zu verbinden. Aus diesem Grund können auch glatte Materialien, wie Polyacryl oder Polyester verwendet werden. Deswegen ist Nadelfilz heute der übliche industriell hergestellte Filz.

Filzen: Mit diesen Materialien und Werkzeugen beginnen Sie Ihr Filz-Projekt

Nun, da Sie die verschiedenen Filzarten kennengelernt haben, können Sie Ihr Filzprojekt angehen. Generell unterscheidet man dabei zwischen den Filzarten, wie dem bereits erklärten Trocken- und Nassfilzen und den daraus resultierenden Endprodukten. Dies können Stoffe, Hüte, Schuhe, Jacken, Westen oder Schals, aber auch figürliche Arbeiten, wie Applikationen, Anhänger und Schmuck sein. Wir möchten Ihnen nun die wichtigsten Werkzeuge und Zubehörteile vorstellen, die Sie für Ihr Filz-Projekt benötigen.

Die richtige Wolle finden: Vlies, Wolle und Garne zum Filzen

Um mit dem Filzprojekt zu beginnen, müssen Sie sich zunächst über die benötigte Filzwolle Gedanken machen. Während für das Trockenfilzen auch nicht natürliche Fasern infrage kommen, sind für das erfolgreiche Nassfilzen auf jeden Fall Wollfasern vonnöten. Diese können Sie entweder als Kammzug, oft auch Märchenwolle genannt, oder als Vlies erwerben. Naturwolle ist in den verschiedensten Färbungen erhältlich, sodass Sie in der Farbauswahl keinerlei Kompromisse eingehen müssen.

Eine weitere Möglichkeit ist sogenannte Filzwolle für die Waschmaschine, die aus einem gesponnenen Wollgarn besteht. Dieses Wollgarn können Sie nun häkeln oder stricken und so in die Wunschform bringen. Nachdem Sie zum Beispiel den Hausschuh, die Mütze oder die Handtasche fertiggestellt haben, können Sie die Fasern miteinander verfilzen. In vielen Fällen ist diese Art der Filzwolle dafür geeignet, in der Waschmaschine verfilzt zu werden. Bedenken Sie beim Filzen jedoch immer, dass das Textil im Verlauf des Filzens um gut 30 Prozent einlaufen wird. Um zu gewährleisten, dass per Hand gefilzte Textilien in Form bleiben, kann spezielle Filzseife eingesetzt werden. Diese alkalische Seife raut die Oberfläche der Wolle noch mehr auf und sorgt so dafür, dass die Fasern noch besser zusammenhalten.

Tablett und Bambusmatte zum Walken flacher Filzstoffe

Während kleine Figuren allein per Hand gewalkt werden können, sind für flächige Filzstoffe diese zwei Werkzeuge besonders hilfreich. Um den Stoff zu walken, benötigen Sie eine flache Arbeitsfläche, die Sie mit Wasser aufgießen können. Ideal geeignet sind hierfür Tabletts mit einer gewissen Randhöhe. Den Boden des Tabletts können Sie nun gründlich befeuchten, sodass etwas Wasser auf dem Boden steht. Auf diese Wasserlache geben Sie nun in kleinen Stücken die gewünschte Wolle. Am besten gehen Sie dabei so vor, dass Sie die kleinen Wollstücke in einer Schicht längs und in der nächsten Schicht quer übereinanderlegen. Nun nehmen Sie die Filzseife hinzu und verfilzen die einzelnen Wollstücke miteinander, indem Sie mit etwas Druck kleine wackelnde Bewegungen mit den Fingern ausführen. Im Anschluss daran wird die Wolle auf die Bambusmatte gelegt und wiederholt eingerollt und wieder ausgerollt. Dadurch entsteht ein gleichmäßiges Wollvlies.

Mit Filznadeln, Prickelmatte und Schaumgummiunterlage Trockenfilz-Kreationen erstellen

Um trocken zu filzen, benötigen Sie neben den bereits erwähnten Filznadeln auch eine sogenannte Prickelmatte sowie eine Schaumgummiunterlage. Die Filznadeln können dabei in unterschiedlichen Durchmessern ausfallen. Besonders geeignet zum Trockenfilzen sind kleinere figürliche Filzstücke. Diese sind mit der Nadeltechnik und etwas Geschick relativ einfach zu Formen. Für große Flächen ist das Bearbeiten des Filzes mit einer einzelnen Nadel hingegen etwas müßig. Hier bietet das Nassfilzen die einfachere Alternative. Die Prickelmatte und die Schaumgummiunterlage benötigen Sie dabei als Unterlage. Sie schonen nicht nur die empfindlichen – und sehr spitzen – Nadeln, sondern auch den Tisch oder Untergrund, auf dem Sie arbeiten. Es ist dabei wichtig, dass die Prickelmatte und die Schaumgummiunterlage die Nadeln einfach absorbieren können. Schließlich müssen Sie beim wiederholten Einstechen der Nadel druckvoll arbeiten und müssen sich dabei darauf verlassen können, dass die Nadel nicht abrutscht und Sie im schlimmsten Falle verletzt.

Kreative Bastelideen für Anfänger und Fortgeschrittene

Aus Filz lassen sich nicht nur Textilien, sondern auch kleinere Accessoires und sogar niedliche Spielfiguren herstellen. Zahlreiche Anleitungsbücher können Ihnen Inspirationen für Ihre ersten und weiterführenden Projekte liefern.

Gerade für Anfänger sind einfache Formen und kleinere Projekte bestens geeignet. Kleine Filzbälle zum Beispiel lassen sich schon von Anfängern in den ersten Versuchen herstellen. Diese Anfängerprojekte lassen sich optimal verwerten: Sie können auf ein Band aufgezogen und gleich als Kette oder Armbänder genutzt werden. Bevor man sich an größere flächige Projekte, wie Schuhe oder Hüte wagt, sind nass- oder trockengefilzte Blumenapplikationen ein guter Einstieg. Diese werden aus einem flachen, gewalkten Stück Filz ausgeschnitten und in die gewünschte Form gebracht. So lernt man, Filz zu erstellen und gleichzeitig in die gewünschte Form zu bringen. Hat man diese Formen gemeistert, kann man sich den größeren Projekten widmen.

Unser Tipp: Gerade für gehäkelte oder gestrickte Werke eignen sich Applikationen und Verzierungen aus Trockenfilz. Diese Art des Filzens wird auch prickeln genannt. Mit der Nadelmethode können so zum Beispiel Augen und Gesichter auf kleine Häkelfiguren angebracht werden oder Blumenmuster auf Strickpullover appliziert werden. Dazu wird ein wenig Wolle auf das Textil aufgesetzt und mit der Nadel in der gewünschten Form eingedrückt.

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