Navigation mit PNA Fujitsu-Siemens Pocket Loox N100

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Viel Licht und wenig Schatten
Seit gut zwei Monaten werde ich von einer netten Frauenstimme zu meinen Zielen gelotst. Zeit ein Resumee zu ziehen, von Erfahrungen zu berichten und so dem einen oder anderen Unentschlossenen eine Entscheidungshilfe zu bieten.

Basisgerät, Lieferumfang
Der Loox kostet neu, inclusive Kartenmaterial "Europa", im Moment etwas über 200 Euro, und gehört damit eher zu den billigen Standalone-Navis. Er kommt mit einer ausreichenden Zubehörbestückung bestehend aus Netzgerät, Auto-Spannungsadapter, Ohrhörer und Autohalterung. Das Gerät ist sehr klein und leicht und lässt sich daher auch problemlos in der Brusttasche herumtragen, was, wie wir noch sehen werden, durchaus wichtig ist. Er wird mit Navigator 6.0 von Navigon und einem Kartensatz Europa geliefert. Er macht einen sehr wertig verarbeiteten Eindruck, auch der Ohrhörer. Die Standardausstattung mit 512 MB Speicher ist gerade so ausreichend, mehr dazu später. Im Gerätchen steckt leider ein Handy-ähnlicher Spezialakku, mal sehen, ob ich den in 2 Jahren, wenn er schlapp macht, noch irgendwo auftreiben kann, und wenn ja zu welchem Preis. Dasselbe gilt sinngemäß auch für das Ladegerät, dem man leider keinen Standardstecker spendiert hat, so dass man das teure Originalzubehör kaufen muss wenn man mal ein anderes Ladegerät braucht.

Erste Kontakte
Das Gerät kommt vollständig installiert und kann nach der erstmaligen Akkuladung sofort loslegen. Sofort? Nun ja, erst einmal dauert es eine gute Minute bis die Navigationssoftware geladen wurde. Dann beginnt die Satellitensuche, was je nach Umgebung, in der man sich befindet, zwischen einigen Minuten und unendlich dauert. Man kann aber schon vorher die erste Route eingeben um sich die Zeit zu vertreiben. Die Eingabe mit dem Griffel klappt flüssig, und die wichtigen Schaltflächen sind so groß dass man sie zur Not auch mit einem Finger auslösen kann. Die Routeneingabe selbst ist absolut selbsterklärend, und die Navigation arbeitet in vielen Gegenden hausnummerngenau. Bei der ersten Testfahrt setzt mich das Navi direkt vor meiner Garagentüre ab: "Sie haben Ihr Ziel erreichet". Ich bin begeistert.

Erste Schatten
Mit der ab Werk mitgelieferten 6.0-er Version von Navigon stürzt der Navigator leider immer wieder ab, ein Update auf 6.1 kann von www.navigon.de heruntergeladen werden. Die Installation wirft keine gravierenden Probleme auf, danach sind keine Abstürze mehr zu beobachten.

Erste Fahrten
Erst einmal dominieren die praktischen Probleme. An hellen Sonnentagen ist im Cabrio vom Bildschirm, der sonst sehr hell und scharf darstellt, nichts mehr zu sehen, und der kleine Quäker hat keine Chance sich gegen die Windgeräusche durchzusetzen, obwohl er sich nach Kräften müht. Schlussendlich kommt man zu der Überzeugung, dass man sich am besten per Ohrhörer lotsen lässt, und den Bildschirm wenn überhaupt nur dann braucht, wenn die "Plappertussi", wie mein Navi von meinen Kindern inzwischen wenig liebevoll genannt wird, etwas eigenartige Anweisungen gibt. Das kommt nämlich mit schöner Regelmäßigkeit vor. "Bitte wenden Sie jetzt!" krakeelt sie mitten auf einem geraden Autobahnstück, und ohne den geringsten erkennbaren Grund, das Ziel liegt 20 km weiter gerade voraus. Oder auch mal "Bitte jetzt links abbiegen" mitten auf der Ungererstraße, was erstens völlig unnütz ist, und zweitens wegen eines massiven grünen Mittelstreifens gar nicht geht. Manchmal sagt sie auch einfach nur "Achtung". Immerhin, man weiß, sie ist noch da. Big Sister is watching me. Wie beruhigend.

Customizing
Nach reiflicher Überlegung entscheide ich mich angesichts der schlechten Ablesbarkeit im offenen Auto, dass ich von der Sprachnavigation ausreichend gut gelotst werde. Ich verzichte also auf den Halter am Armaturenbrett, der da ohnehin nicht gerade schick ausschaut, und trage das Navi fortan in der Brusttasche. Erst entpuppt sich das originale Ohrhörerteil als Problem, wegen seiner zahlreichen Schlingen und Kabel verheddert es sich regelmäßig mit dem Sicherheitsgurt. Das gute Standardheadset möchte ich natürlich nicht schlachten. Da es aber einen normalen Stereo-Klinkenstecker-Anschluss besitzt und ich das Gerät nur zum Navigieren und nicht zum Musik hören benütze, besorge ich mir im "Geiz ist geil" Markt den superbilligsten Ohrhörer (1,69 Euro ...), und schneide einen Ohrstecker ab. Welchen man abknipst ist egal, die Sprachansagen sind sowieso nur mono. Jetzt erweist es sich als Segen, dass das kleine Gerätchen problemlos in jeder Brusttasche Platz findet. Mit dem einen dünnen Draht, der zu meinem Ohr führt, kann ich mich arrangieren, und die Ansagen kommen angenehm laut und klar. Dabei frage ich mich, warum man für diese naheliegende Anwendung nicht einfach den Bildschirm abschalten und so enorm Akku sparen kann. Mit voll geladenem Akku hält das Navi ein paar Stunden lang durch, dann muss es an den Zigarettenanzünder. Dessen Kabel nervt weit mehr als das Ohrhörerkabel.

Qualität der Routenplanung
Anfangs lässt man sich, um sich an das Gerät zu gewöhnen, natürlich überallhin lotsen und vergleicht die Navi-Anweisungen mit der bekannten Route. Dabei fällt auf, dass das Navi, unabhängig von der Einstellung der Routenpriorität (schnell/kurz/optimal) allzu gerne bereit ist, auf die Segnungen von Autobahnen zu verzichten und statt dessen lieber auf Landstraßen setzt, selbst wenn die Streckenersparnis nur ein paar hundert Meter beträgt. Aber Hand aufs Herz: wer fährt für 500 Meter weniger Strecke die ampelgespickte B13 nach München rein, wo doch parallel dazu die dreispurige A9 verläuft? Immerhin, ich wäre ans Ziel gekommen. Außer in dem einen Fall, wo mich das Navi Nachts um zwei auf der Anfahrt zu einem unbekannten Hotel in Neufahrn bei ströhmendem Regen mitten in der Pampa am Wertstoffhof absetzt. "Sie haben Ihr Ziel erreicht". Ich lasse mich konventionell vom Portier per Handy lotsen.
Spätere Nachforschungen ergeben, dass es sich um einen Kartenfehler handelt, bei der Erfassung der Straßennamen wurde geschlampt. Hätte ich statt der Adresse den Hotelnamen als POI (Point of Interest) eingegeben hätte mich das Navi korrekt gelotst, werde ich aufgeklärt. Das nächste Update wirds dann richten, und überhaupt, wer gibt schon mühsam die Adresse ein, wo es doch POIs gibt.
Ein anderes Mal nimmt mir das Navi übel, dass ich kurz vor dem Ziel statt der vorgeschlagenen Route (um 1000 Hausecken rum durch die Pampa statt geradewegs auf der Hauptstraße weiter und dann 1 Mal abbiegen) meine eigene Route fahren möchte und bestraft mich, indem sie mich in einer völlig anderen Straße ein paar 100m vom Ziel entfernt mit "Sie haben ihr Ziel erreicht" absetzt.
Im Detail betrachtet sind die vorgeschlagenen Routen also oft nicht ganz optimal, aber immerhin kommt man meistens da hin wo man hin will. Und auch andere "Grenzfälle" in der Navigation bügelt Navigon recht, sagen wir mal, minimalistisch ab: tageszeitabhängige Geschwindigkeitsbegrenzungen werden immer angemahnt, oder nie, je nach globaler Einstellung. Auf die Idee, die durchaus vorhandene Uhr des Navis zu benützen kam man bisher offenbar nicht.
Dazwischen vollbringt das Navi aber auch wahre Kunststücke und lotst mich direkt zur Tante am Ammersee, deren Einfahrt, versteckt in einer Ecke eines öffentlichen Parkplatzes, man normalerweise selbst dann nicht findet wenn man weiß, wo sie liegt.

Blicke in die Zukunft
Eine Route ist eingegeben, die Navigation läuft, dann ist doch die Frage "wann ist man da" die nächste elementar Wichtige. Die gute Nachricht zuerst: manchmal stimmen die Ankunftszeiten sehr genau, aber ich habe den Eindruck, dass das Zufallstreffer sind. Eventuell klappt es auf simplen Strecken (hoher Autobahnanteil, ruhiger Fahrstil) halbwegs gut. Liegt das Ziel dagegen im Stadtgebiet München, ist das Navi viel zu optimistisch. Selbst ohne besondere Ereignisse liegt es regelmäßig eine halbe Stunde daneben - peinlich. Und dabei fällt auch auf, dass das Navi in seiner Statusanzeige satellitengenau weiß wie spät es ist, aber aus unerfindlichen Gründen seine intere Uhrzeit nicht synchronisiert, die muss man von Hand einstellen, und bei Akku-leer ist sie wieder futsch.

Anlaufschwierigkeiten
Über die beim Einschalten oft minutenlangen Suchzeiten nach Satelliten (trotz SIRF III Chip) habe ich ja schon berichtet. Einsteigen und losfahren ist nicht, wenn man die grobe Richtung, in die man fahren muss nicht sowieso kennt. Ein Ausweg besteht darin, das Navi schon in der Wohnung einzuschalten, damit es seine Satelliten suchen kann, es ist allerdings schwierig, einen Platz zu finden wo es genügend Satelliten finden kann, und man wünscht sich hier eine Anzeige des Suchfortschritts, sonst wartet man ewig auf etwas, was nie passiert. Bei meiner Wohnung ist der optimale Suchplatz gleichzeitig der Unlogischste: lege ich das Navi auf die Terrasse findet es nie genügend Satelliten, lege ich es dagegen ans Schlafzimmerfenster wird es nach einer Weile fündig. Dabei kann man dann auch noch unruhigen Schlaf bemerken: das Navi brabbelt, ruhig auf dem Fensterbrett liegend, von Zeit zu Zeit erheiternde Anweisungen zum Abbiegen, Umkehren ...
Ein anderes prinzipbedingtes (?) Problem wiegt da aber schwerer: fährt man los weiß es oft erst mal nicht, in welcher Himmelsrichtung man sich bewegt. Dazu braucht es eine gewisse Fahrstrecke. Ich starte also zur Stoßzeit vom Münchner Hauptbahnhof und bleibe schon in der Ausfahrt im Stau stecken. Rechts oder links, das wäre jetzt die Frage. Das Navi plappert aber nur hektisch los, und versucht mich in ständig wechselnde Himmelsrichtungen zu schicken. Ich fahre auf gut Glück mal ungefähr in die meiner Meinung nach richtige Richtung. Das hektische Geplapper dauert an, ich soll abbiegen, umkehren, weiter geradeaus fahren, lauter widersprüchliche Anweisungen. Dazwischen ständige Routenneuberechnungen, obwohl ich mich kaum bewege, und wenns endlich weiter geht ist das Navi genau dann stumm wenn ich endlich eine Möglichkeit zum Abbiegen erreicht habe. Erst als der Verkehr wieder ein wenig zu fließen beginnt und ich eine Hauptstraße erreiche, der ich eine Weile folge, kriegt sich die Tussi wieder ein und lotst mich von da fehlerlos nach Planegg.
Überhaupt scheint das Navi mit München keine rechte Freude zu haben, in der Guldeinstraße (Einbahnstraße ...) soll ich mich ("Am Ende der Straße bitte wenden") unbeliebt machen, und das Problem  "Autobahnauffahrt runterfahren" am Kreuz Feldmoching soll ich sportlich nehmen: statt die kreuzbrave Auffahrt runterzufahren wie das jeder tut soll ich lieber geradeaus weiterfahren, an der nächsten Ampel "wenn möglich bitte wenden" und dann von der Gegenfahrbahn aus auffahren. Na ja, so gehts natürlich auch, und wenn das alle machen würden würde man nur halb so viele teure Autobahnauffahrten bauen müssen.

Globalisierung
Ein böses Problem bemerkt man, wenn man ins Ausland fahren möchte. Auf der Verpackung steht zwar was von europaweitem Kartenmaterial, aber das gilt nur für die beigelegte DVD. Man kann natürlich alle europäischen Länder ins Navi laden - nur halt nicht gleichzeitig. Das Navi ist nämlich mit 512 MB Speicher so knapp bestückt, dass man zur obligatorischen Deutschland-Karte gerade noch ein kleines Land wie Österreich dazuladen kann, aber dann ist die Speicherkarte voll. Über Kartengrenzen hinaus kann das Navi sowieso nicht navigieren, auch dann nicht, wenn man alle Karten lädt. Wer also nach Italien oder Frankreich in den Urlaub will muss gezwungener Maßen Speicher nachkaufen, oder ein Laptop dabei haben und an der Grenze die Karten im Navi tauschen. Wenn man aber eine zweite Karte zu Deutschland hinzulädt zeigt sich, dass das Navi nicht nur weiterhin nicht in der Lage ist, über die Kartengrenzen zu navigieren, sondern auch bei jedem Start eine nervige Abfrage einschiebt, welche Karte man denn verwenden möchte. Leider scheint es keine Möglichkeit zu geben, eine Karte als Stadardkarte einzustellen. Wer also so wie ich viel in Deutschland und gelegentlich nach Österreich fährt muss zwischendrin die Österreichkarte immer wieder löschen, sonst wird er ständig gebeten, die Karte auszuwählen, bevor er navigieren kann.
Alternativ könnte man natürlich auch bei Navigon eine all-in-one Europa Karte kaufen (149 Euro ...). Ob das eigentlich unverständliche Fehlen einer Standardeinstellung für die Karte und kartenübergreifender Navigation innerhalb der installierten Karten damit zusammenhängt dass sich der Hersteller hier nochmal einen Schluck aus der Pulle gönnen will sei dahin gestellt, und den Werbespruch "erleben Sie grenzenlose Navigation" könnte man auch als Provokation auffassen, man hat doch eigentlich ein Navi mit europaweiter Navigation gekauft.

Gedächtnisverlust
Es gibt Dinge die so selbstverständlich sind, dass man sie nicht von vornrherein überprüft. Und deshalb fällt es erst spät auf, dass sich die Navisoftware die Lautstärkeeinstellung nicht merken kann. Sie beginnt immer mit mittlerer Lautstärke. Peinlich sowas. So begrenzt wäre der Speicher nun auch nicht gewesen. Und dass man bei jedem leeren Akku die Uhrzeit neu einstellen muss, obwohl GPS in der Statusanzeige des Geräts genau weiß wie spät es ist, habe ich ja schon erwähnt.

Fazit
Die Erfahrungen der ersten Monate sind, wie man sieht, recht durchzogen. Lassen wir die Kirche im Dorf: gegenüber der Alternative (fummeln mit der Straßenkarte ...) ist das Navi ein echter Fortschritt. Die Hardware ist soweit OK, abgesehen von der langen Suchzeit nach Satelliten, bei der Softwarequalität hapert es dagegen. Lange Ladezeiten, das nervige Kartenwechseldich-Problem an der Grenze, fehlende Uhrzeit-Synchronisation mit der GPS Uhrzeit, sporadische erheiternde Fehlanweisungen und der Gedächtnisverlust bei Akku-leer sind nicht gerade ein Zeichen von Qualität. Dazu kommen Kartenfehler, die trotz Meldung an Navigon bis heute nicht behoben wurden. Immerhin ist zu erwarten, dass die Software von Update zu Update besser wird. Bananensoftware. Wird grün ausgeliefert und reift beim Kunden.

5.Juni 2007
Armin Linder


 
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