Nachrüstung mit einer LPG-Gasanlage - nicht bei jedem Auto sinnvoll

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So erfahren Sie, ob sich Ihr Auto für die Nachrüstung mit einer LPG-Gasanlage eignet

Seit Jahrzehnten werden Autos beziehungsweise Verbrennungsmotoren mit Benzin oder Diesel betrieben. Beide Kraftstoffe werden jeweils aus Erdöl raffiniert, das bekanntlich nicht unbegrenzt auf der Erde vorrätig ist. Angeblich sind die weltweiten Vorräte in 30 oder 40 Jahren sogar gänzlich erschöpft, was schon seit einigen Jahren zu spüren ist.

Gerade in Deutschland stöhnen die Autofahrer unter stetig steigenden Spritkosten, die Autofahren immer mehr zum Luxus werden lassen. Tatsächlich ist es schon jetzt für manchen Pendler schwer, die Kosten für den Kraftstoff zu stemmen. Die finanzielle Belastung wird immer größer, doch es gibt durchaus Auswege und günstige Alternativen. Eine davon mag Autogas sein, wofür das Auto auf LPG umgerüstet werden muss. Wie viel Sinn das macht und wo das Einsparpotenzial von Autogas steckt, soll Ihnen in diesem Ratgeber verraten werden.

Flüssiggas oder Autogas: Was ist LPG?

Von LPG - steht für Liquified Petroleum Gas - haben sicherlich schon viele gehört. Was hinter der Alternative steckt, wissen jedoch eher wenige. Daher macht es wohl Sinn, sich erst einmal mit dem Begriff Autogas zu beschäftigen. Zuerst einmal hat LPG viele Namen. Neben Autogas beispielsweise auch Flüssiggas oder GPL, was für „Gaz de pétrole liquéfié" steht und in französischen Landen gebräuchlich ist. Doch ob LPG, Autogas oder Flüssiggas, der Kraftstoff hinter dem Wort ist jeweils derselbe.

Flüssiggas besteht meist aus Butan oder Propan und ist weder mit CNG - komprimiertem Erdgas - oder Flüssigerdgas zu verwechseln. Kurioserweise ist das Gas ein zufälliges Nebenprodukt, das bei der Herstellung von Benzin oder Diesel entsteht. Als Kraftstoff ist Autogas zudem nicht neu, schon 1935 gab es in Hannover die erste Gastankstelle in Deutschland. Danach scheint die Alternative aber wieder in Vergessenheit geraten zu sein. Speziell nach dem Zweiten Weltkrieg gab es zwar noch einige Jahre Knappheit an Benzin und Diesel, danach wurde die Situation trotz einiger großer Ölkrisen aber stetig besser. Seit einigen Jahren denken die Menschen beziehungsweise Autofahrer aber wieder um, was mit Blick auf die Kraftstoffpreise kaum überrascht.

Was also macht Autogas im Vergleich zu Benzin und Diesel so interessant? Die Antwort ist einfach: Geld. Flüssiggas ist wesentlich billiger als herkömmlicher Kraftstoff, kostet im Schnitt runde 70 Cent pro Liter. Je nach Gegend sind es sogar nur 55 Cent, in „teureren" Landstrichen aber auch 95 Cent pro Liter. Trotzdem ergibt sich ein deutliches Sparpotenzial im Vergleich zu Benzin und Diesel, dazu jedoch später mehr. Der Verbrauch von LPG ist zwar wieder leicht höher, fällt wegen den günstigeren Literpreisen aber nicht ins Gewicht. Im Vergleich zu herkömmlichen Kraftstoff wird das Gas obendrein umweltfreundlicher verbrannt, doch auch hierzu später mehr. Denn zuerst gilt es zu klären, wer sein Auto überhaupt auf eine Gasanlage umrüsten kann.

Alternative Autogas: LPG-Gasanlage eher für Benziner

Zuerst die schlechte Nachricht: Lange Zeit galten allein Benziner für die Umrüstung einer LPG-Anlage geeignet. Mittlerweile hören Sie jedoch auch vermehrt von Umbauten, in welchen sogar Dieselmotoren auf LPG umgerüstet werden. Trotzdem sind es in der Regel Benziner, die auf Flüssiggas modifiziert werden, was relativ einfach zu erklären ist. Bei Benzin ist das Sparpotenzial größer. Beim Diesel wieder liegt der Vorteil eher in dem Weniger an Emissionen, die Autogas verursacht. In punkto Kosten ergibt sich bei einer Diesel-Umrüstung jedoch nur ein kleiner Vorteil, da Diesel bekanntlich eine enorme Reichweite bieten.

Somit sind es nach wie vor meist Benziner, die mit einer LPG-Gasanlage nachgerüstet werden. Zwar kann sich das Verhältnis mit Blick auf die stets und ständig steigenden Kraftstoffkosten bei Benzin wie ebenso Diesel künftig ändern, das dürfte allerdings noch dauern. Auch die Umrüstung beziehungsweise Modifizierung eines Benziners auf Autogas ist unwesentlich einfacher als die eines Diesels. Tatsächlich ist der Umbau eines Ottomotors auf eine LPG-Gasanlage sogar relativ simpel. Nötig ist zum einen ein zusätzlicher Gastank, der meist in der Mulde des Reserverads im Kofferraum verbaut wird. Trotz der beengten Platzverhältnisse lassen sich auf diese Weise Tanks mit 30 bis sogar über 90 Liter installieren. Eine Alternative wären Tanks in Zylinderform mit bis zu 250 Liter direkt im Kofferraum oder unterflurige Tanks.

Die Reichweite ergibt sich natürlich anhand des erzielten Tankvolumens, wobei die Spannen zwischen 350 bis 1.000 Kilometer betragen. Gerade beim Umbau bleibt außerdem der typische Benzintank erhalten, womit noch mal einige Hundert Kilometer quasi als „Reserve" parat stehen. Neben den Tanks sind schließlich einige neue Leitungen, ein Umschalter für den Betrieb mit Autogas oder Benziner sowie einige kleinere Umbauarbeiten am Motor nötig, etwa an den Ventilen.

Der Preis ist heiß: Kosten einer LPG-Gasanlage

Die Kosten einer Umrüstung sind lediglich grob mit 1.200 Euro bis 3.500 Euro zu nennen. Der Preisunterschied entsteht vor allem durch die Anzahl der Zylinder, weswegen ein Dreizylinder natürlich günstiger umzurüsten ist als ein Achtzylinder. Obendrein kommt es auf die Leistung des Motors sowie der Abgasnorm an.

Die genannten Preise gelten übrigens für einen Benziner. Da der Umbau eines Diesel auf eine LPG-Anlage deutlich aufwendiger ist, fallen natürlich auch die Kosten höher aus. Hier lohnt es, wenn Sie sich einfach selbst schlaumachen und sich genau nach den nötigen Modifizierungen erkundigen. Ob nun Benziner oder Diesel, die Umbaukosten auf Autogas gilt es genau zu kalkulieren. Denn der Umbau lohnt nicht immer, sondern nur unter gewissen Voraussetzungen. Hier sind beispielsweise der Verbrauch oder die jährliche Laufleistung interessant, was allerdings später unter „Amortisierung" diskutiert wird.

Denn zuerst gilt es, die konkreten Vorteile einer LPG-Gasanlage zu erfahren, die nicht mit einem Satz aufgezählt sind.

Pro Autogas: Die Vorteile einer LPG-Gasanlage

Angeschnitten waren bereits Kraftstoffpreis, Verbrauch und Emissionen. Zum Ersten wurde bereits ein durchschnittlicher Preis genannt, nämlich um die 70 bis 75 Cent pro Liter. Jeder Autofahrer erkennt prompt, dass diese Zahl lediglich die Hälfte vom Benzinpreis ausmacht, der seit Längerem bei runden 1,50 Euro und mitunter sogar noch deutlich höher liegt. Allerdings gilt es hier, um die Ecke zu schauen. Denn allein der Kraftstoffpreis sagt nicht alles aus.

Wichtig ist ebenso der Verbrauch und erst diese Punkte im Verhältnis geben wirklich Aufschluss. Fakt ist, das Autogas einen 10 bis 20 Prozent höheren Verbrauch bedeutet, da der Energiewert von LPG unter dem von Benzin liegt. Nur als Beispiel: Hat Ihr Auto zuvor zehn Liter Benzin verbraucht, dürfte der Wert im LPG-Modus auf zwölf Liter steigen. Dank dem nur halb so hohen Preis ist dieser Mehrverbrauch aber nebensächlich, denn im Endeffekt sinken die Kraftstoffkosten mit Autogas um bis zu 50 Prozent. Der Preisvorteil einer LPG-Gasanlage liegt somit trotz Mehrverbrauch klar auf der Hand, der Kostenvorteil überwiegt deutlich.

Allein der günstigere Preis macht Autogas aber noch nicht aus. Denn Flüssiggas lässt sich - wieder trotz Mehrverbrauch - umweltfreundlicher verbrennen. In punkto CO2-Emissionen sparen Autogasmodelle beispielsweise 15 Prozent gegenüber einem Benziner. Stickoxide werden bei Autogas zu 20 Prozent weniger erzeugt, unverbrannte Kohlenwasserstoffe sogar um bis 50 Prozent. Zuletzt setzt der Katalysator die Abgase besser um, insbesondere in niedrigeren Temperaturbereichen. Die Vorteile sind also nicht allein mit Geld zu erklären, sondern kommen auch der Natur zugute. 

Eingefahren: Wann amortisiert sich eine LPG-Gasanlage

Denn der Umbau kostet zwischen ein- bis sogar über dreitausend Euro. Zwar sind entsprechende Modelle auch direkt ab Werk zu kaufen, doch die Hersteller setzen die Zusatzkosten ebenfalls auf den Käufer um. Ergo: LPG-Fahrzeuge sind auch als Neuwagen teurer als vergleichbare Benziner.

Die Frage ist daher nun, wie schnell Sie Ihr Geld wieder heraus bekommen beziehungsweise wann und ob sich die Umbaukosten amortisieren. Hier sind wieder einige Faktoren interessant. Zum Ersten die Kraftstoffpreise respektive Einsparungen im Vergleich zu Benzin. Zum Zweiten der Preis der LPG-Gasanlage. Zum Dritten Ihre jährliche Fahrleistung. Gerade der dritte und letzte Punkt ist interessant, denn je mehr Sie fahren, desto schneller holen Sie durch den günstigeren Kraftstoffpreis die Umbaukosten wieder rein.

In der Regel gilt folgendes: Je mehr Verbrauch Ihr Fahrzeug hat, desto besser. Hat Ihr Auto vorher mit Benzin 16 Euro auf 100 Kilometer gekostet, sind es mit Autogas vielleicht nur acht oder neun Euro. Waren es vorher nur zehn Euro und mit LPG nun fünf oder sechs Euro, dauert die Amortisierung rein rechnerisch länger.

Hier lohnt die Nachrüstung mit einer LPG-Gasanlage

Im Fazit heißt das für Sie: Je mehr Ihr Auto schluckt und je mehr Sie im Jahr fahren, desto schneller amortisiert sich der Umbau. Tatsächlich ist es cleverer, eine Oberklasse auf LPG umzurüsten als einen Kleinstwagen. Wegen des geringeren Verbrauchs kann ein Kleinwagen schon mal 70.000 bis 80.000 Kilometer benötigen, bis die Kosten wieder eingefahren sind. Wird dieser Kleinwagen gerade mal 10.000 Kilometer im Jahr bewegt, ergeben sich sieben bis acht Jahre.

Eine Mittel- oder Oberklasse hingegen kann sich schon nach der halben Laufleistung rechnen. Obendrein, wenn diese mehr bewegt wird. Hier ein kleiner Tipp: Statt sich nun mit vielen Zahlen zu plagen, suchen Sie sich im Netz einen „Amortisierungsrechner". In den müssen Sie nur einige wenige Zahlen eingeben und bekommen automatisch Strecke und Zeit bis zur Amortisierung errechnet. Dann wissen Sie genau, ob sich der Umbau für Sie lohnt oder nicht.

Deutschland verfügt übrigens über ein gut ausgebautes Netz an LPG-Tankstellen. Gleiches gilt für viele andere europäische Staaten, insbesondere Italien, Polen, die Niederlande oder sogar die Türkei.

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