Nachrichten & Musik: Das konnten Kofferradios aus den 1970ern

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Nachrichten & Co: Das konnten Kofferradios aus den 70ern

Das Kofferradio revolutionierte den Radio-Empfang in den ersten Jahrzehnten nach dem 2. Weltkrieg und galt als Statussymbol einer ganzen Generation. Was für uns heute das Smartphone und die MP3-Technik sind, war damals das Kofferradio. Doch wie kam es für dieses Transistorradio zum weltweiten Siegeszug?

Die Entwicklung der Kofferradios wurde durch die Einführung der Technik der Transistoren erst ermöglicht, da mit der bisherigen Röhrentechnik die Verkleinerung der Geräte nicht gewährleistet werden konnte. Ein Transistorradio ist ein Rundfunkempfänger, bei dem ausschließlich Transistoren als aktive Bauelemente verwendet werden. Die signifikante Innovation der neuen Technik war, dass im Vergleich zu Röhrenradios, Geräte deutlich kleiner, leichter und kostengünstiger herzustellen waren. Dies machte in erster Linie den großen Markterfolg des Transistorradios aus. Die ersten Serientransistoren beschränkten sich aufgrund technischer Schranken auf das Mittelwellenband von 540 bis 1600 kHz oder den Langwellenempfang. Im Laufe der Zeit eroberten sich die Transistorradios mit den ansteigenden Fortschritten der Transistortechnologie und der Leistungskraft der neuen Bauteile bald alle verfügbaren Rundfunkbänder.

Die Technik des Kofferradios

Die einfachste Schaltung eines Transistorempfängers besteht wie bei den älteren Röhrenempfängern aus zwei Hauptbestandteilen: einem Verstärker und einem Detektor-Empfänger. Der Transistorempfänger ist ebenso wie das Röhrenradio und alle klassischen Radiogeräte für den Empfang des terrestrisch ausgestrahlten Rundfunks auf analoger Basis geeignet. Dabei ist zu bedenken, dass die komplette Radioelektronik nach analogen Prinzipien funktioniert. Im Zusammenhang mit der fortschreitenden Digitalisierung konnte sich in der Radiotechnik nur im Bereich der Abstimmung der Sender seit den 1980er-Jahren des vorigen Jahrhunderts eine gerasterte Fokussierung des lokalen Abstimm-Oszillators durchsetzen. Diese vereinfachte mit digitalen Anzeige- und Speichermöglichkeiten und modernen Kapazitätsdioden den umständlichen und außerordentlich ungenauen Einstellvorgang der Sendersuche mit Skalenseil und -anzeiger, Frequenzskala sowie Drehkondensator oder Variometer. Hierdurch wurde eine frequenzgenaue Einstellung der Sender und erstmals auch eine funktionsfähige Senderprogrammierung ermöglicht. Die Anzeigeoptionen im Bereich der UKW-Rundfunkbänder wurden durch das 1988 offiziell eingeführte digitale Radio Data System beträchtlich erweitert.

Auch die heute im Handel befindlichen Radios sind im eigentlichen Sinne Transistorradios. Inzwischen sind die Einzeltransistoren in Verbindung mit anderen Bauteilen mehr und mehr in integrierten Schaltungen zusammengefasst, was zu einer deutlichen Reduzierung der Herstellungskosten beiträgt. Mit dem fortschreitenden Verschwinden der Röhrenradios fiel auch die Notwendigkeit einer besonderen sprachlichen Unterscheidung weg und so wird die Bezeichnung Transistorradio heute nur noch selten verwendet.

Kofferradios und ihre Vorteile

Die Etablierung der Transistortechnologie bei den kommerziellen Kofferradios löste durch die Verringerung der hohen Spannungen und der großen Verlustwärme die Möglichkeit zu einer grundsätzlichen und weitreichenden Verkleinerung nahezu der gesamten Bestandteile der für den Schaltungsaufbau notwendigen Komponenten aus. Demzufolge waren die wichtigsten Vorteile des Transistorradios gegenüber dem vorher üblichen Röhrenempfänger die geringeren Maße und das deutlich reduzierte Gewicht. Ein weiterer Vorzug der neueren Technik ist die kaum zu Buche schlagende Wärmeentwicklung der Transistoren. Die beheizten Elektronenröhren verursachten fast alle langfristig auftretende Probleme durch die verwendeten elektronischen Bauteile. Da diese mit der ungünstigen Wärmeentwicklung und dem hohen Strombedarf zusammenhängen, beschleunigen sie den Alterungsprozess sämtlicher verwendeter Bauteile erheblich.

Im Gegensatz dazu punkten Transistorgeräte mit einer vergleichsweise großen Robustheit der Geräteelektronik, die durch deren geringen Strom- und Spannungsbedarf begründet ist. Dies gewährleistet einen einfachen, ungefährlichen und preisgünstigen Betrieb mithilfe von handelsüblichen Batterien. Die für den Röhrenbetrieb notwendige Anodenbatterie erübrigt sich. Die Präsentation der außerordentlich kleinen 9-Volt-Blockbatterie mit der Bezeichnung 006P der US-amerikanischen Firma Energizer, die 1956 erfolgte, war für damalige Verhältnisse ein signifikantes Beispiel für die neue, geradezu revolutionäre Größenordnung der Transistor-Schaltungsperipherie. Die Betriebssicherheit des Transistorradios konnte weiter gesteigert werden durch die sukzessive Ablösung des Materials für Halbleiter Germanium durch das thermisch stabilere Silizium.

Transistor versus Röhre: quasi unkaputtbar

Der Transistor ist verglichen mit einer Elektroröhre ein mechanisch anspruchsloses, sehr robustes, elektronisches Bauteil mit einer fast unbegrenzten Lebensdauer. Daher werden Transistoren mit ihren Anschlussdrähten unmittelbar in elektronischen Schaltungen verlötet. Dagegen sind Röhren mit Ausnahme der Subminiaturröhren echte Verschleißteile, die mit einer typischen Steckfassung in ihre Schaltungsumgebung integriert werden und einfach ausgetauscht werden können. Bei den seltenen mobilen Kofferradios, die noch mit der Röhrentechnik ausgestattet waren, mussten die sensiblen Röhren wegen mechanischer Schäden oft weit vor ihrer natürlichen Verschleißgrenze ersetzt werden. Daher wurden ab einem bestimmten Zeitpunkt Kofferradios nur noch mit Transistoren ausgerüstet.

Transistorradios waren gegenüber den Röhrenradios somit nicht nur kleiner und günstiger, sondern auch langlebiger.

Gesellschaftlich-kulturelle Bedeutung des mobilen Kofferradios

Das Transistorradio eroberte sich inmitten einer damals noch bestehenden weitverbreiteten Hörkultur in den 1950er- und ersten 1960er-Jahren breite Schichten der Bevölkerung und erlebte in dieser Zeit eine goldene Ära. Die akustischen Medien, und hier besonders der Hörfunk, noch vor dem sich allmählich anbahnenden Siegeszugs des Fernsehen, erfuhren zu dieser Zeit die größte Aufmerksamkeit. Das Transistorradio in Form des kommerziell höchst erfolgreichen mobilen Kofferradios war platzsparend, effizient und sehr robust. Dies wurde durch die außerordentlich langlebige Halbleitertechnik ermöglicht. Von den führenden Industrienationen wurde diese Form der Übermittlung von Nachrichten und Unterhaltung weltweit zu einer besonders leistungsfähigen Produktlinie ausgebaut. Damit etablierte es sich nach und nach zu einem klingenden Symbol für Freiheit, Unabhängigkeit und Rebellion der ersten jungen Nachkriegsgeneration.

Besonders die mit einer oft zweistelligen und somit äußerst prestigeträchtigen Anzahl von Transistoren ausgerüsteten Vorzeigeobjekte unter den Kofferradios waren es, die größtenteils mit einem in der heutigen Zeit kaum noch denkbaren Aufwand an Qualitätsanspruch, Design und Konstruktion produziert wurden. Solche Geräte funktionieren heute genauso wie vor einem halben Jahrhundert, wenn sie sorgfältig behandelt wurden.

Transistor-Kofferradio als Statussymbol

Hochwertige Transistor-Kofferradios waren bei den Jugendlichen in diesen bewegten Zeiten des überbordenden Konsums sowie des bundesdeutschen Wirtschaftswunders ein äußerst begehrtes Statussymbol. Sie besaßen eindeutig Kultstatus. Sie transportierten den akustischen Siegeszug der Beat- und Rockmusik, die die erste Generation nach dem Krieg ohne die elterliche Kontrolle jederzeit überall mit hinnehmen konnte. Darüber hinaus waren die Kofferradios den schweren Röhrengeräten des häuslichen Wohnzimmers sowohl im Klang wie bei den Empfangsbereichen mindestens ebenbürtig. Selbst beim Empfang der oft vernachlässigten AM-Bereiche, wo so beliebte Sender wie etwa Radio Luxemburg zu finden waren, konnten die neuen Geräte überzeugen.

Kofferradios und ihre Bedeutung für die Kommunikation

Die Erfindung des Transistorradios war ein entscheidender Meilenstein in der Entwicklung der weltweiten Kommunikation. Aufgrund der industriellen Produktion in Großserien und besonders einfach zu realisierender Stromversorgung sind diese Geräte auch heute noch immer in vielen Entwicklungsländern für nahezu jedermann erschwinglich. Sie bieten sowohl Menschen der entlegensten Gebiete als auch Personen mit mangelhafter Alphabetisierung vielfach die einzige Möglichkeit, die Verbindung mit der Außenwelt aufrechtzuerhalten. In den Jahren des Wirtschaftswunders konnten es sich viele Familien leisten, ein zweites oder drittes Radio zu erwerben. Das Hören von Radiosendungen, das in der Zeit davor in den meisten Haushalten auf das Wohnzimmer beschränkt war, war nun auch in anderen Zimmern möglich und begleitete etwa die Arbeit in Garten und Küche. Bereits vor dem Zeitalter der Transistortechnik gab es Autoradios. Allerdings ermöglichte erst diese Technik eine hohe Verbreitung des Radiohörens in Kraftfahrzeugen, was wiederum neue mediale Errungenschaften wie den Verkehrsfunk auf den Weg brachte. Der niedrige Preis ermöglichte auch vielen Jugendlichen den Zugang zu einem eigenen Radio, mit dem sie „ihre" Sender hören konnten.

Kofferradios in der DDR

Im sozialistischen Staat der DDR ermöglichte das Transistorradio vielen Menschen den Empfang von staatlich nicht erwünschten Sendern, ohne dass es einfach zu kontrollieren gewesen wäre. Das Hören von westlichen Sendern in der Öffentlichkeit konnte zu Sanktionen seitens der Polizei oder seitens freiwilliger Helfer der Volkspolizei führen. Die Folge hiervon konnte der Einzug oder die Sperrung der Geräte sein.

Als das „Kofferradio-Urteil" ging das Urteil des Kreisgerichts Potsdam aus dem Jahr 1959 in die Geschichte der jungen DDR ein: Ein Mann hatte auf offener Straße auf seinem Transistorradio den Berliner Sender RIAS gehört, was einen anderen Passanten veranlasste, ihn aufzufordern, das Gerät auf einen DDR-Sender umzuschalten. Da der Besitzer des Radios diesem Wunsch nicht nachkam, zerstörte der Passant das Kofferradio. Vom Kreisgericht wurde die Klage auf Schadensersatz mit der Begründung abgelehnt, mit dem Zerstören des Geräts sei der Verbreitung von Hetze gegen den Staat Einhalt geboten worden. Bei den Grenztruppen der DDR und der NVA mussten die DDR-Sender auf der Skala als legitimierte Sender markiert werden. Wenn die Soldaten andere hörten und dabei erwischt wurden, hagelte es Strafen und das Radio konnte eingezogen werden.

Weitere Entwicklungen, die durch das Transistorradio vorangetrieben wurden

Das Transistorradio setzte weitere Entwicklungen in Gang. Durch diese Technik wurden stereofone Radios handlicher und preisgünstiger, sodass die Qualitätsverbesserung durch die Stereofonie, die Ende der 1960er-Jahre ihren Siegeszug begann, sich im Rundfunk durchsetzte. Auch wurde das Radio durch den Einbau von Anschlussbuchsen für Magnetbandgeräte und Plattenspieler zu einem erschwinglichen Verstärker. Die Entwicklung der kompakten Magnetbandkassetten anstelle der bisher geläufigen Spulentonbänder ermöglichte den Bau von Kassettenrecordern. Dies veranlasste die Hersteller, Radiorecorder anzubieten. Hierdurch waren die Wiedergabe und das Aufzeichnen von Rundfunkmitschnitten und der Austausch von Musik mit nur einem Gerät möglich. In der Folge entwickelten sich aus Radiorecordern große tragbare Stereoanlagen mit zwei Kassettenrecordern. Hierdurch wurde das Überspielen von Musik auch mit schnellerer Bandgeschwindigkeit von einer Kassette zur anderen möglich. Schließlich kamen sogar Geräte mit einem eingebauten CD-Spieler hinzu. Parallel zur Entwicklung der tragbaren Großgeräte, der sogenannten Getto-Blaster, fand eine Verkleinerung statt. Als erster Hersteller baute die Firma Sony ein kleines Stereo-Kassettengerät, den Walkman, dem bald ein eingebautes Radio hinzugefügt wurde. Heute werden kleine Radio-Empfänger in Mobilfunktelefone und in MP3-Playern verbaut.

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