NSU Quickly defekt? Daran erkennen Sie gut erhaltene Ersatzteile für den beliebten Oldtimer

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NSU Quickly defekt? Daran erkennen Sie gut erhaltene Ersatzteile für den beliebten Oldtimer

NSU war ein deutscher Produzent von Automobilen, Motorrädern, Motorrollern und Fahrrädern, der 1873 im baden-württembergischen Riedlingen von Heinrich Stoll und Christian Schmidt gegründet und 1880 nach Neckarsulm umgesiedelt wurde. NSU trug ursprünglich den Namen „Mechanische Werkstätte zur Herstellung von Strickmaschinen", fertigte jedoch bereits ab dem Jahr 1886 Fahrräder und beteiligte sich ab 1901 federführend an den ersten Entwicklungsschritten von Motorrädern.

Mitte der Fünfzigerjahre war das Unternehmen nach Stückzahlen der größte Zweiradhersteller weltweit. Das Markenzeichen NSU, das ab 1892 eingesetzt wurde, ist ein Kürzel für den Namen der Stadt Neckarsulm, der wiederum von den beiden Flüssen Neckar und Sulm hergeleitet wird, die an diesem Ort zusammenfließen. Anfänglich standen die drei Buchstaben NSU in einer der Hirschstangen im württembergischen Staatswappen. Die Abkürzung NSU leitet sich entgegen einem weitverbreiteten irrigen Annahme nicht von „Neckarsulmer Strickwaren Union" oder „Näh- und Strickmaschinen Union" ab. Ein Unternehmen, das mit einem dieser Namen bezeichnet war, hat es nie gegeben.

Die NSU-Motorrad-Produktion vor der Quickly

NSU erreichte mit den Super-Sport-Modellen 500 SS und 600 SS und den Serienmodellen 201, 251, 351, 501, 601 OSL und 351 OT einen Höhepunkt vor dem Zweiten Weltkrieg. 3.500 Mitarbeiter des Unternehmens stellten im Jahre 1938 rund 136.000 Fahrräder und 63.000 Motorräder her. Das Motorfahrrad NSU-D Quick war eines der Erfolgsmodelle, von dem 1936 bis 1953 etwa 240.000 Einheiten gefertigt wurden. Dieses 98-Kubikzentimeter-Fahrzeug, das in je einer Version für Damen und Herren erhältlich war, wies etwa 3 PS auf, erreichte maximal 55 bis 60 km/h und benötigte knapp zwei Liter Kraftstoff auf 100 km. Vor dem Krieg kostete die NSU-D Quick 290 Reichsmark, 1953 lag der Preis bei 625 DM.

Zwischen 1951 und 1954 kauften kleinere italienische Motorradproduzenten die damals modernen Motoren der NSU-Fox und stellten damit ihre Motorräder in kleineren Serien her. In der Hälfte der 50er-Jahre des vergangenen Jahrhunderts war NSU unter der Leitung des Vorstandsvorsitzenden und Generaldirektors Gerd Stieler von Heydekampf mit einer Gesamtproduktion von knapp 350.000 Zweirädern pro Jahr der größte Zweiradhersteller der Welt. Die von rund 6.600 Mitarbeitern hergestellten Fahrzeuge wurden in insgesamt 90 Staaten exportiert. Am erfolgreichsten waren die NSU Max 251 OSB, ein 250-Kubikzentimeter-Motorrad mit einem Ventiltrieb durch zwei Schubstangen, obenliegender Nockenwelle und der sogenannten ULTRAMAX-Schubstangensteuerung, und der Motorroller NSU Lambretta, die ein in Lizenz gebautes Modell des italienischen Lambretta-Motorrollers war – von diesem Modell wurden in sechs Jahren 117.045 Stück produziert.

Die NSU Quickly, das Moped der Nachkriegszeit

Die NSU Quickly wird von Experten und Enthusiasten als eines der ersten „echten" Mopeds des beginnenden deutschen Wirtschaftswunders bezeichnet. Das Zweirad markierte den Anfang der Motorisierung der Massen in der Nachkriegszeit.

1953 wurde die Quickly erstmals auf der Internationalen Fahrrad- und Motorrad-Ausstellung (IFMA) vorgestellt. In einem großflächig initiierten Werbefeldzug, an dem auch zahlreiche Sänger und Schauspieler wie Sophia Loren oder Peter Alexander teilnahmen, ging es laut Werbeslogan um „den Kampf um den letzten Fußgänger". Ein PR-Manager von NSU entwarf die Parole: „Nicht mehr laufen, Quickly kaufen!". Daneben sind auch weitere Leitsprüche und Anekdoten zur Quickly bekannt. Als Nikolai Alexandrowitsch Bulganin bei einem Besuch in der Bundesrepublik Deutschland die Quickly vorgeführt bekam, soll er schwer beeindruckt gesagt haben: „Die ist nicht von uns erfunden!". Dies war außergewöhnlich, weil die Sowjets damals versuchten, sämtliche wichtigen Entwicklungen russischen Erfindern zuzuschreiben. Daneben gab es auch Meinungsverschiedenheiten bei der „Geschlechtsbestimmung" einer/eines Quickly. Das Unternehmen bestimmte selbst zunächst, „das Quickly" sei korrekt. In der Öffentlichkeit wurde das Moped allerdings mit „die Quickly" angesprochen. In späteren offiziellen Verkaufsprospekten von NSU wird das Zweirad ebenfalls die Quickly genannt.

Bei ihrer Präsentation war die NSU Quickly auf der IFMA 1953, auf der unter anderem auch die HEINKEL Perle vorgestellt wurde, eine von vielen Exponentinnen der neuen Zweirad-Gattung Moped, der sich anstelle der offiziellen Bezeichnung „Fahrrad mit Hilfsmotor" in weiten Teilen der Bevölkerung durchsetzen sollte. Der Begriff Moped war bereits vor der Vorstellung der ersten Fahrzeuge in aller Munde. Er geht zurück auf einen Vorschlag der Motorenfabrik ILO, der durch einen Wettbewerb ermittelt worden war. Die Quickly ist trotz einer Nennleistung von lediglich 1,4 PS oder 1 Kilowatt – später 1,7 PS oder 1,25 Kilowatt – relativ schnell. Darüber hinaus ist das Moped bei einem Verbrauch von nicht mehr als zwei Litern Benzin auf 100 Kilometer auch in unserer Zeit noch eine der sparsamsten Arten der Fortbewegung. Im Falle der N-Modelle trifft dies auch auf die leichteste Art zu.

Das Erfolgsmodell NSU Quickly

Wirtschaftlich war die Quickly ein großer Erfolg, und schon 1954 hatte NSU die 100.000 Exemplare hergestellt. Dieses Moped war für zahlreiche Menschen, die bislang nur auf das Fahrrad angewiesen waren, das Symbol des wirtschaftlichen und technischen Fortschritts des aufkeimenden Wirtschaftswunders. Endlich nicht mehr selbst treten müssen. Obwohl die Quickly eine einzigartige technische Option bereithielt: Wenn der Motors nicht lief und die Kupplung gezogen war, konnte der Fahrer in die Pedale treten und die Kraft über das Getriebe zum Hinterrad übertragen. Die Quickly wies eigens hierfür einen sogenannten „Kupplung-gezogen-Halten"-Drahtbügel auf, der vor den gezogenen Handgriff gesetzt werden konnte und die offene Kupplung fixierte.

Die Weiterentwicklung des ursprünglichen Modells N (Normal), das NSU ab dem Herbst 1953 herstellte, wurde weiter vorangetrieben, und schon 1956 kam die Quickly S (Spezial) hinzu. 1955 kostete die einfachere Ausführung 465 DM, dagegen war die Quickly S für 515 DM zu haben. Die Quickly S war mit einem Tachometer in der Lampe, seitlichen Spritzschutzecken und Chromfelgen sowie einer zusätzlichen Seitenstütze ausgestattet. Gegenüber dem 3,1-Liter-Tank der N gab es bei der S einen 4,45-Liter-Tank, der dann ein Jahr später auch in die N-Modelle eingebaut wurde. 1957 wurde als technische Innovation ein Dreiganggetriebe angeboten. Die technische Verbesserung war dadurch möglich geworden, nachdem 1956 die Begrenzung des Gewichts für Mopeds, die ursprünglich nur 33 kg betragen hatte, aufgehoben worden war.

Erweiterung der Angebotspalette der Quickly

1956 kam die Quickly L (Luxus) in den Handel, um noch breitere Konsumentenschichten zu erreichen und den wachsenden Wünschen nach mehr Zubehör und Luxus zu entsprechen. Dieses Moped sollte besonders die weiblichen Käufer ansprechen und der Entwicklung hin zum Motorroller optisch entsprechen. Dazu wurde der Lenker, der als sogenannter Profillenker bekannt wurde, bei der L komplett verkleidet, das Hinterrad war mit einer Federung versehen und zusätzlich verkleidet. Darüber hinaus wurden diese Modelle mit neuen Farbkombinationen sowie mit den damals populären Weißwandreifen angeboten. Bis zur Vorstellung der S 23/2 wurde hieraus das zweisitzige Modell S 2 entwickelt. Einzigartig bei diesem Modell war die verwendete Größe der Räder von 25 Zoll.

Als sportliche Ergänzung der Angebotspalette kam dann 1957 die Quickly Cavallino, ein Modell im italienisch-sportlichen Design. Möglich war dies durch den Wegfall der gesetzlichen Bestimmung über die 26-Zoll-Räder. Die Quickly T – die „Traum"-Quickly – kam 1959 in den Handel. Dieses Fahrzeug war blechverschalt und sowohl von einem Gebläse gekühlt sowie mit einer Hinterradfederung versehen. 1960 wurde die sportliche TT vorgestellt, und 1961 brachte NSU als einziges Kickstarter-Modell die TT/K auf den Markt. Das Unternehmen begann 1961 die Modellpalette zu straffen. In Folge dessen wurden die Modelle TT und TT/K nach nur einem Jahr Bauzeit eingestellt. Es verblieben die bereits vorher eingeführte T, die Modelle S 23 und S23/2 sowie das Basismodell N, das nun auch mit 23-Zoll-Rädern ausgestattet war und von da ab N 23 hieß. Allen Modellen – ob von Typ N oder Sportmodell – blieb der 1,7-PS-Antrieb gemein, der mit der Hand zu schaltenden Zwei- oder Dreiganggetriebe angeboten wurde.

NSU verliert den Anschluss im Zweiradgeschäft

Während Zweiradproduzenten wie Hercules, Kreidler oder Zündapp in diesen Jahren wachsende Umsätze verzeichnen konnten, verlor NSU im Markt der 50-Kubikzentimeter-Maschinen immer mehr Marktanteile. Die bevorzugte Strategie bei NSU war die Abkehr vom Zweirad bei gleichzeitiger Hinwendung zum Automobil. Allerdings konstruierte NSU noch 1962 die Quick 50. Hierbei handelte es sich um ein Kleinkraftrad, das jedoch mit lediglich 4,3 PS und 70 km/h Höchstgeschwindigkeit auf dem neuen und stark umkämpften Kleinkraftrad-Markt trotz einer Neuentwicklung des Motors mit einer Viergang-Fußschaltung kaum Chancen hatte, sich gegen die etablierten Hersteller zu behaupten. Von diesem Modell wurden auf diese Weise bis 1966 nur etwa 9.300 Stück gefertigt.

Das Ende der Produktion der NSU Quickly und ihrer Ersatzteile

In unserer Zeit ist es nicht mehr eindeutig festzustellen, wann genau die letzte Quickly hergestellt wurde, weil das NSU-Archiv durch Überschwemmungen der Hochwasser führenden Sulm mehrfach zerstört wurde. Die auf Vorrat produzierten Quicklies wurden allerdings noch bis ins Jahr 1969 verkauft. Das Automobil NSU Prinz löste von da an endgültig die Zweiräder in Neckarsulm ab. Als Triebwerk überdauerte der von einem Gebläse gekühlte Dreigang-Quickly-Motor abgewandelt noch einige Jahre als Einbaumotors vom Typ 35 in einer Gartenfräse der Firma Agria. Dieses Gartengerät – die Agriette – erhielt daher oftmals den Kosenamen Kräutermoped. Das letzte Quickly-Teil, das immer noch hergestellt wird, ist der seit 1957 von der Form her unverändert produzierte 4,45-Liter-Tank, der noch immer von Agria an einer Gartenfräse abgebaut wird. Alles in allem wurden etwa 1,5 Mio. NSU-Quickly-Mopeds produziert. Daher gilt dieses Zweirad als eines der erfolgreichsten Mopeds überhaupt.

Die NSU Quickly ist ein echtes Oldtimer-Moped und war zu seiner Zeit weit verbreitet, daher verwundert es nicht, dass das Modell auch heute noch eine große Anzahl von Fans hat.

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