Münzen aus Neuguinea - stille Zeitzeugen der deutschen Kolonialzeit

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Münzen aus Neuguinea - stille Zeitzeugen der deutschen Kolonialzeit

Das Interesse an Münzen ist ungebrochen und die Tendenz zum Sammeln eher steigend. Immer mehr Menschen interessieren sich für dieses Hobby und so existiert in fast jedem deutschen Haushalt eine Münzsammlung. Für Sammler aus verschiedenen Bevölkerungsschichten sind nicht nur die populären Euro-Prägungen von Interesse, sondern auch die, die bis an den Ursprung vor Christi Geburt zurückgehen. Münzen sind Zeitzeugen, mit geschichtlichen Zusammenhängen, mit politischen Verbindungen oder Verwerfungen und mit wirtschaftlichen Aufschwüngen und Abschwüngen. Sie definieren sich nicht nur über ihre Geschichte, sondern auch über den enthaltenen Edelmetallwert, der in der Regel aus Gold besteht. 

Die Gründung der Neuguinea-Kompagnie - ein geschichtlicher Überblick

Im Jahre 1882 wurde in Berlin die Neuguinea-Kompagnie durch Banker und Großinvestoren gegründet. Ein wichtiges Gründungsmitglied war damals der Banker Adolph von Hansemann. Das Ziel der Kompagnie war es, einen Kolonialbesitz in der Südsee zu erwerben. Hierzu zählten Neuguinea, der Bismarck-Archipel und die Salomoneninseln. Im August 1884 hatte Großbritannien den Südostteil von Neuguinea vereinnahmt. Im gleichen Jahr konnte der Agent des Neuguinea-Konsortiums, welches später umbenannt wurde in Neuguinea-Kompagnie, Friedrich Hermann Otto Finsch den Nordostteil Neuguineas und den Bismarck-Archipel sichern. Im restlichen Teil von Neuguinea regierte die Kolonie der Niederlande. Nachdem 1884 die deutsche Flagge im Nordostteil Neuguineas gehisst worden war, wurde dieser Teil des Landes in Kaiser-Wilhelms-Land umbenannt. Zum Bismarck-Archipel gehörten beispielsweise die Inseln Neu-Mecklenburg, Neu-Pommern und Neu-Hannover. Im Jahre 1885 erhielten die Gebiete Kaiser-Wilhelms-Land und der Bismarck-Archipel den kaiserlichen Schutzbrief und im selben Jahr bekamen die Deutschen die Marshall-Inseln zugesprochen. Bis zum Jahre 1888 kamen weitere Inseln wie beispielsweise die Marianen, Karolinen, Palau, Nauru und die westlichen Salomoneninseln hinzu. Am 01. April 1899 übernahm das Deutsche Reich die Gebiete der Neuguinea-Kompagnie. Von diesem Datum an entstand die Kolonie Deutsch-Neuguinea.

Wie es zur Entstehung der Kolonie Deutsch-Neuguinea kam

Als bekannt wurde, dass die Neuguinea-Kompagnie kurz vor der Insolvenz stand, war das Deutsche Reich gezwungen, die Hoheitsrechte für das Kaiser-Wilhelms-Land zurück zu erwerben. Damit verwaltete das Kaiserreich die Kolonie Deutsch-Neuguinea und der kaiserliche Gouverneur bezog seinen Sitz Herbertshöhe im Bismarck-Archipel. Da die Verwaltung nun direkt vor Ort war, erhoffte sich die Reichsregierung eine Stabilisierung der Wirtschaft. Die Hauptprodukte waren zum Beispiel Kautschuk, Kopra und Steinnüsse.

Um die Wirtschaft weiter und intensiver voranzutreiben, sollte das Kolonialgebiet des Deutschen Reiches erweitert werden. Aus diesem Grund wurde im Jahre 1899 ein Deutsch-Spanischer Vertrag geschlossen. Dadurch erhielt das Deutsche Reich durch Zahlung von 17 Millionen Mark die Inseln Karolinen, Palau und die nördlichen Marianen. Im Jahre 1905 wurde durch die Deutsche Kolonialgesellschaft eine Volkszählung mit dem Ergebnis durchgeführt, dass in der Kolonie Deutsch-Neuguinea 200.000 Einheimische und 700 Deutsche lebten. Ab dem Jahre 1910 hatte die Regierung ihren Standort in Rabaul.

Beim Ausbruch des Ersten Weltkrieges im Jahre 1914 wurden durch australische Truppen das Kaiser-Wilhelms-Land, das Bismarck-Archipel, die Salomoneninseln und Nauru besetzt. Japanische Truppen übernahmen die Marshallinseln, Marianen, Palau und Karolinen. Im Jahre 1920 wurden dann die Gebiete an die japanische und australische Mandatsverwaltung übergeben.

Die Kolonie Deutsch-Neuguinea bekommt die Goldmark

Im Jahre 1887 wurde offiziell die Mark, inoffiziell auch Goldmark genannt, in Deutsch-Neuguinea eingeführt. Diese Währung gab es im Deutschen Kaiserreich bereits seit dem Jahre 1871. Der Name Goldmark bezieht sich im engeren Wortsinn auf die Goldmünzen der Währung. Die Münzen wurden in neun verschiedenen Prägestätten hergestellt. Jede Stadt, in der sich ein Prägestandort befand, erhielt einen Buchstaben. Der Buchstabe A stand für Berlin, B war Hannover, das C stand für Frankfurt, D erhielt München, E war für die Orte Dresden und Muldenhütten, F deutete auf Stuttgart hin, G stand für Karlsruhe, H für Darmstadt und J verwies auf Hamburg. 

Die unterschiedlichen Goldmünzen der Mark

Die Goldmünzen der Mark wurden mit den Nennwerten 5 Mark, 10 Mark und 20 Mark gefertigt. Die 5-Mark-Goldmünze hatte einen Durchmesser von 17 mm mit einem Gesamtgewicht von 1,991 Gramm. Der Goldfeingehalt von 900 in der Goldmünze wog 1,791 Gramm. Die 5 Mark Goldmünze war mit ihren 17 mm Durchmesser sehr klein und konnte sich daher auf dem Markt nicht behaupten, weil sie sehr oft verloren ging. Die 10-Mark-Goldmünze hatte einen Durchmesser von 19,5 mm mit einem Gesamtgewicht von 3,982 Gramm. Der 900er Goldfeingehalt in der Goldmünze betrug 3,584 Gramm. Bei der 20-Mark-Goldmünze lag der Durchmesser bei 22,5 mm mit einem Gesamtgewicht von 7,965 Gramm. Hier betrug der 900er Goldfeingehalt in der Goldmünze 7,169 Gramm. Goldmünzen sind aufgrund des Goldpreises nicht nur für Münzsammler sehr interessant geworden, sondern werden von vielen Menschen auch als Kapitalanlage genutzt. Falls Sie auch in eine sichere Finanzanlage investieren möchten, haben Sie die Möglichkeit bei eBay passende Goldmünzen zu kaufen.

Die verschiedenen Silbermünzen der Mark

Ab dem Jahre 1873 kam die erste 20-Pfennig-Silbermünze heraus. Sie hatte einen Durchmesser von 16 mm mit einem Gewicht von 1,111 Gramm. Im Münzgesetz vom 09. Juli 1873 wurde für jede Silbermünze bis zum Wert von 1 Mark die Anzahl der Kerben zur Randgestaltung festgeschrieben. Bei der 20-Pfennig-Silbermünze waren dies 110 Kerben. Im Jahre 1875 wurde die erste 50-Pfennig-Silbermünze herausgeben. Diese hatte einen Durchmesser von 20 mm mit einem Gewicht von 2,778 Gramm. Die Anzahl der Kerben betrug 126. Die 1/2 Mark Silbermünze kam erst viel später im Jahre 1905 auf den Markt. Sie hatte einen Durchmesser von 20 mm mit einem Gewicht von 2,778 Gramm. Die Kerben betrugen hier nur 90. Die 1 Mark Silbermünze wurde im Jahre 1873 ausgegeben. Ihr Durchmesser hatte 24 mm mit dem Gewicht von 5,556 Gramm. Die Anzahl der Kerben lag bei 140. Die ersten 2-Mark-Silbermünzen kamen im Jahre 1876 heraus. Sie hatten einen Durchmesser von 28 mm und das Gewicht lag bei 11,111 Gramm. Die ersten 3-Mark-Silbermünzen wurden erst später im Jahre 1908 veröffentlicht. Die Münze hatte einen Durchmesser von 33 mm bei einem Gewicht von 16,667 Gramm. Die erste 5-Mark-Silbermünze wurde bereits im Jahre 1874 ausgegeben. Sie hatten einen Durchmesser von 38 mm mit einem Gewicht von 27,778 Gramm. Im deutschen Kaiserreich war es ab dem Jahre 1873 den Bundesstaaten erlaubt, eigene Silbermünzen mit den Nennwerten von 2 Mark bis 5 Mark sowie Goldmünzen zu veröffentlichen. In dem dazugehörigen Münzgesetz vom 09. Juli 1873 war vorgeschrieben, wie die Münzen auszusehen hatten.

Die Kleinmünzen der Mark erschienen in zwei Serien

Es wurden zwei Serien an Kleinmünzen für die Mark veröffentlicht. Münzen, die im Jahre 1873 herausgegeben wurden, hatten auf der Motivseite einen kleinen Adler. Bei den Münzen, die nach dem Jahre 1890 veröffentlicht wurden, befand sich auf der Motivseite ein großer Adler. Die 1 Pfennig Kleinmünze hatte einen Durchmesser von 17,5 mm mit einem Gewicht von 2 Gramm. Die 2-Pfennig-Kleinmünze hatte einen Durchmesser von 20 mm bei einem Gewicht von 3,333 Gramm. Die 5-Pfennig-Kleinmünze wurde mit einem Durchmesser von 18 mm und einem Gewicht von 2,5 Gramm gefertigt. Bei der 10-Pfennig-Kleinmünze, die auch Groschen genannt wurde, lag der Durchmesser bei 21 mm und das Gewicht bei 4 Gramm. Alle Kleinmünzen wurden aus mindestens 75 Prozent Kupfer hergestellt.

Die Neu-Guinea-Mark wird herausgegeben

Nach langen Verhandlungen wurde beschlossen, dass im Jahre 1894 die Deutsch-Neuguinea-Kolonie eine eigene Währung erhielt. Damit war nun die Neu-Guinea Mark neben der Goldmark das offizielle Zahlungsmittel mit einem gleichen Wert. Am 01. April 1899 wurde durch die Übernahme des Deutschen Reiches beschlossen, dass keine weiteren Neuguinea-Mark-Münzen herstellt werden sollten und am 15. April 1911 wurde die Währung aus dem Verkehr gezogen. Von da an gab es wieder ausschließlich die Goldmark. Die Nennwerte der Neu-Guinea-Mark waren 1 Pfennig, 2 Pfennig, 10 Pfennig, 1/2 Mark, 1 Mark, 2 Mark, 5 Mark, 10 Mark und 20 Mark. Die Pfennig-Münzen wurden in Kupfer und die Mark-Münzen in Silber hergestellt. Ab der 10-Pfennig-Münze wurden ein Motiv eines Paradiesvogels und bei den kleineren Münzen zwei gekreuzte Palmzweige verwendet.

Die Reichsmark kommt als letzte Währung nach Deutsch-Neuguinea

Am 30. August 1924 wurde die Reichsmark in Deutschland und somit gleichzeitig in der Kolonie Deutsch-Neuguinea eingeführt. Die Nennwerte der Reichsmark-Münzen waren 1 Rpf, 2 Rpf, 4 Rpf, 5 Rpf, 10 Rpf, 50 Rpf, 1 RM, 2 RM und 5 RM. Auf den Reichsmark-Banknoten wurden die Nennwerte 10 RM, 20 RM, 50 RM, 100 RM und 1000 RM gedruckt. Die Reichsmark wurde nur noch an sieben Prägestandorten, im Gegensatz zur Mark, die an neun Prägestandorten gefertigt wurde, in ganz Deutschland hergestellt und ebenfalls mit Buchstaben gekennzeichnet. A für Berlin, B für Wien, D erhielt München, E für Muldenhütten, F deutete auf Stuttgart hin, G für Karlsruhe und J verwies auf Hamburg.

Was Sie beim Sammeln von Währungen berücksichtigen sollten

Für Sie als Sammler sollten die Währungen der Zeit von Deutsch-Neuguinea inklusive des Deutschen Kaiserreiches und der Weimarer Republik etwas ganz Besonderes darstellen. In kaum einem Abschnitt der Geschichte Deutschlands sind so viele unterschiedliche Währungen veröffentlicht worden, wie gerade in dieser historischen Zeit. Wichtig ist jedoch, dass Sie sich eingehend informieren. Viele Details aus dieser geschichtsträchtigen Zeit können Sie in Münzkatalogen nachlesen. Die Kataloge sind für Sie mitunter die wichtigsten Ratgeber in Bezug auf Ihre Sammelleidenschaft. Da diese Werke jedes Jahr neu aufgelegt werden, können Sie sich regelmäßig über den aktuellen Sammlerwert informieren und somit den Wert Ihrer Sammlung selbst errechnen. Bewahren Sie Ihre Münzen in Münzalben oder Münzetuis auf. So halten Sie Ihre Sammlung in Ordnung und Ihre Münzen sind geschützt. 

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