Münzen aus Afrika - das Tor zu einer alten, geheimnisvollen Welt voller Gegensätze

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Münzen aus Afrika - das Tor zu einer alten, geheimnisvollen Welt voller Gegensätze

Afrika ist ein Kontinent geprägt von Gegensätzen. Während der Norden bereits in der Antike in enegem Kontakt mit Europa stand, wurden der Süden und die Mitte des Kontinents teilweise erst im Laufe des 19. Jahrhunderts entdeckt und kolonialisiert. Die Geschichte des Kontinents spiegelt sich auch in den Münzen wieder.

Alte Kulturen in Nordafrika und ihre Münzen

Als eine der Kulturen mit der längsten Münzgeschichte in Afrika gilt Ägypten. Als Alexander der Große im 4. Jahrhundert vor Christus Ägypten eroberte, begann man mit der Prägung von Goldmünzen in Afrika. Zuvor, um das Jahr 360 vor Christus, lies der Pharao Nektanebos III. in Griechenland ebenfalls Goldmünzen prägen, um damit Söldner aus Sparta und Athen zu bezahlen. In Marokko entwickelte sich deutlich früher als in den südlicheren Teilen Afrikas eine eigenständige und unabhängige Währung. In der Dynastie der Saadier wurde 1672 der Fallus in Marokko eingeführt. Dabei handelte es sich um eine Münzwährung auf Basis von Kupfer- und Bronzeprägungen. Sie finden auf diesen alten Münzen im Regelfall keine Nennwerte aufgeprägt, die Unterscheidung der Werte wurde über die Größe vorgenommen. Der Fallus sollte bis 1901 offizielles Zahlungsmittel in Marokko bleiben.
In Tripolis in Libyen existierte bis ins 18. Jahrhundert hinein eine lokale Münzwährung. Diese verfügte über Bronze-, Silber- und Goldmünzen. In dieser Phase der Geschichte war Libyen Teil des Osmanischen Reiches, das diese lokale Währung tolerierte. Zum Anfang des 18. Jahrhunderts war Tripolis jedoch im Visier von britischen und französischen Angriffen, mit dem Ziel, die Piraterie im Mittelmeer einzudämmen. Dies führte zur Zerstörung von Tripolis im Jahre 1728 und beendete die Ära der Münzprägung in Libyen.

Münzen in Afrika zur Kolonialzeit

Zum Ende des 15. Jahrhunderts begannen zahlreiche europäische Staaten mit der Kolonialisierung Afrikas. Der Kontinent im Süden lockte vor allem mit seinen reichen Bodenschätzen und exotischen Gewürzen und Rohstoffen wie Gold, Pfeffer, Diamanten, Kaffee und Kakao. Für die meisten der Eingeborenen waren Münzen und Geld als Zahlungsmittel vollkommen unbekannt und die Europäer brachten diese Form der Währung in die südlichen Gegenden Afrikas. Eine der ältesten Kolonialmünzen Afrikas ist der Macuta. Dieser wurde von den Portugiesen im Jahre 1762 in Portugiesisch-Guinea an der Westküste Afrikas eingeführt. Der Name der Währung entsprang dem afrikanischen Sprachgebrauch und damit wurden ursprünglich Tauschwaren bezeichnet, meist Kleiderstoffe. Es gab Münzen sowohl aus Kupfer als auch aus Silber. Silbermünzen wurden in Werten zu 2, 4, 6, 8, 10 und 12 Macutas ausgegeben. Der Macuta blieb bis ins Jahr 1975 die offizielle Währung im Lande, erst dann erlangte Portugiesisch-Guinea die Unabhängigkeit und nannte sich fortan Angola.

Die Münzen der britischen Kolonien

Auch in vielen weiteren Kolonien wurden im 18. und 19. Jahrhundert Kolonialwährungen eingeführt. Die Briten führten mit der Britisch-Ostafrikanischen Rupie 1906 eine Münze ein, die gleich in mehreren, geografisch getrennten Kolonien zum Zahlungsmittel wurde. In Britisch-Ostafrika, Tanganjika und Sansibar an der Ostküste Afrikas ersetzte diese Münze die weitverbreitete indische Rupie. Bereits im Jahre 1920 wurde diese Währung durch die britische Heimatwährung, das Pfund Sterling, ersetzt. Für Sammler der numismatischen Geschichte ist eine der Münzen aus dieser Währung besonders interessant. Das 1-Cent-Stück aus dem Jahre 1907 war die erste Aluminium-Münze im Zahlungsverkehr weltweit. An der Westküste Afrikas wurde analog das westafrikanische Pfund von den britischen Kolonialherren eingeführt. Auch diese Währung galt in verschiedenen Gebieten, die den heutigen Staaten Nigeria, Ghana, Sierra Leone, Liberia und Gambia entsprechen. Nachdem die ehemalige deutsche Kolonie in Kamerun von den Briten besetzt wurde, führte man 1916 auch hier das Westafrika-Pfund ein, das in allen Ländern, bis zu deren Unabhängigkeiten in den 50er und 60er Jahren, offizielles Zahlungsmittel blieb.

Münzen aus Deutsch-Ostafrika

In Deutsch-Ostafrika hingegen waren es die Verwalter, die die Bevölkerung zu Beginn des 20. Jahrhunderts zu Steuerzahlungen in Form von Münzen zwangen. Für die Einwohner war die einzige Möglichkeit an Geld zu gelangen, sich als Arbeiter bei den Kolonialherren anstellen zu lassen. So und ähnlich verbreitete sich das Münzgeld in den meisten Kolonien Afrikas. Für die Umlaufwährungen nutzten die Kolonialmächte oftmals spezielle, für dieses Land geprägte Währungen in Form von Münzen. In Deutsch-Ostafrika wurde so zum Beispiel 1890 die Deutsch-Ostafrikanische Rupie eingeführt, die noch bis nach dem Ende des Ersten Weltkrieges im Umlauf war.

Eine unabhängige Währung in Afrika im 19. Jahrhundert

Zur Kolonialzeit im 19. Jahrhundert gab es nur wenige Gebiete Afrikas, die über eine von Europa unabhängige Währung verfügten. Eine dieser seltenen Währungen ist der Birr aus Äthiopien. 1894 führte Kaiser Menelik II. die Währung im Kaiserreich Abessinien, einem Teil des heutigen Äthiopiens, ein. Menelik II. kämpfte zeitlebens für die Unabhängigkeit seines Staates, was sich nicht nur in der Währung ausdrückte. Er wehrte sich erfolgreich gegen italienische Invasionsversuche und schloss Handelsverträge mit verschiedenen europäischen Staaten ab. Die Währung wurde 1945 auf das Dezimalsystem umgestellt und ist nach wie vor das offizielle Zahlungsmittel in Äthiopien.

Mitte des 20. Jahrhunderts – Unabhängigkeit und neue Währungen

Zwischen 1950 und 1976 herrschte in Afrika die Zeit der Dekolonisation. Großbritannien, Frankreich, Italien, Portugal und Spanien hatten bis zu dieser Zeit noch große Gegenden Afrikas unter ihrer Kontrolle. Nach und nach zogen sich die europäischen Staaten zurück und unabhängige afrikanische Nationen entstanden. Diesen oblag nun auch die Kontrolle über die Finanzen und die Wirtschaft und sie führten nach und nach eigene Währungen ein. Viele der Währungen erhielten ihre Namen von ihren Vorläufern, die von den europäischen Kolonialverwaltungen eingeführt wurden. So erinnern diese Namen vielfach an Währungen in Europa, wie zum Beispiel der Tansania-Schilling oder der Kongo-Franc. An der Westküste Afrikas ersetzten die Staaten, die bis zur Unabhängigkeit das westafrikanische Pfund verwendeten, diese Währung durch eigene Zahlungsmittel. Ghana erklärte so zum Beispiel 1958 als erstes dieser Länder seine Unabhängigkeit und führte das ghanaische Pfund ein. Bereits 1965 wurde auch diese Währung wiederum abgelöst. Der nun eingeführte Cedi brachte auch eine Umstellung auf das Dezimalsystem mit sich und unterteilte sich in 100 Pesewas. Im Handel finden Sie Cedi- und Pesewas-Münzen sowie Währungen anderer Länder Westafrikas.

Die Geschichte der Münzen in Südafrika und den umliegenden Staaten

Beispielhaft für den Werdegang vieler Währungen in Afrika ist die numismatische Geschichte Südafrikas. 1652 wurde am Kap der Guten Hoffnung eine Versorgungsstation der Niederländischen Ostindien-Kompanie gegründet. Diese strategisch gut gelegene Siedlung entwickelte sich bis in das 18. Jahrhundert immer weiter und fiel 1806 in britische Hände. Die Briten erweiterten das Gebiet und legten den Grundstein für eine Kolonie. Mit der Entdeckung von Diamanten und Gold in der Mitte des 19. Jahrhunderts im Süden Afrikas wuchs die Bedeutung des Gebietes noch weiter. Die Briten führten in dieser Zeit den Florin in Südafrika als Zahlungsmittel ein, eine Silbermünze, die auch in England im Umlauf war. Die südafrikanischen Münzen besaßen jedoch abweichende Prägungen, die sie von den britischen Münzen deutlich unterscheidet. Zwischen 1825 bis 1922 galt das englische Pfund Sterling mit all seinen Nominalen in Südafrika und wurde ab 1908 auch im Land geprägt.

Das südafrikanische Pfund

1921 wurde in Südafrika die South African Reserve Bank gegründet, die dazu die älteste Zentralbank Afrikas ist. Ein Jahr später wurde das südafrikanische Pfund als eigenständige Währung eingeführt, die nun nicht mehr an die englische Währung gekoppelt war. Obwohl die Republik Südafrika seit 1910 unabhängig war, erkennen Sie an der Namensgebung noch den Bezug zu der britischen Kolonialzeit. Die Nominale unterhalb des Pfunds hießen Shilling und Pence. Diese Währung wurde ebenfalls in der ehemaligen deutschen Kolonie Südwestafrika, welche an Südafrika angrenzte, zum offiziellen Zahlungsmittel. 1961 wurde das südafrikanische Pfund vom südafrikanischen Rand abgelöst, der ebenfalls in den Nachbarländern Lesotho und Swasiland als Zahlungsmittel und zweite Währung eingeführt wurde.
In Namibia, das zu dieser Zeit unter der Verwaltung Südafrikas stand, wurde der Rand ebenfalls offizielles Zahlungsmittel. Ein Rand unterteilt sich in 100 Cent. Mit der Unabhängigkeit Namibias, der ehemaligen Kolonie Deutsch-Südwestafrika, im Jahre 1990 wurde der Rand dort durch den Namibia-Dollar ersetzt. Dieser Dollar hieß in der Probe- und Einführungszeit auch Namibia-Mark, ein Name, der wiederum in Anlehnung an die Geschichte der deutschen Kolonialzeit gewählt wurde. Der Namibia-Dollar wird ebenfalls wie der Rand in Südafrika in 100 Cent geteilt.

Seltene Münzen aus Südafrika

Zu den seltenen Münzen aus Südafrika zählen die 1- und 2-Cent-Münzen aus der Rand-Währung, denn diese wurden seit 2005 aus dem Zahlungsverkehr entfernt. Geldbeträge werden seitdem, ähnlich wie in Finnland in der Euro-Zone, auf 5 Cent gerundet. Für Numismatiker sind ebenso die Krugerrand-Goldmünzen aus Südafrika interessant. Diese besitzt ein Feingehalt von 91,67 Prozent und wird bereits seit 1967 in vier verschiedenen Größen geprägt. Interessant an dieser Münze, die nach wie vor als Zahlungsmittel in Südafrika verwendet werden kann, ist das Fehlen eines aufgeprägten Nennwertes. Der Zahlungswert der Münze ist direkt an den Goldpreis gebunden und wird jeden Werktag von offizieller Seite neu festgesetzt und preisgegeben. Der Krugerrand wird vielfach auch als Anlagemünze verwendet.

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