Moderne Teeglashalter aus der UdSSR (Cu,Ni,Alu,Stahl)

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Neuere sowjetische Teeglashalter aus Melchior, rostfreiem Stahl und Aluminium

Wozu ein eBay-Ratgeber über neuere sowjetische Teeglashalter aus Melchior, rostfreiem Stahl und Aluminium?

Insgesamt gibt es wohl mehr als 1000 verschiedene Typen von sowjetischen Teeglashaltern ("Podstakanniki") aus einfachen Metallen, die seit den 1950er Jahren bis zum Ende der UdSSR dort hergestellt worden sind. Um diese einfachen Teeglashalter geht es in diesem Ratgeber. Das sind die Podstakanniki, die in sowjetischen Zügen, Werkskantinen und Privathaushalten weit verbreitet waren. Teure silberne und wirklich seltene Sammelobjekte (z.B. des Zarenreichs), die bei einem der klassischen Auktionshäuser medienwirksam hohe Preise erzielen könnten, sind nicht Gegenstand dieser Ausführungen.

Ziel dieses Ratgebers kann auch nicht sein, eine komplette Katalogisierung vorzunehmen. Aber zu einigen der gelegentlich bei eBay angebotenen Stücke gibt es hier nützliche Informationen in Form von Fragen und Antworten. Denn manchmal finden sich bei eBay auch Informationen zu Teeglashaltern, die teils versehentlich, vielleicht aber auch teils absichtlich irreführend sind.

1. "Russische, belarussische, ukrainische oder sowjetische Teeglashalter - also was denn nun?"
Es fällt auf, dass identische Teeglashalter im Handel - also auch bei eBay - mal als russisch, dann wieder als sowjetisch bezeichnet werden. Die Verwirrung ist komplett, wenn dann auch noch ukrainische oder belarussische Teeglashalter ins Spiel kommen. Zur Klärung der oft verwirrenden Begrifflichkeit folgendes:

  • "SOWJETISCHE TEEGLASHALTER" stammen aus der ehemaligen UdSSR (als Staat von 1922-1991). Sie können auf dem Gebiet der Russischen, Belarussischen, Ukrainischen oder einer anderen Sowjetrepublik hergestellt worden sein. Entsprechende Betriebe gab es in diversen Sowjetrepubliken.
  • Der Begriff "RUSSISCHE TEEGLASHALTER" kann sich entweder auf in Russland (bis zur Gründung der UdSSR 1922 oder in der Russ. Föderation ab 1991) produzierte oder in der Russ. Sowjetrepublik (1922-1991) hergestellte Stücke beziehen. Analoge Ausführungen gelten für Teeglashalter aus anderen ehemaligen Sowjetrepubliken.

Bild 1 - Fünf Teeglashalter: 3x sowjetisch, 2x russisch, 2x ukrainisch, 1x belarussisch

Was bei eBay auffällt: Belarussische und ukrainische Teeglashalter verkaufen sich besser, wenn sie - nicht ganz korrekt - als russische Teeglashalter angeboten werden, denn dafür scheint es mehr Sammler zu geben.

2. "Ist der wirklich aus Silber?"
Gelegentlich werden Teeglashalter aus Melchior (auch "Neusilber", "German Silver"), einer Legierung aus Kupfer, Nickel und Zink, als silberne Teeglashalter angeboten. Die meisten sowjetischen Teeglashalter aus Melchior tragen entsprechende Punzierungen, meistens MНЦ , МЕЛЬХ , НЕИЗ, MET oder 15-20 (all das sind Punzierungen für Melchior). Da ältere Teeglashalter aus Melchior oft versilbert sind, führen sog. Silbertester oft zu falschen Ergebnissen. Die Punzierung MET findet sich auch auf polnischen Haltern der 1960er/70er Jahre.


Bild 2 - Kein Silber

Gerne als Silber angeboten werden beispielsweise ukrainische Teeglashalter mit der Ansicht des Reiterstandbildes von Bogdan Chmelnitzki oder mit einem leeren Gravurfeld zwischen Früchten und Blättern (Bild 2, die beiden linken Teeglashalter). Auch filigrane sowjetische Teeglashalter, die ohnehin eher wertvoll aussehen, werden bei eBay gelegentlich als Silber angeboten (vgl. Bilder 2+3, rechter Teeglashalter). Die Stücke erzielen dann bei eBay oft deutlich höhere Preise als Stücke, die mit korrekter Materialangabe "Melchior" angeboten werden.
Außerdem finden sich auf Teeglashaltern aus Melchior oft die Punzierungen 1C, 2C, 1 COPT, 2 COPT. Diese Punzen haben mit den Verkaufspreisen (Preiskategorien) in der UdSSR zu tun und sind meines Wissens auf silbernen Teeglashaltern nicht zu finden, gelegentlich dagegen auf Alu-Haltern. Bei einer Punze des Typs "8 00" handelt es sich nicht um die Feingehaltsangabe des vermeintlichen Silbers, sondern um eine Preisangabe 8 Rubel  00 Kopeken.
Das Fehlen der o.g. Punzierungen ist auch kein Beleg für Silber, denn manche Stücke aus Melchior wurden auch ohne die entsprechende Punze hergestellt. Neuere sowjetische Teeglashalter, die tatsächlich aus Silber sind, sind u.a. mit der Feingehaltspunze 875 gestempelt. Es liegt natürlich auf der Hand, dass die 875er Punze einen Anreiz für (Ver-)Fälschungen bietet, denn viele Teeglashalter-Typen aus Melchior gibt es auch in Silber (vgl. Bild 2, zweiter Teeglashalter von rechts). Da könnte man doch ein Stück aus Melchior mit einer gefälschten Silberpunzierung versehen ... Aber um die silbernen Podstakanniki und mögliche (Ver)Fälschungen solls ja hier nicht gehen. Fazit: Es ist nicht alles Gold was glänzt, und es ist nicht alles aus massivem Silber, was silberfarben aussieht.

3. "Kann der wirklich so alt sein?"
Das Alter von Teeglashaltern wird gerne überschätzt - ein Phänomen, das sich auf dem gesamten Antiquitätenmarkt beobachten lässt. Schließlich bedeutet "älter" für viele Sammler und Händler auch "teurer" bzw. "wertvoller". Anhand der dargestellten Motive oder Punzierungen lassen sich bei vielen undatierten sowjetischen Teeglashaltern die ungefähren Herstellungszeiträume bestimmen. Generell gilt, dass Preisangaben in Rubel und Kopeken etwa von 1965 bis 1991 auf Teeglashaltern punziert wurden. Die Stempel 1C, 2C, 1 COPT und 2 COPT kommen vom Ende der 50er Jahre bis etwa 1970 vor.


Bild 3 - Nicht so alt, wie es aussieht

Einer der populärsten sowjetischen Teeglashalter (Kosmos CCCP, Weltraumfahrt, Bild 3 links) wurde in Koltschugina etwa ab 1960 hergestellt - oft werden aber die in den 1980er Jahren produzierten Stücke dieses Typs als "Teeglashalter aus den 1950er Jahren" angeboten. Gerne wird auch ein Teeglashalter aus Koltschugina mit Darstellung einer Palmenlandschaft als „sowjetisch“ oder als "aus den 1950er Jahren" angeboten (Bild 3, zweiter Halter v.r.). Das Stück kommt aber nur ohne Preisangabe und mit nach 1990 verwendeten Punzierungen vor, d.h. es ist sicher nicht sowjetisch. Die hübschen filigranen sowjetischen Teeglashalter, die ab den 1950er Jahren in großer Stückzahl hergestellt wurden (vgl. Bild 3, rechts), werden gelegentlich als aus der Zeit um 1900 stammend angeboten, oder sogar als "Biedermeier". Auf die Frage nach der Punzierung eines solchen bei eBay als "Imperial, 1900 to 1910" angebotenen filigranen Teeglashalters antwortete ein Anbieter: "No marks, it´s too old" (!). Ein Stück mit Darstellung des 1957 ins All geschossenen Sputnik wurde schon mal als von 1940 stammend angeboten.

4. "Sind sowjetische Teeglashalter selten und vielleicht eine gute Geldanlage?"
Man müsste wohl sagen: „Sowjetische Teeglashalter sind selten eine gute Geldanlage.“ Auch hier gilt, was für viele Sammlermärkte Gültigkeit hat: Vor allem Händler bzw. Verkäufer scheinen zu wissen, dass die Preise in letzter Zeit mal wieder enorm gestiegen sind. Für moderne sowjetische Teeglashalter aus Melchior, Stahl und Aluminium kann ich aber einen allgemeinen Preisanstieg nicht erkennen. Einzelne seltene Stücke ziehen im Preis etwas an, aber wer nur aus Gründen der Geldanlage kauft, der sollte von sowjetischen Teeglashaltern die Finger lassen. Die Stücke wurden in der UdSSR industriell und meist in großen Stückzahlen gefertigt ... bis hier Seltenheit und Nachfrage wie bei einem Gemälde von Rembrandt erreicht sind, wird es noch etwas dauern ;)
Generell gilt: Moderne sowjetische Teeglashalter sind nicht absolut selten, d.h. in absolut geringer Stückzahl verfügbar so wie etwa die berühmte „Blaue Mauritius“ unter den Briefmarken. Es gibt aber einzelne Typen und Varianten, die schwer zu beschaffen sind, weil die Stücke auf dem Gebiet der ehemaligen UdSSR verstreut sind und sich keiner drum kümmert. Kann schon sein, dass man einige Jahre und viel Geduld braucht, um ganz bestimmte Stücke aufzutreiben ... aber das stellt ja für den echten Sammler den Reiz an der Sache dar!

5. "Gibt es sowjetische Teeglashalter aus Aluminium mit farbigen emaillierten Darstellungen?"

Bild 4 - Emaille auf sowjetischen Teeglashaltern aus Kupfer-Nickel-Legierungen

Sowjetische Teeglashalter aus Melchior oder ähnlichen Kupfer-Nickel-Legierungen mit emaillierten Darstellungen gibts tatsächlich (s. Bilder oben), und das gar nicht so selten. Sie wurden wohl meist in Leningrad und Moskau hergestellt.
Aber sowjetische Teeglashalter aus Aluminium (!) mit Emaille? Also ich habe noch keine gesehen! Bunte Alu-Teeglashalter aus der UdSSR werden oft als „emailliert“ angeboten – klar, denn das vermeintlich aufwendige Zierwerk aus Emaille treibt den Preis.

Bild 5 - Bunte Teeglashalter aus Alu, aber kein Emaille

Die vielen farbigen sowjetischen Teeglashalter aus Aluminium sind entweder bemalt (Bild 5, rechts) oder lackiert (Bild 5, erster bis vierter Teeglashalter v.l.). Eine Emaille-Auflage wäre hier nicht sinnvoll, da das Emaille sehr spröde, das meist dünne Aluminium als Untergrundträgermaterial dagegen leicht verformbar ist – die emaillierten Flächen würden schnell reißen und springen.

6. "Sind die Gravuren der Blumen- und Gebäudedarstellungen von Hand gefertigt?"
Aus den 1940er bis 1970er Jahren existieren einige Typen sowjetischer Teeglashalter, die gravierte Blumen- oder Gebäudedarstellungen zeigen. Wieder ein gutes Argument für Verkäufer, den Preis etwas höher anzusetzen, um das vermeintliche Unikat teurer an den Mann (oder an die Frau) zu bringen. Doch auch hier ist Vorsicht angebracht. Solche Gravuren wurden mit maschineller Hilfe angebracht, denn auch diese Teeglashalter wurden in der UdSSR industriell gefertigt, d.h. es sind keine Einzelstücke.

Bild 6 - Maschinell gefertigte Gravuren, keine Einzelstücke

Man erkennt dies an dezentrierten Gravuren - so was passiert vielleicht einer Maschine bei industrieller Fertigung, nicht aber einem Graveur oder Goldschmied. Davon zu unterscheiden sind gravierte Widmungen aus der Sowjetzeit, die sich aber meist auf Text ohne bildliche Darstellungen beschränken. 

7. „Wie kriegt man diesen Teeglashalter wieder sauber?“
Reinigen und polieren lässt sich so ziemlich alles, was aus Metall ist. Jeder Sammler muss für sich selbst entscheiden, ob ihm die alte Patina lieber ist oder ob (s)ein Sammlerstück blitzblank poliert sein soll. Man sollte sich aber immer vor Augen halten, dass eine über Jahrzehnte gewachsene Patina schnell zerstört und entfernt, dann aber unwiederbringlich verloren ist. Eine alte Patina sieht bisweilen nicht nur prima aus, sondern macht ein Sammlerstück in den Augen vieler Sammler auch attraktiver.
Hartnäckige Verunreinigungen (Tee-, Kaffee-, Speisereste) entfernt man von alten Haltern am besten mit Zahnstochern oder Zahnbürsten im warmen Seifenwasser – leider ein mühseliges Verfahren. Was sich dann nicht entfernen lässt, kann mit Reinigungsmitteln angegangen werden. Hier muss jeder Sammler seine eigenen Erfahrungen machen. Für die unterschiedlichen Metalle bzw. Legierungen gibt es sicher jeweils mehr oder weniger geeignet Methoden. Vielleicht hilft hier die einschlägige numismatische Fachliteratur über die Reinigung von Münzen weiter.
VORSICHT bei farbig bemalten oder lackierten Haltern aus Aluminium: Hier kann es schnell passieren, dass man den Farbauftrag beschädigt. Bei einigen der bunten Alu-Teeglashalter blättert der Farbauftrag übrigens von selbst ab - da bedarf es keiner Reinigung ;)

8. „Warum gibt es so große Preisunterschiede bei identischen Teeglashaltern?“
Im Gegensatz zu „entwickelten“ Sammlermärkten mit klarem Preisgefüge und hoher Markttransparenz lassen sich bei modernen sowjetischen Teeglashaltern aus Melchior, Stahl und Alu sehr große Preisdifferenzen beobachten. Je nachdem, wer wo wann was in welcher Stückzahl anbietet oder nachfragt, sind die Preise eben höher oder niedriger. Da die Markttransparenz relativ gering ist, besteht für Anbieter ein Anreiz, auch ganz häufige Teeglashalter zu „Mondpreisen“ bei eBay einzustellen ... und wenn man Glück hat, findet man einen Dummen, der den hohen Preis bezahlt. Beispiele dazu: Es gibt bei eBay manchmal Preisforderungen von bis zu 200 US-Dollar (!) für einen (!) sowjetische Teeglashalter aus Melchior des häufigen Typs „Kosmos CCCP“. Für emaillierte Teeglashalter aus den 1950er Jahren werden manchmal bis zu 350 US-Dollar gefordert. In beiden Fällen kann man solche Stücke - auch über eBay - für einen Bruchteil dieser "Mondpreise" beschaffen, wenn man etwas abwartet. Mein Tipp: Bevor man viel Geld für einzelne Teeglashalter ausgibt, sollte man sich längere Zeit bei eBay umschauen und auch darauf achten, was wirklich zu welchem Preis verkauft wird. Wer dennoch zuviel gezahlt hat, schaut aus juristischer Perspektive "in die Röhre", denn bei Sammlerobjekten und Liebhaberpreisen kann man sich im allgemeinen nicht darauf berufen, übers Ohr gehauen worden zu sein. Ein weiterer Grund für die beobachtbaren Preisunterschiede: Auch der bei eBay weit verbreitete Trick mit günstigen Verkaufspreisen und enormen Versandkosten lässt sich bei Teeglashalter-Angeboten beobachten und sorgt für Preisunterschiede - hier habe ich schon mal Versandkosten von über 100 US-Dollar bei einem Artikelpreis von wenigen Euro gesehen.

9. „Lohnt sich das Sammeln von Alu-Teeglashaltern?“
Kommt drauf an. Aluminium gilt als billig und die Halter sind oft etwas verbogen. Teeglashalter aus Aluminium sind für den regulären Kunsthandel definitiv nicht auktionswürdig, und das wird auch noch lange so bleiben. Aber hinsichtlich Motiv, Gestaltung, Feinheit des Stempelschnitts (Prägewerkzeuge), relativer Seltenheit und zeitgeschichtlichem Hintergrund sind die Alu-Stücke den Teeglashaltern aus Melchior und Stahl mindestens ebenbürtig!

Bild 7 - Interessante sowjetische Teeglashalter aus Alu

Aus Aluminium gibt es eine Vielzahl hübscher Motive, beispielsweise Landschaftsdarstellungen wie den Baikalsee, Stadtansichten, Weltraumfahrt-Motive oder exotische Tiermotive und Fabelwesen (vgl. Bilder oben).

10. „Lässt sich das billige Aluminium als Material für sowjetische Teeglashalter noch übertreffen?“
Kein Problem! Angesichts der permanenten Rohstoffknappheit in der ehemaligen Sowjetunion gab es vermutlich ab den 1980er Jahren auch Teeglashalter aus Kunststoff. Diese Stücke sehen im Vergleich zu den Teeglashaltern aus Metall wirklich billig aus! Materialbedingt waren die Herstellungswerkzeuge nicht so fein gearbeitet, so dass es keine so detaillierten und feinen Darstellungen wie bei den Haltern aus Metall gibt.

11. „Passen alle standardmäßigen Teegläser in die Halter?“
Kauft man ein Teeglas, um es in den separat erworbenen Teeglashalter zu setzen und gemütlich etwas Tee zu trinken, dann kann man unter Umständen eine Überraschung erleben: Theoretisch passen alle Gläser in die Halter, praktisch gilt das leider nicht immer! Es gibt nämlich sowohl bei den sowjetischen Teeglashaltern als auch bei den Gläsern leicht variierende Durchmesser und Formen.

Bild 8 - Gläser passen nicht immer, rechts ein Alubecher (braucht kein Glas)

Kann sein, dass die Gläser zu groß sind und nicht in die Halter passen (Bild 8, die beiden Teeglashalter links), oder das Glas sitzt locker bzw. schräg im Halter (Bild 8, dritter Halter von links). Aber für die russlanderfahrenen Teetrinker gilt ohnehin, dass das Teeglas im Halter etwas wackeln darf oder mit sanfter Gewalt in den zu engen Halter gepresst wird - so erlebt mans jedenfalls noch heute gelegentlich in russischen Zügen ... und so muss das auch sein!

12. „Darfs auch etwas mehr sein?“
Na ja, wenns denn sein muss! Sowohl bei sowjetischen als auch bei westeuropäischen Teeglashaltern werden immer wieder Sets von bis zu sechs gleichen Haltern angeboten - einzeln kann man die Stücke vom Anbieter dann oft nicht erwerben. Das ist aus Verkäufersicht effektiver, aus Käufersicht ärgerlich - es sei denn, man sammelt alles im Sechserpack. Bleibt nur, die ggf. zuviel erworbenen Exemplare weiter zu verkaufen oder bei anderen Sammlern gegen andere Stücke zu tauschen. Bei sowjetischen Teeglashaltern gibt es solche Sechser-Sets nicht nur für die "billigen" Metalle, sondern für alle üblichen Metalle, also Silber, Melchior, rostfreier Stahl und Aluminium. Die Stücke sind also offenbar schon in der UdSSR einzeln oder als Sechser-Sets verkauft worden. Mir ist aufgefallen, dass auch relativ seltene Teeglashalter gelegentlich als Sechser-Set angeboten werden. Manchmal werden sowjetische Teeglashalter auch pärchenweise (z.B. die Stücke aus Aluminium mit bunter Bemalung, meist Blumenmotive) oder im Vierer-Set (z.B. mit Emaille) angeboten.

13. „Kann man sowjetische Teeglashalter auch nach Jahrgängen und Varianten sammeln?“
Und wie man kann! Man muss nur genau hinsehen, dann wird man bei manchen sowjetischen Teeglashaltern eines Typs diverse Varianten entdecken. Solche Varianten entstehen aus den unterschiedlichsten Gründen, z.B. durch neue Prägewerkzeuge, neue Hersteller- oder Preispunzen, Jahrgangspunzierungen, variierende Sockel, andere Griffe und vieles mehr. Gelegentlich findet man auch interessante Herstellungsfehler, z.B. dezentrierte Prägungen oder zwei Punzierungen statt einer. Kurzum: Hier kann man sich mindestens so austoben wie die Briefmarken- oder Münzensammler ;)   Leider achten die meisten Verkäufer von sowjetischen Teeglashaltern bei eBay nicht auf solche Details, die bei den Angebotsbeschreibungen dann fehlen. Wenigstens die Punzierungen sollten im Angebot per Bild festgehalten werden.

14. „Ist das wirklich ein Teeglashalter?“
Nicht alles, was wie ein Teeglashalter aussieht, ist auch wirklich ein Teeglashalter, kann aber theoretisch als solcher verwendet werden. Wie das geht?

Bild 9 - Keine Teeglashalter (zum Vergleich: vorne Mitte ein normales Teeglas)

  • Großformate: Manchmal werden übergroße Teeglashalter angeboten, die aber eigentlich nicht für Tee verwendet wurden. (1) So gibt es bspw. einen übergroßen "Teeglashalter" aus Bronze mit Ansicht von Zarenkanone und Zarenglocke in Moskau, der vmtl. als Flaschenhalter vertrieben wurde (Bild 9, hinten links). Es gibt aber auch passende Gläser dazu, so dass man theoretisch auch Tee daraus trinken könnte. (2) Nicht sowjetischen Ursprungs sind übergroße "Teeglashalter", die ursprünglich zur Kaffeezubereitung vorgesehen waren (Bild 9, hinten rechts; das sind die Teile, bei denen man das Kaffeepulver von Hand nach unten drückt). Solche Stücke werden gerne fälschlich als "Podstakannik" angeboten.
  • Miniformate: Es gibt viele kleine sowjetische Glashalter, in die gar keine 200ml- oder 250ml-Gläser passen (Bild 9, vordere Reihe mit einem 200ml-Glas als Vergleich). Solche Glashalter waren für Wodkagläser bestimmt (typische Größe: 50ml). Kann man also theoretisch auch Tee in kleinen Mengen daraus trinken, was aber im Sowjet-Alltag wohl doch eher die Ausnahme gewesen sein dürfte.
  • Trinkbecher: Fast alle mir bekannten sowjetischen Teeglashalter haben im Boden eine Öffnung, denn der Tee wird ja aus dem Glas getrunken. Es gibt aber aus der UdSSR auch Trinkbecher, die unten geschlossen sind und auch keine filigrane Durchbruchtechnik zeigen - und diese Stücke sehen aus wie ganz einfache Teeglashalter (vgl. Bild 8, rechts). Da könnte man ein Glas reinstellen und den Trinkbecher als Teeglashalter verwenden. Solche Stücke gibts mit Punzierungen von Herstellerlogo, Fassungsvermögen (ml) und Verkaufspreis.

15. „Wo kommst Du denn her?“
Diese Frage sollte man bei manchen als "sowjetisch" angebotenen Teeglashaltern schon mal stellen! Denn nicht alles, was man heute auf dem Gebiet der ehemaligen Sowjetunion erwerben kann, ist auch wirklich sowjetisch. Die meisten sowjetischen Teeglashalter sind punziert, so dass der Ursprung eindeutig ist. Bei einigen sowjetischen Teeglashaltern, die üblicherweise punziert sind, existieren auch Stücke ohne Punzierung - auch diese Stücke lassen sich durch Vergleich mit punzierten Exemplaren eindeutig zuordnen.

Bild 10 - In der ehemaligen UdSSR verwendet, aber vmtl. nicht sowjetischen Ursprungs

Schwierig wird es bei Stücken, die nur ohne Punzierung vorkommen. Manche dieser Stücke passen vom Stil her nicht in die UdSSR und sind möglicherweise polnischen oder westeuropäischen Ursprungs. Solche Stücke könnten als Geschenke westlicher Besucher oder aber als Importe in die UdSSR gelangt sein. Kaum zu glauben? Wer Zeit hat, sollte sich mal in Antiquitätenläden und auf Märkten im Baltikum, in St. Petersburg und Moskau, oder in der Ukraine umschauen. Man findet dort immer wieder alte Teeglashalter mit westlichen Herstellerlogos ... und eben die o.g. nicht punzierten Stücke von ungeklärter Herkunft.

16. „Sind einheitliche Erhaltungsangaben bei den auf eBay angebotenen Teeglashaltern gebräuchlich?“
Leider nicht! Da können sich die Sammler und Händler von Teeglashaltern noch etwas von den Münzsammlern abschauen (auch wenn mit den Münz-Erhaltungsangaben in der Praxis viel Schindluder getrieben wird). Es wäre schon wünschenswert, wenn man sich auf bestimmte Erhaltungskategorien einigen könnte und wenn Fehler (Kratzer, Druckstellen, Lochungen, Prägeschwächen, lockerer Griff etc.) gesondert angegeben würden. Das könnte dann theoretisch etwa so aussehen:

  • prägefrisch:  Teeglashalter ohne Gebrauchsspuren, absolut neuwertig, keine Beschädigungen
  • vorzüglich:  Teeglashalter mit ganz leichten Gebrauchsspuren, Abnutzungen an den erhabensten Stellen, keine Beschädigungen
  • sehr schön:  Teeglashalter mit leichteren Gebrauchsspuren und Abnutzungen an Griff und Bild; feine Kratzer, keine Druckstellen
  • schön:  Teeglashalter mit stärkeren Gebrauchsspuren und Abnutzungen an Griff und Bild; Kratzer und kleine Druckstellen
  • gebraucht:  Teeglashalter mit starken Gebrauchsspuren, stark abgenutztem Griff und Bild; stärkere Kratzer und Druckstellen

17. „Gibt es auch mysteriöse Geschichten rund um sowjetische Teeglashalter?“
Aber sicher! Auf einer nächtlichen Zugfahrt durch die Ukraine habe ich im Nachtschnellzug von Kiew nach Uzhgorod mal einen älteren Herrn getroffen, der einst für den KGB gearbeitet haben wollte und der heute Sanitäreinrichtungen vertreibt. Auch über Teeglashalter wusste der Mann bescheid: Viele der in Koltschugina hergestellten Teeglashalter der 1950er/60er Jahre sollen für hochgestellte Persönlichkeiten der UdSSR auch in Silber hergestellt worden sein. Ob das stimmt, kann ich nicht beurteilen, aber spannend ist es schon und vielleicht taucht ja mal so ein Exemplar auf?! Es gehört wohl zu jedem Sammelgebiet dieser Welt, dass Gerüchte um geheimnisvolle Raritäten und Einzelanfertigungen im Umlauf sind.

18. „Mal den kürzlich günstig bei eBay ersteigerten elektrischen Samowar ausprobieren und einen Tee zubereiten?“
Wollte ich auch schon mal, schließlich kann man seinen Tee auf diese Weise absolut stilecht zubereiten und anschließend aus einem russischen Teeglashalter schlürfen. Hört sich doch gut an, oder? In meinem Fall ist es bei der Vorfreude geblieben und ich hätte die nächste Tasse Tee um ein Haar im Krankenhaus zu mir nehmen können. Der Sockel meines elektrischen Samowars aus sowjetischer Produktion (Bj. 1978) stand bei Betrieb unter Strom, was beim Kontakt des Sockels mit dem Edelstahlspülbecken zu einem beeindruckenden Feuerwerk mit anschließendem "Licht-aus-Sicherung-hats-rausgehauen-Effekt" führte. Bei allem Vertrauen in die russische Weltraum- und Raketentechnik, aber bei den einfachen elektrischen Sowjetsamowaren würde ich verdammt aufpassen!

19. „Trinkt man aus Teeglashaltern auch Kaffee?“
Warum nicht, aber nur unter ganz besonderen Umständen! Zu diesen Umständen zählen Bahnreisen durch die Länder der ehemaligen Sowjetunion. Wenn man über Nacht im Zug unterwegs ist, dann wird man morgens vom Schlafwagenschaffner gefragt, ob man Tee oder Kaffee möchte. Da es meist keine gesonderten Kaffeetassen gibt, trinkt man den Kaffee eben aus einem Teeglashalter. Aber so richtig passen Teeglashalter und Kaffee nicht zusammen.

20. Die Gretchenfrage - jetzt kommts "faustdick"!
Nun bleibt zum Schluss noch die Frage, ob der Verfasser dieses Ratgebers seinen Tee auch aus einem sowjetischen Teeglashalter trinkt, und wenn ja, aus welchem?

eGretchen: Versprich mir, andrevsky!

andrevsky:                                        Was ich kann!

eGretchen: Nun sag, wie hast du´s mit dem Teeglashalter?

               Du bist ein herzlich guter Mann,

               Allein ich glaub, du trinkst nicht draus, mein Alter!

andrevsky: ... weil man den Tee aus Tassen trinken kann?

               Lass das, mein Kind! Du merkst, ich bin dir gut;

               Für meine Teeglashalter, da ließ´ ich Leib und Blut!

               Willst Du mir mein Metall und auch mein Hobby rauben?

eGretchen: Das wär´ nicht recht, du darfst dran glauben!

andrevsky: Du darfst?

eGretchen:              Ach! Wenn er sich nur entscheiden könnte,

                Aus welchem Erz den Tee am liebsten er nun tränke.

andrevsky: Habe nun, Ach! Melchior, Aluminium,

                Kunststoff, rostfreien Stahl, durchaus probiert,

                Mit heissem Tee, bis zum Delirium.

eGretchen: Hat es genützt, daß er soviel studiert?

andrevsky: Da sitz ich nun, ich armer Tor,

               Und stell´ mit all die Teeglashalter vor.

               Heiße eBayer, hatte ´nen eBay-Shop sogar,*

               Und so ziehen schon seit einem Jahr

               Herauf, herab, und quer und krumm

               Die Teeglashalter unter meiner Nase rum -

               Und seh´, daß ich kann nicht entscheiden,

               Welchen ich mag am liebsten leiden!

Selbstverständlich trinke ich meinen Tee aus einem sowjetischen Teeglashalter, oder hätten Sie wirklich eine andere Antwort erwartet? ... Aus welchem Teeglashalter? Also da kann ich mich wirklich nicht entscheiden und wechsle ab!

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* Meinen eBay-Shop hab ich aufgegeben, nachdem eBay die privaten Shopbetreiber im August 2008 in eine gewerbliche Anmeldung zwingen wollte.

P.S. Für Ergänzungen, Fragen und Kommentare zum obigen Text wäre ich dankbar  :)

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